Apple verhandelt laut Wall Street Journal mit Verlagen über Inhalte für die neue Siri und bietet ein Honorar pro Abruf statt der üblichen Pauschale. Das erwogene Budget liegt bei mindestens rund 87 Millionen Euro. Deutsche Häuser trifft das Modell besonders hart, weil Siri AI auf dem EU-iPhone vorerst gar nicht startet.

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Beim Siri-Lizenzdeal zahlt Apple laut Wall Street Journal nur für das, was der Assistent tatsächlich heranzieht. Wie viel davon bei einem einzelnen Verlag ankommt, weiß vorher niemand.

Das Wichtigste in Kürze

  • Apple verhandelt laut Wall Street Journal über mehrjährige Lizenzen für aktuelle Nachrichten in Siri AI.
  • Vergütet werden soll pro Nutzung statt pauschal, bei einem Budget von mindestens rund 87 Millionen Euro.
  • Siri AI startet im Herbst, in der EU aber vorerst nicht auf iPhone, iPad und Apple Watch.
  • In Europa greift Paragraf 87g UrhG, weil eine ausformulierte Antwort mehr ist als ein sehr kurzer Auszug.

Was schlägt Apple den Verlagen vor?

Stapel gefaltetes Papier mit Schlitz neben Münze „pro Abruf“ und kleinem Etikett
Apple zahlt Content-Creator variabel: Honorar fließt nur, wenn Siri AI deren Inhalte für Antworten nutzt

Apple bietet mehrjährige Verträge an, deren Honorar an die tatsächliche Nutzung gekoppelt ist. Das Wall Street Journal berichtet über ein variables Modell: Geld fließt, sobald Siri AI den Beitrag eines Hauses für eine Antwort heranzieht. Apple hat sich dazu nicht geäußert. Craig Federighi, Senior Vice President Software Engineering, versprach im Juni „Zugang zu breitem Weltwissen für aktuelle Antworten zu praktisch jedem Thema“.[1] Tagesaktuelle Meldungen liefert dieses Weltwissen nicht von allein.

Warum bricht die Bezahlung pro Abruf mit dem Markt?

Feste Lizenzgebühren entkoppeln das Verlagshonorar von der Frage, ob ein Text je gelesen wird. Diese Entkopplung endet, sobald ein Assistent Inhalte erst zur Laufzeit holt: Jeder Abruf lässt sich protokollieren, also abrechnen. Aus der Reichweitenökonomie wird eine Abrufökonomie, in der Redaktionen um Trefferplätze in der Antwort konkurrieren statt um Klicks. Dieselbe Mechanik beschreibt der Ratgeber zur Generative Engine Optimization. Wie teuer sie wird, zeigt die Auswertung, nach der AI Overviews die Klickrate trotz Platz 1 halbieren.

Die bisherigen Verträge funktionieren anders. Google zahlt Reddit rund 60 Millionen Dollar im Jahr, umgerechnet etwa 52 Millionen Euro zum Kurs von 0,87 am 13. August 2026. OpenAI vereinbarte mit News Corp mehr als 250 Millionen Dollar für fünf Jahre. Beide Male fließt das Geld unabhängig von der Nutzung. Reddit ringt inzwischen um eine Verlängerung, weil der eigene Traffic unter dem Lizenzdeal leidet. Apple reicht das Nutzungsrisiko an die Verlage weiter.

Ein Honorar pro Abruf klingt fair und verschiebt doch das gesamte Absatzrisiko zum Verlag. Eine Unterschrift ist damit vor allem eine Wette darauf, dass der Assistent die eigenen Texte oft genug findet.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Pro Abruf statt pauschal: Apples Angebot an die Verlage

Die Eckwerte des verhandelten Siri-Lizenzdeals im Vergleich zu bestehenden Verträgen, alle Beträge in Euro.

87 Mio. €
Untergrenze des Budgets, das Apple laut Wall Street Journal für die Zahlungen erwägt
pro Abruf
Vergütung nur bei tatsächlicher Nutzung, statt einer garantierten Pauschale
3 von 5
Betriebssysteme ohne Siri AI in der EU zum Start: iOS, iPadOS und watchOS
§ 87g
Urheberrechtsgesetz: lizenzfrei bleiben nur einzelne Wörter und sehr kurze Auszüge

Was Plattformen Verlagen bislang zahlen, je Jahr

Apple, erwogenes Budget
87 Mio.
Google an Reddit
52 Mio.
OpenAI an News Corp
44 Mio.

Was bedeutet der Siri-Lizenzdeal für deutsche Verlage?

Das Leistungsschutzrecht macht eine Lizenz in Europa unausweichlich. Paragraf 87g UrhG gibt Presseverlegern das ausschließliche Recht an der Online-Nutzung ihrer Veröffentlichungen, frei bleiben nur einzelne Wörter und sehr kurze Auszüge.[2] Eine ausformulierte Antwort fällt kaum darunter. Die Schranke für Text und Data Mining hilft nicht weiter, weil Paragraf 44b UrhG die Analyse fürs Modelltraining erfasst, nicht den Abruf zur Laufzeit.[3] Der Nutzungsvorbehalt in der robots.txt deckt damit nur die eine Hälfte ab.

Die zweite Hälfte steht in Apples eigener Ankündigung. Siri AI unterstützt Deutsch, erscheint in der EU zum Start aber nur auf Mac und Vision Pro.[1] Der Ausschluss von iPhone, iPad und Apple Watch war schon im Juni absehbar und hängt am Streit über den Digital Markets Act. Ein Honorar pro Abruf trifft hier also auf die kleinste denkbare Gerätebasis, während das Wissen im Hintergrund ohnehin zum Teil von Google kommt.

Vor einer Unterschrift gehört geklärt, wie Apple die Abrufe zählt und welchen Nachweis Verlage erhalten. Eine Untergrenze für abrufarme Monate gehört daneben. Ohne beides bleibt der Vertrag eine Wette auf fremde Produktentscheidungen, wie sie das vergoldete Gefängnis der Plattformen beschreibt.

Quellen

[1] Apple Newsroom: „Apple introduces Siri AI, a profoundly more capable and personal assistant“

[2] Bundesamt für Justiz: „Paragraf 87g UrhG, Rechte des Presseverlegers“

[3] Bundesamt für Justiz: „Paragraf 44b UrhG, Text und Data Mining“

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