Erstmals seit Jahren geraten die Stundensätze freier IT-Experten unter Druck. Eine Gruppe schert aus: SAP- und ERP-Fachleute verlangen so viel wie nie. Der Grund liegt weniger im Können als in einem Countdown, der Ende 2027 abläuft.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSAP-Freelancer sind derzeit die teuersten Fachkräfte auf dem deutschen Projektmarkt, und das ausgerechnet in einem Jahr, in dem die Honorare insgesamt bröckeln. Der Freelancer-Kompass 2026 beziffert ihren Spitzensatz auf 120 € pro Stunde.[1] Dahinter steht kein kurzer Boom, sondern ein struktureller Engpass.
Das Wichtigste in Kürze
- SAP- und ERP-Spezialisten führen mit 120 € pro Stunde die Honorartabelle an, im Median 7.750 € brutto im Monat.
- Branchenübergreifend sinken die Sätze erstmals seit mehreren Jahren, fast die Hälfte der Freien meldet eine schlechtere Projektlage.
- Treiber ist die SAP-Migration: Ende 2027 endet die reguläre Wartung für das Altsystem ECC.
- Für Mittelständler heißt das konkret: knappe Berater, steigende Tagessätze, ein enges Zeitfenster.
Warum trotzen die SAP-Sätze dem Trend?

Der Gesamtmarkt kühlt ab. Vorsichtigere Budgets und zögerlich vergebene Projekte haben den durchschnittlichen Stundensatz auf 103 € gedrückt, das erste Minus seit mehreren Jahren.[1]
Generische Entwicklerprofile spüren zusätzlich, dass KI-Werkzeuge einfache Aufgaben übernehmen. SAP-Wissen entzieht sich diesem Sog. Wird ein laufendes ERP-System auf S/4HANA umgestellt, greift das ins Nervensystem eines Unternehmens ein, vom Wareneingang bis zur Bilanz. Wie tief ein solcher Umstieg reicht, hat zuletzt der Fall Nestlé gezeigt.
Was passiert 2027?
Ende 2027 läuft die reguläre Wartung für SAP ECC aus, die erweiterte Pflege reicht gegen Aufpreis bis 2030. Ohne Migration verliert ein Betrieb Sicherheitsupdates und die laufenden rechtlichen Anpassungen.
Der Rückstau ist gewaltig. Nach dem Investitionsreport der Anwendergruppe DSAG plant erst gut ein Drittel der ECC-Kunden den Umstieg bis zum Stichtag, knapp die Hälfte zielt auf 2030. Diese Nachfrage trifft auf ein knappes Angebot: Erfahrene Berater sind gebunden, und die Tagessätze für Migrationsprojekte sind gegenüber 2024 um bis zur Hälfte gestiegen. Warum beim Umstieg oft Drittanbieter vorn liegen, hat handfeste Kostengründe.
Der 120-Euro-Satz ist kein Fachkräfte-Bonus, sondern der Preis eines Stichtags. Firmen, die ihre S/4HANA-Migration bis 2026 nicht terminiert haben, zahlen 2027 doppelt: für knappe Berater und für die Eile.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Mittelständler jetzt tun sollten
Für deutsche Mittelständler verschiebt sich die Frage von der Höhe der Tagessätze zur Verfügbarkeit überhaupt. Je näher der Stichtag, desto knapper werden die Profile am Markt.
Zwei Hebel helfen. Interne SAP-Kompetenz macht unabhängiger vom Beratermarkt, und eine frühe Buchung sichert Kapazität, bevor 2027 alle gleichzeitig suchen. Auch spezialisierte Freelancer-Portale bündeln inzwischen genau diese Profile.
Freie, die ihren eigenen Satz einordnen wollen, finden im Überblick über die Selbstständigen-Gehälter einen Anker. Die Botschaft ist unbequem, aber klar: Das Zeitfenster für eine planbare und bezahlbare SAP-Migration schließt sich. Kapazität jetzt zu sichern kostet weniger als das Nachziehen im Jahr 2027, wenn alle gleichzeitig zugreifen.
Quelle
[1] freelancermap: „Freelancer-Kompass 2026″
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