Elektroniker für Geräte und Systeme erreichen im KI-Resilienz-Check die Note 2,8. Im Siemens-Werk Amberg entscheidet ein KI-Modell, welche Platine noch einmal unter das Röntgengerät muss, ein Layoutprogramm von Cadence routet Leiterplatten nach Herstellerangaben in Minuten statt Tagen. Den Prototyp in Betrieb nehmen, den Fehler an der Baugruppe finden und das Prüffeld am Laufen halten muss trotzdem jemand mit Lötkolben und Oszilloskop.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Elektroniker für Geräte und Systeme baut, prüft und repariert die Elektronik, die in Medizingeräten, Autos, Messinstrumenten und Steuerungen steckt. Mit 1.701 neuen Ausbildungsverträgen im Jahr 2025 ist er der drittgrößte der fünf industriellen Elektroberufe, die Zahl lag aber deutlich unter den 1.965 Verträgen des Vorjahres. Gleichzeitig zieht Künstliche Intelligenz zuerst in jene Fertigungshallen ein, in denen dieser Beruf zu Hause ist. Dr. Web bewertet ihn wie die 30 Berufe aus dem Basisartikel zur KI-Resilienz von Ausbildungsberufen: nach dem Sechs-Kriterien-Raster auf der Schulnotenskala von 1 bis 6.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Beruf erreicht die Gesamtnote 2,8, gestützt auf Prüfverantwortung und Elektrosicherheit, belastet von Serienfertigung und hochdigitalen Fabriken.
- Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre in Industrie und Berufsschule, die Abschlussprüfung vor der IHK besteht aus zwei Teilen.
- Die Ausbildungsvergütung liegt laut BIBB-Tarifschnitt 2025 im ersten Jahr bei 1.236 Euro und steigt bis zum vierten Jahr auf 1.451 Euro.
- Ein KI-Modell im Siemens-Elektronikwerk Amberg sagt voraus, ob Lötstellen fehlerfrei sind, und ersparte dem Werk so ein weiteres Röntgengerät für rund 500.000 Euro.
- Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge sank 2025 auf 1.701, der Frauenanteil stieg auf 11,6 Prozent.
Erst raten, dann lesen: Wie KI-fest tippen Sie den Elektroniker für Geräte und Systeme?
Bevor das Raster im dritten Kapitel die Note zerlegt, testen Sie Ihr Gespür für Platinen, Prüffelder und Fabrikalltag. Vorwissen brauchen Sie für die fünf Fragen nicht, eine Schätzung genügt.
1 Wie viele junge Leute begannen 2025 bundesweit eine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
2 Ein KI-Werkzeug routet Leiterplatten in Minuten. Braucht die Elektronikfertigung damit keine Elektroniker mehr? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
3 Welche Aufgabe lässt sich partout nicht an eine KI abgeben? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
4 Wie hoch ist die tarifliche Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr im BIBB-Schnitt? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
5 Welche KI-Resilienz-Note vergibt Dr. Web an den Elektroniker für Geräte und Systeme? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Was macht ein Elektroniker für Geräte und Systeme und wie läuft die Ausbildung ab?
Spanne 2025
Spanne 2025
Spanne 2025
Spanne 2025
Ein Elektroniker für Geräte und Systeme fertigt elektronische Komponenten und Geräte, nimmt sie in Betrieb, richtet Fertigungs- und Prüfanlagen ein und repariert Geräte im Service. Die Fachkraft wirkt an Schaltungsentwürfen mit, erstellt Layouts und Fertigungsunterlagen, bestückt Leiterplatten und baut Baugruppen in Gehäuse ein. Typische Arbeitgeber sind Hersteller von Medizintechnik, Kommunikationstechnik und Messgeräten, Zulieferer der Autoindustrie und Auftragsfertiger der Elektronikbranche.
Rechtsgrundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung in den industriellen Elektroberufen von 2007, die 2018 umfassend überarbeitet wurde. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre im dualen System, zuständig ist die Industrie- und Handelskammer. Mit Abitur oder sehr guten Leistungen lässt sich die Lehrzeit auf Antrag verkürzen.
