Recyceln KI-Roboter bald Textilien und Batterien?

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Recyceln KI-Roboter bald Textilien und Batterien? Bald.

Das EU-Projekt FlexCycle entwickelt mit 7,5 Millionen Euro Budget KI-gesteuerte Roboter, die Textilien, Kabel und Brennstoffzellenmembranen automatisch zerlegen. Zwei Fraunhofer-Institute liefern die Schlüsseltechnologie für die Rückgewinnung von Platin und PFAS-Materialien.

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Waren Sie schon in dieser Situation? Alte Kabel, ausrangierte Kleidung und defekte Batterien landen im Restmüll, weil sich die Zerlegung nicht lohnt. Genau dieses Problem adressiert FlexCycle, ein neues Horizon-Europe-Projekt mit zwölf Partnern aus sechs Ländern. In den nächsten vier Jahren sollen autonome Systeme entstehen, die weiche und verformbare Materialien erkennen, greifen und in verwertbare Bestandteile zerlegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • FlexCycle erhält 7,5 Millionen Euro aus dem Horizon-Europe-Programm und läuft über vier Jahre
  • Zwölf Partner aus sechs Ländern arbeiten an KI-Robotern für drei Materialklassen: Brennstoffzellen, Textilien und Kabel
  • Fraunhofer IWKS gewinnt Platin-Katalysatoren aus PEM-Brennstoffzellen zurück, Fraunhofer LBF recycelt fluorhaltige PFAS-Membranen
  • Koordiniert wird das Projekt vom Istituto Italiano di Tecnologia (IIT)

Warum können herkömmliche Roboter das nicht?

Industrieroboterarm mit Greifer hält ein weißes T-Shirt vor neutralem weißem Hintergrund

Industrieroboter verarbeiten starre Bauteile routiniert. Flexible Materialien reagieren jedoch auf mechanische Einwirkungen mit unvorhersehbaren Formveränderungen. Ein T-Shirt verhält sich bei jedem Griff anders als beim vorherigen. Kabel treten in der Entsorgung als verhedderte Bündel auf. Brennstoffzellenmembranen sind dünn, empfindlich und enthalten gesundheitsschädliche Substanzen.

FlexCycle kombiniert deshalb flexible Roboterwerkzeuge (Endeffektoren) mit KI-basierter Modellierung. Die KI lernt, wie sich ein Material beim Greifen verformt, und passt den nächsten Handgriff in Echtzeit an. Für Textilien bedeutet das: Die Systeme erkennen Nähte, Knöpfe und Reißverschlüsse und entfernen sie gezielt, um Stoffe sortenrein zurückzugewinnen.

„FlexCycle entwickelt autonome Systeme, die flexible Materialien nicht nur erkennen, sondern auch sicher und effizient demontieren können“, sagte eine Projektsprecherin des Fraunhofer LBF.

Welche Rohstoffe lassen sich zurückgewinnen?

Karton-Sammelbox für Textilien und Batterien mit KI-Fragezeichen-Notiz auf dem Deckel
Roboter extrahieren PEM-Membranen aus Brennstoffzellen und gewinnen Platin-Katalysatoren zurück. Fraunhofer Institute entwickeln Verfahren zur Rückgewinnung fluorhaltiger Membranen

Drei Anwendungsbereiche stehen im Fokus. Bei Brennstoffzellen extrahieren die Roboter PEM-Membranen (Proton Exchange Membranes) und gewinnen Platin-Katalysatoren zurück. Fraunhofer IWKS in Hanau und Alzenau übernimmt diese Aufgabe. Das Fraunhofer LBF erforscht parallel Verfahren für fluorhaltige Membranen wie Nafion. Chemische Auflösung und Depolymerisation sollen diese kritischen PFAS-Stoffe nachhaltig verwerten.

Bei Kabeln navigieren die Roboter durch Drahtgewirr, isolieren einzelne Leitungen und entfernen Isolierschichten, um Kupfer und andere Metalle zurückzugewinnen. Bei Textilien geht es um die automatisierte Zerlegung in wiederverwertbare Stoffkomponenten.

„KI-Roboter, die Platin aus Brennstoffzellen und Kupfer aus Kabelsalat holen, klingen nach Science-Fiction. Fraunhofer macht daraus ein Vierjahresprojekt mit Budget und Demonstratoren.“ — Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bringt das Unternehmen konkret?

Roboterarm sortiert Müll in grüne Tonne vor weißem Hintergrund
FlexCycle entwickelt adaptive Hard- und Software für automatisiertes Recycling von flexiblen Materialien in Kreislaufwirtschaft, Textilleasing und Batterieverwertung

Für alle drei Materialklassen entstehen innerhalb der Projektlaufzeit funktionsfähige Demonstratoren. Die adaptive Hard- und Software ist bewusst so konzipiert, dass sie sich auf weitere Industriebereiche übertragen lässt. Für Unternehmen in der Kreislaufwirtschaft, im Textilleasing oder in der Batterieverwertung eröffnet FlexCycle eine Perspektive: Automatisiertes Recycling flexibler Materialien könnte wirtschaftlich tragfähig werden, sobald die Demonstratoren den Praxistest bestehen.

Neben den beiden Fraunhofer-Instituten gehören zum Konsortium unter anderem die TU München, die Universität Göttingen, das Jožef Stefan Institute aus Slowenien und der französische Brennstoffzellenhersteller Symbio.

Quellen

Fraunhofer IWKS – EU-Projekt FlexCycle setzt auf KI und flexible Robotik – https://www.iwks.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/pressemeldungen-2026/eu-projekt–flexcycle–setzt-auf-ki-und-flexible-robotik.html – besucht am 24.03.2026

Fraunhofer LBF – Kreislaufwirtschaft für flexible Materialien – https://www.lbf.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/kreislaufwirtschaft-flexible-materialien-dank-ki-robotik.html – besucht am 24.03.2026

RECYCLING magazin – FlexCycle automatisiert Recycling flexibler Materialien – https://www.recyclingmagazin.de/2026/03/11/flexcycle-recycling-flexibler-materialien/ – besucht am 24.03.2026

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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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