Drei Jahre lang drückte ein Überangebot den Lithiumpreis, jetzt kommt die Wende von unerwarteter Seite. Nicht das Elektroauto treibt die Nachfrage, sondern der Boom bei großen Stromspeichern. Für Batteriehersteller und Projektierer verschieben sich damit die Spielregeln.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Lithiumpreis hat im Sommer 2025 den tiefsten Stand seit vier Jahren erreicht und seitdem kräftig zugelegt. An der Terminbörse in Guangzhou stieg Lithiumcarbonat bis Jahresende um rund 130 Prozent. Der Auslöser kommt aus einer unerwarteten Ecke, den stationären Batteriespeichern.
Das Wichtigste in Kürze
- Lithiumcarbonat fiel im Juni 2025 auf ein Vierjahrestief und erholte sich bis Jahresende um etwa 130 Prozent.
- Treiber ist die Nachfrage aus stationären Stromspeichern, nicht aus Elektroautos.
- Analysten erwarten für 2026 ein Plus der Speichernachfrage von rund 55 Prozent, nach 71 Prozent im Vorjahr.
- China ging 2025 gegen Überkapazitäten vor, der Batteriehersteller CATL stoppte eine Mine mit rund 3 Prozent des Weltangebots.
Warum drehen ausgerechnet die Stromspeicher den Markt?

Großspeicher stabilisieren Stromnetze und puffern Solar- und Windstrom, und genau dieser Bedarf wächst schneller als der Automarkt. Nach Branchenschätzungen legt die Lithiumnachfrage aus Speichern 2026 um rund 55 Prozent zu und könnte dann fast ein Drittel des gesamten Verbrauchs ausmachen. Der Absatz von Elektroautos entwickelt sich dagegen langsamer als noch vor zwei Jahren erwartet.
Auf der Angebotsseite zog China im Sommer 2025 die Zügel an. Das weltweite Lithiumangebot war zuvor jahrelang von Überkapazitäten geprägt. Der Batteriekonzern CATL stoppte im August die Förderung in der Mine Jianxiawo, die für rund 3 Prozent des Weltangebots steht, und viele Produzenten hatten zuvor unrentable Minen stillgelegt.
Der Lithiummarkt hat seinen Taktgeber gewechselt. Nicht mehr das Elektroauto bestimmt den Preis, sondern die Batterie, die nachts den Solarstrom des Tages ins Netz zurückgibt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Batteriehersteller im DACH-Raum?

Sicher ist die Erholung nicht. Eine schnellere Umstellung auf Natrium-Ionen-Speicher könnte einen Teil der Nachfrage abziehen, und überschüssige Raffineriekapazitäten in China begrenzen das Preispotenzial nach oben. Beim Einkauf von Zellen oder Speichersystemen sollten Sie mit kräftigen Preisschwankungen rechnen.
Sinnvoll ist es, Lieferverträge über mehrere Jahre zu strecken und Preisgleitklauseln zu vereinbaren. Behalten Sie zugleich die Batteriechemie im Auge, denn der Wechsel zu Lithium-Eisenphosphat verändert den Materialmix. Wie stark Batteriethemen den Alltag prägen, zeigt sich auch bei der Akku-Degradation im E-Auto.
Für 2026 deutet vieles auf festere, aber schwankungsanfällige Lithiumpreise hin. Planen Sie Speicherprojekte mit Puffer in der Kalkulation und prüfen Sie Alternativen zur reinen Lithiumzelle. Die Tiefphase der letzten Jahre dürfte vorbei sein, ein Selbstläufer ist die Erholung trotzdem nicht.