Der Ausbildungsbetrieb legt eines von sechs Einsatzgebieten fest: informations- und kommunikationstechnische Geräte, medizinische Geräte, Automotive-Systeme, Systemkomponenten mit Sensoren, Aktoren und Mikrosystemen, Auftragsfertigung als Electronic Manufacturing Services oder Mess- und Prüftechnik. Andere Gebiete sind zulässig, sofern der Betrieb dort alle Inhalte des Berufsbilds vermitteln kann.
Die Abschlussprüfung läuft gestreckt. Teil 1 findet vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt, dauert höchstens acht Stunden und zählt 40 Prozent. In Teil 2 entfällt die Hälfte der Note auf den Arbeitsauftrag: entweder ein betrieblicher Auftrag von 20 Stunden mit Fachgespräch oder eine praktische Aufgabe von 14 Stunden. Als Nachweis nennt die Verordnung etwa das Ändern einer Fertigungsanlage oder eines Prüfsystems. Systementwurf sowie Funktions- und Systemanalyse dauern je 120 Minuten und zählen je 20 Prozent, Wirtschafts- und Sozialkunde 10 Prozent.
Die Ausbildungsvergütung richtet sich in tarifgebundenen Betrieben meist nach den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie. Das BIBB weist für den Beruf einen bundesweiten Tarifschnitt aus. Betriebe ohne Tarifbindung dürfen diesen Wert nach § 17 Berufsbildungsgesetz um höchstens 20 Prozent unterschreiten, die gesetzliche Mindestvergütung liegt in allen Lehrjahren darunter.
| Ausbildungsjahr | Untergrenze ohne Tarifbindung (80 Prozent) | Tarifschnitt Elektroniker für Geräte und Systeme (BIBB, 2025) |
|---|---|---|
| 1. Jahr | 989 € | 1.236 € |
| 2. Jahr | 1.038 € | 1.298 € |
| 3. Jahr | 1.105 € | 1.381 € |
| 4. Jahr | 1.161 € | 1.451 € |
Das vierte Jahr durchlaufen Azubis nur zur Hälfte, weil die Ausbildung nach 42 Monaten endet. Einen bestimmten Schulabschluss schreibt die Verordnung nicht vor. Viele Betriebe erwarten die mittlere Reife oder das Abitur, dazu gute Noten in Mathematik und Physik sowie eine ruhige Hand für feine Lötarbeiten.
Welche Note bekommt der Elektroniker für Geräte und Systeme im KI-Resilienz-Check?
Die Gesamtnote 2,8 liegt eine Zehntelstufe hinter dem Elektroniker für Automatisierungstechnik. Das Sechs-Kriterien-Raster im nächsten Kapitel zerlegt die Note in ihre Bestandteile.
Der Elektroniker für Geräte und Systeme erhält im KI-Resilienz-Check die Note 2,8 und bildet damit das Schlusslicht unter den bisher geprüften Elektroberufen. Der Elektroniker für Automatisierungstechnik schneidet mit 2,7 ein Zehntel besser ab, der Elektroniker für Betriebstechnik mit 2,4 deutlich besser.
Den Unterschied macht der Arbeitsort. Der Betriebstechniker repariert Anlagen dort, wo sie stehen, oft im Notfall und unter Zeitdruck. Der Geräteelektroniker arbeitet überwiegend in Fabriken, in denen Bestückautomaten, Lötöfen und Kamerasysteme den Takt vorgeben. In solchen Hallen erfasst Software jeden Fertigungsschritt, und genau aus diesen Daten lernen KI-Modelle.
Wir halten die Note trotzdem für robust und nicht für ein Warnsignal. Für eine schlechtere Bewertung müsste die Fachkraft ihre Prüfverantwortung abgeben. Die Verordnung verlangt aber, Funktion und Sicherheit jedes Produkts zu prüfen, die elektromagnetische Verträglichkeit zu beurteilen und Produkte frei- und übergeben zu können. Diese Unterschrift setzt bislang kein Algorithmus.
