Microsoft hat im Jahr bis Mitte Juli 8,55 Millionen Tonnen CO2-Entnahmen eingekauft, rund 80 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, berichtet Bloomberg.[1] Im Geschäftsjahr 2025 stiegen die eigenen Emissionen des Konzerns auf 20,29 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Den Zuwachs verursacht der Bau der Rechenzentren, nicht ihr Betrieb.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin einziger Abnehmer trägt diesen Markt: Nach Zahlen der Branchendatenbank CDR.fyi entfielen im April 2026 78,5 Prozent aller vertraglich gesicherten dauerhaften CO2-Entnahmen auf Microsoft. Der Rückzug trifft deshalb nicht nur die Konzernbilanz, sondern die Finanzierung ganzer Anlagen.
Das Wichtigste in Kürze
- Microsoft kaufte im Jahr bis Mitte Juli 8,55 Millionen Tonnen CO2-Entnahmen, rund 80 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, berichtet Bloomberg.
- Die eigenen Emissionen erreichten im Geschäftsjahr 2025 20,29 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent nach 16,22 Millionen im Vorjahr.
- Treiber ist Scope 3, Kategorie 2: Die Vorleistungen für Anlagen und Bauten wuchsen von 6,29 auf 9,04 Millionen Tonnen.
- Ab 27. September 2026 verbietet Nummer 4c der UWG-Blacklist Produktwerbung mit Klimaneutralität, die auf Kompensation beruht.
Warum steigen Microsofts Emissionen trotz Ökostrom?

Der Bau zählt, nicht der Betrieb. Im eigenen Umweltdatenblatt weist Microsoft für das Geschäftsjahr 2025 20,29 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent aus, nach 16,22 Millionen ein Jahr zuvor.[2] Den Sprung verursacht Scope 3, Kategorie 2, also die Vorleistungen für Anlagen und Bauten: Beton, Stahl, Serverschränke, Beschleuniger. Diese Position wuchs von 6,29 auf 9,04 Millionen Tonnen. Grüner Strom greift dort nicht, denn die Tonnen entstehen beim Zulieferer, lange bevor der erste Rechenknoten anläuft.
Andere Betreiber bauen im selben Takt. Hochtief errichtet für Meta in Louisiana ein Rechenzentrum mit fünf Gigawatt Anschlussleistung. xAI hält in Memphis 33 Gasturbinen in Betrieb. Jeder dieser Standorte bindet Emissionen im Bau, bevor eine einzige Anfrage beantwortet ist.
Was passiert mit einem Markt, der einen einzigen Käufer hat?
Ein Abnehmer finanziert die Anlagen. Laut der Datenbank CDR.fyi hielt Microsoft im April 2026 rund 36,4 Millionen Tonnen unter Vertrag, mehr als das Dreifache aller übrigen Käufer zusammen.[3] Gut drei Viertel davon entfallen auf Bioenergie mit CO2-Abscheidung. Solche Anlagen entstehen gegen langfristige Abnahmeverträge; ohne den Abnehmer fehlt der Bank die Sicherheit, nicht bloß der Umsatz.
Den Kurswechsel hatte Microsoft angekündigt. Im Februar 2025 beendete der Konzern den Kauf von Spot-Zertifikaten und Entnahmegutschriften aus Bestandsprojekten und veröffentlicht seither keine jährliche Klimaneutralitäts-Kennzahl mehr.[2] Das Ziel, bis 2030 CO2-negativ zu werden, steht weiter.
Ein Klimamarkt mit einem einzigen großen Käufer ist kein Markt, sondern ein Förderprogramm auf Kündigung. Unternehmen, die ihr eigenes Neutralitätsversprechen darauf stützen, kaufen dieses Risiko mit ein.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Einkauf laut Bloomberg-Bericht vom 13. August 2026, Emissionen aus Microsofts eigenem Umweltdatenblatt für das Geschäftsjahr 2025.
Vorleistungen für Anlagen und Bauten (Scope 3, Kategorie 2), in Millionen Tonnen CO2-Äquivalent
Was gilt ab September für deutsche Unternehmen?
Kompensationswerbung wird abmahnbar. Nummer 4c der Blacklist im Anhang zu § 3 Absatz 3 UWG untersagt ab dem 27. September 2026 jede Produktaussage, wonach ein Erzeugnis dank Kompensation klimaneutral, klimapositiv oder emissionsärmer sei. Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2024/825.[4] Wie streng Gerichte schon heute urteilen, zeigt die Untersagung von Hornbachs Naturschutz-Werbung.
Prüfen Sie bis Mitte September jede Verpackung und jede Landingpage auf Kompensationsclaims. Das Budget wandert danach besser in eigene Einsparungen, etwa in den Umbau der Fabrikwärme, den E.ON und Leadec ohne Eigenkapital des Kunden finanzieren. Für dauerhafte Entnahmen schafft die Verordnung (EU) 2024/3012 seit Ende 2024 einen Zertifizierungsrahmen.[5] Als Werbeargument taugen die Gutschriften ab September trotzdem nicht mehr, während der Strombedarf der KI-Rechenzentren weiter wächst.
Quellen
[1] Bloomberg: „Microsoft Cuts Carbon-Removal Purchases by 80% Amid AI Spending Push“
[2] Microsoft: „2026 Environmental Data Fact Sheet“ (PDF)
[3] CDR.fyi: „Durable CDR Demand Structure Snapshot: Microsoft, Frontier, and the Rest of the Market“
[4] Amtsblatt der Europäischen Union: „Richtlinie (EU) 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel“
[5] Amtsblatt der Europäischen Union: „Verordnung (EU) 2024/3012 zur Zertifizierung von dauerhaften CO2-Entnahmen“
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