Tesla FSD Supervised hat am 10. April 2026 die erste EU-Zulassung erhalten. Niederländische Fahrer können die Hände vom Lenkrad nehmen. Für Fuhrparkverantwortliche im DACH-Raum beginnt damit das entscheidende Halbjahr: Entweder stimmt das EU-Komitee für Kraftfahrzeugtechnik im Sommer zu und öffnet den Markt, oder Deutschland wartet weiter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- RDW genehmigte Tesla FSD Supervised am 10. April 2026 als erste EU-Behörde
- OTA Update läuft für Fahrzeuge mit HW4 Hardware (Model 3 und Model Y ab Mitte 2023) in den Niederlanden
- Deutschland (KBA) hat sich nicht geäußert, wartet auf EU-weites Komiteevotum
- Schweden, Finnland und Dänemark haben Sicherheitseinwände erhoben
- TCMV-Votum für Mai oder Juni 2026 erwartet, EU-weite Freischaltung danach möglich
Was hat die RDW am 10. April konkret genehmigt?

Die Genehmigung betrifft FSD Supervised, nicht vollautonomes Fahren. Das System übernimmt Lenken, Beschleunigen und Bremsen, der Fahrer muss die Straße dauerhaft beobachten und jederzeit eingreifen können. Hände weg vom Lenkrad ist erlaubt. Augen weg vom Verkehr nicht.
Für die Zulassung legte Tesla der RDW 18 Monate Testdaten vor: 1,6 Millionen Kilometer auf europäischen Straßen und rund 13.000 Demofahrten mit Kunden auf dem Beifahrersitz. Die rechtliche Grundlage bildet UN-Regelwerk R-171, ergänzt durch eine Sondergenehmigung nach Artikel 39 der EU-Verordnung 2018/858. Dieser Pfad nach Artikel 39 existiert für Technologien, die in keinen bestehenden Regelrahmen passen.
Technisch basiert FSD V14 vollständig auf neuronalen Netzen ohne manuell programmierte Verkehrsregeln. Das soll mehr Anpassungsfähigkeit an europäische Eigenheiten bringen: Kreisverkehre, Straßenbahnschienen, uneinheitliche Beschilderung. Ob das System diese Anpassungsleistung im Alltag einlöst, werden die Echtdaten nach der Freischaltung zeigen.
Die niederländische Genehmigung ist ein Meilenstein, kein Freifahrtschein. Wer als Fuhrparkmanager auf 2027 plant, sollte den TCMV-Entscheid im Sommer 2026 als echten Scheidepunkt einkalkulieren.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum stockt die EU-weite Anerkennung?

Die Transparenz der RDW ist das Kernproblem. Die Behörde hat ihre Testergebnisse nicht veröffentlicht. Ihr Generaldirektor bat andere Regulatoren öffentlich, der RDW zu vertrauen. In einer Regulierungskultur, die reproduzierbare technische Nachweise erwartet, kommt das schlecht an. Mehrere Mitgliedstaaten erklärten, sie warteten auf vollständige Dokumentation, bevor sie die niederländische Entscheidung übernehmen.
Schweden, Finnland und Dänemark haben konkrete Sicherheitsbedenken formuliert. Schwedische Verkehrsbehörden zeigten sich überrascht, dass FSD Geschwindigkeitsüberschreitungen zulässt. Finnische Prüfer fragten direkt, ob Tesla ein System einführt, das Fahren mit Händen weg vom Lenkrad auf vereisten 80-km/h-Strecken erlaubt. Norwegen signalisierte, erheblichen Aufwand betreiben zu müssen, um falsch informierte Verbraucher zu korrigieren.
Teslas Lobbying-Taktik hat die Lage nicht verbessert. Unternehmensvertreter kontaktierten schwedische Behörden vier Tage nach der niederländischen Zulassung, bevor irgendeine Dokumentation geteilt worden war. Elon Musk hatte Tesla-Besitzer zuvor öffentlich aufgefordert, Regulatoren zu bedrängen. Teslas eigener EU-Politikmanager räumte anschließend ein, dass solche Kampagnen für den Zulassungsprozess meist kontraproduktiv sind.
Wann kommt FSD nach Deutschland?

Das KBA hat sich öffentlich nicht geäußert. Deutschland gilt als abwartend bis zum Votum des Komitees für Kraftfahrzeugtechnik (TCMV), das für Mai oder Juni 2026 erwartet wird. Eine Mehrheitsentscheidung dort würde FSD Supervised automatisch in allen EU-Mitgliedstaaten freischalten, ohne dass einzelne Länder eigene Vollprüfungen durchführen müssten.
Für Fahrzeuge mit HW4 Hardware (Model 3 und Model Y, ausgeliefert seit Mitte 2023) wäre die Freischaltung per OTA Update möglich. Besitzer älterer Modelle mit HW3 müssen ein Hardware Retrofit einplanen, das rund 2.000 bis 3.000 Euro kostet. Der laufende Nutzungspreis liegt bei 99 Euro im Monat oder als Einmalkauf.
Als Fuhrparkverantwortlicher mit Beschaffungsplanung für 2027 sollten Sie den TCMV-Entscheid als konkreten Scheidepunkt in die Entscheidungsmatrix aufnehmen. Fällt das Votum positiv aus, verändert das die TCO Rechnung für Tesla-Flotten: weniger Fahrerbelastung auf Langstrecken, stabilere Restwerte, ein neues Argument gegenüber BYD und anderen Wettbewerbern, die im ersten Quartal 2026 um 169,7 Prozent in der EU gewachsen sind. Die aktualisierte E-Auto-Prämie 2026 senkt die Hardware-Einstiegshürde, deckt die FSD-Softwarekosten jedoch nicht ab. Wie sich Ladetarife und Batterie-Degradation auf die Gesamtkostenrechnung auswirken, lesen Sie in unseren Vergleichsartikeln.
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