Für eine bessere Note fehlt dem Beruf die Arbeit vor Ort beim Kunden, die den Betriebstechniker schützt, und eine persönliche staatliche Zulassung, wie sie der Lokführer mit seinem Triebfahrzeugführerschein besitzt. Die Platine lötet keine Sprach-KI, den Serienlötofen steuert aber längst ein Rechner.
Wie setzt sich die Note aus dem Sechs-Kriterien-Raster zusammen?
Die Note 2,8 ergibt sich aus drei Zweien für physische Präsenz, Haftung und Regulierung sowie drei Vieren für Empathie, Routine und Digitalisierung. Die doppelt gewichteten Zweien halten den Beruf im guten Bereich, die einfach gewichteten Vieren bei Routine und Digitalisierung schieben ihn ans Ende der Elektroberufe.
Physische Präsenz (Note 2)
Leiterplatten von Hand bestücken, Bauteile nacharbeiten, Leitungen konfektionieren, Prüfadapter umbauen und Geräte im Service zerlegen: Diese Arbeiten verlangen Hände an der Werkbank. Ein Teil des Berufs findet aber am Rechner statt. Layouts, Prüfprogramme und Gerätesoftware entstehen am Bildschirm, Serienlinien laufen über weite Strecken ohne Eingriff. Weil die Fachkraft trotzdem in der Fertigung vor Ort gebraucht wird, Kunden aber selten besucht, vergibt Dr. Web die Note 2.
Empathie und Vertrauen (Note 4)
Der Ausbildungsrahmenplan nennt Kundenberatungen, Produkteinweisungen und das Eingrenzen von Fehlern durch Kundenbefragung, auch auf Englisch. Im Alltag führt die Fachkraft solche Gespräche aber meist mit Kollegen aus Entwicklung, Einkauf und Qualitätssicherung. Medizintechnik und Service bilden Ausnahmen, in denen Anwender der Fachkraft ein Gerät anvertrauen, von dem viel abhängt. Fürsorge oder persönliches Vertrauen prägen den Beruf nicht, deshalb die Note 4.
Urteilskraft und Haftung (Note 2)
Die Fachkraft prüft komplexe Geräte, misst Signale, beurteilt die elektromagnetische Verträglichkeit, bewertet elektrische Schutzmaßnahmen und erstellt Abnahmeprotokolle. In der Medizintechnik oder der Fahrzeugelektronik entscheidet dieses Urteil über die Sicherheit von Patienten und Fahrern. Die Verantwortung teilt sich der Beruf allerdings mit Entwicklung und Qualitätsmanagement des Herstellers. Für diese geteilte Haftung vergibt Dr. Web die Note 2.
Regulatorische Hürde (Note 2)
Die Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3 erlaubt das Errichten, Ändern und Instandhalten elektrischer Anlagen und Betriebsmittel nur einer Elektrofachkraft oder Personen unter deren Leitung und Aufsicht. Hersteller medizinischer Geräte unterliegen zusätzlich der EU-Medizinprodukteverordnung, Automobilzulieferer den Qualitätsnormen ihrer Kunden. Eine Meisterpflicht wie im Handwerk oder eine persönliche staatliche Zulassung gibt es nicht. Daraus folgt dieselbe Note 2 wie bei den anderen industriellen Elektroberufen.
Routineanteil (Note 4)
In der Serienfertigung wiederholen sich viele Handgriffe: Linien rüsten, Prüfprogramme starten, Messwerte protokollieren, Ausschuss sortieren. Besonders in der Auftragsfertigung laufen Tausende identischer Baugruppen durch dieselben Stationen. Prototypen, Musterbau und Reparaturen brechen diese Gleichförmigkeit auf, machen aber nur einen Teil der Arbeitszeit aus. Der hohe Anteil an Serienarbeit ergibt die Note 4, eine Stufe schlechter als beim Automatisierungstechniker.
Digitalisierungsgrad (Note 4)
Elektronikfabriken erfassen jede Baugruppe mit Seriennummer, jede Lötstelle mit Kamerabild und jeden Prüfschritt mit Messwert. Allein im Siemens-Elektronikwerk Amberg fallen nach Unternehmensangaben täglich rund 50 Millionen Prozess- und Produktdaten an. Software plant Layouts, steuert Bestückautomaten und wertet Prüfergebnisse aus. Diese dichte Datenspur gibt der KI viel Material, die Arbeit an der einzelnen Baugruppe bleibt aber analog, daher die Note 4.
