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Munich Re verdiente im ersten Halbjahr 2026 netto 3,9 Milliarden Euro, mehr als in jedem Halbjahr zuvor. Für Großschäden musste der Rückversicherer nur knapp ein Viertel der Summe zahlen, die er selbst eingeplant hatte. Ausgerechnet jetzt zahlen die Kunden in jeder Erneuerungsrunde weniger für ihren Schutz.

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Das Geschäftsmodell von Munich Re steht unter Beobachtung: Am 9. Oktober 2026 senkte die Investmentbank Jefferies ihr Kursziel von 600 auf 550 Euro, weil die Preise für Rückversicherungsschutz schneller fallen, als die Branche einräumt. Am selben Tag warnte der Konzern vor Rekordurteilen amerikanischer Geschworenengerichte, und eine Woche zuvor trat ein Vertrag in Kraft, mit dem Munich Re dem kanadischen Versicherer Manulife Pflegerisiken über 2,9 Milliarden Euro abnimmt. Vor der Januarrunde lohnt deshalb die Frage, woraus der größte Rückversicherer der Welt seine Marge zieht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Munich Re setzte 2025 60,4 Milliarden Euro um und verdiente 6,1 Milliarden Euro. Die Rückversicherung brachte 64 Prozent des Umsatzes, aber 85 Prozent des Gewinns.
  • In der Schaden- und Unfallrückversicherung blieben 2025 von 100 Euro Prämie nach Schäden und Kosten 26,50 Euro übrig, bei der Sachversicherung der Erstversicherungstochter ERGO in Deutschland 11,10 Euro.
  • Ein ruhiges Katastrophenjahr hob den Gewinn: 2025 kosteten Großschäden 9,4 Prozent der Prämie, eingeplant waren 17 Prozent.
  • Die Preise sinken seit Anfang 2026 in jeder Erneuerungsrunde, im Juli um 5,5 Prozent. Analysten erwarten für Januar 2027 einen stärkeren Rückgang.
  • Die Aktionäre erhalten für 2025 eine Dividende von 24 Euro je Aktie und ein Rückkaufprogramm über 2,25 Milliarden Euro, zusammen knapp 87 Prozent des Jahresgewinns.

Fünf Fragen an den Versicherer der Versicherer

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Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Munich Re?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie viel blieb Munich Re 2025 in der Schaden- und Unfallrückversicherung von 100 Euro Prämie nach Schäden und Kosten? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Die Schaden-Kosten-Quote lag bei 73,5 Prozent. Von 100 Euro Prämie gingen 62,90 Euro in Schäden und 10,60 Euro in Kosten.
2 Welchen Versicherer gründeten Carl Thieme und Wilhelm Finck 1889 in Berlin? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Neun Jahre nach Munich Re gründeten die beiden einen Unfall- und Transportversicherer, die heutige Allianz.
3 Welcher Anteil des Konzerngewinns 2025 stammte aus der Rückversicherung? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Die Rückversicherung brachte 64 Prozent des Umsatzes, aber 85 Prozent des Gewinns. ERGO steuerte 15 Prozent bei.
4 Um wie viel sanken die risikoadjustierten Preise bei der Erneuerung zum 1. Juli 2026? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Im Januar sanken die Preise um 2,5 Prozent, im April um 3,1 Prozent. Das Volumen schrumpfte im Juli um 9,1 Prozent.
5 Welchen Schaden setzt Munich Re für einen atlantischen Hurrikan an, wie er statistisch alle 200 Jahre vorkommt? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Der Betrag übersteigt den gesamten Jahresgewinn 2025. Für einen schweren Wintersturm in Europa stehen 6,0 Milliarden Euro im Risikomodell.

Wer steckt hinter Munich Re und wie fing alles an?

Gegründet wurde Munich Re 1880 als Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. Treibende Kraft war Carl Thieme, Generalagent eines Erfurter Versicherers. Das Startkapital stellten Geldgeber wie der Industrielle Theodor von Cramer-Klett und der Bankier Wilhelm Finck.

Am 3. April 1880 nahm die Gesellschaft mit vier Mitarbeitern in zwei Räumen an der Münchner Maffeistraße 1 den Betrieb auf. Thieme war als Einziger vom Fach, die übrigen Gründer brachten Kapital und Kontakte mit. Der Zeitpunkt wirkte ungünstig: Allein 1871 und 1872 waren in Deutschland, der Schweiz und Österreich-Ungarn 13 neue Rückversicherer entstanden, die meisten überlebten nur kurz.

Die etablierten Rückversicherer arbeiteten damals mit wenigen Partnern bester Bonität. Thieme wollte möglichst viele Erstversicherer als Kunden gewinnen, damit sich die Risiken breit verteilen. Gegen die Gefahr, dass Kunden der Gesellschaft gezielt die schlechten Risiken zuschieben, beteiligte Thieme die Kunden am Gewinn. Wer Risiken bei Munich Re rückversicherte, hatte damit selbst ein Interesse an sorgfältig geprüften Policen.

Den ersten Vertrag schloss die Gesellschaft mit der Thuringia, für die Thieme als Generalagent gearbeitet hatte. Im ersten Geschäftsjahr folgten 32 weitere.

Schon 1880 kam mit der Phönix in Wien ein ausländischer Kunde hinzu, 1881 folgten Verträge in St. Petersburg, London und Triest. 1888 ging die Aktie an die Münchner Börse. Ein Jahr später gründeten Thieme und Wilhelm Finck in Berlin einen Unfall- und Transportversicherer, die heutige Allianz.

Auch das Lebensgeschäft begann früh und im Ausland. Der erste Lebensrückversicherungsvertrag ging im Juli 1888 an eine Versicherungsgesellschaft in St. Petersburg. Im selben Jahr erwarben Thieme und mehrere Aufsichtsräte persönlich ein Aktienpaket des russischen Unfallversicherers Pomoschtsch, die erste Auslandsbeteiligung der jungen Gesellschaft.

Kennzahl18802025
Beschäftigte443.982
Verträge bzw. Umsatz33 Verträge im ersten Jahr60,4 Mrd. € Versicherungsumsatz
SitzMaffeistraße 1, MünchenKöniginstraße 107, München
Rang im WeltmarktNeugründung unter vielenNr. 1 nach Rückversicherungsumsatz (AM Best)

Die größte Bewährungsprobe der frühen Jahre kam 1906. Das Erdbeben von San Francisco und der folgende Großbrand zerstörten rund 28.000 Häuser, Munich Re musste Schäden in Höhe von mehr als 7 Prozent der damaligen Jahresprämie begleichen. Zwei Jahre zuvor hatte die Gesellschaft schon die Schäden des Großbrands von Baltimore bezahlt, ohne auf ihr Eigenkapital zurückzugreifen. Vor dem Ersten Weltkrieg nahm Munich Re fast fünfmal so viel Prämie ein wie die Schweizer Rück, die Nummer zwei.

Auf den PunktMasse statt Klasse als Gründungsidee
  • Streuung: Thieme setzte von Beginn an auf viele Kunden in vielen Ländern statt auf wenige große Partner.
  • Gewinnbeteiligung: Erstversicherer verdienten mit und prüften ihre Risiken deshalb selbst sorgfältig.
  • Ableger: 1889 entstand aus demselben Gründerkreis die Allianz.

Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

Stapel weißer Blöcke von 1880 bis 2026 auf einem Sockel vor weißem Hintergrund
Von vier Mitarbeitern 1880 zum größten Rückversicherer der Welt: Zukäufe in den USA und ERGO machten Munich Re groß.

Zum Konzern wurde Munich Re durch drei Zukäufe und eine Gründung: American Re 1996, die Erstversicherungsgruppe ERGO 1997, der Spezialversicherer HSB 2009 und das US-Start-up Next Insurance 2025.

Über ein Jahrhundert blieb Munich Re ein reiner Rückversicherer mit Beteiligungen an Erstversicherern. Der Umbau zum Konzern begann 1996, als die Münchner für umgerechnet knapp 3 Milliarden Euro die American Re kauften. Mit einem Schlag wuchs das Gewicht des US-Geschäfts, im selben Jahr stieg die Aktie in den Dax auf.

1997 bündelte der Konzern seine Beteiligungen an Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV und D.A.S. zur ERGO Versicherungsgruppe. Zwei Jahre später folgte mit der MEAG eine eigene Gesellschaft, die das Kapital von Rück- und Erstversicherung gemeinsam anlegt.

Seitdem steht der Konzern auf zwei Standbeinen, die Schwankungen des jeweils anderen ausgleichen sollen.

Die Anschläge vom 11. September 2001 kosteten den Konzern umgerechnet rund 2 Milliarden Euro, damals der größte Schaden der Firmengeschichte. 2005 schlug Hurrikan Katrina mit rund 1,6 Milliarden Euro zu Buche.

