Das Ifo-Institut hat nachgerechnet: Beim Diesel flossen nur 73 Prozent des Tankrabatts an die Fahrer, beim Benzin waren es fast 100 Prozent. Das Ende der Maßnahme zum 1. Juli markiert auch das Ende eines teuren Experiments mit bekannten Konstruktionsfehlern.

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17 Cent pro Liter mehr erwartet der ADAC ab dem 1. Juli, dem Tag nach dem Ablauf des Tankrabatts. Die eigentliche Pointe liegt anderswo: Von den 1,6 Milliarden Euro Steuergeld, die der Staat für den Tankrabatt ausgegeben hat, ist ein erheblicher Teil nie bei den Autofahrern angekommen. Das Ifo-Institut hat nachgemessen, und das Ergebnis trifft vor allem Diesel-Fahrer.

Das Wichtigste in Kürze

  • Super E5 und E10 wurden fast vollständig weitergegeben: minus 17 bzw. 16 Cent je Liter
  • Diesel nur zu 73 Prozent: statt 16 Cent kamen nur 12 Cent an der Zapfsäule an
  • Kosten der Maßnahme: 1,6 Milliarden Euro, davon schätzungsweise 430 Millionen bei den Konzernen verblieben
  • ADAC-Empfehlung: heute noch tanken, möglichst vor 12 Uhr

Warum kassierte beim Diesel der Großhandel mit?

Dieseltanksäule vor weißem Hintergrund mit Schnecke, Preisdisplay und handgeschriebener Preiserhöhung
Mineralölkonzerne behalten Steuererleichterung: Monopol in Raffinerie und Großhandel verhindert vollständige Weitergabe an Verbraucher

Ein strukturelles Problem steckt hinter den 73 Prozent: Die Monopolkommission hat es als „Wettbewerbsproblem auf der vorgelagerten Marktstufe“ bezeichnet. Wenige große Mineralölkonzerne kontrollieren Raffinerie und Großhandel, und dort blieb die Steuererleichterung zum Teil stecken. Christian Gréus vom Ifo-Zentrum für Finanzwissenschaft rechnet vor: „Es war eine teure Maßnahme, die den Staat rund 1,6 Milliarden Euro gekostet hat. Die unvollständige Weitergabe beim Diesel bedeutet, dass ein Teil davon bei den Mineralölkonzernen gelandet ist.“

Dieses Muster ist nicht neu. Beim ersten Tankrabatt im Sommer 2022 zeigten Analysen des Bundeskartellamts das gleiche Bild. Seitdem haben Bundeskartellamt und Monopolkommission strukturelle Defizite im deutschen Kraftstoffmarkt mehrfach dokumentiert, ohne dass sich grundlegend etwas änderte. Eine Pauschalsubvention ohne begleitende Wettbewerbskorrektur landet eben nicht vollständig beim Fahrer.

Beim Benzin sah die Bilanz deutlich günstiger aus: Super E5 war im Schnitt 17 Cent, Super E10 um 16 Cent günstiger als an Tankstellen im Ausland, die keine vergleichbare Entlastung hatten. „Ohne den Tankrabatt hätte der Preis für den Liter Superbenzin noch den gesamten Juni hindurch im Tagesdurchschnitt wohl über zwei Euro gelegen“, erklärt Ifo-Experte Florian Neumeier.

Der Tankrabatt ist ein teures Lehrstück über staatliche Preissubventionen ohne begleitende Wettbewerbskorrektur.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was ändert sich ab dem 1. Juli?

Eine Zapfpistole mit Geldmünzen, Euro-Scheinen, Prozentzeichen und Preis-Tag
Benzinpreis steigt ab Mittwoch um 17 Cent pro Liter. ADAC empfiehlt, noch heute vor 12 Uhr zu tanken

17 Cent mehr pro Liter sind ab Mittwoch realistisch, so der ADAC. Der globale Ölpreis ist zuletzt gesunken, was den Anstieg etwas dämpfen könnte. Ifo-Expertin Ramona Schmid erklärt: „Wie hoch es geht, wird vor allem von der Entwicklung des Ölpreises abhängen.“ Der ADAC empfiehlt trotzdem, noch heute vor 12 Uhr zu tanken. Am 30. Juni bestehe die Gefahr, dass die Konzerne die Preise bereits anheben, um sich Puffer für die Folgetage zu schaffen.

Bei dauerhaft über zwei Euro pro Liter rechnet sich der Verbrenner für viele anders, als erwartet. Flottenbetreiber, die den Vergleich suchen, finden ihn in den aktuellen Ladetarifen für E-Autos, bei denen andere Preisregeln gelten. Ifo und Monopolkommission halten das Ende des Tankrabatts dennoch für richtig: Eine 1,6-Milliarden-Maßnahme, die beim Diesel zu einem Viertel im Großhandel versickert, ist fiskalisch kaum zu rechtfertigen.

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