Die gewichtete Gesamtrechnung
Physische Präsenz, Empathie, Urteilskraft und regulatorische Hürde zählen doppelt, Routineanteil und Digitalisierungsgrad einfach. Mit den sechs Einzelnoten ergibt die Rechnung (2×2) + (4×2) + (2×2) + (2×2) + (4×1) + (4×1) = 28 Punkte. Geteilt durch die Gewichtssumme 10 folgt ohne Rundung die Note 2,8.
Welche Teilaufgaben verschwinden zuerst?

Zuerst gehen Sichtprüfung, Layout-Routinen und Dokumentation an die Software, weil sie aus Bildern, Regeln und Daten bestehen. Im Elektronikwerk Amberg, das nach Siemens-Angaben jährlich 17 Millionen Simatic-Produkte fertigt, sagt ein KI-Modell aus Prozessdaten voraus, ob die Lötstellen einer Leiterplatte fehlerfrei sind. Nur verdächtige Platinen gehen noch zur zusätzlichen Röntgenprüfung, ein weiteres Röntgengerät für rund 500.000 Euro brauchte das Werk deshalb nicht.
Auch beim Entwurf rückt die Software vor. Cadence stellte 2023 das Werkzeug Allegro X AI vor, das Bauteile auf der Leiterplatte platziert und kritische Leitungen routet. Der Hersteller verspricht eine mehr als zehnfach kürzere Bearbeitungszeit für kleine und mittlere Designs. Wie weit KI-Agenten den Chip- und Platinenentwurf insgesamt umkrempeln, beschreibt unser Beitrag zu KI im Chipdesign. Folgende Teilaufgaben geraten zuerst unter Druck:
- Sichtprüfung: Kamerasysteme mit lernenden Bildmodellen erkennen fehlende Bauteile, Brücken und kalte Lötstellen schneller als ein Mensch am Mikroskop.
- Prüfentscheidung: Modelle sortieren anhand von Prozessdaten aus, welche Baugruppe eine zusätzliche Röntgen- oder Funktionsprüfung braucht.
- Layout: Generative Werkzeuge platzieren Bauteile und routen Leitungen, die Fachkraft prüft und korrigiert den Vorschlag.
- Prüfprogramme: Sprachmodelle entwerfen Testskripte und Messabläufe, die anschließend jemand an echter Hardware verifizieren muss.
- Dokumentation: Prüfprotokolle, Fertigungsunterlagen und Bedienungsanleitungen lassen sich aus vorhandenen Daten zusammenstellen und übersetzen.
Einen festen Zeitplan nennt niemand seriös. KI-gestützte Inspektion läuft in großen Werken bereits im Alltag, KI-Layoutwerkzeuge sind auf dem Markt, aber vor allem für kleinere Designs ausgelegt. Am schnellsten trifft der Wandel die Auftragsfertigung mit hohen Stückzahlen, in der jede eingesparte Prüfminute über den Preis entscheidet.
Weniger bedroht ist der Musterbau. Wenn eine Entwicklungsabteilung zehn Prototypen eines neuen Messgeräts braucht, lohnt sich kein trainiertes Modell. Dort zählt die Fachkraft, die ein fehlerhaftes Bauteil mit der Heißluftstation auslötet, eine Leiterbahn mit einem dünnen Draht überbrückt und das Gerät am selben Nachmittag wieder einschaltet. Solche Nacharbeit gehört zum Handwerkszeug des Berufs.
Welche Teilaufgaben bleiben unersetzbar menschlich?
- −Lötstellen per Kamera und Bildmodell prüfen
- −Vorhersagen, welche Platine zum Röntgen muss
- −Bauteile platzieren und Leitungen routen
- −Prüfskripte und Protokolle entwerfen
- +Prototypen in Betrieb nehmen
- +Fehler an der Baugruppe mit dem Oszilloskop finden
- +Prüfanlagen einrichten, kalibrieren und warten
- +Sicherheitskritische Geräte freigeben
Menschlich bleiben die Inbetriebnahme neuer Geräte, die Fehlersuche an der Baugruppe, die Pflege der Prüfanlagen und die Freigabe sicherheitskritischer Produkte. Alle vier Aufgaben verlangen jemanden, der Messgeräte anlegt, Ergebnisse deutet und dafür einsteht.