Firmengeschichte
Vom Münchner Rückversicherer zum Weltkonzern
Wegmarken von Munich Re von der Gründung bis zum Cyber-Zukauf.
  • 1880Carl Thieme gründet in München die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, mit vier Mitarbeitern
  • 1889Thieme und Wilhelm Finck gründen in Berlin die Allianz
  • 1996Kauf der American Re für umgerechnet knapp 3 Mrd. €, Aufnahme in den Dax
  • 1997Gründung der ERGO aus Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV und D.A.S.
  • 2009Kauf des Spezialversicherers HSB von AIG für 555 Mio. €
  • 2025ERGO übernimmt Next Insurance komplett, bewertet mit umgerechnet 2,3 Mrd. €
  • 2026Christoph Jurecka wird Vorstandschef, HSB kündigt den Kauf von At-Bay an
43.982
Beschäftigte Ende 2025
60,4 Mrd. €
Versicherungsumsatz 2025
67,3 Mrd. €
Börsenwert am 12.10.2026

2009 kaufte Munich Re dem angeschlagenen US-Konzern AIG für 555 Millionen Euro die HSB Group ab, einen Spezialisten für Maschinen- und Technikversicherung. Heute bündelt das Segment Global Specialty Insurance solche Spezialversicherer und setzte 2025 rund 8,6 Milliarden Euro um.

Fünf Jahre lang gehörte Warren Buffett zu den größten Aktionären. Buffetts Holding Berkshire Hathaway hielt im Oktober 2010 mehr als 10 Prozent der Aktien, zeitweise rund 12 Prozent. 2015 stieg Buffett schrittweise aus, im Dezember lag der Anteil noch bei gut 3 Prozent. Für einen Investor, der Versicherungen als Kerngeschäft betreibt, war das Engagement ein Gütesiegel, der Ausstieg ein Dämpfer.

Die Erstversicherungstochter sorgte auch für Negativschlagzeilen. Im Mai 2011 machte das Handelsblatt eine Incentive-Reise der Hamburg-Mannheimer aus dem Jahr 2007 öffentlich: Rund 100 Spitzenvertreter feierten in einem Budapester Thermalbad mit bezahlten Prostituierten. ERGO räumte die Reise ein.

Die Marke Hamburg-Mannheimer war da schon in ERGO aufgegangen, der Imageschaden blieb trotzdem am Konzern hängen.

Der jüngste große Schritt zielt auf kleine Firmenkunden in den USA. 2025 übernahm ERGO das Digitalunternehmen Next Insurance komplett, bewertet mit umgerechnet 2,3 Milliarden Euro. Seit Januar 2026 heißt die Tochter ERGO NEXT. Im August 2026 kündigte die HSB den Kauf des Cyberversicherers At-Bay für umgerechnet 514 Millionen Euro an, der Abschluss ist für das erste Quartal 2027 geplant.

Heute beschäftigt Munich Re 43.982 Menschen, nach der breiter gefassten Personalstatistik knapp 20.000 davon in Deutschland. Der Konzern setzte 2025 60,4 Milliarden Euro um, an der Börse war er am 12. Oktober 2026 rund 67,3 Milliarden Euro wert. Seit Januar 2026 führt Christoph Jurecka den Vorstand, der zuvor Finanzchef des Konzerns war.

Auf den PunktVom Rückversicherer zum Mischkonzern
  • Zukäufe: American Re, HSB und Next Insurance brachten Gewicht in den USA.
  • Erstversicherung: ERGO verkauft seit 1997 Policen direkt an Privat- und Firmenkunden.
  • Größe: 60,4 Milliarden Euro Umsatz, rund 67 Milliarden Euro Börsenwert.

Wie verdient Munich Re tatsächlich ihr Geld?

Weißes Sparschwein mit 26,50-Euro-Aufkleber unter einem weißen Regenschirm
Von 100 Euro Prämie blieben Munich Re in der Schaden- und Unfallrückversicherung 2025 nach Schäden und Kosten 26,50 €.

Munich Re verdient vor allem an der Differenz zwischen Prämie und Schaden in der Schaden- und Unfallrückversicherung, dazu an Lebens- und Gesundheitsrisiken sowie an 222,7 Milliarden Euro Kapitalanlagen. Die Erstversicherung ERGO bringt viel Umsatz, aber wenig Gewinn.

Wo der Umsatz entsteht und wo der Gewinn

Vom Versicherungsumsatz über 60,4 Milliarden Euro im Jahr 2025 stammten 30 Prozent aus der Schaden- und Unfallrückversicherung, 20 Prozent aus der Lebens- und Gesundheitsrückversicherung. Die Spezialversicherer der Sparte Global Specialty Insurance kamen auf 14 Prozent, ERGO in Deutschland auf 25 Prozent und ERGO International auf 11 Prozent.

Beim Gewinn sieht die Verteilung anders aus.

Die Schaden- und Unfallrückversicherung lieferte 2025 allein 3.308 Millionen Euro der 6.121 Millionen Euro Konzerngewinn, also 54 Prozent. Die Lebens- und Gesundheitsrückversicherung kam auf 1.334 Millionen, die Spezialversicherer auf 562 Millionen. ERGO Deutschland steuerte trotz 15 Milliarden Euro Umsatz nur 376 Millionen Euro bei, auch wegen einer einmaligen Belastung von rund 150 Millionen Euro aus der beschlossenen Senkung der Körperschaftsteuer ab 2028.

Erlösmodell
Wo Munich Re je 100 Euro Umsatz am meisten verdient
Konzernergebnis je 100 Euro Versicherungsumsatz 2025 nach Segmenten.
Ergebnis je 100 Euro Umsatz
  • Rückversicherung Schaden/Unfall18,50 €
  • Rückversicherung Leben/Gesundheit11,00 €
  • ERGO International8,10 €
  • Spezialversicherer (GSI)6,50 €
  • ERGO Deutschland2,50 €
30 %
Anteil der Schaden-Rückversicherung am Umsatz
54 %
Anteil der Schaden-Rückversicherung am Gewinn
6.121 Mio. €
Konzernergebnis 2025

Mechanismus eins: Prämie heute, Schaden später

Ein Rückversicherer verkauft Erstversicherern Schutz gegen die großen Ausreißer: den Hurrikan, das Erdbeben, die Serie schwerer Industrieunfälle. Die Prämie fließt vorab, die Schäden kommen später oder gar nicht. Die Schaden-Kosten-Quote der Schaden- und Unfallrückversicherung lag 2025 bei 73,5 Prozent. Von 100 Euro Prämie gingen 53,50 Euro in gewöhnliche Schäden, 9,40 Euro in Großschäden und 10,60 Euro in Kosten.

Übrig blieben 26,50 Euro versicherungstechnischer Gewinn je 100 Euro.

Den Ausschlag geben die Großschäden. Munich Re plant für diese Ereignisse jedes Jahr einen Betrag ein, für 2025 lag das Budget bei 17 Prozent der Prämie. Tatsächlich fielen 9,4 Prozent an, obwohl die Waldbrände von Los Angeles den Konzern rund 0,8 Milliarden Euro kosteten. 2025 traf zum ersten Mal seit zehn Jahren kein Hurrikan das US-Festland. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Großschäden bei 4,2 Prozent, geplant waren rund 18 Prozent.

Nach der Bilanzregel IFRS 17 gehen Schäden, die erst in Jahren bezahlt werden, mit ihrem abgezinsten Wert in die Ergebnisrechnung ein. Im zweiten Quartal 2026 drückte diese Abzinsung die Schaden-Kosten-Quote um rund 9,5 Prozentpunkte. Ohne Abzinsung und ohne das ruhige Schadenjahr hätte die Quote 2025 nahe 90 Prozent gelegen, so ein grober Überschlag der Redaktion.

Schaden- und Unfallrückversicherung20251. Halbjahr 2026
Schaden-Kosten-Quote73,5 %67,9 %
Großschäden in Prozent der Prämie9,4 %4,2 %
Eingeplantes Budget für Großschäden17 %rund 18 %
Großschäden in Euro1.627 Mio. €321 Mio. €
Normalisierte Schaden-Kosten-Quote80,1 %rund 81 %

Mechanismus zwei: Sterblichkeit, Pflege, Langlebigkeit

In der Lebens- und Gesundheitsrückversicherung übernimmt Munich Re biometrische Risiken: dass Versicherte früher sterben, länger leben oder pflegebedürftig werden als kalkuliert. Am 2. Oktober 2026 trat der Vertrag mit Manulife in Kraft, über den eine US-Tochter von Munich Re einen Bestand an Pflegepolicen über umgerechnet 2,9 Milliarden Euro rückversichert. Im ersten Halbjahr schloss der Konzern zudem die größte Langlebigkeitstransaktion seiner Geschichte ab, Pensionsverpflichtungen über 4 Milliarden Euro.

