Infineon trennt sich vom kleinsten Teil seines Speichergeschäfts: NOR-Flash und F-RAM gehen für rund 970 Millionen Euro an den taiwanischen Hersteller Winbond. Das Geschäft stammt noch aus dem Cypress-Kauf von 2020 und passt nicht mehr zur Ausrichtung auf Leistungshalbleiter und Automotive-Chips. Den Speicher baut der Konzern künftig direkt in die Mikrocontroller ein und braucht die alten Einzelbausteine nicht länger.

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Das Speichergeschäft von Infineon schrumpft um einen ganzen Produktbereich. Am 16. September 2026 vereinbarte der Münchner Chiphersteller den Verkauf seiner NOR-Flash- und F-RAM-Sparte an Winbond Electronics aus Taiwan.[1] Rund 970 Millionen Euro fließen, gut 350 Beschäftigte wechseln den Arbeitgeber, die meisten davon in den USA.

Das Wichtigste in Kürze

  • Infineon verkauft NOR-Flash und F-RAM an Winbond Electronics für rund 970 Millionen Euro.
  • Winbond bündelt das Geschäft in einer neuen US-Gesellschaft und belebt den alten Markennamen Spansion wieder.
  • Gut 350 Beschäftigte wechseln, das Erbe stammt aus dem Cypress-Kauf von 2020.
  • Infineon konzentriert sich auf Leistungshalbleiter und Mikrocontroller mit eingebautem MRAM- und RRAM-Speicher.

Was genau verkauft Infineon?

Zwei MEM-CHIPS, einer auf Ständer, einer in Box, mit Plakette „Verkauft“
Winbond übernimmt Spansion NOR-Flash und F-RAM Geschäft mit eigenständiger US-Gesellschaft in San José, nutzt historischen Markennamen für Auto-, Industrie- und Infrastruktur-Chips

Verkauft wird der komplette Bereich NOR-Flash und F-RAM, samt Schutzrechten und dem Produktnamen Spansion. Käufer Winbond Electronics gründet dafür eine eigene US-Gesellschaft mit Sitz im kalifornischen San José und lässt den historischen Namen Spansion wieder aufleben. Die betroffenen Chips sichern in Autos, Industrieanlagen und Infrastruktur kleine Programm- und Datenmengen von wenigen Megabyte. Der Abschluss ist für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant, vorbehaltlich der üblichen Freigaben.

Der Markt für solche Spezialspeicher gilt als margenschwach und wächst kaum, während die großen Kapazitäten im DRAM und NAND liegen. Dort läuft gerade das Milliardenrennen um Speicherchips für den KI-Ausbau, das an den alten Bausteinen von Infineon vorbeigeht.

Warum trennt sich Infineon vom Speicher?

Der Grund liegt in der Technik: NOR-Flash und F-RAM sind ältere Speicherarten mit kleinen Kapazitäten, deren Nachfrage seit Jahren zurückgeht. Infineon setzt stattdessen auf Mikrocontroller, die den nichtflüchtigen Speicher gleich auf dem Chip mitbringen, auf Basis neuerer Verfahren wie MRAM und RRAM. Der Speicher wird damit Teil des Rechenkerns statt eines separaten Bausteins daneben.

Kapital und Entwicklung fließen so in die margenstärkeren Leistungshalbleiter und Automotive-Mikrocontroller, wo Infineon zu den Weltmarktführern zählt. Zugleich kauft der Konzern gezielt zu, etwa den Spezialisten C2i Semiconductors für die Stromversorgung von KI-Chips. Verkauf und Zukauf dienen demselben Ziel, einem schärferen Profil.

Infineon räumt mit dem Cypress-Erbe auf und macht aus dem Speicher ein Merkmal des Chips statt ein Produkt für sich. Der Verkauf bringt Geld, die eigentliche Ansage steckt im Fokus auf Auto und Leistungshalbleiter.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Verkauf für Europas Chipstrategie?

