Die Deutsche Telekom und Cloudflare verbinden ihre Netze direkt miteinander und legen damit einen jahrelangen Streit über die Zusammenschaltung bei. Die Umstellung begann am 30. September und soll laut Telekom bis zum 1. Oktober abgeschlossen sein.

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Mit dem Telekom-Cloudflare-Peering entfällt für viele Websites ein Umweg, der einem Teil der Telekom-Kunden zähe Ladezeiten bescherte. Bislang floss der Verkehr zwischen beiden Netzen über Transitanbieter wie Arelion und Cogent. Ob Cloudflare für den direkten Anschluss zahlt, lässt die gemeinsame Mitteilung vom 29. September offen.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Cloudflare lehnte das Paid Peering der Telekom bisher ab, deshalb lief der Verkehr über Transitanbieter wie Arelion und Cogent.
  • T-Systems verkauft Sicherheits- und CDN-Dienste von Cloudflare an Geschäftskunden.
  • Die Beschwerde bei der Bundesnetzagentur vom April 2025 betrifft auch andere Inhalteanbieter.

Warum lief der Verkehr bisher über Umwege?

Zwei Switches, ein oranges Kabel, ein graues Kabelbündel mit Etikett „Umweg“
Telekom verlangt von Cloudflare Gebühren für direkten Netzzugang, weshalb Datenverkehr über kostenpflichtige Transitanbieter läuft

Große Netze tauschen Daten meist ohne Gebühr an Knotenpunkten wie dem DE-CIX in Frankfurt aus. Die Telekom lässt sich einen direkten Anschluss dagegen von großen Inhalteanbietern bezahlen, im Fachjargon Paid Peering. Cloudflare wollte nicht zahlen, also lief der Verkehr über Transitanbieter, deren Leitungen ins Telekom-Netz laut Branchenmedien häufig ausgelastet waren. Seiten hinter Cloudflares CDN luden deshalb an Telekom-Anschlüssen langsamer.

Aus den USA kennt die Branche das Muster: Netflix zahlte Comcast 2014 für einen direkten Anschluss, nachdem die Streams auf überlasteten Transitwegen monatelang geruckelt hatten. In Deutschland reichten der Verbraucherzentrale Bundesverband, die Gesellschaft für Freiheitsrechte, epicenter.works und die Stanford-Juristin Barbara van Schewick im April 2025 eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur ein.[2] Ihr Vorwurf lautet, die Telekom verknappe die Übergänge künstlich und verlange Preise weit über Marktniveau. Die Telekom wies den Vorwurf damals als Ausdruck von „rechtlichem und technischem Unverständnis“ zurück.

Was ändert sich für Websitebetreiber?

In den Google-Daten kommt der kürzere Weg verzögert an. Für die Core Web Vitals zählen die Felddaten echter Besucher im Chrome UX Report, die Google über gleitende 28 Tage zusammenfasst. Ein schnellerer Pfad zu Telekom-Anschlüssen zeigt sich dort deshalb erst Ende Oktober vollständig.

Der zweite Teil der Vereinbarung richtet sich an Geschäftskunden. T-Systems bietet auf Basis von Cloudflare Beratung, Implementierung und Managed Services für den Schutz von Anwendungen, Netzwerken, Daten und KI-Workloads an.[1] Firmen können Cloudflare damit über einen deutschen Vertragspartner beziehen statt direkt beim US-Anbieter. Cloudflare verarbeitet die Daten weiterhin selbst, die DSGVO-Prüfung bleibt also Aufgabe des Kunden.

Die Telekom hat sich mit Cloudflare geeinigt, gelöst ist das Problem damit nicht. Kleinere Anbieter ohne Vertriebsdeal bleiben auf dieselben Transitwege angewiesen, um die sich die Beschwerde bei der Bundesnetzagentur dreht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Das Telekom-Cloudflare-Peering in Zahlen
Umstellung, Beschwerde und Messfenster für Websitebetreiber
2 Tage
dauert laut Telekom die Umstellung des gesamten Verkehrs, vom 30. September bis zum 1. Oktober 2026
April 2025
wandten sich vier Beschwerdeführer wegen der Telekom-Übergänge an die Bundesnetzagentur
2015/2120
heißt die EU-Verordnung zur Netzneutralität, auf die sich die Beschwerde stützt
28 Tage
umfasst das Zeitfenster der Felddaten im Chrome UX Report, auf denen die Core Web Vitals beruhen

Beendet der Deal den Streit um die Netzneutralität?

Beigelegt ist nur der Konflikt mit Cloudflare. Die Beschwerde stützt sich auf die EU-Verordnung 2015/2120, nach der Netzbetreiber Verkehr unabhängig von Absender, Inhalt oder Dienst gleich behandeln müssen.[3] Eine öffentliche Entscheidung der Bundesnetzagentur ist nicht bekannt. Parallel verhandelt Brüssel über den Digital Networks Act, der für Streit über die Zusammenschaltung einen freiwilligen Schlichtungsmechanismus vorsieht. Der Branchenverband CCIA und die Bürgerrechtsorganisation EDRi fürchten, dass daraus eine Netzmaut durch die Hintertür wird. Die Telekom fordert dagegen weniger Regeln.

Nutzen Sie Cloudflare, vergleichen Sie im November die Ladezeiten an Telekom-Anschlüssen mit den Werten aus den Wochen vor der Umstellung, etwa über Ihr Website-Monitoring oder die Search Console. Liegt Ihre Seite bei einem kleineren Hoster ohne CDN, prüfen Sie per Traceroute von einem Telekom-Anschluss aus, über welche Netze die Daten laufen. Bei mehreren Transitnetzen auf dem Weg lohnt die Frage an die Anbieter im Webhosting-Vergleich, ob sie direkt mit der Telekom verbunden sind.

Quellen

[1] Deutsche Telekom: „Cloudflare und Deutsche Telekom engagieren sich für ein sicheres und resilientes Internet“ (29.09.2026)

[2] Gesellschaft für Freiheitsrechte: „Keine Zweiklassengesellschaft im Internet: Bündnis reicht Beschwerde gegen Telekom ein“ (28.04.2025)

[3] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2015/2120 über Maßnahmen zum Zugang zum offenen Internet“, Artikel 3 Absatz 3

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