Während die Debatte über digitale Souveränität in Europa läuft, fließt zugleich konkretes Geld in freie Software. Die niederländische NLnet-Stiftung hat 67 neue Open-Source-Projekte mit Fördermitteln aus dem EU-Programm Next Generation Internet ausgewählt.

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Die Förderung verteilt sich über drei Fonds und deckt die gesamte Bandbreite vom vertrauenswürdigen Hardware-Baustein bis zur Endnutzer-Anwendung ab. Für den europäischen Anspruch auf ein offenes, unabhängiges Internet ist das ein handfester Beitrag.

Das Wichtigste in Kürze

  • NLnet hat 67 neue Open-Source-Projekte für eine Förderung im Rahmen der Next-Generation-Internet-Initiative ausgewählt.
  • Die Mittel verteilen sich auf drei Fonds: NGI Zero Commons Fund, NGI TALER und NGI Fediversity.
  • Einzelne Förderungen liegen zwischen 5.000 und 50.000 Euro, mit der Option auf deutliche Aufstockung bei nachgewiesenem Potenzial.
  • Finanziert wird das Programm von der Europäischen Kommission, ergänzt durch Mittel des Schweizer Staatssekretariats SERI.

Was genau fördert NLnet?

Metallgießkanne gießt Wasser auf einen kleinen Sämling in einem Terrakottatopf auf Holzoberfläche
Förderung von Open-Source-Projekten über Hardware, Protokolle und Anwendungen mit freien Lizenzen für alle Nutzer

Die Auswahl deckt den gesamten Technologie-Stapel ab. Gefördert werden Projekte von vertrauenswürdiger offener Hardware über Protokolle und Interoperabilität bis zu Anwendungen, die direkt den Nutzern dienen. Alle Ergebnisse erscheinen unter freien und offenen Lizenzen, sodass sie jeder studieren, nutzen, teilen und anpassen kann.

Die drei Fonds setzen unterschiedliche Schwerpunkte. NGI Zero Commons fördert die digitale Allmende allgemein, NGI TALER arbeitet an einem elektronischen Bezahlsystem, das Zahlenden Privatsphäre bietet und zugleich Transparenz bei den Empfängern erzwingt, und NGI Fediversity widmet sich einem offenen Hosting-Stapel.

Warum ist das für Europa relevant?

Rotkehlchen mit schwarzer Baskenmütze auf einem großen, bronze-goldenen Euro-Symbol
Europäische Projekte schaffen offene, gemeinsame Infrastruktur zur Reduktion der Abhängigkeit von außereuropäischen Plattformen und für ein widerstandsfähiges Internet

Der Hintergrund ist die Abhängigkeit von wenigen außereuropäischen Plattformen. Freie Bausteine, die jeder einsehen und betreiben kann, gelten als Grundlage für ein widerstandsfähiges und vertrauenswürdiges Internet. Genau hier setzen die geförderten Projekte an, indem sie gemeinsame Infrastruktur schaffen, die allen offensteht.

Die Förderung passt in eine größere Bewegung hin zu mehr europäischer Eigenständigkeit. Deutschland geht mit der Innovationsagentur einen ähnlichen Weg, wie unser Bericht zeigt, in dem SPRIND 125 Millionen Euro für Europas nächstes KI-Flaggschiff bereitstellt. Auch die niederländische Initiative zu einem souveränen Sprachmodell folgt diesem Gedanken.

Souveränität entsteht nicht durch Sonntagsreden, sondern durch finanzierte Bausteine, die jeder einsehen und betreiben kann. NLnet zeigt mit kleinen Summen große Wirkung. Für den europäischen Mittelstand ist freie Infrastruktur bare Münze.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Unternehmen?

Ein geschlossener Holzkasten mit Schlüssel und Etiketten steht vor weißem Hintergrund
Geförderte Projekte mit offenen Lizenzen ermöglichen Unternehmen kostenlosen Zugang zu wiederverwendbaren Bausteinen für Protokolle, Interoperabilität und offene Hardware

Der praktische Nutzen liegt in der Wiederverwendbarkeit. Geförderte Projekte stehen unter offenen Lizenzen bereit, sodass Unternehmen die Bausteine ohne Lizenzkosten in eigene Systeme übernehmen können. Wer auf Protokolle, Interoperabilität oder offene Hardware setzt, findet hier eine wachsende Auswahl geprüfter Bausteine.

Für Entscheider lohnt der Blick in die Projektliste, weil sich darunter Werkzeuge für Datenschutz, sichere Kommunikation und unabhängige Infrastruktur finden. Die Förderlogik der EU macht klar, dass digitale Unabhängigkeit als strategische Aufgabe verstanden wird, nicht als Nebenschauplatz. Wie sich das mit nationaler Modellpolitik verbindet, zeigt unser Beitrag zum souveränen Sprachmodell der Niederlande.

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