Ein Inkassoschreiben für einen Vertrag, den man längst widerrufen hat: Gegen diese Praxis des Inkassodienstleisters Riverty ist der Verbraucherzentrale Bundesverband vorgegangen. Das Landgericht Bochum gab den Verbraucherschützern recht, das Unternehmen ging in Berufung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIm konkreten Fall trieb Riverty als Inkassounternehmen eine Forderung aus einem Vertrag mit der 1N Telecom GmbH ein, obwohl der Kunde sein Widerrufsrecht wirksam ausgeübt hatte. Die Forderung bestand damit gar nicht mehr. Genau solche Mahnungen für nicht mehr existierende Verträge verunsichern viele Betroffene und führen zu Zahlungen, die niemand schuldet.
Das Wichtigste in Kürze
- Riverty trieb eine Forderung ein, obwohl der zugrundeliegende Vertrag wirksam widerrufen war.
- Der Verbraucherzentrale Bundesverband klagte auf Unterlassung, das Landgericht Bochum urteilte am 22. April 2026 zugunsten der Verbraucherschützer.
- Die Urteilsgründe liegen noch nicht vor, das Urteil ist nicht rechtskräftig.
- Riverty hat Berufung eingelegt, das Verfahren läuft am Oberlandesgericht Hamm.
Warum ist der Fall für viele relevant?

Inkassoschreiben entfalten Druck, weil sie offiziell wirken und mit Konsequenzen drohen. Wenn ein Inkassodienstleister aber eine Forderung beitreibt, die nach einem wirksamen Widerruf gar nicht mehr besteht, fehlt der Mahnung die Grundlage. Das Landgericht Bochum sah darin einen Verstoß. Da ein Eintrag im Verbandsklageregister besteht, ist die Verjährung der Ansprüche betroffener Verbraucher gehemmt, eine gesonderte Anmeldung für den Ausgang ist aber nicht nötig. Wer wissen will, wie man auf unberechtigte Forderungen reagiert, findet Orientierung in unserem Beitrag zu sicherer Kommunikation und Betrugsmaschen.
Ein Widerruf beendet den Vertrag, und damit auch jede Forderung daraus. Wer trotzdem ein Inkassoschreiben verschickt, setzt darauf, dass Menschen aus Angst vor Ärger einfach zahlen. Genau dieser Mechanismus gehört vor Gericht.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was sollten Betroffene tun?

Wer ein Inkassoschreiben für einen widerrufenen Vertrag erhält, sollte den Widerruf belegen können und der Forderung schriftlich widersprechen, statt vorschnell zu zahlen. Solange die Berufung läuft, ist der Fall nicht endgültig entschieden. Den Verfahrensstand samt Urteilsdokument führt der Verbraucherzentrale Bundesverband in seinem Verbandsklagen-Register.
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