Cisco hebt sein Jahresziel für KI-Infrastruktur-Aufträge von Hyperscalern auf 9 Milliarden US-Dollar an. Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt einen klassischen Netzwerkausrüster gesehen, der sein Auftragsziel binnen drei Monaten von 5 auf 9 Milliarden anhebt?
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Cisco verdoppelt sein FY26-Ziel für KI-Infrastruktur-Aufträge von 5 auf 9 Milliarden US-Dollar
- Q3-2026-Quartalsumsatz auf Rekordniveau bei 15,8 Milliarden US-Dollar, plus 12 Prozent gegenüber Vorjahr
- Allein im Q3 1,9 Milliarden US-Dollar an KI-Infrastruktur-Aufträgen, mehr als das Dreifache des Vorjahresquartals
- Erwartetes FY27-AI-Revenue: mindestens 6 Milliarden US-Dollar laut CFO Mark Patterson
Warum diese Zahl ein Wendepunkt ist

Die Verdoppelung kommt zur Halbzeit des Geschäftsjahres. Cisco hat in drei Quartalen bereits 5,3 Milliarden US-Dollar an Hyperscaler-Aufträgen eingesammelt und damit das ursprüngliche Jahresziel überschritten. Das Q4 läuft noch. Allein im Q3 lagen die KI-Infrastruktur-Orders bei 1,9 Milliarden US-Dollar, das sind 600 Millionen aus dem Vorjahr im selben Quartal mal drei. Treiber sind Ciscos eigene Silicon-One-Chips, die Acacia-Optik-Sparte und neue Designs für Hyperscaler-Rechenzentren.
Die Verlagerung ist eine harte Strategie-Wahl. CEO Chuck Robbins streicht parallel 4.000 Stellen, rund sieben Prozent der Belegschaft, um Investitionen in Silikon, Optik, Sicherheit und KI-Infrastruktur zu finanzieren. Cisco wird damit zu einem Teil dessen, was bislang als reine NVIDIA-Story galt: Rechenzentren für KI brauchen Netzwerk-Hardware in massiver Stückzahl.
Was das mit Nokia zu tun hat

Der Cisco-Effekt hat Nokia an die Börsenspitze geschoben. Die Aktie hat 2026 bereits 115 bis 126 Prozent zugelegt und am 15. Mai mit 12,60 Euro das höchste Niveau seit Frühjahr 2009 erreicht. Auslöser: Nokia konkurriert mit Cisco bei Routern, Switches und Pluggable Transceivern. Bessere Cisco-Zahlen bedeuten automatisch bessere Nokia-Perspektiven, weil der Gesamtmarkt für KI-Netzwerke wächst.
Parallel hat Nokia eigene KI-Werkzeuge vorgestellt, die Netzfehler ohne menschliches Eingreifen erkennen und beheben. Der Markt für agentische KI in der Telekombranche könnte laut Konzern-Prognose bis 2030 auf 6,2 Milliarden US-Dollar wachsen. Für die deutsche Telekom-Anwender-Brille bedeutet das: LLM-gestützte Netzwerksteuerung wird in den kommenden 24 Monaten zur Standard-Anforderung für Telco-Infrastruktur in DACH.
Cisco zeigt, dass die KI-Welle nicht mehr nur den Chip-Herstellern Gewinn bringt. Investitionen in DACH-Rechenzentren müssen den Netzwerk-Layer genauso ernst nehmen wie GPUs. Ohne stabile, leistungsstarke Verbindungen taugt die teuerste NVIDIA-Hardware nur zur Heizung.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was DACH-Entscheider daraus ableiten

Die Investitionsentscheidungen der nächsten Monate hängen daran. Deutsche Rechenzentrumsbetreiber stehen vor dem Trade-off zwischen Ciscos integrierten Designs und offenen Ethernet-basierten Alternativen. Die Cisco-AI-Factory mit NVIDIA, im März 2026 ausgeweitet, gilt als Referenzarchitektur, bindet aber stark an das Cisco-Ökosystem. Zur Vermeidung von Vendor-Lock-in lohnen Alternativen aus dem Open-Networking-Lager.
Aus Strategie-Sicht relevant: Cisco bezeichnet sich selbst als „kritische Infrastruktur für das KI-Zeitalter“. Das ist mehr als Marketing, weil Hyperscaler wie AWS, Azure und Google Cloud ihre Aufträge nicht beliebig auf Alternativen verteilen können. Die Marktkonzentration bei KI-Netzwerk-Hardware könnte sich bis 2027 stärker konsolidieren als heute absehbar.
Für Mittelständler lohnt der Blick auf die Hosting-Architekturen, weil viele Cloud-Anbieter ihre Infrastruktur ebenfalls auf Cisco-Backbone aufbauen. Auch der Vergleich der KI-Modell-Anbieter bleibt zentral, denn Anthropic, OpenAI und Google verfolgen unterschiedliche Compute-Strategien, die unterschiedlich auf Netzwerk-Performance reagieren.
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