Die erste Bastion ist die Fehlersuche. Ein KI-Modell meldet, dass eine Baugruppe auffällig ist. Warum das Netzteil bei Wärme schwingt oder ein Sensor nur in jedem hundertsten Durchlauf falsche Werte liefert, findet erst jemand mit Oszilloskop, Schaltplan und Geduld heraus. Die Abschlussprüfung verlangt genau das im Prüfungsbereich Funktions- und Systemanalyse: Signale an Schnittstellen zuordnen, Fehlerursachen bestimmen und Schutzmaßnahmen bewerten.
Die zweite Bastion sind die Prüfanlagen selbst. Kamerasysteme, Röntgengeräte und Prüfadapter müssen eingerichtet, kalibriert und gewartet werden. Jede neue Baugruppe braucht angepasste Prüfprogramme, jeder Fehlalarm eine menschliche Entscheidung, ob die Anlage oder das Produkt schuld ist. Wer diese Systeme beherrscht, profitiert von der KI in der Fabrik, statt mit ihr zu konkurrieren.
Hinzu kommt die Freigabe. Ein Infusionsgerät, ein Steuergerät für Bremsen oder ein Messinstrument für ein Labor verlässt das Werk erst, wenn Prüfprotokolle vollständig sind und eine verantwortliche Person zustimmt. Nach Reparaturen verlangen die Regeln der Elektrotechnik eine erneute Sicherheitsprüfung. Software liefert dafür Messwerte. Die Entscheidung, ob ein Gerät sicher ist, trifft die Elektrofachkraft.
Am Ende steht der Service. Geräte, die beim Kunden ausfallen, kommen mit knappen Fehlerbeschreibungen zurück, oft ohne erkennbaren Defekt. Die Fachkraft grenzt den Fehler durch Nachfragen ein, tauscht Komponenten, spielt Software neu auf und meldet Störungsursachen an Entwicklung und Fertigung zurück. Diese Rückkopplung macht das nächste Produkt besser.
Wie verändert sich der Arbeitsalltag in der Elektronikfertigung?
Der Arbeitsalltag verschiebt sich vom Bestücken und Kontrollieren hin zum Einrichten, Überwachen und Verbessern automatisierter Linien. Die Fachkraft prüft künftig seltener jede Platine selbst und häufiger, ob das Prüfsystem richtig urteilt.
Damit wächst die Bedeutung von Daten im Beruf. Die Neufassung der Verordnung von 2018 hat Digitalisierung, Datenschutz und Informationssicherheit zur Pflichtposition gemacht und Zusatzqualifikationen etwa für digitale Vernetzung und Programmierung geschaffen. Wer Prozessdaten lesen, Prüfprogramme anpassen und Fehlalarme eines KI-Modells einordnen kann, wird in vernetzten Werken zur gefragten Fachkraft.
Die Branche steht wirtschaftlich stabil da. Der Branchenverband ZVEI meldete für die deutsche Elektro- und Digitalindustrie 2025 einen Umsatz von 224,5 Milliarden Euro, die reale Produktion ging gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,4 Prozent zurück. Deutlich stärker schwankt der Ausbildungsmarkt: Nach den Höchstwerten der Jahre 2023 und 2024 mit 1.956 und 1.965 neuen Verträgen sank die Zahl 2025 auf 1.701.
