Jenoptik startet mit einem neuen Chef in eine Phase mit vollen Auftragsbüchern. Dominic Dorfner, promovierter Physiker und zuvor Chef von Semikron Danfoss, übernahm am 1. August und bekam sofort einen umgebauten Vorstand mit. Den Takt gibt ein Auftragsbestand von 719 Millionen Euro vor, den vor allem die Chipindustrie füllt.

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Jenoptik wechselt die Spitze mitten im Chip-Boom. Der Aufsichtsrat zog den Amtsantritt von Dominic Dorfner auf den 1. August vor und beschloss am selben Tag, die Vorstandsressorts neu zu schneiden. Neu ist eine eigene Vorstandsrolle für Technik und Betrieb.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dominic Dorfner, promovierter Physiker und früherer Chef von Semikron Danfoss, führt Jenoptik seit dem 1. August.
  • Der Aufsichtsrat schuf eine neue CTO/COO-Rolle und trennte Strategie, Technik und Finanzen.
  • Der Auftragseingang sprang im ersten Quartal um 74 Prozent, getrieben von der Halbleiter-Fertigung.
  • Für 2026 peilt Jenoptik eine EBITDA-Marge von 19 bis 21 Prozent an.

Warum ordnet Jenoptik den Vorstand neu?

Glasprisma auf Sockel mit Gravur „Vorstand 2026“, gebrochener Lichtstrahl auf Chip
Aufsichtsrat beschließt Umstrukturierung: Dorfner wird Vorstandsvorsitzender für Strategie und Geschäft, Kuschnereit leitet neu geschaffenen Bereich Technik und Betrieb, Havranek-Kosicek bleibt Finanzvorständin

Den Umbau beschloss der Aufsichtsrat am Tag des Amtsantritts. Dorfner verantwortet als Vorstandsvorsitzender Strategie und Geschäft. Der langjährige Vorstand Ralf Kuschnereit übernimmt die neu geschaffene Rolle für Technik und Betrieb. Finanzvorständin Prisca Havranek-Kosicek behält die Finanzen.[1]

Die Trennung folgt einem klaren Zweck. Ein eigenes Ressort für Technik und Produktion soll die Serienreife der Photonik-Systeme beschleunigen, während der Vorstandschef den Ausbau in die wachsenden Märkte steuert. Technik als Chefsache ist bei einem Optikkonzern kein Verwaltungsakt, sondern die Antwort auf eine Nachfrage, die schneller wächst als die eigene Fertigung.

Dorfner passt zu diesem Zuschnitt. Der 1980 geborene Physiker studierte in München und Illinois, promovierte über photonische Biosensoren und leitete zuletzt den Leistungselektronik-Hersteller Semikron Danfoss. „Die hohe technologische Kompetenz, die Begeisterung der Kolleginnen und Kollegen und die wachsenden Chancen der Photonik geben uns die beste Ausgangslage“, sagte Dorfner zum Start.[1]

Was treibt das Halbleitergeschäft bei Jenoptik?

Den Ausschlag gibt die Chipindustrie. Im ersten Quartal 2026 sprang der Auftragseingang um 74 Prozent auf 356,9 Millionen Euro, vor allem weil Hersteller von Halbleiter-Fertigungsanlagen bei Jenoptik bestellten.[2]

Jenoptik liefert die Messtechnik, mit der Chipfabriken ihre Wafer prüfen. Jeder Fortschritt bei Strukturbreiten und Stapelhöhen verlangt genauere optische Kontrolle. Genau dort sitzt das Wachstum. Der Auftragsbestand kletterte bis Jahresende auf 719,2 Millionen Euro und sichert die Auslastung weit ins Jahr hinein.

Jenoptik: Vorstandswechsel im Chip-Boom
Die wichtigsten Zahlen zum Führungswechsel und zum Halbleitergeschäft
1. Aug
Amtsantritt Dorfner
vorgezogen auf 2026 statt spätestens Oktober
+74 %
Auftragseingang Q1 2026
auf 356,9 Millionen Euro, getrieben von der Halbleiter-Fertigung
719
Millionen Euro Auftragsbestand
Rekordstand zum Jahresende 2025
3
Köpfe im Vorstand
neue CTO/COO-Rolle für Technik und Betrieb

Was der Jenoptik-Umbau für die Chip-Industrie bedeutet

Jenoptik steht mit dem Umbau nicht allein. Von Aixtron bis LPKF richten sich die deutschen Chip-Ausrüster auf denselben Zyklus aus. Aixtron meldet für seine Anlagen volle Auftragsbücher. LPKF liefert Koreas Chipindustrie die Technik fürs optische Packaging. Die Muster gleichen sich, der Engpass verschiebt sich vom Chip zur Maschine, die ihn baut.

Den KI-Boom gewinnen nicht die lautesten Chip-Marken, sondern die Zulieferer der Fertigung. Jenoptik zieht daraus die richtige Konsequenz und macht die Technik zur Chefsache.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Für den Standort zählt die Ausrüster-Ebene mehr als die Schlagzeilen um einzelne Fabriken. Während Infineon in Dresden Kapazitäten hochfährt, hängt Europas Anspruch auf eigene Spitzenchips an Zulieferern für Messtechnik und Optik. Der EU Chips Act fördert Fabriken, doch ohne die Werkzeuge dahinter bleibt jede Halle leer.

Für Entscheider lohnt der Blick auf die zweite Reihe. Beim Planen von Elektronik-Lieferketten gehören die Kapazitäten der Mess- und Fertigungstechnik genauso auf die Liste wie die großen Foundry-Namen, denn dort entscheidet sich das Tempo des nächsten Ausbaus.

Quellen

[1] Jenoptik AG: „Dr. Dominic Dorfner tritt Amt als Vorstandsvorsitzender der JENOPTIK AG an“ (3. August 2026)

[2] Jenoptik AG: „Jenoptik gut in das Jahr 2026 gestartet“ (Ergebnisse Q1 2026)

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