Microsoft-Chef Satya Nadella hat auf der Entwicklerkonferenz Build 2026 eine bemerkenswerte Zahl genannt: Die neueste Generation der KI-Rechenzentren verbrauche im ganzen Jahr ungefähr so viel Wasser wie ein einzelnes Restaurant. Möglich macht das eine geschlossene Kühlung, die das Wasser im Kreislauf führt, statt es zu verdampfen.

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Hinter der Aussage steckt ein Designwechsel, den Microsoft seit August 2024 in alle neuen Rechenzentren einbaut. Der Kühlkreislauf wird beim Bau einmal befüllt und zirkuliert danach dauerhaft zwischen Servern und Kühlern, ohne dass frisches Wasser nachfließen muss. Pro Anlage spart dieser Ansatz nach Unternehmensangaben mehr als 125 Millionen Liter Wasser im Jahr.

Warum verbrauchen Rechenzentren überhaupt so viel Wasser?

Glas Wasser mit Chip in verbundenem Schlauch auf Weiß
Rechenzentren verbrauchen durch Verdunstungskühlung große Wassermengen, die als Dampf entweichen. Der KI-Boom verschärft die Konkurrenz um Wasser in trockenen Regionen

Klassische Rechenzentren kühlen ihre Server oft durch Verdunstung. Das Verfahren ist energieeffizient, kostet aber viel Wasser, weil ein großer Teil davon als Dampf in die Atmosphäre entweicht und der lokalen Wasserversorgung verloren geht. In trockenen Regionen konkurrieren die Anlagen damit direkt mit Haushalten um dieselbe Ressource.

Der KI-Boom verschärft das Problem. Die UN-Universität rechnet damit, dass der Wasserbedarf für die Kühlung weltweit auf 9,3 Billionen Liter steigt, während der Stromhunger der Rechenzentren bis 2030 auf fast das Doppelte des deutschen Jahresverbrauchs klettert. Jede KI-Anfrage hat damit einen physischen Preis in Litern und Kilowattstunden, wie die Redaktion bereits beim Strom- und Wasserhunger der KI aufgeschlüsselt hat.

Wie misst Microsoft den Fortschritt?

Serverschrank mit Flüssigkeitskühlungsschlauch und orangefarbenem Maßband „0 LITER / s“
Water Usage Effectiveness zeigt Wasserverbrauch pro Kilowattstunde IT-Energie. Globaler Durchschnitt 2023: 0,30 Liter/kWh, 39% besser als 2021

Als Kennzahl dient die Water Usage Effectiveness, kurz WUE, die den jährlichen Wasserverbrauch ins Verhältnis zum Energiebedarf der IT-Technik setzt. Im letzten Geschäftsjahr lag der globale Durchschnitt bei 0,30 Liter pro Kilowattstunde, eine Verbesserung um 39 Prozent gegenüber dem Wert von 0,49 aus dem Jahr 2021.

Bei Anlagen mit der neuen Kreislaufkühlung soll dieser Wert gegen null gehen. Erste Pilotprojekte starten 2026 in Phoenix und im Wisconsiner Mt. Pleasant, der reguläre Betrieb folgt ab Ende 2027. Auch Wettbewerber gehen den Weg: Amazon will bis 2030 in über 120 Rechenzentren recyceltes Wasser einsetzen.

Eine geschlossene Kühlung ist ein echter Fortschritt, aber kein Nullsummenspiel. Was beim Wasser eingespart wird, taucht oft beim Strom wieder auf. Entscheider sollten bei jedem Cloud-Vertrag fragen, wie der Anbieter beide Bilanzen führt, nicht nur die schönere.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wo liegt der Haken an der wasserfreien Kühlung?

Badeente mit Schild „Wasser?“ in einem transparenten Glaskasten vor weißem Hintergrund
Geschlossene Kühlkreisläufe verbrauchen mehr Strom als Verdunstungstechnik. Microsoft erhöht die Betriebstemperaturen, um den Mehrverbrauch zu senken, kann ihn aber nicht eliminieren

Der Verzicht auf Verdunstung hat einen Preis. Die mechanische Kühlung im geschlossenen Kreislauf braucht mehr Strom als die alte Verdunstungstechnik, was den Energiebedarf der Anlagen leicht erhöht. Microsoft mildert den Effekt durch höhere zulässige Betriebstemperaturen ab, ganz aufheben lässt er sich nicht.

Hinzu kommt ein versteckter Verbrauch, den die Rechenzentren selbst gar nicht ausweisen. Schon die Herstellung der Chips schluckt enorme Mengen ultrareinen Wassers, eine typische Halbleiterfabrik verbraucht täglich Millionen Liter. Wer die Wasserbilanz der KI ehrlich zieht, muss die Lieferkette mitdenken, nicht nur den Serverraum. Die geschlossene Kühlung ist deshalb ein wichtiger Schritt, aber nur einer von mehreren auf dem Weg zu einer ressourcenschonenden digitalen Infrastruktur.

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