Das Geschäft schwankt weniger als die Katastrophendeckung und brachte 2025 ein Ergebnis von 1.334 Millionen Euro.

Mechanismus drei: das angelegte Geld

Ende 2025 verwaltete der Konzern Kapitalanlagen über 222,7 Milliarden Euro, fast das Vierfache des Konzernumsatzes. Das Kapitalanlageergebnis lag bei 7.514 Millionen Euro, eine Rendite von 3,2 Prozent. Für den Gewinn zählt aber eine kleinere Zahl: Nach Abzug der Zinsen, die der Konzern rechnerisch seinen Versicherungsverpflichtungen gutschreiben muss, und nach Währungsverlusten blieb ein Finanzergebnis von 1.353 Millionen Euro.

Das Bild vom Versicherer, der vor allem an den Zinsen verdient, passt auf Munich Re deshalb nur bedingt. Der Großteil des Gewinns entsteht im Versicherungsgeschäft selbst, das versicherungstechnische Ergebnis lag 2025 bei 9.800 Millionen Euro.

Was im Geschäftsbericht nur am Rand steht

Das Ergebnis glätten unauffällig vor allem die Reserveauflösungen: Munich Re plant jedes Jahr ein, dass Rückstellungen aus früheren Jahren nicht vollständig gebraucht werden, im ersten Halbjahr 2026 machte dieser Effekt rund 6 Prozentpunkte der Schaden-Kosten-Quote aus. Die Investmentbank Jefferies erwartet, dass der Konzern diese Polster aus guten Jahren in schwächeren Jahren gezielt auflöst.

Spitzenrisiken aus Naturkatastrophen reicht Munich Re zum Teil an andere Versicherer oder über Zweckgesellschaften an Kapitalmarktinvestoren weiter. 2025 hat der Konzern diese externe Retrozession verringert und behält mehr Risiko selbst, Volumina dazu veröffentlicht Munich Re nicht.

Daten sind bei Munich Re kein eigener Erlösstrom, aber Grundlage jeder Prämie. Die halbjährlichen Bilanzen zu Naturkatastrophen, eine weltweite Cyber-Umfrage mit über 9.500 Befragten und eigene Risikomodelle liefern das Material, mit dem der Konzern Preise begründet und neue Deckungen entwickelt, etwa die Versicherung aiSure gegen Fehler künstlicher Intelligenz.

Wer wen mitfinanziert

Echte Verlustbringer weist Munich Re nicht aus. ERGO Deutschland arbeitete 2025 aber mit einer Marge von 2,5 Prozent, gemessen als Gewinn je Umsatz, die Schaden- und Unfallrückversicherung mit 18,5 Prozent. Die Erstversicherung lebt von ihrer Stabilität: Jefferies bescheinigt ERGO, heute eine verlässlichere Geldquelle zu sein als in der letzten Phase sinkender Rückversicherungspreise.

Der größte Kostenvorteil ist die Streuung. Ein Hurrikan in Florida, ein Erdbeben in Japan und die Sterblichkeit in Kanada hängen kaum zusammen, und ein Rückversicherer mit allen drei Risiken im Bestand braucht weniger Eigenkapital als drei Spezialisten gemeinsam. Die Solvenzquote nach Solvency II lag Ende Juni 2026 bei 304 Prozent, mehr als das Dreifache des Aufsichtsminimums.

Thiemes Gründungsidee von 1880 wirkt hier bis heute: Je mehr unabhängige Risiken der Konzern bündelt, desto billiger wird jede zusätzliche Einheit Schutz.

Konzernergebnis20212025
Rückversicherung2.328 Mio. €5.204 Mio. €
ERGO605 Mio. €917 Mio. €
Konzern gesamt2.932 Mio. €6.121 Mio. €
Dividende je Aktie11,00 €24,00 €
Eigenkapitalrendite12,6 %18,3 %

Wie sich das Modell seit 2021 verschoben hat

2021 verdiente Munich Re 2.932 Millionen Euro, davon 2.328 Millionen in der Rückversicherung und 605 Millionen bei ERGO. 2025 stieg der Gewinn auf 6.121 Millionen, davon 5.204 Millionen aus der Rückversicherung und 917 Millionen von ERGO. Der Anteil der Rückversicherung am Gewinn wuchs von 79 auf 85 Prozent. Die Werte sind nur grob vergleichbar, weil der Konzern seit 2023 nach IFRS 17 bilanziert. Die Richtung ist trotzdem klar: Den Zuwachs brachte der harte Markt mit hohen Rückversicherungspreisen.

Mit dem Programm Ambition 2030 will Vorstandschef Jurecka den Konzern unabhängiger von diesem Zyklus machen. Lebensrückversicherung, Spezialversicherer und ERGO liefern heute rund die Hälfte des Gewinns, bis 2030 soll der Anteil auf rund 60 Prozent steigen. Der Gewinn je Aktie soll jährlich um mehr als 8 Prozent wachsen, die Eigenkapitalrendite über 18 Prozent bleiben.

Auf den PunktDrei Quellen, eine dominiert
  • Schaden-Rückversicherung: 54 Prozent des Gewinns, getrieben von niedrigen Großschäden.
  • Lebensrisiken: 1,3 Milliarden Euro Gewinn mit weniger Schwankung.
  • Kapitalanlagen: 222,7 Milliarden Euro, aber nur 1,4 Milliarden Euro Finanzergebnis nach Verpflichtungen.

Wie groß ist die Marktmacht von Munich Re?

Fünf Schachdamen auf weißem Podest, die mittlere ist orange mit einem
Munich Re führt die Rangliste der Rückversicherer nur knapp vor Swiss Re und Hannover Rück.

Munich Re ist nach Rückversicherungsumsatz knapp die Nummer eins der Welt, vor Swiss Re und Hannover Rück. Preise diktieren kann der Konzern trotzdem nicht: Die Verträge werden jedes Jahr neu verhandelt, und in den Markt drängt so viel Kapital wie nie.

Die Ratingagentur AM Best führte Munich Re für 2025 mit einem Rückversicherungsumsatz von umgerechnet 31,7 Milliarden Euro auf Platz eins der Rückversicherer, die nach IFRS 17 bilanzieren. Swiss Re folgte mit 30,9 Milliarden Euro, Hannover Rück mit 28,2 Milliarden und SCOR mit 16,9 Milliarden Euro. Den knappen Vorsprung verdankt Munich Re laut AM Best auch dem starken Euro, zum Vorjahreskurs hätte Swiss Re vorn gelegen.

Lloyd’s in London und Berkshire Hathaway bilanzieren nach anderen Regeln und tauchen deshalb in einer eigenen Liste auf.

Rückversicherer ohne IFRS 17Bruttoprämie 2025
Lloyd’s24,2 Mrd. €
Berkshire Hathaway22,8 Mrd. €
RGA15,6 Mrd. €
Everest11,5 Mrd. €
RenaissanceRe10,5 Mrd. €

Gemessen an der Prämie liegen die beiden mit umgerechnet 24,2 und 22,8 Milliarden Euro in derselben Größenordnung. Der Weltmarkt verteilt sich damit auf eine Handvoll Konzerne, die sich ihre großen Kunden teilen: Ein Erstversicherer legt sein Sturmrisiko in der Regel nicht bei nur einem Rückversicherer ab, sondern streut das Risiko über mehrere Gesellschaften.

Der direkte Rivale, die Hannover Rück, setzt im Rückversicherungsgeschäft fast so viel um wie Munich Re, war an der Börse am 12. Oktober 2026 aber mit 32,3 Milliarden Euro nur halb so viel wert. Eine Erstversicherungstochter wie ERGO betreibt der Konkurrent nicht.

Konkurrenz aus dem Kapitalmarkt

Der eigentliche Herausforderer ist keine Firma. Laut dem Makler Gallagher Re stand der Rückversicherungsbranche Ende Juni 2026 Kapital von umgerechnet 615 Milliarden Euro zur Verfügung, 5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Davon stammten 131 Milliarden Euro von Investoren außerhalb der klassischen Versicherer, etwa über Katastrophenanleihen, ein Rekord.

Pensionsfonds und Hedgefonds kaufen solche Anleihen, weil ein Erdbeben nicht mit dem Aktienmarkt zusammenhängt. Ausstehend waren Ende Juni Katastrophenanleihen über umgerechnet 58,7 Milliarden Euro.

