KI-Kolonie? Japan lockert den Datenschutz

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
KI-Kolonie? Japan lockert den Datenschutz

Lieber die Privatsphäre lockern als von fremder KI abhängig sein: So lautet Japans riskante Rechnung. Ein neues Gesetz erlaubt das Training mit Medizin- und Strafdaten ohne Einwilligung. Die Digitalministerin warnt sonst vor der KI-Kolonie.

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Japan will den Datenschutz für das KI-Training spürbar lockern, um nicht zur digitalen Kolonie abzusteigen. Ein Gesetz erlaubt Entwicklern künftig, Modelle mit Gesundheits- und Strafregisterdaten ohne Einwilligung zu trainieren. Das Unterhaus stimmte zu, das Oberhaus berät noch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kernpunkt: KI-Entwickler dürfen sensible Medizin- und Strafdaten ohne individuelle Einwilligung zum Training nutzen.
  • Die Begründung: Die Digitalministerin warnt, sonst werde Japan zur „KI-Kolonie“ abhängig von fremden Modellen.
  • Stand: Das Unterhaus hat zugestimmt, das Oberhaus debattiert noch.

Souveränität gegen Privatsphäre

Balkenwaage mit Vorhängeschloss, „Datenschutz“-Schild und Japan-Flagge vor weißem Hintergrund
Länder tauschen Datenhoheit gegen KI-Modelle: Japan importiert fremde Systeme statt eigene zu trainieren, um Datenschutzgesetze zu umgehen

Im Kern steht ein bewusster Tausch. Eigene Spitzenmodelle verlangen große, reichhaltige Datenmengen, gerade in Medizin und Verwaltung. Sind diese Daten durch strenge Einwilligungspflichten verriegelt, trainiert man eben nicht selbst, sondern importiert fremde Modelle. Genau diese Abhängigkeit meint das Schlagwort von der Kolonie.

Japan entscheidet sich damit gegen den europäischen Weg. Die DSGVO stellt die Einwilligung des Einzelnen über fast alles, Tokio stellt nun die nationale KI-Fähigkeit voran. Das ist konsequent gedacht und zugleich heikel, denn ein Strafregister ohne Zustimmung in einem Trainingsdatensatz ist ein scharfer Einschnitt.

Damit zerfällt die Welt in unterschiedliche Datenregime. Die USA streiten über faire Nutzung, China greift staatlich zu, die EU schützt streng, und Japan lockert gezielt, ähnlich wie es andere Staaten in Asien tun. Jedes Regime setzt anders darauf, was schwerer wiegt, Schutz oder Geschwindigkeit.

Japan beantwortet eine Frage, die Europa lieber verdrängt: Wie viel Datenschutz kann sich ein Kontinent leisten, der eigene KI bauen will? Die Antwort fällt unbequem aus.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was die DSGVO-Debatte daraus lernt

Geschlossener Aktenschrank mit Aufschrift Gesundheitsdaten, Vorhängeschloss und EU-Schlüssel
Der Europäische Gesundheitsdatenraum soll Forschungszugang schaffen, ohne den Schutz aufzugeben.

Für Europa ist Japans Schritt ein unbequemer Spiegel. Medizinische KI braucht klinische Daten, doch die DSGVO macht deren Nutzung aufwendig, was Entwicklung gern ins Ausland verlagert. Genau hier soll der Europäische Gesundheitsdatenraum gegensteuern, der Forschungszugang zu Gesundheitsdaten regelt, ohne den Schutz aufzugeben.

Verfallen Sie trotzdem nicht in den Reflex, Schutz gegen Tempo auszuspielen. Prüfen Sie für KI-Projekte früh die Rechtsgrundlage, nutzen Sie Anonymisierung und Pseudonymisierung konsequent und beobachten Sie den Gesundheitsdatenraum als künftigen Hebel. Japans Modell zeigt die Möglichkeit und das Risiko zugleich, denn einmal freigegebene Strafdaten holt niemand zurück.

Noch ist das Gesetz nicht durch, das Oberhaus kann es entschärfen. Unabhängig vom Ausgang stellt Japan die richtige Frage, nur mit einer Antwort, die in Europa so kaum mehrheitsfähig wäre.

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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