Die Rainforest Alliance hat am 24. Juni 2026 ihren Jahresbericht 2025 vorgelegt und meldet Rekordwerte bei Klimaschutz, Ökosystemen und Farmeinkommen. Für Entscheider in Handel und Beschaffung lohnt ein zweiter Blick, denn alle Zahlen stammen aus der Feder der Organisation selbst.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Rainforest Alliance präsentiert ihren grünen Frosch als Beleg für nachhaltige Lieferketten, vom Kaffee bis zur Banane. Der frische Bericht trägt den Titel „Regeneration schlägt Wurzeln“ und stützt diese Botschaft mit großen Kennzahlen. Beim Nachrechnen tauchen jedoch Fragen auf, die der Bericht selbst nicht beantwortet.
Das Wichtigste in Kürze
- 5,5 Millionen Tonnen vermiedene oder gebundene Treibhausgase, 11,9 Millionen Hektar geschützte Ökosysteme und 1,91 Milliarden Euro zusätzliches Farmeinkommen: alle Werte meldet die Organisation selbst.
- Der neue Standard für regenerative Landwirtschaft mit 119 Anforderungen führt über die klassische Zertifizierung hinaus.
- Eine ZDF-Recherche sowie die Entwicklungsorganisation Oxfam werfen dem Siegel lasche, vorab angekündigte Kontrollen vor.
- Anders als Fairtrade garantiert die Rainforest Alliance den Erzeugern keinen Mindestpreis.
Was meldet der Jahresbericht 2025?

Rekordwirkung verbucht die Organisation für 2025 in fünf Feldern, von Ökosystemen über Biodiversität bis zu den Menschenrechten. Nach eigenen Angaben arbeitete der Verbund mit fast 12 Millionen Bäuerinnen, Bauern und Beschäftigten sowie mehr als 5.480 Unternehmen zusammen. Auf 66.000 Produkten in 172 Ländern klebt inzwischen das Siegel mit dem grünen Frosch.
Regeneration als Sprung bildet den Kern des neuen Standards, eines wissenschaftlich gestützten Rahmens mit 119 Anforderungen zu Bodengesundheit, Wasser und sozialen Fragen. Als weltweit erste Farm erhielt die 2.200 Hektar große Kaffeefinca La Cumplida im Norden Nicaraguas das frische Zertifikat. Der Betrieb meldet dort messbare Erholung bei der Bodenerosion und die Rückkehr von Nützlingen.
Vertrauensfrage rückt sogar die Spitze der Organisation in den Mittelpunkt. „Vertrauen entsteht durch glaubwürdige, nachweisbare Ergebnisse“, sagt CEO Santiago Gowland im Jahresbericht 2025. Genau an diesem Maßstab lässt sich der grüne Frosch messen.
Wo der grüne Frosch ins Stocken gerät

Selbst ausgewiesen sind sämtliche Wirkungszahlen des Berichts, eine unabhängige Prüfung der Gesamtbilanz fehlt. Dieselbe Schwäche beschreibt unser Beitrag zu Greenwashing: Ungeprüfte Umweltversprechen halten der Nachfrage nach belastbaren Belegen oft nicht stand.
Lasche Kontrolle lautet der Vorwurf aus der Recherche vor Ort. Die ZDF-Dokumentation „Der Bananen-Bluff“ begleitete 2023 Beschäftigte auf zertifizierten Plantagen in Ecuador und Costa Rica und zeigte vorab angekündigte Audits, Schutzkleidung nur für den Prüftag und Pestizidbesprühung bei laufender Arbeit. Die Entwicklungsorganisation Oxfam und die ecuadorianische Gewerkschaft ASTAC kamen zu ähnlichen Befunden.
Kein Mindestpreis bleibt die strukturelle Lücke beim Geld. Anders als Fairtrade sichert die Rainforest Alliance den Erzeugern keine feste Preisuntergrenze, wie unsere Analyse zum Kakaomarkt zeigt. Höhere Einkommen entstehen über Prämien und Produktivität, für viele Kleinbetriebe also über weiter schwankende Erlöse.
Ein Siegel, das seine eigene Wirkung ausweist und Kontrollen vorab ankündigt, prüft am Ende vor allem die eigene Pressearbeit. Für die Beschaffung zählt der Lieferketten-Nachweis nach EUDR, nicht der grüne Frosch auf der Packung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Praktischer Rat für Einkauf und Marketing: Den Jahresbericht als Marktsignal lesen, die einzelne Wirkung aber über unabhängige Audits, Lieferkettendaten und den EUDR-Nachweis absichern. Ein Siegel ersetzt keine eigene Sorgfaltspflicht, schon gar nicht bei Ware aus Hochrisikoregionen.