Für Europas Halbleiterpläne ist der Verkauf ein Signal der Konzentration. Infineon bündelt Kapital dort, wo der Konzern stark ist, bei Leistungshalbleitern und Chips fürs Auto, und überlässt margenschwache Nischenspeicher einem taiwanischen Anbieter. Genau diese Stärken stützt die europäische Industriepolitik über den EU Chips Act, etwa mit der ESMC-Chipfabrik in Dresden.

Parallel drängt Infineon TSMC zu einer zweiten europäischen Fabrik für die fehlenden Spitzenchips. Der Schritt reiht sich in einen Branchentrend ein, bei dem Chiphersteller ihre Spezialsparten abstoßen und sich auf das eigene Kernrevier zurückziehen. SK Hynix und Intel etwa verhandeln gerade über eine gemeinsame Speicherchip-Fertigung in den USA.

Für Einkäufer und Entwickler in der DACH-Industrie ändert sich vorerst wenig, die bestehenden Verträge laufen bis zum geplanten Abschluss 2027 weiter. Betriebe, die NOR-Flash oder F-RAM von Infineon verbauen, sollten die Roadmap trotzdem früh mit Winbond klären und Zweitquellen prüfen, bevor der Markenname Spansion die alten Bestellnummern ablöst.

Infineon schärft sein Portfolio
Der Verkauf des NOR-Flash- und F-RAM-Geschäfts an Winbond in Zahlen
970 Mio. €
Kaufpreis, den Winbond zahlt
350
Beschäftigte wechseln, überwiegend in den USA
2027
geplanter Abschluss, zweite Jahreshälfte
2020
Herkunft: Cypress-Kauf für rund 9 Mrd. €

Winbond übernimmt

  • NOR-Flash-Speicher
  • F-RAM-Speicher
  • Markenname Spansion
  • Neue US-Gesellschaft in San José

Infineon behält

  • Leistungshalbleiter
  • Automotive-Mikrocontroller
  • SRAM, nvSRAM und Hyper RAM
  • Eingebetteter MRAM- und RRAM-Speicher

FAQ: Infineon verkauft sein Speichergeschäft an Winbond

Warum verkauft Infineon sein Speichergeschäft?

Infineon trennt sich von NOR-Flash und F-RAM, weil diese älteren Speicherarten nur kleine Kapazitäten bieten und die Nachfrage seit Jahren sinkt. Der Konzern baut den Speicher stattdessen direkt in seine Mikrocontroller ein und konzentriert Kapital auf Leistungshalbleiter und Chips fürs Auto.

Was sind NOR-Flash und F-RAM?

NOR-Flash und F-RAM sind nichtflüchtige Speicher, die kleine Programm- und Datenmengen von wenigen Megabyte dauerhaft sichern. Verbaut werden sie vor allem in Autos, Industrieanlagen und Infrastruktur, wo Zuverlässigkeit wichtiger ist als hohe Kapazität.

Wer ist Winbond Electronics?

Winbond Electronics ist ein taiwanischer Speicherhersteller. Für das übernommene Geschäft gründet Winbond eine eigene US-Gesellschaft und belebt den historischen Markennamen Spansion wieder, unter dem NOR-Flash und F-RAM künftig laufen.

Wie viel zahlt Winbond für das Geschäft?

Winbond zahlt rund 970 Millionen Euro für das NOR-Flash- und F-RAM-Geschäft. Mit der Übernahme wechseln gut 350 Beschäftigte den Arbeitgeber, die meisten davon in den USA.

Wann wird der Verkauf abgeschlossen?

Infineon und Winbond rechnen mit dem Abschluss in der zweiten Jahreshälfte 2027. Bis dahin müssen die zuständigen Behörden zustimmen und weitere übliche Bedingungen erfüllt sein. Für Kunden laufen die bestehenden Verträge bis zum Abschluss unverändert weiter.

Quelle

[1] Infineon Technologies: „Infineon vereinbart den Verkauf des NOR-Flash- und F-RAM-Geschäfts an Winbond“

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