SAP, Telekom, Ionos, die Schwarz-Gruppe und Siemens verhandeln über eine gemeinsame Bewerbung für eine europäische KI-Gigafabrik. Bis zum 20. Juni muss die erste Interessenbekundung bei der EU liegen. Für deutsche Entscheider entscheidet sich hier, ob Rechenleistung künftig aus Europa oder weiter aus den USA kommt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine KI-Gigafabrik in deutscher Hand rückt näher, weil sich fünf Schwergewichte zusammentun wollen. Hand aufs Herz: Bisher mietet der Mittelstand seine Rechenleistung fast vollständig bei amerikanischen Hyperscalern. Genau das soll sich ändern.
Das Wichtigste in Kürze
- SAP, Deutsche Telekom, Ionos, Schwarz-Gruppe und Siemens prüfen eine gemeinsame EU-Bewerbung.
- Die EU plant europaweit fünf Gigafabriken mit je rund 100.000 KI-Chips, viermal so viel wie heutige Anlagen.
- Frist für die erste Interessenbekundung ist der 20. Juni 2026.
- Standorte und Finanzierungsmodell sind noch offen.
Warum schließen sich fünf Konkurrenten zusammen?

Bündelung der Kräfte prägt das Vorhaben. Keiner der Beteiligten könnte eine Anlage dieser Größe allein stemmen, weder beim Kapital noch beim Stromanschluss. Deshalb verhandeln die Unternehmen über ein gemeinsames Konsortium.
Klare Ansage kommt von SAP. „Es geht nur in Partnerschaft, das ist ganz klar. Welches Modell das richtige ist, wird gerade diskutiert“, sagt Thomas Saueressig, Vorstandsmitglied bei SAP. Die Schwarz-Gruppe, die mit STACKIT und Schwarz Digits bereits eigene Cloud-Kapazität betreibt, bringt die Infrastruktur-Erfahrung mit.
Politischer Rückenwind verstärkt den Druck. „Warum keine Lösung für Europa fordern? Deutschland ist ein großer Kunde“, sagt Digitalminister Karsten Wildberger. Die Bundesregierung sieht in der Anlage einen Baustein gegen die Abhängigkeit von US-Anbietern, ähnlich wie beim staatlich geförderten Vorstoß von SPRIND für ein europäisches KI-Flaggschiff.
Souveränität entsteht nicht durch Reden, sondern durch Megawatt und Verträge. Wenn diese fünf Konzerne wirklich liefern, baut Deutschland zum ersten Mal eigene KI-Muskeln auf.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für den Mittelstand?
Eigene Rechenleistung verändert die Spielregeln. Wo Daten verarbeitet werden, entscheidet über DSGVO-Konformität und Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten. Deutschland zählt heute schon zu Europas größtem Rechenzentrumsstandort, wie die Hitparade der größten deutschen Rechenzentren zeigt.
Offene Punkte bleiben. Rolf Schumann, Digitalchef der Schwarz-Gruppe, formuliert es vorsichtig: „Wir hoffen, dass wir alle zusammenbringen, die Sache hinbekommen und es gemeinsam durchziehen.“ Standorte, Stromverträge und der Kapitalschlüssel sind ungeklärt, und parallel verschieben sich durch den EU Digital Omnibus die KI-Fristen.
Handlungsempfehlung: Beobachten Sie die Frist am 20. Juni. Fällt die Interessenbekundung positiv aus, sollten Sie bei Ihrem nächsten Cloud-Vertrag eine europäische Ausweichoption ausdrücklich offen halten.