Lässt sich die Wüste noch stoppen? Stellenweise schon.

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
4 Min. Lesezeit
Lässt sich die Wüste noch stoppen? Stellenweise schon.

Wachsen Wüsten unaufhaltsam? Die Antwort liegt regional weit auseinander. Wüstenbegrünung gelingt China inzwischen so gut, dass die Sandflächen jährlich um rund 2.400 Quadratkilometer schrumpfen. Im afrikanischen Sahel hingegen schaffte die Great Green Wall in 18 Jahren erst knapp 18 Prozent ihres Ziels von 100 Millionen Hektar Begrünung.

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Das Wichtigste in Kürze

  • China hat die Wüstenausbreitung umgedreht: von rund 10.000 km² Zuwachs pro Jahr Ende der 1990er auf etwa 2.400 km² Rückgang pro Jahr heute.
  • Die afrikanische Great Green Wall hat bis 2020 erst rund 4 von 100 Millionen Hektar erreicht; bis 2030 fehlen 82 Millionen Hektar, das wäre eine Verneunfachung des Tempos.
  • Global sind rund 40 Prozent der Landflächen degradiert, jährlich gehen 24 Milliarden Tonnen fruchtbaren Bodens verloren.
  • Die UNCCD-Vertragsstaaten haben bei COP16 in Riad rund 12 Milliarden US-Dollar mobilisiert. COP17 findet 2026 in der Mongolei statt und soll das globale Dürre-Regime festzurren.

Wie China die Wüste zurückdrängt

Hanfsetzling im Sandhäufchen mit goldenem Schild: „+35 %“, weißer Hintergrund, Studioaufnahme
In der Kubuqi-Wüste wuchs die Waldfläche seit 1999 von 0,8 auf 35 Prozent. 100.000 Menschen siedeln dort wieder, Sandstürme in Peking werden seltener

Das chinesische Vorzeigeprojekt ist die Kubuqi-Wüste in der Inneren Mongolei. Die Waldfläche dort wuchs seit 1999 von 0,8 Prozent auf 35 Prozent der Gesamtfläche. Rund 100.000 Menschen leben heute wieder dort, wo vorher Sand dominierte.

Die Sandstürme in Peking, gut 800 Kilometer südöstlich, sind dadurch deutlich seltener geworden. Im Westen Chinas hat das Land 2024 sogar einen 3.200 Kilometer langen Grüngürtel um die lebensfeindliche Taklamakan-Wüste in Xinjiang geschlossen. Drohnen säen Samen aus, Strohgitter fixieren wandernde Dünen, dürreresistente Sträucher wie Lakritze wurzeln tief.

Warum die Solar-Wüsten-Strategie funktioniert

Eine Maispflanze, ein runder Solarmodul-Ring und ein Gartenzwerg auf trockener, rissiger Erde
Kubuqi-Wüste: Solarpark mit Vegetation kombiniert Stromerzeugung und Bodenbegrünung. Module beschatten Boden, fixieren Feuchtigkeit und fördern Pflanzenwachstum

Der entscheidende chinesische Trick ist die Kombination aus Begrünung und Photovoltaik. In Kubuqi steht inzwischen ein Solarpark mit 5,4 Gigawatt Leistung, bis 2030 sollen es 100 Gigawatt werden. Die Module beschatten den Boden, halten Feuchtigkeit, und unter ihnen wächst Vegetation, die Sand fixiert.

Strom finanziert Begrünung, Begrünung verbessert die Modulausbeute. Genau diese Selbstragefähigkeit fehlt afrikanischen Projekten, die fast vollständig von Spenden abhängen. China meldet 200 Millionen Tonnen jährliche CO2-Speicherung aus seinen Wüstenbegrünungsprogrammen und 2,3 Millionen neue Arbeitsplätze in vorher unbewohnbaren Regionen.

