Volkswagen verwehrt Besitzern bestimmter Datenschutz-Smartphones den Zugang zur hauseigenen App. Betroffen sind Geräte mit GrapheneOS und ähnlichen alternativen Android-Systemen. Für Entscheider mit hohem Datenschutzanspruch wird der Autokauf damit zur Grundsatzfrage.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Volkswagen-App verweigert auf Smartphones mit GrapheneOS seit Kurzem den Dienst. Fernentriegelung, Ladestand und Standheizung lassen sich nicht mehr steuern, und statt der gewohnten Oberfläche erscheint eine Fehlermeldung. Hinter der Sperre steckt kein technischer Defekt, sondern eine bewusste Entscheidung.
Das Wichtigste in Kürze
- Volkswagen schließt Geräte mit GrapheneOS und LineageOS von der App aus.
- Auslöser ist Googles Play-Integrity-Prüfung, die nur lizenzierte Android-Versionen akzeptiert.
- Funktionen wie Fernentriegelung, Ladestatus und Klimasteuerung entfallen.
- Erste Interessenten erklären öffentlich, deshalb kein VW-Modell mehr zu bestellen.
Warum trifft die Sperre ausgerechnet besonders sichere Handys?

Volkswagen prüft Geräte über Googles Play Integrity API. GrapheneOS gilt dort nicht als lizenziertes Android und wird als manipuliert gewertet, obwohl das System als eines der sichersten überhaupt gilt.
GrapheneOS entfernt Google-Dienste und schließt bekannte Angriffswege, was es bei sicherheitsbewussten Anwendern beliebt macht. Die Play-Integrity-Prüfung kennt allerdings nur Geräte mit offizieller Google-Lizenz. Alles andere fällt durch, unabhängig vom tatsächlichen Sicherheitsniveau. Im Forum von GrapheneOS dokumentieren Betroffene den Ausfall seit Tagen.
In einer Stellungnahme erklärt der Konzern, auf Geräten mit Custom-ROMs wie GrapheneOS oder LineageOS könne es zu Einschränkungen kommen. Diese Systeme gehörten nicht zur unterstützten Umgebung der Volkswagen-App. Sicherheit als Argument wirkt hier paradox, weil gerade die geschützteren Geräte ausgesperrt werden.
Ein Autohersteller, der seine datenschutzbewusstesten Kunden aussperrt, hat den Markt der nächsten Jahre nicht verstanden. Souveränität gewinnt man mit Brücken, nicht mit Hürden.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für den nächsten Autokauf?

Kontrollieren Sie vor dem Kauf, ob sich die Fahrzeug-App mit Ihrem Smartphone-Setup verträgt. Bei alternativen Android-Systemen lohnt eine Testinstallation oder die Nachfrage beim Händler, bevor der Vertrag steht.
Die Sperre trifft vor allem Elektromodelle, deren App-Funktionen im Alltag eine größere Rolle spielen. Bei Stromern, deren Wertverlust und Ladekosten viele Käufer ohnehin genau kalkulieren, gehört die digitale Anbindung künftig in dieselbe Rechnung. Eine Alternative bleibt der Browserzugang oder ein zweites, klassisches Android-Gerät allein für die Hersteller-App.
Ob Volkswagen die Sperre wieder lockert, ist offen. Der Vorgang zeigt, wie stark Googles Integritätsprüfung inzwischen darüber entscheidet, welche Apps auf welchen Geräten laufen. Für den Mittelstand ist das ein Signal, die Plattformabhängigkeit eigener Anwendungen kritisch zu prüfen.