Mehr Kapital bedeutet mehr Angebot an Schutz, und mehr Angebot drückt die Preise. Zum 1. Januar 2026 senkte Munich Re die risikoadjustierten Preise um 2,5 Prozent, zum 1. April um 3,1 Prozent und zum 1. Juli um 5,5 Prozent. Gleichzeitig ließ der Konzern Geschäft auslaufen, das ihm zu billig war: Das erneuerte Volumen schrumpfte im April um 18,5 Prozent und im Juli um 9,1 Prozent.

Weniger Volumen und Wechselkurseffekte kosten Umsatz. Für 2026 senkte Munich Re im August die Umsatzprognose für den Konzern von 64 auf 62 Milliarden Euro, die Gewinnprognose von 6,3 Milliarden Euro blieb.

Bindung ohne Vertragsfesseln

Ein klassischer Lock-in fehlt im Rückversicherungsgeschäft. Die Hauptverträge laufen ein Jahr und werden zu festen Terminen neu verhandelt, Erstversicherer können ihr Risiko also jährlich anders verteilen. Die Bindung entsteht durch Vertrauen in die Zahlungskraft: Bei einem Großschaden muss der Rückversicherer Milliarden zahlen können, auch Jahre später. AM Best bewertet die Finanzkraft von Munich Re mit „superior“, Fitch und S&P mit „very strong“.

Die Zufriedenheit ihrer Kunden bezifferte Munich Re im September 2026 mit einem Net Promoter Score von 70, auf einer Skala von minus 100 bis plus 100.

Marktmacht
Die größten Rückversicherer der Welt
Rückversicherungsumsatz 2025 der Gesellschaften, die nach IFRS 17 bilanzieren, in Milliarden Euro.
  • Munich Re31,7 Mrd. €
  • Swiss Re30,9 Mrd. €
  • Hannover Rück28,2 Mrd. €
  • SCOR16,9 Mrd. €
  • China Re5,3 Mrd. €
615 Mrd. €
Kapital der Rückversicherungsbranche Ende Juni 2026
131 Mrd. €
davon von Kapitalmarktinvestoren
58,7 Mrd. €
ausstehende Katastrophenanleihen

Wer ist bei Munich Re eigentlich das Produkt?

Offene Geschenkbox mit Gewitterwolke und Etikett „Risiko“ auf weißem Sockel
Verkauft wird das Risiko anderer: Erstversicherer zahlen Prämie, damit Munich Re im Ernstfall einspringt.

Das Produkt ist das Risiko anderer: Munich Re verkauft Erstversicherern, Pensionsfonds und Konzernen die Zusage, im Ernstfall zu zahlen. Die Hausbesitzer und Lebensversicherten am Ende der Kette zahlen über ihre Beiträge mit, ohne den Namen des Rückversicherers je zu sehen.

Ein Hausbesitzer in Bayern schließt seine Wohngebäudeversicherung bei einem Erstversicherer ab. Der Versicherer behält die kleinen Schäden selbst, gibt aber einen Teil des Sturm- und Hochwasserrisikos an Rückversicherer weiter, gegen eine Prämie, die in den Beitrag des Hausbesitzers eingepreist ist. Kommt der Jahrhundertsturm, zahlt der Rückversicherer den Löwenanteil der Spitze.

Auf der Police steht davon nichts.

RolleWerZahlung oder Leistung
Direkter KundeErstversicherer weltweitRückversicherungsprämie für Katastrophen- und Großrisiken
Indirekter ZahlerHausbesitzer, Autofahrer, FirmenAnteil der Rückversicherung im eigenen Beitrag
Großkunde LebenLebensversicherer, PensionsfondsPrämie für Sterblichkeits-, Pflege- und Langlebigkeitsrisiken
Direkter Kunde ErstversicherungPrivat- und Firmenkunden von ERGOPolicen für Leben, Gesundheit, Sach- und Rechtsschutz
KapitalgeberInvestoren in KatastrophenanleihenÜbernehmen Spitzenrisiken gegen Zinsaufschlag

Das eigentliche Gut ist also Gewissheit. Ein Erstversicherer kauft Rückversicherung, weil die Aufsicht von ihm genug Eigenkapital für den schlimmsten Fall verlangt. Jeder weitergereichte Euro Risiko entlastet das Eigenkapital des Erstversicherers und erlaubt mehr Policen bei gleicher Kapitalbasis.

Rückversicherung ist damit eine Art Kapitalvermietung: Der Konzern verleiht seine Bilanz gegen Gebühr.

Neben der Deckung verkauft Munich Re Wissen. Der Konzern hilft Kunden bei der Entwicklung neuer Versicherungsprodukte, bei der digitalen Prüfung von Risiken und bei der Schadenbearbeitung.

Bei ERGO NEXT kehrt sich die Rolle um. Die US-Tochter verkauft kleinen Firmen Policen direkt im Netz, 2024 setzte Next Insurance mit über 600.000 Kunden umgerechnet rund 490 Millionen Euro um.

Die Lücke als Markt

Ein großer Teil der Katastrophenschäden bleibt unversichert. 2025 richteten Naturkatastrophen nach der Bilanz von Munich Re weltweit Schäden von umgerechnet rund 200 Milliarden Euro an, versichert waren knapp 97 Milliarden. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Versicherungslücke bei 60 Prozent. Das Doppelbeben in Venezuela im Juni verursachte Schäden von umgerechnet 26,8 Milliarden Euro, versichert war davon weniger als eine Milliarde Euro.

Für Munich Re ist diese Lücke Mahnung und Wachstumsreserve zugleich. Jede Statistik über unversicherte Schäden wirbt auch für Schutz, den der Konzern verkaufen kann. Vorstand Stefan Golling nannte das Schließen der Lücke bei Cyberrisiken im September in Monte Carlo ausdrücklich eine große Geschäftschance.

Sie begegnen dem Konzern meist auf zwei Wegen: als Kunden von ERGO oder, ohne davon zu wissen, als Prämienzahler eines anderen Versicherers.

Auf den PunktVerkauft wird Bilanzstärke
  • Kunde: Erstversicherer und Pensionsfonds, nicht der Hausbesitzer.
  • Zahler: Versicherte zahlen den Rückversicherungsanteil über ihre Beiträge.
  • Wachstumsfeld: 60 Prozent der Katastrophenschäden im ersten Halbjahr 2026 waren unversichert.

Was kostet Rückversicherung wirklich, und wer trägt die Kosten?

Etikett: „-5,5%“ in Orange, unten klein „Für eine gefühlte Verbesserung“ auf Weiß
Zum 1. Juli 2026 sanken die risikoadjustierten Preise für Rückversicherungsschutz bei Munich Re um 5,5 Prozent.

Von 100 Euro Prämie in der Schaden- und Unfallrückversicherung zahlte Munich Re 2025 im Schnitt 62,90 Euro für Schäden sowie 10,60 Euro für Kosten, 26,50 Euro blieben übrig. Die Kosten tragen am Ende die Versicherten über ihre Beiträge.

Die Zahlen stammen aus dem Geschäftsbericht 2025 und gelten für das gesamte Rückversicherungsgeschäft mit Sach-, Haftpflicht- und Katastrophenrisiken. Zum Vergleich dient die Sachversicherung der Tochter ERGO in Deutschland, die Policen direkt an Privat- und Firmenkunden verkauft. Die Schaden-Kosten-Quote der ERGO-Sachversicherung lag 2025 bei 88,9 Prozent, die Kostenquote bei 27,7 Prozent.

Je 100 Euro Prämie (2025)Rückversicherung Schaden/UnfallERGO Sachversicherung Deutschland
Gewöhnliche Schäden53,50 €61,20 €
Großschäden9,40 €
Vertrieb und Verwaltung10,60 €27,70 €
Versicherungstechnische Marge26,50 €11,10 €
Schaden-Kosten-Quote73,5 %88,9 %

Der größte Unterschied liegt im Vertrieb. Ein Rückversicherer verhandelt mit Versicherern statt mit Millionen Endkunden, Vertreterprovisionen fallen weg. ERGO braucht für dieselben 100 Euro Prämie gut zweieinhalbmal so viel Geld für Vertrieb und Verwaltung.

Die Allianz behielt in ihrer weltweiten Sachversicherung 2025 von 100 Euro Prämie 7,80 Euro, ERGO in Deutschland 11,10 Euro.

Ganz vergleichbar sind die Werte nicht: Die Rückversicherungsquote ist abgezinst, und Munich Re kassiert dort für Risiken, die selten eintreten, dann aber sehr teuer werden.

2024 verschlangen Großschäden noch 15,0 Prozent der Prämie, die Quote lag bei 77,3 Prozent. Deshalb plant der Konzern mit einer normalisierten Schaden-Kosten-Quote von rund 80 Prozent statt mit den 73,5 Prozent aus dem ruhigen Jahr 2025.

