54,5 Prozent nutzen KI, aber wie tief?

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
54,5 Prozent nutzen KI, aber wie tief?

Künstliche Intelligenz ist im deutschen Wirtschaftsalltag angekommen, zumindest auf dem Papier. Erstmals setzt mehr als die Hälfte der Unternehmen sie ein. Die spannendere Frage ist aber nicht ob, sondern wie tief.

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Die KI-Nutzung in deutschen Unternehmen überschreitet erstmals die 50-Prozent-Marke, im Mai waren es 54,5 Prozent nach 40,9 Prozent im Vorjahr. Das meldet das ifo Institut aus seiner Konjunkturumfrage. Der Sprung ist beachtlich, sagt aber wenig über die Wirkung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Über die Hälfte: 54,5 Prozent der Unternehmen nutzen KI, ein Jahr zuvor waren es 40,9 Prozent.
  • Industrie vorn: Dort liegt der Anteil bei 58,7 Prozent.
  • Große ziehen davon: 67,2 Prozent der Großunternehmen setzen KI ein, im Mittelstand sind es 47,2 Prozent.
  • Offene Frage: Verbreitung ist nicht gleich Produktivität.

Warum die Zahl weniger verrät, als sie scheint

Ein belebtes Miniatur-Schwimmbadmodell mit einer Menschenmenge im Wasser und einem Schild
Unternehmen nutzen KI oft nur oberflächlich in Chatbots und Pilotprojekten. Der echte Mehrwert entsteht erst durch Integration in Kernprozesse wie Produktion oder Buchhaltung, was bisher kaum gelingt

Verbreitung und Wirkung sind zweierlei. Die meisten Firmen steigen über Chatbots und einzelne Pilotprojekte ein, was in der Statistik bereits als Nutzung zählt. Der eigentliche Gewinn entsteht aber erst, wenn KI in Kernprozesse einzieht, in Produktion, Vertrieb oder Buchhaltung. Genau dieser Schritt gelingt bisher den wenigsten.

Bekannt ist dieses Muster aus der IT-Geschichte. Schon in den Neunzigern standen Computer überall, nur nicht in den Produktivitätszahlen. Ähnlich liegt heute zwischen einem ChatGPT-Zugang und einem messbaren Effizienzgewinn ein weiter Weg. KI kann Abläufe deutlich beschleunigen, aber nur, wenn Prozesse und Daten darauf vorbereitet sind.

Auffällig ist die wachsende Kluft. Während zwei von drei Großunternehmen KI nutzen, zögert der Mittelstand mit knapp der Hälfte. Großen Firmen fehlt es seltener an Budget, Datenbasis und eigenem Fachwissen. Dem Mittelstand droht damit ein Rückstand, der sich mit jedem Jahr schwerer aufholen lässt.

Die 50-Prozent-Marke ist ein schöner Meilenstein, aber kein Erfolg an sich. Entscheidend ist nicht, wie viele Firmen KI anfassen, sondern wie tief sie damit arbeiten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wie der Sprung von Pilot zu Produktion gelingt

Miniaturflugzeug auf Holzkonstruktion mit
Viele KI-Projekte bleiben im Dauerpilot stecken, statt in den Regelbetrieb zu gehen.

Der teuerste Fehler ist das Steckenbleiben im Dauerpilot. Viele Projekte verharren als Spielwiese einzelner Abteilungen, ohne je in den Regelbetrieb zu kommen. Schuld ist selten die Technik, häufiger fehlen klare Anwendungsfälle, gepflegte Daten und Menschen, die das Werkzeug wirklich beherrschen.

Setzen Sie deshalb an drei Hebeln an. Binden Sie KI an einen konkreten Kernprozess mit messbarem Ziel, schaffen Sie eine saubere Datengrundlage und investieren Sie in echtes Können statt in einmalige Schulungen. Erst wenn ein Pilot einen klaren Euro-Effekt zeigt, lohnt der Ausbau in die Breite.

Dass über die Hälfte der Unternehmen KI einsetzt, ist ein gutes Signal, aber erst der Anfang. Den Vorsprung holt sich, wer von der Nutzung zur Wertschöpfung kommt. Die nächste Statistik sollte nicht zählen, wer KI hat, sondern wer damit verdient.

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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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