Die EU-US-Rohstoffpartnerschaft soll die gemeinsame Abhängigkeit von China lockern. Beide Wirtschaftsräume beziehen kritische Mineralien bisher überwiegend aus einer einzigen Quelle. Ob deutsche Unternehmen davon profitieren, hängt an Bedingungen, die noch offen sind.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 24. April 2026 unterzeichneten EU-Handelskommissar Maros Sefcovic und US-Außenminister Marco Rubio in Washington eine Absichtserklärung über eine strategische Partnerschaft für kritische Mineralien. Das Abkommen ist das sechzehnte bilaterale Rohstoffinstrument der EU und reagiert auf chinesische Exportkontrollen, die zuletzt einzelne Fertigungslinien in Europa lahmlegten.
Das Wichtigste in Kürze
- EU und USA haben am 24. April 2026 ein Memorandum of Understanding samt Aktionsplan für kritische Rohstoffe unterzeichnet.
- Geplant sind koordinierte Lagerbestände, gemeinsame Standards, abgestimmte Subventionen und engere Forschung.
- Die DIHK sieht Chancen für deutsche Firmen, fordert aber eine Partnerschaft auf Augenhöhe und WTO-konforme Regeln.
Was steckt im Abkommen?

Der Aktionsplan definiert kritische Mineralien nicht mehr als bloße Handelsgüter, sondern als strategische Vermögenswerte mit Bezug zur nationalen Sicherheit. Beide Partner wollen geologische Kartierungen teilen, Recycling-Standards harmonisieren und sich über Exportbeschränkungen von Drittländern austauschen. Die Vereinbarung knüpft an einen Rahmen vom August 2025 an.
Für die Industrie zählt vor allem die Preispolitik. Vorgesehen sind grenzausgeglichene Preisuntergrenzen, standardbasierte Märkte und Abnahmevereinbarungen, die westliche Bergbau- und Veredelungsprojekte auch gegen Billigimporte rentabel halten sollen. Wie tief die Abhängigkeit reicht, zeigt unser Zeugnis zu Europas Rohstoffabhängigkeit und die ernüchternde Bilanz des Europäischen Rechnungshofs.
Ein zweites Lieferland ersetzt kein eigenes Hüttenwerk. Solange Europa seine Veredelung nicht ausbaut, tauscht so ein Pakt nur einen Abhängigkeitsgeber gegen den nächsten.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was deutsche Firmen jetzt brauchen

Die DIHK hat ein Ideenpapier mit konkreten Bedingungen vorgelegt. Gefordert werden ein gleichberechtigter Marktzugang, eine gemeinsame Finanzierungsarchitektur und die Bündelung bestehender Instrumente wie ReSourceEU und des deutschen Rohstofffonds zu einem digitalen Co-Finance-Desk.
Bei den Preisuntergrenzen mahnt der Verband zur Vorsicht. Solche Preisflure erhöhen zwar die Planungssicherheit für neue Projekte, treiben aber zunächst die Beschaffungskosten, ohne das Angebot kurzfristig zu vergrößern. Die DIHK empfiehlt sie nur dort, wo der Staat selbst Endkunde ist, etwa bei sicherheitsrelevanten Rohstoffen.
Prüfen Sie, welche Ihrer Vorprodukte an Seltenen Erden, Lithium oder anderen kritischen Metallen hängen, und ob ein zweiter Lieferweg über die Partnerstaaten realistisch ist. Die Vereinbarung bleibt vorerst unverbindlich, ein verbindliches internationales Abkommen soll erst folgen.
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