Der Preis fällt in jeder Runde

Rückversicherungsschutz wird überwiegend zu drei Stichtagen erneuert: am 1. Januar für den größten Teil des Geschäfts, am 1. April vor allem für Japan und Indien, am 1. Juli für weitere Märkte. 2026 sanken die risikoadjustierten Preise in allen drei Erneuerungsrunden, und das Minus wurde von Runde zu Runde größer.

Preiszyklus
Wie die Rückversicherungspreise 2026 fallen
Veränderung der risikoadjustierten Preise und des erneuerten Volumens bei Munich Re in den drei Erneuerungsrunden.
Preisrückgang je Runde
  • 1. Januar 2026minus 2,5 %
  • 1. April 2026minus 3,1 %
  • 1. Juli 2026minus 5,5 %
Rückgang des erneuerten Volumens
  • 1. Januar 2026 (13,7 Mrd. €)minus 7,8 %
  • 1. April 2026 (2,0 Mrd. €)minus 18,5 %
  • 1. Juli 2026 (2,9 Mrd. €)minus 9,1 %

Ob die Erstversicherer den Nachlass an ihre Kunden weitergeben, entscheiden sie selbst. In Deutschland stiegen die Beiträge zuletzt kräftig: Die Allianz Versicherungs-AG nahm 2025 in der Wohngebäudeversicherung 12,3 Prozent mehr Beiträge ein als im Vorjahr. Steigen die Beiträge weiter, während der Rückversicherungsschutz billiger wird, verdienen die Erstversicherer doppelt an der Marge.

Teurer wird die Haftung in den USA

Am 9. Oktober 2026 warnte Munich Re vor sogenannten Nuclear Verdicts, Urteilen amerikanischer Geschworenengerichte über mehr als umgerechnet 8,9 Millionen Euro. Nach dem Marathon Strategies Report 2026 fielen 2025 fast 200 solcher Urteile gegen Unternehmen, 40 Prozent mehr als 2024. Über 40 lagen bei mehr als umgerechnet 89 Millionen Euro.

Nach einem tödlichen Lkw-Unfall verurteilte eine Jury auch den Frachtvermittler, der den Fahrer nicht beschäftigt hatte, die Summe lag bei umgerechnet rund 540 Millionen Euro.

Solche Urteile treiben die Preise für Haftpflichtschutz, und zahlen müssen am Ende auch europäische Firmen mit Töchtern, Werken oder Produkten in den USA.

Auf den PunktBilliger Vertrieb, teure Ausreißer
  • Kosten: 10,60 Euro je 100 Euro Prämie in der Rückversicherung, 27,70 Euro bei ERGO.
  • Preise: 2026 in jeder Erneuerungsrunde gesunken, im Juli um 5,5 Prozent.
  • Gegentrend: US-Haftpflicht verteuert sich durch Rekordurteile.

Wer profitiert von Munich Re und wer zahlt drauf?

Kuchen mit weißem Fondant und orangefarbenem Inneren, daneben ein Stück mit 24 € Preisschild
Für 2025 erhalten die Aktionäre 24 Euro Dividende je Aktie, 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

Am meisten profitieren die Aktionäre: Für 2025 fließen über Dividende und Aktienrückkauf rund 5,3 Milliarden Euro an die Eigentümer zurück, knapp 87 Prozent des Jahresgewinns. Draufzahlen müssen vor allem Menschen in Regionen ohne Versicherungsschutz und, in harten Marktphasen, die Erstversicherer.

Die Hauptversammlung beschloss im April 2026 eine Dividende von 24 Euro je Aktie, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt schüttete Munich Re damit 3,07 Milliarden Euro aus. Außerdem läuft ein Rückkaufprogramm über 2,25 Milliarden Euro bis zur Hauptversammlung 2027. Von 2006 bis 2025 gab der Konzern seinen Aktionären über Dividenden und Rückkäufe zusammen 44,7 Milliarden Euro zurück.

Der Börsenkurs hat sich zwischen Ende 2021 und Ende 2025 von 260,50 auf 562,20 Euro mehr als verdoppelt.

Seitdem hat die Aktie nachgegeben. Am 12. Oktober 2026 kostete das Papier 526,60 Euro, gut 6 Prozent weniger als zum Jahresbeginn und 8 Prozent unter dem Jahreshoch. Der Kurs spiegelt die fallenden Rückversicherungspreise bereits wider, und das Kursziel von Jefferies liegt mit 550 Euro nur knapp darüber.

GruppeRolleBilanz
AktionäreEigentümerGewinner: 24 € Dividende je Aktie, 2,25 Mrd. € Rückkauf
ErstversichererKundenDerzeit Gewinner: Rückversicherung 2026 in jeder Runde billiger
Investoren in KatastrophenanleihenKonkurrenz und PartnerGewinner in ruhigen Jahren, Verlierer im Katastrophenjahr
Beschäftigte43.982 Menschen, knapp 20.000 in DeutschlandGemischt: sichere Arbeitsplätze, aber 200 Mio. € Sparziel für 2026
FiskusSteuerempfängerGewinner: 2.507 Mio. € Ertragsteuern 2025 weltweit
Nicht VersicherteOpfer von KatastrophenVerlierer: 60 % der Katastrophenschäden im ersten Halbjahr 2026 ohne Deckung

Die Erstversicherer gehören je nach Marktphase zu beiden Lagern. In den Jahren steigender Preise mussten Versicherer für Katastrophenschutz deutlich mehr zahlen. Seit Anfang 2026 kehrt sich das Verhältnis um, und die Kunden des Rückversicherers verhandeln wieder aus einer stärkeren Position.

Deutlich schlechter sieht die Bilanz für Menschen aus, die gar keinen Schutz haben.

Beim Doppelbeben in Venezuela im Juni 2026 waren nicht einmal 4 Prozent der Schäden versichert. Für die Betroffenen zahlt kein Rückversicherer, sondern im besten Fall der Staat, im schlechtesten niemand. Die Branche verdient am Risikotransfer dort, wo Menschen und Firmen sich Versicherung leisten können.

München als Standort

Knapp 20.000 Beschäftigte arbeiten in Deutschland, am Konzernsitz in München-Schwabing und bei ERGO mit Sitz in Düsseldorf. Für 2026 hat sich der Konzern Einsparungen von 200 Millionen Euro vorgenommen, wie viele Stellen das Sparprogramm kostet, beziffert Munich Re nicht.

Im Vergleich zu anderen Versicherern zahlt der Konzern seinen Eigentümern einen besonders großen Teil des Gewinns aus. Berkshire Hathaway, ebenfalls mit großem Rückversicherungsgeschäft, schüttet seit Jahrzehnten nichts aus und investiert die Mittel selbst. Munich Re hat sich dagegen mit Ambition 2030 auf eine Ausschüttungsquote von mehr als 80 Prozent festgelegt.

Auch der Vorstand verdient am Erfolg. Rund die Hälfte der Zielvergütung ist variabel, ein Mehrjahresbonus hängt zu 20 Prozent an Nachhaltigkeitszielen, darunter die eigene Cybersicherheit und die Zufriedenheit der Beschäftigten.

Munich Re finanziert Rekorddividenden mit Katastrophen, die ausblieben: 2025 kosteten Großschäden 9,4 statt eingeplanter 17 Prozent der Prämie.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Wie politisch ist Munich Re?

Weißer Briefkasten mit Aufschrift „Bundestag“ und steckendem orangem Briefumschlag
Munich Re meldet im Lobbyregister des Bundestags für 2025 Ausgaben von 150.001 bis 160.000 Euro.

Munich Re gibt im Lobbyregister des Bundestags nur 150.001 bis 160.000 Euro im Jahr für Interessenvertretung an und arbeitet überwiegend über Verbände. Politisch wirkt der Konzern vor allem über seine Katastrophenstatistiken und beim Streit um die Elementarschadenversicherung.

Der Eintrag R001697 im Lobbyregister nennt für 2025 Ausgaben von 150.001 bis 160.000 Euro und 0,2 Vollzeitstellen. 2022 hatte Munich Re noch 470.001 bis 480.000 Euro und 11 bis 20 Personen angegeben. Die Arbeit laufe überwiegend über die Branchenverbände, steht im Eintrag, gemeint ist vor allem der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Als erstes konkretes Regelungsvorhaben steht dort die Neugestaltung der Elementarschadenversicherung.