Je besser die KI in Amberg Lötstellen beurteilt, desto wichtiger wird der Mensch, der dem Modell widerspricht. Ein Prüfsystem, das niemand mehr versteht, verschiebt den Fehler nur vom Produkt in die Anlage. Betrieben, die jetzt weniger ausbilden, fehlen in fünf Jahren genau diese Leute.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Trotz des Rückgangs bleibt der Beruf breit verankert. Laut BIBB belegte er 2025 Platz 57 aller Ausbildungsberufe. Der Frauenanteil stieg auf 11,6 Prozent und liegt damit höher als beim Elektroniker für Automatisierungstechnik mit 8,1 Prozent oder beim Elektroniker für Betriebstechnik mit 5,5 Prozent. Wer sich für Leiterplatten, Prüftechnik und Hardware interessiert, findet also einen etablierten Beruf, in dem jedes Jahr rund 1.700 junge Leute starten.
Beim Verdienst nennt der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit für Vollzeit-Fachkräfte der Elektrotechnik ohne Spezialisierung, zu denen der Beruf zählt, einen Median von 4.230 Euro brutto im Monat. Im produzierenden Gewerbe liegt der Wert bei 4.371 Euro, Beschäftigte unter 25 Jahren kommen auf 3.754 Euro. Mit einer Weiterbildung zum Industriemeister Elektrotechnik, zum staatlich geprüften Techniker oder einem Studium der Elektrotechnik steigen Gehalt und Verantwortung.
Was bedeutet das für angehende Azubis und Betriebe?

Angehende Azubis finden einen soliden Industrieberuf, sollten aber gezielt die Aufgaben lernen, die das Raster stützen: Prüfen, Fehlersuche und Prüftechnik. Ob statt der Lehre ein Studium der Elektrotechnik besser passt, klärt unser Beitrag zu Ausbildung oder Studium. Die verwandten Elektroberufe samt Verdienst finden Sie im Ausbildungsberufe-Finder.
Achten Sie bei der Bewerbung auf das Einsatzgebiet. Medizintechnik, Mess- und Prüftechnik sowie der Musterbau in Entwicklungsabteilungen bieten mehr Urteilsarbeit und weniger Serie als die reine Auftragsfertigung. Fragen Sie im Gespräch ruhig nach, ob Azubis Prototypen in Betrieb nehmen, Prüfprogramme schreiben und Geräte aus dem Service reparieren dürfen.
Zusatzqualifikationen lohnen sich, sofern sie den Umgang mit Daten und Prüfsystemen stärken. Die Verordnung bietet etwa digitale Vernetzung und Programmierung an. Wer zusätzlich die Bildverarbeitung moderner Inspektionsanlagen versteht, beurteilt Fehlalarme einer KI fundierter als Kollegen, die nur das Ergebnis ablesen.
Ausbildungsbetriebe setzen KI-Inspektion am besten offen im Lernprojekt ein. Azubis, die Fehlentscheidungen eines Prüfmodells nachmessen, lernen dabei Messtechnik und Modellgrenzen zugleich. Ebenso wichtig bleiben Übungen an Schutzmaßnahmen, Nacharbeit und Reparatur, denn genau diese Arbeit hält den Beruf im guten Notenbereich.
Der Elektroniker für Geräte und Systeme gibt Sichtprüfung, Layout-Routinen, Prüfskripte und Dokumentation schrittweise an Software ab. Inbetriebnahme, Fehlersuche, Pflege der Prüfanlagen und Freigabe bleiben bei der Fachkraft. Diese Verantwortung für sichere Geräte sichert dem Beruf im KI-Resilienz-Check die Note 2,8.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Elektroniker für Geräte und Systeme
Automatische optische Inspektion (AOI)
Die automatische optische Inspektion prüft bestückte Leiterplatten mit Kameras auf fehlende oder verdrehte Bauteile, Lötbrücken und mangelhafte Lötstellen. Moderne Anlagen nutzen lernende Bildmodelle, um echte Fehler von harmlosen Abweichungen zu unterscheiden und Fehlalarme zu verringern.
Baugruppe
Eine Baugruppe ist eine bestückte Leiterplatte oder eine Einheit aus mehreren Bauteilen, die eine abgeschlossene Funktion erfüllt, etwa ein Netzteil oder eine Sensorplatine. Mehrere Baugruppen ergeben zusammen mit Gehäuse und Software ein fertiges Gerät.
