Microsoft hat in der ersten Maiwoche 2026 drei kritische Sicherheitslücken in Microsoft 365 Copilot gepatcht — ohne große Ankündigung. Alle drei Schwachstellen waren über das Netzwerk erreichbar, benötigten weder Authentifizierung noch Nutzerinteraktion und konnten zu Datenlecks führen. Für Unternehmen mit aktiver Copilot-Lizenz stellen sich jetzt zwei Fragen: Wer war betroffen, und müssen Sicherheitsvorfälle dokumentiert werden?
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenGeht es Ihnen auch so? Eine Lücke wird gepatcht, eine Pressemitteilung gibt es nicht, und die einzige Information stammt aus einem Eintrag im Update-Guide. Genau diese Praxis sorgt im Mittelstand zunehmend für Unmut.
Das Wichtigste in Kürze
- Microsoft hat drei kritische Microsoft-365-Copilot-Lücken Anfang Mai gepatcht
- Alle drei über Netzwerk angreifbar, keine Authentifizierung, keine User-Interaktion
- Datenlecks aus dem User-Kontext waren möglich
- Patches laufen automatisch im Microsoft-365-Tenant, kein Admin-Eingriff nötig
Was die drei Lücken konkret bedeuten

Der CVSS-Vektor lautet bei allen drei Schwachstellen AV:N/AC:L/PR:N/UI:N. Übersetzt: Angriffsvektor Netzwerk, niedrige Angriffskomplexität, keine Privilegien erforderlich, keine Nutzerinteraktion nötig. Damit erfüllen die Lücken die Kriterien für eine kritische Einstufung nach BSI-Schema.
Praktisch bedeutet das: Ein Angreifer konnte aus dem Netz heraus, ohne Zugangsdaten und ohne dass ein Nutzer auf etwas klickt, Daten aus dem Kontext eines Copilot-Nutzers abgreifen. Welche Daten betroffen waren, hängt vom jeweiligen Tenant ab. Möglich sind Prompts, hochgeladene Dokumente, Email-Inhalte oder Suchergebnisse aus der Microsoft-Graph-API.
Warum Microsoft so leise patcht

Cloud-Lücken haben einen Vorteil gegenüber lokalen Sicherheitsproblemen: Der Hersteller patcht zentral, jeder Tenant ist sofort geschützt. Keine Update-Verteilung über IT-Abteilungen, kein Risiko, dass ein Patch vergessen wird. Microsoft begründet damit, dass detaillierte Sicherheits-Advisories für Cloud-Dienste oft nicht im selben Umfang nötig seien wie für On-Premises-Software.
Aus Sicht der Sicherheitsforscher und vieler Unternehmen ist die Praxis aber problematisch. Wer nicht weiß, dass eine Lücke existierte, kann auch nicht prüfen, ob sie ausgenutzt wurde. Für DSGVO-Vorfälle, die eine Meldepflicht innerhalb von 72 Stunden vorsehen, ist diese Informationslücke kritisch.
Cloud-Sicherheit ohne transparente Disclosure ist eine Einbahnstraße. Microsoft patcht, der Mittelstand erfährt es zufällig aus dem Blog eines Sicherheitsexperten. Genau das gehört in die nächste DSGVO-Reform: Hersteller-Pflichten zur Offenlegung kritischer Cloud-Lücken, nicht nur On-Premises.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wer ist betroffen

Betroffen sind alle Microsoft-365-Tenants mit aktiver Copilot-Lizenz. Das umfasst Copilot for Microsoft 365, Copilot for Sales, Copilot for Service und alle branchenspezifischen Varianten. Microsoft hat keine Hinweise darauf veröffentlicht, ob die Lücken bereits ausgenutzt wurden. Im MSRC-Update-Guide steht der Eintrag „Exploitation Status: Not detected“.
Für Compliance-Verantwortliche relevant: Die Lücken erfüllen formal die Kriterien einer „hohen Risikoeinstufung“ nach DSGVO Artikel 33. Eine 72-Stunden-Meldung an die zuständige Datenschutzbehörde wäre fällig gewesen, wenn Datenverarbeiter den Vorfall festgestellt hätten. Da Microsoft ohne Detail-Advisory patcht, fehlt diese Erkenntnis schlicht.
Was Mittelständler jetzt prüfen sollten

Vier Schritte drängen sich auf:
Erstens die eigene Microsoft-365-Tenant-Konfiguration sichten: Welche Copilot-Funktionen sind aktiv, welche Datenquellen sind angebunden, welche Nutzer haben Zugriff? Diese Inventur ist die Basis jeder weiteren Bewertung.
Zweitens den Microsoft Security Response Center Update-Guide regelmäßig prüfen, nicht nur bei Patch-Tuesday. Cloud-Patches kommen außer der Reihe und werden oft erst rückwirkend dokumentiert.
Drittens prüfen, ob im Anbietervertrag mit Microsoft eine Klausel zur proaktiven Information bei kritischen Lücken steht. Vergleichbare Forderungen lassen sich aus dem Grundprinzip der WordPress-Sicherheit ableiten: Wer eine Plattform einsetzt, sollte wissen, wann sie kompromittiert war.
Viertens als alternative Strategie: Eigene Logging-Lösungen einsetzen, die Anomalien im Copilot-Verkehr erkennen, unabhängig von Microsofts eigener Telemetrie. Wer sich allgemein für KI-Sicherheits-Strategie interessiert, findet im Bericht zum aktuellen KI-Phishing-Anstieg weitere Stellhebel.
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