Der Streit um die Elementarschadenpflicht

In Deutschland sind laut GDV rund 59 Prozent der Wohngebäude gegen Hochwasser, Starkregen und andere Elementarschäden versichert. Beim Versicherungstag des GDV am 23. September 2026 kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig ein Eckpunktepapier an, einen Referentenentwurf stellte sie für das erste Quartal 2027 in Aussicht. Neue Wohngebäudepolicen sollen nur noch mit Elementarschutz angeboten werden, bestehende Verträge sollen umgestellt werden.

Eine Pflicht wie in der Kfz-Haftpflicht ist nach Darstellung des GDV nicht geplant.

Sein Ziel formuliert der Konzern im Lobbyregister selbst: risikoadäquate, bezahlbare Prämien und eine deutliche Erhöhung der Versicherungsdichte. Mehr versicherte Häuser bedeuten mehr Nachfrage nach Rückversicherung, denn kein deutscher Erstversicherer behält ein Jahrhunderthochwasser vollständig selbst.

Für ein schweres Hochwasser in Deutschland setzt Munich Re im eigenen Risikomodell ein Schadenszenario von 3,2 Milliarden Euro an.

Politisches FeldPosition von Munich ReStand Oktober 2026
Elementarschaden DeutschlandMehr Versicherungsdichte, risikogerechte PrämienReferentenentwurf für Q1 2027 angekündigt
KlimabündnisseAusstieg aus Net-Zero-Allianzen2023 und 2025 ausgetreten
Kohle im AnlageportfolioAusstieg vorgezogenKraftwerkskohle bis Ende 2030 statt 2040
Lobbybudget BundestagArbeit über Verbände150.001 bis 160.000 € (2025)

Rückzug aus den Klimabündnissen

2021 gehörte Munich Re zu den Gründern der Net-Zero Insurance Alliance, einem Bündnis von Versicherern für eine klimaneutrale Geschäftspolitik. Am 31. März 2023 trat der Konzern aus. Der damalige Vorstandschef Joachim Wenning begründete den Schritt mit kartellrechtlichen Risiken eines gemeinsamen Vorgehens, das eigene Klimaziel gelte weiter.

Am 6. Juni 2025 folgten die Austritte aus vier weiteren Initiativen, darunter Climate Action 100+. Als Grund nannte Munich Re Rechtsunsicherheit und einen Berichtsaufwand, der nicht im Verhältnis zur erzielten Wirkung stehe. Den Ausstieg aus Investments in Kraftwerkskohle zog der Konzern dagegen von 2040 auf Ende 2030 vor.

Munich Re veröffentlicht jedes Halbjahr eine Bilanz der Naturkatastrophen und warnt darin vor den Folgen der Erderwärmung. Gleichzeitig hat der Konzern die Bündnisse verlassen, in denen die Branche ihre Zusagen gemeinsam überprüfbar machen wollte.

Für einen Konzern, der so laut vor der Erderwärmung warnt, ist der Rückzug ein Widerspruch. Die Glaubwürdigkeit hängt nun allein an den eigenen Zielen.

Steuern und Konzernstruktur

2025 zahlte Munich Re 2.507 Millionen Euro Ertragsteuern bei einem Ergebnis vor Steuern von 8.628 Millionen Euro, eine Quote von rund 29 Prozent. Eine aggressive Steuergestaltung lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen. Die beschlossene Senkung der deutschen Körperschaftsteuer ab 2028 belastete ERGO Deutschland 2025 sogar einmalig mit rund 150 Millionen Euro.

Auf den PunktLeise Lobby, laute Statistik
  • Budget: 150.001 bis 160.000 Euro im Lobbyregister, die übrige Interessenvertretung läuft über den GDV.
  • Elementarschaden: Mehr Versicherungsdichte nützt dem Rückversicherer direkt.
  • Klima: Austritt aus Bündnissen, dafür Kohleausstieg im Portfolio bis 2030.

Was könnte Munich Re zu Fall bringen?

Sanduhr mit oranger Wolke und Schild „200 JAHRE“ auf weißem Sockel
Ein Hurrikan, wie er statistisch alle 200 Jahre auftritt, würde Munich Re rund 8,5 Milliarden Euro kosten.

Ein einzelner Sturm bringt Munich Re nicht zu Fall, die Solvenzquote liegt bei 304 Prozent. Gefährlich wird die Kombination aus mehreren Jahren sinkender Preise und einem schweren Katastrophenjahr, dazu kommen Haftungsrisiken in den USA und Cyberschäden, die viele Kunden zugleich treffen.

Der weiche Markt

Die Investmentbank Jefferies erwartet, dass sich der Preisrückgang zur Januarrunde 2027 beschleunigt und erst 2028 abflacht. Danach verlagere sich der Druck auf die Vertragsbedingungen, einen Boden sehen die Analysten erst 2030. Jefferies rechnet deshalb mit höheren Eigenkapitalkosten von 13 statt 11,8 Prozent und senkte das Kursziel auf 550 Euro.

Munich Re hält dagegen. Im August erwartete der Konzern für Januar 2027, dass Preisniveau und Bedingungen trotz Wettbewerb weitgehend gehalten werden.

Ein weicher Markt wirkt mit Verzögerung. Die Prämien von heute decken die Schäden der nächsten Jahre, und erst wenn ein teures Katastrophenjahr auf zu niedrige Preise trifft, zeigt sich die Lücke in der Bilanz. Die Reserven aus den guten Jahren federn ein solches Jahr ab, aber nicht beliebig oft. Jefferies hält Reserveauflösungen für eine weniger nachhaltige Ertragsquelle als ein gutes Versicherungsgeschäft.

Der Zweihundertjahressturm

Einen atlantischen Hurrikan, wie er statistisch einmal in 200 Jahren auftritt, beziffert Munich Re im eigenen Risikomodell auf rund 8,5 Milliarden Euro Schaden nach Weitergabe an andere Rückversicherer und vor Steuern, mehr als der gesamte Jahresgewinn von 2025. Ein schwerer Wintersturm in Europa steht im Risikomodell mit 6,0 Milliarden Euro. Im Juli warnte der Konzern zudem vor einem möglichen Super-El-Niño, der Wetterextreme weltweit verstärken kann.

Bei einer Solvenzquote von 304 Prozent würde der Konzern ein solches Ereignis verkraften, die Ausschüttungen an die Aktionäre kaum.

Szenario im Risikomodell (netto, vor Steuern)2025Vorjahr
Atlantischer Hurrikan (Nordamerika)8,5 Mrd. €9,2 Mrd. €
Wintersturm Europa6,0 Mrd. €6,1 Mrd. €
Hochwasser Deutschland3,2 Mrd. €3,1 Mrd. €
Schwere Gewitter USA1,25 bis 2,25 Mrd. €1,25 bis 2,25 Mrd. €
Waldbrand USA1,0 bis 2,0 Mrd. €0,75 bis 1,75 Mrd. €

Cyber, Haftung, Pflege

Drei weitere Risiken lassen sich schwerer berechnen als ein Sturm. Bei Cyberangriffen kann ein einzelner Fehler in weit verbreiteter Software Tausende Kunden gleichzeitig treffen. Munich Re schätzt den Weltmarkt für Cyberversicherung 2025 auf umgerechnet 13,4 Milliarden Euro und erwartet bis 2030 rund 25 Milliarden. Die Muttergesellschaft Munich Re AG arbeitete im Cybergeschäft 2025 nach deutschem Handelsrecht allerdings mit einer Schaden-Kosten-Quote von 104,8 Prozent, also mit Verlust.

Die Rekordurteile amerikanischer Geschworenengerichte verteuern Haftpflichtschäden, die oft erst Jahre nach dem Unfall feststehen.

In der Pflegeversicherung wiederum, etwa beim Manulife-Vertrag, übernimmt der Konzern Risiken über Jahrzehnte. Steigen Pflegekosten oder Lebenserwartung stärker als kalkuliert, zeigt sich der Fehler erst lange nach Vertragsschluss. Ein Absturz im Rating wäre für einen Rückversicherer besonders teuer, weil Erstversicherer ihr Risiko bevorzugt Partnern mit erstklassiger Bonität anvertrauen.

Drei Szenarien bis 2030

Im günstigen Fall bleiben große Katastrophen weiter aus, die Preise fallen moderat, und Munich Re erreicht die Ziele von Ambition 2030 mit mehr als 8 Prozent Gewinnwachstum je Aktie im Jahr. Realistisch erscheint der Redaktion ein Zyklus wie in früheren weichen Märkten: sinkende Margen in der Katastrophendeckung, teilweise ausgeglichen durch Lebensrückversicherung und ERGO. Im ungünstigen Fall trifft ein schweres Hurrikanjahr auf einen weit fortgeschrittenen Preisverfall, die Rückkäufe werden ausgesetzt, und die Dividende stagniert.

