Googles 160-Milliarden-Rechnung verschreckt die Börse

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Googles 160-Milliarden-Rechnung verschreckt die Börse

Alphabet wirkt kerngesund, gewinnt sogar Apple als Gemini-Kunden. Trotzdem sammelt der Konzern in Eile Milliarden ein, und die Börse reagiert säuerlich. Der Grund ist nicht das Produkt, sondern die Rechnung.

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Alphabet hat Anfang Juni rund 74 Milliarden Euro frisches Kapital eingesammelt, um seine KI-Infrastruktur auszubauen. Eingeplant sind 2026 bis zu 160 Milliarden Euro an Investitionen. Die Aktie quittierte das mit Kursverlusten.

Das Wichtigste in Kürze

  • 74 Milliarden Euro Eigenkapital: Aktien plus Wandelanleihen, dazu eine 8,7-Milliarden-Beteiligung von Berkshire Hathaway.
  • 160 Milliarden für Rechenzentren: Der Capex 2026 übersteigt die drei Vorjahre zusammen, finanziert auch über eine 100-jährige Anleihe.
  • Markt zweifelt: Die Aktie fiel nach der Capex-Ansage um 7,4 Prozent, die Investitionsquote nähert sich 46 Prozent des Umsatzes.

Warum fällt die Aktie trotz starker KI?

Schild mit Text „KI-Rechenzentrum“ auf Papierrolle. Weiteres Papier auf Teller im Hintergrund
Googles Gemini-App hat 750 Millionen Nutzer, aber die Börse sorgt sich wegen Investitionen in Höhe von 46 Prozent des Umsatzes

Am Produkt liegt es nicht. Die Gemini-App zählt rund 750 Millionen Nutzer, und mit dem Siri-Deal holte Google sogar Apple als zahlenden Kunden. Der Hunger nach Rechenleistung ist trotzdem so groß, dass Google Kapazität sogar bei Elon Musks xAI zukauft. Was die Börse nervös macht, ist die Rechnung dahinter.

Eine Investitionsquote von 46 Prozent des Umsatzes ist historisch extrem. Jeder neue Rechenzentrums-Euro wird über Jahre abgeschrieben und über Zinsen finanziert, was künftige Gewinne belastet. Selbst der reichste Konzern der Welt nimmt dafür nun Schulden auf, bis hin zu einer Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit.

Allein steht Alphabet damit nicht. Microsoft, Meta und Amazon treiben denselben Capex-Wettlauf, zusammen ein Kapitalhunger ohne Beispiel. Ältere Anleger erinnert das an den Glasfaser-Boom um 2000, als der Überbau erst gefeiert und dann abgeschrieben wurde. Die offene Frage lautet, ob die KI-Erlöse die Anlagen je einspielen.

Google verdient mit KI prächtig und sammelt trotzdem Schulden ein. Wenn selbst der reichste Konzern das Tempo nur noch auf Pump hält, sollte das jeden Cloud-Kunden hellhörig machen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was das für deutsche Cloud-Kunden heißt

Münzen fließen aus Wolkenhahn in einen Eimer mit der Aufschrift „Cloud-Budget“ auf weißem Grund
Die Abschreibungen der Hyperscaler von heute landen morgen in den Cloud-Preisen.

Für Unternehmen in der DACH-Region ist das mehr als ein Börsenthema. Eine Handvoll US-Konzerne legt mit dreistelligen Milliardensummen fest, wo künftig Rechenleistung steht und was sie kostet. Die Abschreibungen von heute landen morgen in den Cloud-Preisen.

Sichern Sie sich deshalb gegen Preissprünge ab. Verhandeln Sie Cloud-Verträge mit Preisbindung und Ausstiegsoptionen, verteilen Sie Lasten über mehrere Anbieter und behalten Sie Ihre Verbräuche mit echtem Kostencontrolling im Blick. Eine zu enge Bindung an einen einzigen Hyperscaler wird im Capex-Zeitalter zum Risiko.

Für Alphabet ist das Kalkül einfach: Das größte Netz an Rechenzentren gewinnt das KI-Jahrzehnt. Für alle anderen bleibt die Frage, wer die Zeche am Ende zahlt.

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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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