DGUV Vorschrift 3
Die DGUV Vorschrift 3 ist die Unfallverhütungsvorschrift der gesetzlichen Unfallversicherung für elektrische Anlagen und Betriebsmittel. Die Vorschrift erlaubt das Errichten, Ändern und Instandhalten solcher Anlagen nur Elektrofachkräften oder Personen unter deren Leitung und Aufsicht.
Einsatzgebiet
Das Einsatzgebiet legt fest, in welchem Anwendungsfeld der Ausbildungsbetrieb die Inhalte des Berufs vertieft. Die Verordnung nennt sechs Gebiete, darunter medizinische Geräte, Automotive-Systeme sowie Mess- und Prüftechnik. Andere Gebiete sind zulässig, wenn alle Inhalte vermittelt werden können.
Electronic Manufacturing Services (EMS)
Unter Electronic Manufacturing Services versteht man die Auftragsfertigung von Elektronik. EMS-Dienstleister bestücken Leiterplatten, montieren Geräte und prüfen sie im Auftrag anderer Unternehmen, die selbst keine eigene Fertigung betreiben oder Spitzen abdecken wollen.
Elektrofachkraft
Als Elektrofachkraft gilt, wer aufgrund fachlicher Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Normen die übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann. Die abgeschlossene Ausbildung zum Elektroniker ist die typische Grundlage dafür.
Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)
Die elektromagnetische Verträglichkeit beschreibt die Fähigkeit eines Geräts, in seiner Umgebung zu funktionieren, ohne andere Geräte durch Störstrahlung zu beeinträchtigen oder selbst gestört zu werden. Elektronische Produkte müssen die EMV-Anforderungen erfüllen, bevor sie in der EU verkauft werden dürfen.
Leiterplatte
Die Leiterplatte, auch Platine genannt, trägt elektronische Bauteile und verbindet sie über Leiterbahnen aus Kupfer. Moderne Leiterplatten bestehen aus mehreren Lagen, die über Durchkontaktierungen miteinander verbunden sind. Ihr Entwurf heißt Layout.
Reflow-Löten
Beim Reflow-Löten trägt eine Maschine Lotpaste auf die Leiterplatte auf, ein Bestückautomat setzt die Bauteile darauf, anschließend schmilzt ein Ofen die Paste nach einem festgelegten Temperaturprofil. Das Verfahren ist der Standard für die Serienfertigung oberflächenmontierter Bauteile.
Röntgeninspektion
Die Röntgeninspektion macht Lötstellen sichtbar, die unter einem Bauteil verborgen liegen, etwa bei Gehäusen mit Lötkugeln an der Unterseite. Sie deckt Hohlräume, Brücken und fehlende Verbindungen auf, die eine Kamera von oben nicht erkennen kann.
Rework
Als Rework bezeichnet die Elektronikfertigung die Nacharbeit an bereits bestückten Baugruppen. Fachkräfte löten fehlerhafte Bauteile mit Heißluft oder Lötkolben aus, setzen neue ein und prüfen die Baugruppe erneut. Besonders feine Bauteile verlangen dabei viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl.
SMD
SMD steht für Surface Mounted Device, also ein oberflächenmontiertes Bauteil. Anders als bedrahtete Bauteile sitzen SMD-Bauteile direkt auf den Kontaktflächen der Leiterplatte. Sie sind oft nur Bruchteile eines Millimeters groß und werden in der Serie von Automaten bestückt.
FAQ: Elektroniker für Geräte und Systeme: Die Platine lötet keine Sprach-KI
Wie lange dauert die Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme?
Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre im dualen System aus Betrieb und Berufsschule. Der Beruf gehört zu den industriellen Elektroberufen, die Abschlussprüfung nimmt die IHK in zwei Teilen ab. Teil 1 zählt 40 Prozent, Teil 2 mit Arbeitsauftrag, Systementwurf, Funktions- und Systemanalyse sowie Wirtschafts- und Sozialkunde 60 Prozent.
Was unterscheidet den Elektroniker für Geräte und Systeme vom Elektroniker für Automatisierungstechnik?
Der Elektroniker für Automatisierungstechnik plant, programmiert und wartet Steuerungen für Maschinen und Produktionsanlagen. Der Elektroniker für Geräte und Systeme fertigt die Elektronik selbst: Er bestückt und prüft Leiterplatten, baut Geräte auf, nimmt sie in Betrieb und betreut Fertigungs- und Prüfeinrichtungen.
