IBM baut eine eigene OpenAI-Practice mit Tausenden Beratern auf und rückt damit vom Verkauf eigener Modelle ab. Die Beratungssparte wuchs zuletzt um ein Prozent, generative KI steckt inzwischen in jedem zweiten Abschluss. Die Pflichten aus der KI-Verordnung bleiben dabei beim deutschen Anwender.

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Am 13. August 2026 haben IBM und OpenAI eine strategische Partnerschaft geschlossen, die GPT-5.6, den Coding-Agenten Codex und ChatGPT Work in IBMs Beratungsplattform einbettet. Andy Baldwin, Global Senior Vice President bei IBM Consulting, formuliert den Anspruch nüchtern: „Die Herausforderung liegt nicht im Zugang zu KI-Technologien, sondern darin, KI sicher und in großem Maßstab in komplexe Unternehmensumgebungen zu integrieren.“

Das Wichtigste in Kürze

  • GPT-5.6, Codex und ChatGPT Work laufen künftig in IBMs Plattform Consulting Advantage.
  • Eine neue OpenAI-Practice mit Tausenden zertifizierten Beratern und Ingenieuren soll die Projekte tragen.
  • IBM Consulting setzte im zweiten Quartal 2026 rund 4,61 Milliarden Euro um, bei einem Prozent Wachstum.
  • Für Personalprozesse greift die Hochrisiko-Einstufung aus Anhang III der KI-Verordnung ab dem 2. Dezember 2027.

Was steckt in der Vereinbarung zwischen IBM und OpenAI?

Kaffeemaschine mit Taxi-Schild und ein Jutesack auf weißem Hintergrund
IBM integriert OpenAIs Frontier-Modelle in Consulting-Plattform und steigt zur Elite-Partnerstufe auf, um Legacy-Prozesse zu modernisieren

IBM bettet OpenAIs Frontier-Modelle direkt in die eigene Beratungsplattform ein und steigt dafür in die Elite-Partnerstufe des Modellanbieters auf. GPT-5.6, Codex und ChatGPT Work laufen künftig innerhalb von IBM Consulting Advantage, der Plattform hinter IBMs Projektgeschäft. Der Umbau zielt auf Altprozesse in Finanzwesen, Einkauf, Kundenservice und Personal sowie auf betagte Anwendungen. Für die Cyberabwehr koppelt IBM seinen Multiagenten-Dienst Autonomous Security an das Daybreak-Programm von OpenAI. Die ersten Branchen sind Finanzdienstleistung, Verwaltung, Telekommunikation und Handel.[1]

Warum stellt IBM das eigene Modellgeschäft hinten an?

Vier Fünftel des KI-Auftragsbuchs, das IBM seit Mitte 2023 aufgebaut hat, entfallen auf Beratung und nur ein Fünftel auf Software. Darin liegt der eigentliche Grund für das Bündnis: IBM verdient an den Beratungsstunden. Im zweiten Quartal 2026 setzte die Beratungssparte 5,3 Milliarden Dollar um, umgerechnet rund 4,61 Milliarden Euro zum Kurs von 0,87 am 13. August 2026, bei einem Prozent Wachstum. Ein Segmentgewinn von 600 Millionen Dollar, also etwa 522 Millionen Euro, ergibt eine Marge von 12,1 Prozent.[2] Ein Prozent Wachstum trägt eine solche Marge nicht weit. Der schnellste verfügbare Nachfragetreiber heißt derzeit OpenAI.

Zwei Tage vor der Ankündigung vermietete IBM dem Anbieter Together AI noch einen eigenen Rechencluster für 209 Millionen Euro. Der Konzern baut also weiter Infrastruktur, verdient sein Geld aber im Projektgeschäft.

IBM verkauft künftig die Mannschaft, die OpenAIs Modelle einführt, statt eines eigenen Konkurrenzprodukts. Für deutsche Kunden verschiebt sich damit die entscheidende Frage vom Anbieter zur eigenen Dokumentationspflicht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
IBMs KI-Geschäft ist ein Beratungsgeschäft

Kennzahlen der Beratungssparte im zweiten Quartal 2026 und die Frist, die deutsche Anwender betrifft.

4,61 Mrd. €
Umsatz der Beratungssparte im zweiten Quartal 2026, ein Prozent mehr als im Vorjahr
12,1 %
Gewinnmarge der Sparte, 1,6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahresquartal
über 30 %
Anteil generativer KI am gesamten Auftragsbestand des Konzerns
2.12.2027
Stichtag für Hochrisiko-Systeme im Personalbereich nach Anhang III der KI-Verordnung

Woher IBMs KI-Auftragsbuch stammt

Beratung
80 %
Software
20 %

Was folgt daraus für deutsche Unternehmen?

Die Pflichten aus der KI-Verordnung treffen den Betreiber, nicht den Berater. Diese Zuordnung gilt für jede Form von Unternehmens-KI, unabhängig davon, welcher Anbieter das Modell liefert. Sobald IBM Personalprozesse auf GPT-5.6 umstellt, entsteht ein System, das Anhang III der Verordnung als Hochrisiko einstuft; Bewerberauswahl und Leistungsbewertung stehen dort ausdrücklich. Nach der Verschiebung durch den Digital Omnibus greifen die vollen Betreiberpflichten ab dem 2. Dezember 2027, die Transparenzregeln aus Artikel 50 dagegen schon seit dem 2. August 2026.

Wie weit solche Umbauten reichen, zeigen Kingdee und iFlytek in China, wo Agenten inzwischen komplette Abteilungen vom Einkauf bis zur Buchhaltung besetzen. In Deutschland senkt EnBW den Personalbedarf mit KI, ohne betriebsbedingt zu kündigen. Über den Aufwand entscheidet am Ende die Dokumentation, die der Betreiber vorhalten muss.

Vor der Unterschrift unter ein Beratungsangebot gehört deshalb geklärt, wer die Betreiberpflichten trägt und wie die Protokollierung nach Artikel 12 aussieht. Ein Ausstiegsszenario für den Modellwechsel gehört daneben, weil Consulting Advantage die Modelle kapselt und ein Wechsel am Beratungsvertrag hängt.

Quellen

[1] IBM Newsroom: „IBM Partners with OpenAI to Accelerate Secure AI Deployment for Enterprises Across Core Operations“

[2] IBM Newsroom: „IBM Releases Second-Quarter Results“

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