Geely übernimmt 30 Prozent an Nio Power, der Batteriewechsel-Sparte des chinesischen Elektroautobauers Nio. Dafür bringt der Konzern sein eigenes Wechselgeschäft für Taxiflotten und 640 Millionen Yuan (rund 84 Millionen Euro) in bar ein. Offen bleibt, welche Geely-Modelle zuerst in die Nio-Stationen passen.

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Nio Power betreibt 4.126 Wechselstationen, fast alle in China, und bisher tauschen dort vor allem Autos der eigenen Marken ihren Akku. Mit der Vereinbarung vom 28. September wollen Geely und Nio Technik und Standards für den Batteriewechsel bei Privatautos gemeinsam entwickeln und ihre Ladenetze vollständig füreinander öffnen.[1] Beide Geschäfte brauchen noch die Freigabe der Behörden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geely erhält 30 Prozent an Nio Power, die Sparte ist nach dem Einstieg rund 16 Milliarden Yuan wert, umgerechnet 2,1 Milliarden Euro.
  • Verfehlt die Partnerschaft vereinbarte Betriebsziele, sinkt Geelys Anteil, allerdings nicht unter 20 Prozent.
  • Im Gegenzug übernimmt Nio 10 Prozent an Geelys Ladetochter Haohan Energy.
  • Für Europa, wo Nio rund 60 Wechselstationen betreibt, nennen die Partner keine Pläne.

Was genau bringt Geely in Nio Power ein?

Zwei verbundene silberne Akkumodule (1 & 2) mit grünem Stecker, beschriftet mit „passt“
Geely Holding und ihre Tochter Yiyi Power zahlen den größten Teil für Nio Power. Yiyi betreibt rund 470 Wechselstationen für Taxis in China und wird mit 4,1 Milliarden Yuan bewertet

Den größten Teil des Kaufpreises begleicht die Geely Holding mit ihrer Tochter Yiyi Power, die in China Wechselstationen für Taxis und Fahrdienste betreibt. Chinesische Fachmedien beziffern dieses Netz auf rund 470 Stationen. Aus der Bewertung von Nio Power ergibt sich für Yiyi ein Wert von gut 4,1 Milliarden Yuan, also rund 540 Millionen Euro. Nio China behält 63,6 Prozent, ein Wagniskapitalfonds aus Wuhan hält die übrigen 6,4 Prozent.[1]

Die Höhe von Geelys Anteil hängt von Betriebszielen ab, deren Inhalt die Partner nicht offenlegen. Zusätzlich darf Geely binnen zwei Jahren weitere 640 Millionen Yuan nachschießen und auf 34 Prozent aufstocken. Umgekehrt steigt Nio mit 10 Prozent bei Haohan Energy ein. Geelys Ladetochter betreibt 2.500 Ladestationen in 232 Städten und will bis Ende 2027 mehr als 22.000 erreichen.[1]

Warum holt Nio einen Konkurrenten ins eigene Netz?

Mehr als 20 Milliarden Yuan, rund 2,6 Milliarden Euro, hat Nio nach Angaben von Gründer William Li in elf Jahren in Laden und Akkutausch gesteckt.[2] Jede Wechselstation hält rund 20 Ersatzakkus vor, die Kapital binden, solange kein Auto vorfährt. Die Auslastung entscheidet deshalb darüber, ob sich eine Station rechnet, und mehr Kundschaft kommt nur, sobald weitere Marken dasselbe Akkuformat nutzen.

Im März 2025 stellte der Batteriehersteller CATL bis zu 2,5 Milliarden Yuan (rund 330 Millionen Euro) für Nio Power in Aussicht. In der Eigentümerliste nach dem Geely-Einstieg taucht CATL nicht auf. Der Zellriese betreibt mit Choco-Swap ein eigenes Wechselnetz für Pkw und treibt den Akkutausch auch bei Elektro-Lkw voran. Geely bringt dagegen neben Bargeld ein laufendes Stationsnetz samt Flottenkunden ein.

Li ordnet den Deal in die Pekinger Kampagne gegen ruinösen Preiskampf ein: Die Branche solle doppelte Investitionen vermeiden und Infrastruktur gemeinsam bauen.[2] Geely-Holding-Chef Andy An Conghui formuliert das ähnlich: „Ladenetze sind öffentliche Infrastruktur, die der ganzen Gesellschaft dient. Sie sollten gemeinsam gebaut, offen geteilt und netzübergreifend verbunden werden.“[1]

Nio Power nach dem Geely-Einstieg
Bewertung, Einsatz und Netzgröße der Batteriewechsel-Sparte, umgerechnet in Euro.
2,1 Mrd. €
Bewertung von Nio Power nach dem Einstieg (16 Milliarden Yuan)
84 Mio. €
zahlt Geely in bar, dazu kommt die Wechselsparte Yiyi Power für Taxiflotten
4.126
Wechselstationen betreibt Nio, fast alle davon in China
10.000
Wechselstationen will Nio Power bis 2030 erreichen
2,6 Mrd. €
hat Nio in elf Jahren in Laden und Akkutausch investiert (20 Milliarden Yuan)

Nio hat elf Jahre lang allein für ein Netz bezahlt, das erst mit fremden Autos genug Kundschaft findet. Mit Geely zahlt zum ersten Mal ein großer Autokonzern tatsächlich ein, über den Erfolg entscheidet nun ein gemeinsames Akkuformat.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was ändert sich für Europa?

Für Europa nennen Nio und Geely keine Pläne. Nio zählte Anfang 2026 in Europa 61 Wechselstationen, 21 davon in Deutschland, und fährt den Service hierzulande zurück: Ende September schließt Nio seine Werkstätten in Köln und Weiterstadt. Die Geely-Marken Volvo, Polestar und Zeekr verkaufen ihre Elektroautos in Europa ohne Wechselakku.

Chinas Hersteller treiben parallel das Schnellladen voran. Geely hat ein System gezeigt, das mit 1.800 Kilowatt lädt, BYD plant 90.000 Schnellladestationen. In der EU gibt die Ladeinfrastruktur-Verordnung AFIR entlang der Fernstraßen Mindestladeleistungen vor, Wechselstationen zählen dabei nicht.

Für Fuhrparks in Deutschland bleibt Schnellladen deshalb die Grundlage der Planung. Welche Anbieter dabei am günstigsten sind, zeigt unser Überblick zu den Ladetarifen für E-Autos. Beobachten sollten Flottenverantwortliche, ob Geely ein wechselfähiges Modell für Europa ankündigt: Mit Volvo stünde dann eine Marke mit vielen Firmenkunden hinter dem gemeinsamen Akkuformat.

Quellen

[1] Nio: „NIO and Geely Enter into Comprehensive Strategic Partnership in Charging and Battery Swapping“ (Pressemitteilung, 28. September 2026)

[2] CnEVPost: „Nio’s William Li casts Geely tie-up as effort to curb cutthroat competition through shared infrastructure“ (28. September 2026)

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