Was verdient ein Elektroniker für Geräte und Systeme?
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit nennt für Vollzeit-Fachkräfte der Elektrotechnik ohne Spezialisierung einen Median von 4.230 Euro brutto im Monat, im produzierenden Gewerbe 4.371 Euro. In der Ausbildung liegt der BIBB-Tarifschnitt 2025 zwischen 1.236 Euro im ersten und 1.451 Euro im vierten Jahr.
In welchen Branchen arbeiten Elektroniker für Geräte und Systeme?
Typische Arbeitgeber sind Hersteller von Medizintechnik, Kommunikationstechnik sowie Mess- und Prüfgeräten, Zulieferer der Autoindustrie und Auftragsfertiger der Elektronikbranche. Der Ausbildungsbetrieb legt eines von sechs Einsatzgebieten fest, in dem die Ausbildung vertieft wird.
Welche Weiterbildungen stehen nach der Ausbildung offen?
Naheliegend sind der Industriemeister Elektrotechnik und der staatlich geprüfte Techniker der Fachrichtung Elektrotechnik. Mit Hochschulreife führt ein Studium der Elektrotechnik, Mechatronik oder Medizintechnik weiter, oft auch berufsbegleitend oder dual.
Kann KI den Elektroniker für Geräte und Systeme ersetzen?
KI ersetzt den Beruf auf absehbare Zeit nicht. Bildmodelle prüfen Lötstellen, Software routet Leiterplatten und entwirft Prüfskripte. Inbetriebnahme, Fehlersuche an der Baugruppe, Pflege der Prüfanlagen und die Freigabe sicherheitskritischer Geräte bleiben bei der Fachkraft. Diese Arbeit sichert dem Beruf im KI-Resilienz-Check die Note 2,8.
Quellen
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Tarifliche Ausbildungsvergütungen in dualen Ausbildungsberufen 2025, Bundesgebiet | https://www.bibb.de/dokumente/pdf/2025_Dav-Gesamtübersicht_Ausbildungsvergütungen_Bundesgebiet.pdf | besucht am 03.10.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Datenbank Ausbildungsvergütungen | https://www.bibb.de/de/12209.php | besucht am 03.10.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Rangliste der Ausbildungsberufe nach Anzahl der Neuabschlüsse, Tabelle 67 (2021 bis 2025) | https://www.bibb.de/dokumente/xls/naa309/naa309_2025_tab067_0bund.xlsx | besucht am 03.10.2026
Bundesamt für Justiz | Verordnung über die Berufsausbildung in den industriellen Elektroberufen (IndElAusbV) | https://www.gesetze-im-internet.de/indelausbv_2007/BJNR167800007.html | besucht am 03.10.2026
Bundesamt für Justiz | Berufsbildungsgesetz, § 17 Vergütungsanspruch und Mindestvergütung | https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__17.html | besucht am 03.10.2026
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung | DGUV Vorschrift 3: Elektrische Anlagen und Betriebsmittel | https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/1052 | besucht am 03.10.2026
Bundesagentur für Arbeit | Entgeltatlas, Berufsgattung 26302 Elektrotechnik (ohne Spezialisierung), Fachkraft | https://web.arbeitsagentur.de/entgeltatlas/ | besucht am 03.10.2026
Siemens | Electronics Works Amberg: digital enterprise and future technologies | https://www.siemens.com/en-us/company/insights/electronics-digital-enterprise-future-technologies/ | besucht am 03.10.2026
Cadence Design Systems | Allegro X AI | https://www.cadence.com/en_US/home/tools/pcb-design-and-analysis/allegro-x-ai.html | besucht am 03.10.2026
atp info / ZVEI | Elektro- und Digitalindustrie schließt 2025 mit Bestellzuwachs ab | https://atpinfo.de/wirtschaft-und-unternehmen/zvei-elektro-und-digitalindustrie-schliesst-2025-mit-bestellzuwachs-ab/ | besucht am 03.10.2026
