
Schafft KI die Klinik-Bürokratie ab? Fast.
Michael Dobler
Autor Dr. WebMicrosoft erweitert Dragon Copilot zum einheitlichen KI-Assistenten für Ärzte, Pflegekräfte und Radiologen. Über 100.000 Kliniker nutzen das Tool bereits täglich. Mit neuen Funktionen soll jetzt auch Deutschland stärker profitieren.
Klinische Dokumentation frisst Zeit. Wer in einem Krankenhaus oder einer Arztpraxis arbeitet, kennt das Problem: Systeme sind fragmentiert, Informationen verstreut, und die eigentliche Patientenversorgung kommt zu kurz. Auf der Fachmesse HIMSS 2026 stellt Microsoft neue Funktionen für Dragon Copilot vor, die genau dieses Problem adressieren sollen.
Was genau ist Dragon Copilot?
Dragon Copilot ist ein KI-gestützter klinischer Assistent, der auf Microsoft Azure läuft. Die Software erfasst Arzt-Patienten-Gespräche, erstellt automatisch Dokumentationen und liefert kontextbezogene Informationen direkt im Arbeitsablauf. Statt zwischen verschiedenen Programmen zu wechseln, arbeiten Kliniker in einer einzigen Oberfläche. Diagnosen, Laborwerte, Medikationen und Allergien werden zusammengeführt. Dazu kommen organisatorische Inhalte wie Dienstpläne, Richtlinien und interne Kommunikation.

„Wir haben uns letztlich für Microsoft entschieden, weil Sicherheit, Compliance, Skalierbarkeit und eine jahrelange Erfolgsbilanz bei zuverlässigen Lösungen den Ausschlag gaben“, sagt Snehal Gandhi, Vice President und Chief Medical Information Officer bei Cooper University Health Care.
Welche neuen Funktionen kommen dazu?
Die Neuerungen zielen auf drei Bereiche. Erstens lässt sich Dragon Copilot jetzt mit Microsoft 365 Copilot verbinden. Kliniker greifen dadurch auf E-Mails, Dateien, Besprechungen und Chats zu, ohne das klinische System zu verlassen. Zweitens bietet der Microsoft Marketplace ab sofort KI-Apps von Partnern wie Canary Speech, Humata Health, Optum und Regard an. Diese decken Bereiche wie Erlöszyklusmanagement, klinische Entscheidungsunterstützung und Vorautorisierung ab.
Drittens führt Microsoft rollenbasierte Erfahrungen ein. Ärzte, Pflegekräfte und Radiologen erhalten jeweils auf ihre Aufgaben zugeschnittene Workflows. Für Pflegekräfte bedeutet das: Gespräche am Krankenbett werden automatisch in strukturierte Flowsheet-Einträge umgewandelt.
„Dragon Copilot gibt Pflegekräften die Möglichkeit zurück, Zeit am Bett des Patienten zu verbringen, in direktem Kontakt“, sagt Stephanie Whitaker, Chief Nursing Officer bei Mercy.
Was bringt das für den deutschen Markt?
Dragon Copilot ist ab sofort in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar. Besonders relevant für den DACH-Raum: Die Software beherrscht 58 Sprachen bei der Gesprächserfassung und wandelt Gespräche automatisch in eine Dokumentation in der jeweiligen Landessprache um. Für Kliniken mit internationalem Personal oder vielsprachiger Patientenschaft ist das ein handfester Vorteil.
Sentara Health setzt bereits auf die Integration von Regard innerhalb von Dragon Copilot. „Durch die Kombination von Dragons Erfassung natürlicher Gespräche mit Regards Fähigkeit, wichtige Erkenntnisse aus Daten zu gewinnen, erwarten wir, dass unsere Kliniker Komorbiditäten und relevante Diagnosen in Echtzeit erkennen, ohne zusätzliche Arbeitsschritte“, erklärt Dr. Joseph Evans, Vice President und Chief Health Information Officer bei Sentara Health.
Lohnt sich der Umstieg wirtschaftlich?
Für Entscheider im Gesundheitswesen ist die Rechnung interessant. Eine einzige Lösung ersetzt mehrere Spezialsysteme für Dokumentation, Kodierung und klinische Entscheidungsunterstützung. Proaktive ICD-10-Kodierungsvorschläge sollen die Genauigkeit bei der Abrechnung verbessern. Wiederverwendbare Dokumentvorlagen und die automatische Übernahme aus früheren Notizen reduzieren manuelle Arbeit zusätzlich.
Für Radiologen gibt es in Kombination mit PowerScribe One eine eigene Erfahrung, die repetitive Aufgaben wie die Durchsicht früherer Befunde automatisiert. „Eine cloudbasierte Lösung, die nahtlos mit unseren bestehenden Produkten zusammenarbeitet, ist entscheidend. Dragon Copilot als Begleiter für PowerScribe One gibt mir die Zuversicht, neueste KI-Fortschritte mit minimalen Störungen zu testen“, sagt Dr. Sean Cleary, Vice Chair of Informatics am University of Rochester Medical Center.
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Wie geht Microsoft bei der Sicherheit vor?
Dragon Copilot läuft auf Microsoft Azure mit Enterprise-Grade-Sicherheit und verantwortungsvoller KI. Die klinische Notenqualität wird anhand des Provider Document Summarization Quality Instrument (PDSQI9) bewertet. Dieses Instrument wurde gemeinsam mit führenden akademischen und klinischen Einrichtungen entwickelt. Webinformationen werden nur über einen speziell abgesicherten Pfad eingebunden, der für den klinischen Einsatz geeignete Antworten sicherstellt.
Dragon Copilot ist auf iOS, Android, im Web und als Desktop-App verfügbar. Die Migration von Dragon Medical One erfolgt nahtlos. Bestehende Befehle, Vokabulare, Profile und Vorlagen bleiben erhalten.
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