Quentin Kaiser hat am 16. Oktober in Paris gezeigt, wie sich Router mit Broadcom-Chips über das WLAN übernehmen lassen, ohne das Passwort zu kennen. Der Fehler steckt seit mindestens 2010 in Broadcoms Software für Gerätehersteller, eine bereinigte Fassung liefert der Chipkonzern seit 2018. In Belgien schätzt der Sicherheitsforscher grob 1,5 Millionen betroffene Router.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenStellen Sie sich vor, ein Fremder parkt vor Ihrem Büro und liest aus Ihrem Router das WLAN-Passwort aus. Diesen Ablauf hat Kaiser an einem Kabelrouter von Orange Belgium vorgeführt.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Angreifbar ist die WPS-Komponente aus Broadcoms Softwarepaket, das viele Hersteller übernommen haben.
- Kaisers Geräteliste nennt Modelle von Cisco, TP-Link, Netgear, Sagemcom und Nokia.
- Eine CVE-Nummer fehlt, Broadcom hat laut Kaiser keine vergeben.
- Seit dem 11. September 2026 müssen Hersteller aktiv ausgenutzte Lücken nach dem Cyber Resilience Act melden.
Wo steckt der Fehler in Broadcoms WLAN-Software?

Der Fehler sitzt in der Komponente, die bei Broadcom-Routern WPS abwickelt, also das Koppeln neuer Geräte per Knopfdruck. Laut Kaiser kann ein Angreifer in Funkreichweite darüber Speicher auslesen und eigenen Code ausführen, ohne das WLAN-Passwort zu kennen und ohne eine WPS-Kopplung abzuschließen.[1] Betroffen sind Kabelmodems mit dem Betriebssystem eCos ebenso wie Linux-Router für DSL und Glasfaser.
Nachgewiesen hat Kaiser die Lücke bei drei von vier belgischen Providern: Proximus, VOO und Orange. Bis zum 15. Oktober war keines der Geräte aktualisiert. Für die Suche setzte der Forscher mehrere KI-Agenten ein und bezifferte die Rechenkosten auf 103 Euro.[2] Ähnlich fand ein Prager Team mit KI 18 von 24 neuen Lücken in curl, Microsoft schloss im Oktober 23 Windows-Lücken, die Zhipus Modell GLM aufgespürt hatte.
Warum hat ein Update von 2018 die Router nicht erreicht?
Broadcom antwortete Kaiser im Juli, der Fehler sei seit Langem bekannt. Seit 2018 ersetze eine Neuentwicklung auf Basis der freien Software hostapd die alte Komponente, die Gerätehersteller bekämen die korrigierte Fassung seit Jahren.[2] Geschützt ist ein Router erst, sobald der Hersteller umstellt und der Provider die neue Firmware verteilt.
Öffentlich gewarnt hat Broadcom laut Kaiser nie. Broadcom darf als eigene Vergabestelle selbst CVE-Nummern zuteilen und hat laut Kaiser für diese Lücke keine registriert, die US-Koordinierungsstelle CERT/CC schloss Kaisers Meldung deshalb am selben Tag.[1] Ohne CVE-Nummer fehlt die Lücke in den Datenbanken, aus denen Schwachstellenscanner und Werkzeuge für das Patch-Management ihre Listen beziehen. Bei GitLab ging eine Sicherheitskorrektur aus demselben Grund sechs Wochen lang ohne Warnhinweis als gewöhnliches Update durch. Broadcoms Referenzcode fiel schon einmal auf: Im Januar 2020 wurde die als Cable Haunt bekannte Lücke in Kabelmodems von Sagemcom, Netgear, Technicolor und Compal öffentlich.[5]
Geschätzt betroffene Router je belgischem Provider
Ein Update, das acht Jahre beim Gerätehersteller liegt, schützt keinen Router im Büroflur.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was sollten Unternehmen mit Broadcom-Routern jetzt tun?
Seit dem 11. September 2026 verlangt Artikel 14 des Cyber Resilience Act von Herstellern, aktiv ausgenutzte Lücken binnen 24 Stunden an die EU-Agentur ENISA und die nationale Meldestelle zu melden.[6] Die Pflicht greift erst bei belegten Angriffen, eine Vorführung auf einer Konferenz reicht dafür nicht. Die übrigen Pflichten der neuen EU-Cyberregeln, darunter Sicherheitsupdates, gelten ab dem 11. Dezember 2027.
- Modelle abgleichen: Prüfen Sie Router und Access Points aus Ihrem Geräteverzeichnis gegen Kaisers Liste auf GitHub, die nach seiner Angabe unvollständig ist.[3]
- Provider fragen: Lassen Sie sich gerne schriftlich bestätigen, dass die Firmware Ihres Mietgeräts die alte WPS-Komponente nicht mehr enthält.
- Altgeräte tauschen: Für Ciscos Kleinbüro-Router RV110W, RV130W und RV215W, die auf Kaisers Liste stehen, liefert Cisco seit dem Ende der Produktpflege keine Updates mehr.[4]
- Eigenes Gerät anschließen: Paragraf 73 des Telekommunikationsgesetzes verbietet Providern, den Anschluss eines selbst gekauften Routers zu verweigern.[7]
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Quentin KaiserOne Parser, Two Bugs, Many Routers: Exploiting Broadcom WiFi Across eCos and Linux
- Quentin KaiserVortragsfolien Hexacon 2026, Paris (PDF)
- Quentin KaiserBroadcom 802.11 SDK Detection Toolkit mit Liste betroffener Geräte (GitHub)
- CiscoSecurity Advisory zu den Small-Business-Routern RV110W, RV130, RV130W und RV215W (End of Life)
- NIST National Vulnerability DatabaseCVE-2019-19494 (Cable Haunt)
- Europäische UnionVerordnung (EU) 2024/2847 (Cyber Resilience Act), Artikel 14 und 71
- Bundesministerium der Justiz§ 73 Telekommunikationsgesetz, Anschluss von Telekommunikationsendeinrichtungen
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