CT-Scans von BYD-Bauteilen liefern einen seltenen Blick ins Innere des meistverkauften Elektroautoherstellers der Welt. Das US-Unternehmen Lumafield hat eine Batteriezelle, einen Fensterheber-Schalter, ein Ladegerät und einen Schlüssel des chinesischen Konzerns mit Industrie-Computertomografie durchleuchtet. Die Bilder zeigen, was vertikale Integration auf Bauteilebene bedeutet, und warum europäische Hersteller diese Fertigungstiefe genau studieren sollten.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Lumafield scannte vier BYD-Komponenten per Industrie-CT, ohne sie zu zerstören.
  • BYD verkaufte 2025 rund 4,6 Millionen Fahrzeuge, hat aber bis heute keinen Zugang zum US-Markt.
  • Die Scans zeigen, wie tief BYD die Fertigung von Batterie bis Elektronik selbst kontrolliert.
  • Genau diese Eigenproduktion senkt die Kosten, mit denen BYD den deutschen Markt unter Druck setzt.

Industrie-CT funktioniert wie eine medizinische Computertomografie, nur für technische Bauteile. Ein Röntgenstrahl rotiert um das Objekt, und aus hunderten Aufnahmen entsteht ein dreidimensionales Dichtemodell, das sich in jeder Ebene aufschneiden lässt. Auf diese Weise werden innere Strukturen sichtbar, ohne dass jemand das Teil zersägen muss.

Was verraten die Scans über BYDs Fertigung?

Sieben Matrjoschka-Puppen und eine kleine Batterie sind in einer Reihe aufgereiht
BYD fertigt Batterien, Halbleiter und Antriebsstränge selbst und kontrolliert damit die gesamte Wertschöpfungskette vertikal integriert

Die Bilder machen sichtbar, wie konsequent BYD die Wertschöpfung im eigenen Haus bündelt. Der Konzern fertigt Batterien, Halbleiter und Antriebsstränge selbst, statt sie zuzukaufen. Diese vertikale Integration zeigt sich bis in einzelne Komponenten, vom Aufbau der Batteriezelle bis zur Bauweise des simplen Fensterheber-Schalters. Wer die gesamte Kette kontrolliert, kann Material, Toleranzen und Kosten an jeder Stelle steuern.

Der politische Rahmen verschärft die Brisanz. BYD ist in den Vereinigten Staaten faktisch vom Markt ausgeschlossen, verkaufte 2025 aber dennoch 4,6 Millionen Fahrzeuge weltweit. Der Konzern wächst also kräftig, ohne den größten westlichen Einzelmarkt überhaupt zu betreten. In Großbritannien führt BYD bereits den Markt für Elektroautos an, und in Deutschland verdoppelten sich die Verkäufe zuletzt.

Der eigentliche Vorsprung von BYD steckt nicht im Design, sondern in der Fertigungstiefe. Wer Zelle, Chip und Schalter selbst baut, bestimmt seine Kosten an jeder Stelle der Kette.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Warum sollten deutsche Zulieferer hinschauen?

Röntgenbild einer E-Auto-Batterie mit grün markierter Komponente und Textfeld auf Weiß
Deutsche Autohersteller unter Druck: BYD konkurriert mit Kostenvorteil, EU-Zölle wirken nur teilweise, Fertigungstiefe bleibt Vorteil

Die deutsche Autoindustrie steht unter doppeltem Druck, zuhause durch zurückhaltende Käufer und international durch die chinesische Konkurrenz. BYD gibt seinen Kostenvorteil nicht eins zu eins an die Kunden weiter, weil EU-Importzölle ihn teilweise auffressen. Doch die Fertigungstiefe bleibt ein struktureller Vorteil, den Zölle nicht beseitigen. Genau deshalb lohnt der Blick auf die Bauteilebene, die Lumafield hier offenlegt.

Für Zulieferer steckt darin eine konkrete Frage. Wer einzelne Komponenten liefert, konkurriert mit einem Hersteller, der dieselben Teile intern fertigt und dabei jede Marge mitnimmt. Wer als Zulieferer relevant bleiben will, muss entweder eine Fertigungstiefe erreichen, die BYD nicht abbildet, oder eine technische Eigenschaft liefern, die der Konzern nicht selbst herstellt. Die Blade-Batterie etwa verspricht einen technischen Vorteil, der sich allerdings erst über Jahre validiert.

Industrie-CT wird in diesem Wettbewerb zum praktischen Werkzeug. Hersteller und Zulieferer können damit Konkurrenzprodukte zerstörungsfrei analysieren, eigene Toleranzen prüfen und verstehen, wo ein Wettbewerber Material und Schritte spart. Prüfen Sie in Ihrem Haus, ob Sie die Bauteile relevanter Wettbewerber systematisch analysieren, denn die Fertigungstiefe der chinesischen Hersteller lässt sich nur verstehen, wenn man hineinschaut.

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