SAP hat am 23. Juli 2026 die Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt. Das Cloud-Auftragsbuch wächst schneller als von Analysten kalkuliert, die Prognose für den operativen Gewinn sinkt trotzdem. Für Unternehmen mitten im S/4HANA-Umstieg steckt in dieser Kombination eine Ansage.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSAP weist im Quartalsbericht einen Current Cloud Backlog von 22,9 Mrd. € zum 30. Juni 2026 aus, währungsbereinigt 26 % mehr als ein Jahr zuvor.[1] Im selben Dokument kappt Europas größtes Softwarehaus die eigene Gewinnprognose. Die Aktie legte am Abend im nachbörslichen US-Handel trotzdem deutlich zu, wie Branchenmedien berichteten.
Das Wichtigste in Kürze
- Current Cloud Backlog zum 30. Juni 2026: 22,9 Mrd. €, währungsbereinigt 26 % Wachstum
- Cloud-Umsatz im Quartal: 6,28 Mrd. €, währungsbereinigt 24 % Wachstum
- Neue Prognose für das operative Ergebnis 2026 (non-IFRS): 11,8 bis 12,2 Mrd. € statt 11,9 bis 12,3 Mrd. €
- Grund der Kürzung: die im Juli abgeschlossenen Zukäufe Dremio und Prior Labs verwässern das Ergebnis um mehr als 100 Mio. €
Warum belohnt der Markt das schwächere Ergebnis?

Der Current Cloud Backlog zählt alle vertraglich zugesagten Cloud-Umsätze der kommenden zwölf Monate. Bei Abo-Software fallen Vertrieb, Migrationsaufwand und Rechenzentrumskosten sofort an, während der Umsatz sich über die Vertragslaufzeit verteilt. Das Auftragsbuch zeigt deshalb die Nachfrage von morgen, die Quartalsmarge das Geschäft von gestern.
Die Lücke beim Ergebnis erklärt SAP mit höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung, mit Marketing rund um die Hauskonferenz Sapphire, mit aktienbasierter Vergütung und mit den Zukäufen. Auf das operative Ergebnis 2026 drücken vor allem die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs, deren Verwässerung SAP mit über 100 Mio. € beziffert.
Finanzvorstand Dominik Asam ordnet diese Ausgaben als Umbau des eigenen Hauses ein: „Wir treiben unsere eigene Transformation zum Autonomous Enterprise mit Nachdruck voran und nutzen KI, um Wirksamkeit und Effizienz zugleich zu steigern.“ Zur Initiative gehören Partnerschaften mit Anthropic und AWS für KI-Agenten in Geschäftsprozessen.
Was füllt das Auftragsbuch wirklich?
Hinter dem Wachstum steht ein Stichtag. Die Standardwartung für SAP ECC 6.0 endet am 31. Dezember 2027, gegen Aufpreis läuft sie bis Ende 2030 weiter. Jeder Betrieb, der bis dahin nicht umgestiegen ist, verhandelt gerade seinen Cloud-Vertrag, und genau diese Abschlüsse landen im Backlog.
Der Migrationsstau ist am Markt für Fachkräfte messbar: Die Stundensätze für SAP-Spezialisten zeigen, wie knapp die Beratungskapazität ist. Beim Umstieg bis 2030 liegen dabei häufig Drittanbieter vorn. Als Blaupause für große Projekte gilt der S/4HANA-Sprung von Nestlé.
Das Muster kennt der Konzern aus dem eigenen Haus. 2020 brach der Kurs zweistellig ein, als der Vorstand Marge gegen Cloud-Wachstum tauschte. Sechs Jahre später belohnen Anleger denselben Tausch und gewichten den Backlog höher als die Quartalsmarge.
Das Auftragsbuch von SAP ist im Kern ein Terminkalender des deutschen Mittelstands. Jede Vertragsverlängerung darin steht für ein Migrationsprojekt, das ein Unternehmen bis 2030 stemmen muss.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die Kennzahlen aus dem Quartalsbericht vom 23. Juli 2026, Stichtag der Bestandswerte ist der 30. Juni 2026.
Zugesagte Cloud-Umsätze der nächsten zwölf Monate, währungsbereinigt 26 % mehr als im Vorjahr
Währungsbereinigt 24 % Wachstum gegenüber dem zweiten Quartal 2025
Kerngeschäft rund um S/4HANA, währungsbereinigt 27 % Wachstum
Währungsbereinigt 9 % Wachstum und damit deutlich langsamer als die Cloud
Prognose für das operative Ergebnis 2026 (non-IFRS, währungsbereinigt)
Stand vor dem Quartalsbericht
Gesenkt wegen der im Juli abgeschlossenen Zukäufe Dremio und Prior Labs, deren Verwässerung SAP mit über 100 Mio. € beziffert
Was heißt das für Ihr Unternehmen?
Sichern Sie Budget und Beratungskapazität für den S/4HANA-Umstieg jetzt und nicht 2029. Der Backlog von SAP belegt, dass die Migrationsverträge bereits laufen, und mit jedem Monat näher am Wartungsende steigen die Preise für Spezialisten.
- Rechnen Sie die verlängerte Wartung bis 2030 gegen einen zügigen Umstieg. Die EU-Kommission hat SAP zu mehr Wahlfreiheit bei der Wartung verpflichtet, wodurch Drittanbieter als Übergangslösung infrage kommen.
- Lassen Sie sich zugesagte KI-Funktionen im Vertrag mit Leistungsumfang und Termin festschreiben. Wie weit SAPs eigene Modelle tragen, zeigt der Vergleich des ABAP-Modells mit Allzweck-KI.
Bis zum Jahresende muss SAP zeigen, dass aus 22,9 Mrd. € zugesagtem Cloud-Geschäft auch Marge wird. Unternehmen mit anstehender Migration verhandeln besser jetzt, solange die Beratungshäuser freie Kapazität haben.
Quelle
[1] SAP: „SAP Quarterly Statement Q2 2026“ (23. Juli 2026)
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