Risiken
Was Munich Re gefährden kann
Fünf Risiken, sortiert nach zeitlicher Nähe (Einschätzung der Redaktion).
Akut
Preisverfall
Preise 2026 in jeder Runde gesunken, Jefferies erwartet für Januar 2027 eine Beschleunigung.
Akut
US-Haftung
Fast 200 Urteile über umgerechnet 8,9 Mio. € im Jahr 2025, 40 Prozent mehr als 2024.
Jederzeit
Zweihundertjahressturm
Atlantischer Hurrikan im Risikomodell: 8,5 Mrd. € Schaden, mehr als ein Jahresgewinn.
Mittelfristig
Cyber-Kumul
Cybergeschäft der Munich Re AG 2025 mit Schaden-Kosten-Quote von 104,8 Prozent.
Langfristig
Pflege und Langlebigkeit
Verträge über Jahrzehnte, Fehler in der Kalkulation zeigen sich spät.

Was bedeutet Munich Re für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Weißes Hausmodell mit Rettungsring und Kalender 2027 auf weißem Podest
Für Anfang 2027 ist ein Gesetzentwurf zur Elementarschadenversicherung angekündigt.

Deutsche Verbraucher spüren Munich Re über ERGO und über die Preise ihrer Wohngebäudepolicen. Sinkende Rückversicherungspreise kommen nur an, sofern die Erstversicherer den Nachlass weitergeben, und 2027 entscheidet die Elementarschadenreform über den nächsten Beitragsschub.

ERGO setzte 2025 in Deutschland 15,0 Milliarden Euro um, davon 10,3 Milliarden mit Lebens- und Krankenversicherungen, 4,7 Milliarden mit Sach- und Unfallpolicen. Auch Inhaber alter Policen von Victoria, Hamburg-Mannheimer oder DKV sind heute Kunden der Erstversicherungstochter.

Indirekt zahlen die meisten Haushalte an Munich Re mit, über die Rückversicherungskosten ihres Versicherers.

Für Hausbesitzer ist die geplante Reform der wichtigere Punkt. Nach den Eckpunkten der Bundesregierung sollen neue Wohngebäudepolicen nur noch mit Elementarschutz angeboten werden, bestehende Verträge sollen umgestellt werden. In Nordrhein-Westfalen stieg die Versicherungsquote binnen fünf Jahren von 47 auf 65 Prozent.

Jeder zusätzliche Vertrag erhöht die Nachfrage der Erstversicherer nach Hochwasserschutz bei Rückversicherern wie Munich Re.

Was Unternehmer wissen sollten

Für Firmen zählen zwei Felder. Das erste ist die Cyberversicherung: 89 Prozent der Unternehmen fühlen sich nach Studien von Munich Re nicht ausreichend gegen Cyberangriffe geschützt, die Nachfrage nach Policen bleibt trotzdem gering.

Das zweite Feld ist die Haftung in den USA. Munich Re rät europäischen Unternehmen mit amerikanischen Töchtern, Werken, Lieferanten oder Produkten, nicht nur die Deckungssummen zu prüfen, sondern auch die Auswahl der Subunternehmer und die Dokumentation von Entscheidungen.

Für Anbieter künstlicher Intelligenz hat Munich Re mit aiSure eine Deckung im Angebot, mit der sie Kunden Leistungsgarantien geben können, auch gegen Fehler durch erfundene Antworten generativer KI.

Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate

Optimistisch betrachtet verläuft die Hurrikansaison 2026 glimpflich, die Preise zum 1. Januar 2027 sinken nur leicht, und Munich Re übertrifft die Gewinnprognose von 6,3 Milliarden Euro. Realistisch ist ein stärkerer Preisrückgang im Januar, den der Konzern mit Volumenverzicht sowie Gewinnen aus Lebensrückversicherung und ERGO teilweise auffängt. Im pessimistischen Fall trifft ein schweres Ereignis die Bilanz, während die Preise weiter fallen und die Elementarreform in Berlin stockt. Die Quartalszahlen am 12. November 2026 zeigen, welcher Pfad sich abzeichnet.

Ausblick
Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate
Was bis Herbst 2027 auf Munich Re und ihre Kunden zukommen kann (Einschätzung der Redaktion).
Optimistisch
Ruhige Saison
Glimpfliche Hurrikansaison, Januarpreise sinken nur leicht, Gewinn über 6,3 Mrd. €.
Realistisch
Weicher Markt
Stärkerer Preisrückgang im Januar, abgefedert durch Lebensrückversicherung und ERGO.
Pessimistisch
Doppelschlag
Schweres Ereignis trifft auf fallende Preise, die Elementarreform stockt.
6,3 Mrd. €
Gewinnprognose 2026
12.11.2026
Quartalszahlen Q3
Q1 2027
angekündigter Gesetzentwurf Elementarschaden

Was Sie jetzt tun können

Als Hausbesitzer prüfen Sie am besten vor der Reform, ob Ihre Wohngebäudeversicherung einen Elementarbaustein enthält, und vergleichen bei der nächsten Beitragsanpassung Angebote. Als Unternehmer mit Geschäft in den USA suchen Sie gerne das Gespräch mit Ihrem Makler über Haftungssummen und Lieferantenverträge. Anleger bekommen bei einem Kurs von 526,60 Euro und 24 Euro Dividende rechnerisch eine Rendite von 4,6 Prozent, kaufen damit aber auch den Preiszyklus der Rückversicherung mit.

Auf den PunktWas Munich Re für Sie bedeutet
  • Verbraucher: ERGO-Kunden und indirekte Zahler über jede Sachpolice.
  • Hausbesitzer: Elementarschutz soll Standard neuer Wohngebäudepolicen werden, der Gesetzentwurf ist für Anfang 2027 angekündigt.
  • Unternehmer: Cyberdeckung und Haftungsrisiken aus dem US-Geschäft prüfen.

Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Munich Re

Offenes Buch auf weißem Block mit orangefarbenem Reiter und Hinweisschildchen
Von Abzinsung bis Versicherungsumsatz: die wichtigsten Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von Munich Re.

Abzinsung

Bei der Abzinsung wird eine künftige Zahlung auf ihren heutigen Wert umgerechnet. Nach der Bilanzregel IFRS 17 gehen Schäden, die ein Versicherer erst in Jahren zahlt, abgezinst in die Schaden-Kosten-Quote ein. Bei Munich Re senkte dieser Effekt die Quote im zweiten Quartal 2026 um rund 9,5 Prozentpunkte.

Alternatives Kapital

Als alternatives Kapital gilt Geld von Investoren außerhalb der klassischen Versicherer, das über Katastrophenanleihen, Zweckgesellschaften oder besicherte Verträge Rückversicherungsrisiken übernimmt. Laut Gallagher Re lag dieses Kapital Ende Juni 2026 bei umgerechnet 131 Milliarden Euro, rund ein Fünftel des gesamten Rückversicherungskapitals.

Erneuerungsrunde

Eine Erneuerungsrunde ist ein fester Stichtag, zu dem ein großer Teil der Rückversicherungsverträge ausläuft und neu verhandelt wird. Die wichtigsten Termine sind der 1. Januar, der 1. April und der 1. Juli. Die Ergebnisse dieser Runden zeigen, wie sich Preise und Bedingungen im Markt entwickeln.

Erstversicherer

Ein Erstversicherer schließt Verträge direkt mit Privatleuten und Firmen ab, etwa für Wohngebäude, Autos oder Leben. Einen Teil der übernommenen Risiken gibt der Erstversicherer gegen Prämie an Rückversicherer weiter. Im Munich-Re-Konzern übernimmt ERGO diese Rolle, die übrigen Erstversicherer sind Kunden des Rückversicherers.

Großschaden

Ein Großschaden ist bei Munich Re ein einzelnes Ereignis, das den Konzern mehr als einen festgelegten Millionenbetrag kostet, etwa ein Hurrikan, ein Erdbeben oder ein Industrieunglück. Der Konzern plant dafür jedes Jahr ein Budget als Anteil der Prämie ein, für 2025 lag der Wert bei 17 Prozent.

Katastrophenanleihe

Eine Katastrophenanleihe, englisch Cat Bond, ist eine Anleihe, bei der Investoren ihr Geld ganz oder teilweise verlieren, sobald ein vorher definiertes Ereignis eintritt, etwa ein Sturm mit bestimmter Schadenhöhe. Im Gegenzug erhalten die Anleger einen Zinsaufschlag. Versicherer geben so Spitzenrisiken an den Kapitalmarkt weiter.

Langlebigkeitsrisiko

Das Langlebigkeitsrisiko ist die Gefahr, dass Rentner im Schnitt länger leben als kalkuliert und Renten deshalb länger gezahlt werden müssen. Pensionsfonds und Lebensversicherer geben dieses Risiko an Rückversicherer ab. Munich Re schloss im ersten Halbjahr 2026 ihre bislang größte Transaktion dieser Art über 4 Milliarden Euro ab.

