
Wird Ihr nächster PC ein LEGO-Stein? Vielleicht.
Michael Dobler
Autor Dr. WebEin Maker verwandelt den klassischen LEGO-Space-Baustein im Maßstab 10:1 in eine vollwertige Workstation mit Apple M4. Open Source, unter 100 € Materialkosten, und überraschend durchdacht.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Auf dem Schreibtisch steht ein grauer Kasten, der genauso aussieht wie alle anderen grauen Kästen in allen anderen Büros. Paul Staal von Watt IV hatte genug davon. Er hat den LEGO-Space-Computer aus dem Jahr 1979 in eine echte, funktionierende Workstation verwandelt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der M2x2 ist ein 3D-gedrucktes PC-Gehäuse im Maßstab 10:1, inspiriert vom klassischen LEGO-Space-Computerbaustein (Bauteil 3039p04)
- Im Inneren arbeitet ein Apple Mac Mini M4 als vollwertiger Arbeitsrechner
- Materialkosten für den 3D-Druck liegen unter 100 €, die Bauanleitung ist Open Source
- Funktionale Details wie ein integrierter Mediaregler und eine kabellose Ladestation im LEGO-Noppen machen den M2x2 alltagstauglich

Was steckt hinter dem M2x2?
Der Name M2x2 verweist auf die Abmessungen des originalen LEGO-Bausteins. 1979 brachte LEGO den keilförmigen Computerbaustein mit aufgedrucktem Bildschirm als Teil des Space-Themas heraus. Staal hat diesen Baustein im Maßstab 10:1 nachgebaut und so konstruiert, dass ein kompletter Apple Mac Mini mit M4-Chip hineinpasst.
Was wäre, wenn unsere Werkzeuge sich so durchdacht anfühlen würden wie ein gut gemachtes Instrument und so verspielt wie die Dinge, die wir als Kinder gebaut haben?
Paul Staal von Watt IV
Das gesamte Gehäuse wurde in Fusion 360 von Grund auf modelliert. Staal hat bewusst auf handelsübliche 3D-Drucker gesetzt. Wer das Projekt nachbauen möchte, braucht neben den gedruckten Teilen nur Gewindeeinsätze, ein paar Schrauben und etwas Kleber. Die Materialliste auf der Projektseite kommt auf rund 75 € für alle Komponenten. Den Mac Mini nicht mitgerechnet.
Warum sind die LEGO-Noppen keine Dekoration?
Die beiden übergroßen Noppen auf der Oberseite sind funktionale Module, die magnetisch befestigt werden. In der linken Noppe steckt ein IKEA Symfonisk Remote, der als Mediaregler funktioniert. Lautstärke anpassen oder die Musik vor einem Videocall stoppen gelingt mit einer kurzen Drehbewegung.
Die rechte Noppe verbirgt eine kabellose Ladestation. AirPods oder Apple Watch lassen sich dort aufladen, ohne dass ein zusätzliches Kabel den Schreibtisch belegt. Auf der Vorderseite sitzt ein 7-Zoll-Touchdisplay in der angewinkelten Fläche, die an den Originalbildschirm des LEGO-Bausteins erinnert. Staal nutzt dieses Display als Zweitmonitor für ein Home-Assistant-Dashboard mit Smart-Home-Sensoren und dem Druckfortschritt seines 3D-Druckers.
Auch die Rückseite zeigt Liebe zum Detail. Ausklappbare Kabelmanagement-Flügel halten das Stromkabel ordentlich, und eine Griffmulde im Gehäuse macht den M2x2 tragbar. Beides sind bewusste Verweise auf den originalen Macintosh von 1984.
Was kostet der Nachbau?
Die Einkaufsliste auf der Projektseite listet alle Komponenten transparent auf. Das 7-Zoll-IPS-Touchdisplay kostet rund 42 €, das Filament für den 3D-Druck etwa 19 €, der USB-C-Hub knapp 5 €. Insgesamt kommt der Materialpreis auf rund 75 €. Den Mac Mini M4 müssen Sie natürlich separat kaufen.
Staal hat alle Designdateien auf Makerworld als Open-Source-Download veröffentlicht. Die Bauanleitung umfasst 18 Schritte mit Bildern. Wer keinen eigenen 3D-Drucker besitzt, kann die Teile bei einem lokalen Maker-Service drucken lassen.
Warum ist der Zeitpunkt kein Zufall?
Der M2x2 passt in eine größere Entwicklung. LEGO selbst hat im Januar 2026 auf der CES den Smart Brick vorgestellt, einen Baustein mit eingebautem ASIC-Chip und Sensoren. Die Grenze zwischen Spielzeug und Technologie wird durchlässiger.
Gleichzeitig wächst die Maker-Bewegung im professionellen Umfeld. Individuelle Hardware-Lösungen, ob 3D-gedruckte Halterungen, maßgeschneiderte Gehäuse oder modulare Arbeitsplätze, werden zunehmend als Produktivitätsfaktor erkannt. Apples Entscheidung, den Mac Mini M4 auf nur 12,7 × 12,7 cm zu schrumpfen, macht Projekte wie den M2x2 überhaupt erst möglich.
Wie lässt sich der M2x2 nachbauen?
Staal hat die komplette Dokumentation frei zugänglich gemacht. Die 3D-Druckdateien finden Sie auf Makerworld unter dem Profil WattIV. Die detaillierte Bauanleitung mit Einkaufsliste steht auf der Projektseite von Watt IV.
Für den Zusammenbau brauchen Sie einen 3D-Drucker (oder Zugang zu einem), einen Lötkolben für die Gewindeeinsätze und etwa einen Nachmittag Zeit. Erfahrung mit 3D-Druck ist hilfreich, aber laut Staal keine Voraussetzung.
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