Die chinesische Wüstenbegrünung gelingt, weil sie nicht nur Klimaschutz ist, sondern Geschäftsmodell. Wo Begrünung Solarstrom liefert oder Lakritze produziert, finanziert sie sich selbst. Spenden allein reichen offenbar nicht.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Warum die Great Green Wall im Sahel strauchelt

Kaktus mit Holzschild „STREIKWÄCHTER - Ich warte auf Regen!“ vor weißem Hintergrund
Great Green Wall: Afrikanisches Aufforstungsprojekt seit 2007 mit Ziel von 100 Millionen Hektar bis 2030, aber nur 4 Millionen Hektar bisher umgesetzt

Die afrikanische Great Green Wall startete 2007 mit dem Versprechen, einen 8.000 Kilometer langen und 15 Kilometer breiten Baumgürtel von Senegal bis Dschibuti zu pflanzen. Bis 2030 sollten 100 Millionen Hektar rekultiviert sein. Die UN-Bilanz von 2020 zeigte 4 Millionen Hektar aufgewertete Fläche, davon nur 670.000 Hektar wirklich aufgeforstet. Das aktuelle Tempo liegt bei rund 1,9 Millionen Hektar pro Jahr, nötig wären knapp 10 Millionen.

Die Ursachen sind strukturell: Politische Instabilität in der Sahelzone, Korruption, fehlende Mittel und vor allem fehlendes wirtschaftliches Trägermodell. Eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie zeigte 2021, dass 26 Prozent der geplanten Trasse ohne aktive Bewässerung gar nicht nachhaltig begrünbar sind. Und von den seit 1980 im Sahel gepflanzten Bäumen haben nur etwa 20 Prozent überlebt.

Welche Methoden global tatsächlich funktionieren

Zweigeteiltes Erdmodell: links trockene Rissbildung, rechts grünes Gras mit Baum, Pfeil und Zaun
Farmer Managed Natural Regeneration in Niger: Bauern lassen vorhandene Wurzelstöcke austreiben statt neue Bäume zu pflanzen. Kostengünstig und dürreresistent

Ein Lichtblick kommt aus Niger und benachbarten Ländern. Der australische Agrarökonom Tony Rinaudo entwickelte dort die Farmer Managed Natural Regeneration, kurz FMNR. Bauern lernen, vorhandene Wurzelstöcke in ihren Feldern wieder austreiben zu lassen, anstatt neue Bäume zu pflanzen.

Die Methode setzt auf jahrzehntelange Dürreresistenz unterirdischer Wurzeln, kostet fast nichts und hat sich bereits in acht afrikanischen Ländern verbreitet. Erträge stiegen messbar, der Grundwasserspiegel auch. Im Vergleich zu den 380 Euro pro Hektar, die klassische Aufforstung im Sahel kostet, ist FMNR eine Größenordnung günstiger.

Was die UNCCD COP16 in Riad bewegt hat

Säulenkaktus in Terrakottatopf mit oranger „GERETTET!“-Fahne vor weißem Hintergrund
UN-Konferenz zur Wüstenbekämpfung im Dezember 2024 in Saudi-Arabien: 12 Milliarden Dollar Zusagen und Entwurf eines globalen Dürre-Regimes für COP17 2026

Das jüngste UN-Großtreffen zur Wüstenbekämpfung fand im Dezember 2024 in Saudi-Arabien statt, dem ersten MENA-Land mit einem UNCCD-Vorsitz. Die offizielle UNCCD-Bilanz meldete rund 12 Milliarden US-Dollar an Zusagen und einen ersten Pfad für ein globales Dürre-Regime, das auf der COP17 in der Mongolei Ende 2026 verabschiedet werden soll.

Außerdem entstand die Riyadh Global Drought Resilience Partnership, die nationale Dürrepläne harmonisieren soll. Kritiker monierten allerdings, dass kein verbindliches Bodenschutz-Protokoll beschlossen wurde, sondern lediglich freiwillige Aktionspläne.

Die ehrliche Antwort auf die Ausgangsfrage lautet: Die globale Wüstenausbreitung stoppen lässt sich nicht mit einem einzigen Großprojekt. Regional umkehren lässt sie sich aber sehr wohl, wenn Begrünung an wirtschaftliche Tragfähigkeit gekoppelt wird, lokale Bevölkerung beteiligt ist und der Zeithorizont nicht in Wahlperioden, sondern in Generationen gemessen wird. China brauchte 40 Jahre. Der Sahel hat noch keine 20 hinter sich. Geduld plus Geschäftsmodell ist die Kombination, die hilft.

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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