Nuclear Verdict

Als Nuclear Verdict bezeichnet die US-Versicherungsbranche ein Urteil einer Geschworenenjury mit sehr hoher Schadenersatzsumme, meist ab umgerechnet rund 8,9 Millionen Euro. Solche Urteile treiben die Kosten der Haftpflichtversicherung, weil Versicherer mit höheren Zahlungen rechnen müssen als ursprünglich kalkuliert.

Reserveauflösung

Eine Reserveauflösung entsteht, sobald ein Versicherer für Schäden aus früheren Jahren mehr zurückgestellt hat, als er tatsächlich zahlen muss. Der überschüssige Betrag fließt in den Gewinn. Munich Re plant solche Auflösungen fest ein, im ersten Halbjahr 2026 senkte der Effekt die Schaden-Kosten-Quote um rund 6 Prozentpunkte.

Retrozession

Die Retrozession ist die Rückversicherung des Rückversicherers. Munich Re gibt einen Teil der übernommenen Risiken an andere Rückversicherer oder über Zweckgesellschaften an Investoren weiter. 2025 hat der Konzern diese externe Weitergabe verringert und behält mehr Risiko selbst.

Schaden-Kosten-Quote

Die Schaden-Kosten-Quote, englisch Combined Ratio, setzt Schäden und Betriebskosten eines Versicherers ins Verhältnis zur Prämie. Liegt die Quote unter 100 Prozent, verdient der Versicherer schon vor Kapitalerträgen Geld. Munich Re kam in der Schaden- und Unfallrückversicherung 2025 auf 73,5 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 auf 67,9 Prozent.

Solvency-II-Quote

Die Solvency-II-Quote setzt die Eigenmittel eines Versicherers ins Verhältnis zum Kapital, das die europäische Aufsicht für seine Risiken verlangt. 100 Prozent sind das Minimum. Munich Re meldete Ende Juni 2026 eine Quote von 304 Prozent, das Ziel liegt bei über 200 Prozent.

Versicherungslücke

Die Versicherungslücke, englisch Protection Gap, ist der Anteil wirtschaftlicher Schäden, für den keine Versicherung aufkommt. Bei Naturkatastrophen lag die Lücke nach Berechnung von Munich Re im ersten Halbjahr 2026 bei 60 Prozent. Die Lücke ist in Schwellenländern deutlich größer als in Europa oder Nordamerika.

Versicherungsumsatz

Der Versicherungsumsatz ist die Umsatzgröße nach der Bilanzregel IFRS 17. Die Kennzahl erfasst die Prämien, die auf den Versicherungsschutz einer Periode entfallen, und ersetzt die früher übliche gebuchte Bruttoprämie. Munich Re kam 2025 auf 60,4 Milliarden Euro.

FAQ: Wie verdient Munich Re am Risiko der anderen?

Ein orangefarbener und ein weißer Regenschirm übereinander mit einem FAQ-Schild
Häufige Fragen zu Munich Re: Münchener Rück, ERGO, Dividende, Vorstand, Beschäftigte und die nächsten Zahlen.

Ist Munich Re dasselbe wie die Münchener Rück?

Ja. Die Muttergesellschaft heißt Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München, international tritt der Konzern als Munich Re auf. Sitz ist die Königinstraße 107 in München, die Aktie gehört zum deutschen Leitindex Dax.

Gehört ERGO zu Munich Re?

Ja. Munich Re bündelte 1997 ihre Beteiligungen an Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV und D.A.S. zur ERGO Versicherungsgruppe mit Sitz in Düsseldorf. ERGO setzte 2025 rund 21,7 Milliarden Euro um und verdiente 917 Millionen Euro, gut zwei Drittel des Umsatzes stammen aus Deutschland.

Wie hoch ist die Dividende von Munich Re?

Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte Munich Re 24 Euro je Aktie, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Beim Kurs von 526,60 Euro am 12. Oktober 2026 entspricht das einer Dividendenrendite von rund 4,6 Prozent. Hinzu kommt ein Aktienrückkauf über 2,25 Milliarden Euro bis zur Hauptversammlung 2027.

Wer führt Munich Re?

Seit dem 1. Januar 2026 ist Christoph Jurecka Vorstandsvorsitzender. Jurecka war zuvor Finanzvorstand des Konzerns und folgte auf Joachim Wenning, der Munich Re von 2017 bis Ende 2025 führte. Neuer Finanzvorstand ist Andrew Buchanan.

Wie viele Menschen arbeiten bei Munich Re?

Ende 2025 beschäftigte der Konzern 43.982 Menschen im Konsolidierungskreis des Geschäftsberichts. In der breiter gefassten Personalstatistik zählte der Konzern 45.897 Beschäftigte, davon 19.940 in Deutschland. Rund 62 Prozent aller Beschäftigten arbeiten bei ERGO.

Wann veröffentlicht Munich Re die nächsten Zahlen?

Die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026 erscheint am 12. November 2026. Die vorläufigen Zahlen für das Gesamtjahr 2026 legt Munich Re am 25. Februar 2027 vor, der Geschäftsbericht folgt am 18. März 2027.

Quellen

36 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 13.10.2026
  1. Munich ReGroup Annual Report 2025Geschäftsbericht 2025
  2. Munich ReMunich Re achieves 2025 profit target (Geschäftszahlen 2025, 26.02.2026)
  3. Munich ReHalf-year financial report 2026 (Pressemitteilung vom 07.08.2026)
  4. Munich ReIR-Handout Q2 2026
  5. Munich ReQuarterly statement 1 202612.05.2026
  6. Munich ReRisks are becoming more global and more volatile (Rendez-vous de Septembre, 06.09.2026)
  7. Munich ReNatural disaster figures 202513.01.2026
  8. Munich ReNatural disaster figures first half of 202630.07.2026
  9. Munich ReDie Gründerjahre: auf dem Weg zur Weltspitze (1880 bis 1914)
  10. Munich ReNeuausrichtung der Konzernstruktur (1996 bis 2008)
  11. Munich ReVon der Denkfabrik zum Lösungsanbieter (2009 bis heute)
  12. Munich ReAd-hoc-Meldung zur Nachfolge im Vorstandsvorsitz23.07.2025
  13. Munich ReWarren Buffett reduces his shareholding in Munich Re29.09.2015
  14. HSB (Munich Re)HSB to acquire At-Bay (Pressemitteilung vom 19.08.2026)
  15. Munich ReStatement zum Austritt aus vier Klima-Initiativen06.06.2025
  16. Munich ReGlobal Cyber Risk and Insurance Survey 2026
  17. Munich ReaiSure: Insurance for AI
  18. Munich ReAnnual General Meeting 202629.04.2026
  19. Munich ReFacts and figures
  20. Munich ReFinanzkalender (Event calendar)
  21. Deutscher BundestagLobbyregister, Registereintrag R001697 Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Stand 17.06.2026)
  22. BundesregierungRede der Bundesjustizministerin beim GDV-Versicherungstag (Bulletin, 27.09.2026)
  23. GDVBundesregierung stellt Weichen für mehr Elementarschutz28.09.2026
  24. Reinsurance NewsDespite accelerating price declines, Munich Re’s strategic targets are still achievable: Jefferies09.10.2026
  25. Reinsurance NewsNuclear verdicts put US casualty exposures under fresh scrutiny: Munich Re09.10.2026
  26. Reinsurance NewsMunich Re’s long-term care reinsurance transaction with Manulife now in-force02.10.2026
  27. Reinsurance NewsMunich Re and Lloyd’s take top spots in 2025 global reinsurer rankings17.08.2026
  28. Reinsurance NewsClosing cyber protection gap a major business opportunity: Munich Re07.09.2026
  29. Reinsurance NewsMunich Re quits Net-Zero Insurance Alliance31.03.2023
  30. ArtemisAlternative capital rose 9% in H1 2026 to record: Gallagher Re01.09.2026
  31. ad-hoc-newsMunich Re-Aktie notiert bei 526,60 Euro12.10.2026
  32. The LocalInsurance firm held sex party for sales reps19.05.2011
  33. Bloomberg LawMunich Re’s Ergo to Buy Next Insurance20.03.2025
  34. Allianz SEAllianz achieves record operating profit of 17.4 billion euros (Geschäftszahlen 2025, 26.02.2026)
  35. Allianz Versicherungs-AGGeschäftsbericht 2025
  36. Europäische ZentralbankEuro foreign exchange reference rates (Referenzkurs vom 12.10.2026)
4,1 10 Bewertungen

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