Der Cold Blob südlich von Grönland und Island ist der einzige Ort der Erde, an dem das Wasser seit dem 19. Jahrhundert kälter geworden ist, während sich der Rest des Planeten erwärmt. Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zeigt jetzt, warum es dort kälter wird.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenLange standen zwei Erklärungen gegeneinander: zusätzlicher Wärmeverlust über die Meeresoberfläche oder ein nachlassender Wärmenachschub durch schwächere Strömungen. Das Team um Stefan Rahmstorf stützte sich dabei auf gemessene Daten, nicht nur auf Klimamodelle.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Cold Blob südlich von Grönland kühlt als einzige Region der Erde seit dem 19. Jahrhundert ab, und zwar bis in die Tiefe, nicht nur an der Oberfläche.
- Die neue Potsdamer Studie führt die Abkühlung auf nachlassenden Wärmetransport im Ozean zurück, also auf eine schwächelnde Atlantikströmung AMOC.
- Ein erhöhter Wärmeverlust an der Meeresoberfläche scheidet als Hauptursache laut den Daten aus.
Was sagt der Cold Blob über die Atlantikströmung?

Für ihre Arbeit in den Geophysical Research Letters kombinierten die Forschenden Reanalyse-Daten zum Wärmegehalt des Ozeans mit Messreihen zum Wärmefluss an der Meeresoberfläche. Der gemessene Abkühlungstrend geht nicht auf diesen Oberflächenfluss zurück; die langfristigen Schwankungen im Wärmegehalt hängen viel enger am horizontalen Wärmetransport der Strömungen.
Diese Strömung kennt man inzwischen auch außerhalb der Fachwelt: die Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation, kurz AMOC, zu der auch der Golfstrom gehört. Das System schaufelt warmes Wasser nach Norden und hält das europäische Klima vergleichsweise mild. Lässt der Nachschub nach, kühlt ausgerechnet die Region südlich von Grönland aus, und genau dieses Muster zeigen die Messungen.
Warum ist das für Europa relevant?

Europa liegt direkt in der Wärmebahn dieses Systems. Eine dauerhaft schwächere AMOC verschiebt Temperatur- und Niederschlagsmuster, mit Folgen für Landwirtschaft, Wasserhaushalt, Fischerei und langlebige Infrastruktur. Der Cold Blob taugt damit als Frühwarnzeichen, weil sich die Veränderung schon in Messdaten zeigt und nicht erst in Zukunftsmodellen.
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