Google und die UC San Diego bauen ein Rechenzentrum aus 2.000 ausgemusterten Pixel-Smartphones. Die Rechenleistung ist nicht das Spannende daran. Der eigentliche Gewinn ist das eingesparte CO2.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Rechenzentrum aus Alt-Handys klingt nach Bastelei, ist aber ein ernsthafter Forschungsvorschlag von Google Research und der University of California San Diego. Am 12. Juni 2026 stellten die Autoren Jennifer Switzer und David Patterson das Konzept Phone Cluster Computing vor. Aus 2.000 ausgemusterten Pixel-Smartphones soll ab Herbst 2026 ein funktionierender Rechenverbund entstehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Google und die UC San Diego fassen 25 bis 50 Hauptplatinen ausgemusterter Pixel-Smartphones zu Clustern zusammen.
- Aus den Geräten werden Bildschirm, Akku und Kamera entfernt, die Platinen laufen unter Linux.
- Ein ausgemustertes Pixel liefert etwa die halbe Rechenleistung eines vollständigen Servers, bei 8 bis 12 GB intaktem Arbeitsspeicher.
- Die Platine verursacht rund 50 Prozent des in der Herstellung gebundenen CO2 eines Handys, weshalb die Wiederverwendung den größten Hebel bietet.
Wie funktioniert das Phone Cluster Computing?

Platine statt Gerät. Aus jedem Pixel wird die Hauptplatine entnommen und von allem befreit, was sie zum Rechnen nicht braucht. In einem Cluster aus 25 bis 50 dieser Platinen entsteht brauchbare Rechenkapazität. Der Arbeitsspeicher von 8 bis 12 GB bleibt erhalten, und unter Linux verhält sich der Verbund wie ein kleiner Server. Für das Training großer Modelle wie Gemini ist der Aufbau ausdrücklich nicht gedacht.
Warum geht es vor allem um CO2?

Embodied Carbon. Rohstoffgewinnung und Produktion eines Smartphones verursachen erhebliche Emissionen, und die Hauptplatine allein steht für rund die Hälfte dieses Fußabdrucks. Menschen tauschen ihre Telefone im Schnitt alle vier Jahre, obwohl die Elektronik meist noch funktioniert. Jede wiederverwendete Platine spart die Herstellung neuer Server-Hardware, ein Ansatz, der sich mit Recycling und KI-Robotik zur Kreislaufwirtschaft fügt. Wie weit solche Verfahren reichen, zeigt der Blick auf KI-Roboter im Recycling.
Ein Handy-Cluster muss keinen Hochleistungsserver schlagen. Der eigentliche Gewinn liegt darin, dass für diese Rechenleistung niemand neue Hardware bauen muss.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie schlägt sich das Konzept in der Praxis?

Erste Tests. Ein kleiner Verbund aus 20 Telefonen bewältigte die Bewertung für mehr als 75 Studierende schneller als ein kleiner Cloud-Server. Mit dem vollständigen Aufbau aus 2.000 Geräten sollen rund 100 Kurse parallel laufen. Sinnvoll sind dabei leichtere Aufgaben wie Lernplattformen, Bewertungssysteme, Entwicklungsumgebungen oder einfache Webdienste.
Ergänzung statt Ersatz. Für den klassischen Rechenzentrumsbetrieb in Deutschland bleibt der Ansatz vorerst eine Ergänzung, wie der Blick auf die größten Rechenzentren Deutschlands zeigt. Für Unternehmen mit eigener Green-IT-Strategie lohnt sich trotzdem ein Blick auf den Hebel der grauen Emissionen, der in den Diskussionen über Stromverbrauch oft untergeht. Das vollständige Konzept dokumentiert Google Research im eigenen Blog.