Alibaba-Chef Joe Tsai rät Europa, sich mit offenen KI-Modellen und eigenen Rechenzentren von den USA und China zu lösen. Alibaba verdient an genau dieser Kombination: Der Konzern stellt sein Modell Qwen kostenlos bereit und verkauft die Rechenleistung dazu. Wie frei ein offenes Modell bleibt, bestimmt allerdings die Lizenz des Herstellers.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Kein Land will sich vollständig auf die Technologie eines anderen Landes verlassen“, sagte Joe Tsai laut Bloomberg am 7. Oktober auf der Konferenz Wave by Vento in Turin. Nach einem Regierungswechsel könne der andere Staat die Technik einfach abschalten. Als besten Ausweg empfahl der Verwaltungsratschef von Alibaba den Europäern offene Modelle.
Das Wichtigste in Kürze
- Joe Tsai empfiehlt Europa offene KI-Modelle und eigene Rechenzentren, um unabhängig von den USA und China zu werden.
- Von den größten kommerziellen Nutzern des nächsten Qwen-Modells will Alibaba laut Reuters einen Anteil am Umsatz.
- Mistral hat Large 4 mit einer Billion Parametern in Europa trainiert, die Gewichte sollen Ende Oktober erscheinen.
Was rät Tsai den Europäern?

Europa solle Rechenzentren bauen und darauf quelloffene Modelle betreiben, berichtet das Wirtschaftsmedium Yicai aus Turin.[1] Als Rohstoff nannte Tsai die Industriedaten europäischer Fabriken. China stehe für rund 30 Prozent der weltweiten Industrieproduktion und verfüge über entsprechend viele Fertigungsdaten. In fünf Jahren werde niemand mehr gesondert über KI sprechen, weil die Technik dann wie das Internet in jedem Geschäftsbereich stecke.
Als Gegenmodell beschrieb Tsai die geschlossenen US-Anbieter. „Die amerikanischen Labore schreiben keine Fachaufsätze mehr, weil sie nichts teilen wollen“, sagte er laut Bloomberg mit Blick auf OpenAI und Anthropic. Chinas Labore hätten sich dagegen bewusst entschieden, Forschung und Modelle offenzulegen, um weltweit Nutzer zu gewinnen.
Warum lohnt sich offene KI für Alibaba?
Bis zum Sommer verdiente Alibaba an Qwen nur, sofern Kunden die Modelle über die eigene Cloud nutzten. Den Betrieb im eigenen Rechenzentrum ließ der Konzern kostenlos zu. Das Geld kommt also aus der Rechenleistung, und für sie baut Alibaba Cloud Rechenzentren in Deutschland und Frankreich aus. Tsais Rezept aus offenem Modell und europäischer Rechenleistung beschreibt den Markt, auf den der Cloud-Ableger zielt.
Ganz frei bleibt Qwen nicht. Laut Reuters will Alibaba von den größten kommerziellen Nutzern des nächsten Modells einen Anteil am Umsatz verlangen. Verlangt der Hersteller Geld für die Lizenz, entfällt womöglich die Open-Source-Ausnahme der EU-KI-Verordnung. Ältere Gewichte behalten ihre alte Lizenz, die Bedingungen jeder neuen Version legt aber allein Alibaba fest.
Offene Gewichte schützen vor dem Abschalten, nicht vor der nächsten Lizenz.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zwei offene Modelle, zwei Herkunftsländer
Was heißt das für Unternehmen in der DACH-Region?
Tsais Kernargument hält stand: Ein Modell mit offenen Gewichten läuft im eigenen Rechenzentrum weiter, auch falls der Hersteller den Dienst einstellt oder eine Regierung den Export sperrt. Was ein Modell im Training gelernt hat, wandert allerdings mit auf den eigenen Server. Bei DeepSeek fand das US-Prüfinstitut CAISI 2025 viermal so viele irreführende Darstellungen im Sinne der Kommunistischen Partei wie bei US-Vergleichsmodellen.[2]
Mistral hat Large 4 auf 3.800 Nvidia-Chips in eigenen Rechenzentren in Europa trainiert und will die Gewichte bis Ende Oktober freigeben.[3] Seit dem 28. September entwickelt der Pariser Anbieter in München mit BMW und Siemens Energy Industrie-KI auf Basis genau jener Fabrikdaten, die Tsai als Europas Stärke nennt.[4]
Vor dem Einsatz eines offenen Modells lohnt ein Blick in die Lizenz: Ab welchem Umsatz fallen Gebühren an, und greift die Open-Source-Ausnahme noch? IT-Leiter betreiben das Modell am besten hinter einer eigenen Schnittstelle, damit sich Qwen ohne Umbau gegen Mistral oder das Schweizer Apertus austauschen lässt. Rechercheassistenten für politisch heikle Themen prüfen Sie vorab mit eigenen Testfragen.
Quellen
[1] Yicai: Bericht von der Konferenz Wave by Vento über Joe Tsais Auftritt, 8. Oktober 2026 (chinesisch)
[2] NIST, Center for AI Standards and Innovation: „CAISI Evaluation of DeepSeek AI Models Finds Shortcomings and Risks“, 30. September 2025
[3] Mistral AI: „Introducing Mistral Large 4“, 6. Oktober 2026
[4] Mistral AI: „Hallo, Deutschland!“, 28. September 2026
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