Brüssel zieht ab Januar 2027 alle Leih-E-Scooter aus dem Verkehr. Hinter dem Verbot stehen 666 Verletzte in einem einzigen Jahr und Mietroller, die bei 25 Schießereien als Fluchtfahrzeug dienten. Für Mobilitätsanbieter und Stadtplaner zählt vor allem, dass Deutschland den umgekehrten Weg geht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenLeih-E-Scooter prägen seit Jahren das Bild europäischer Innenstädte, und in Brüssel kippt die Stimmung jetzt endgültig. Die belgische Hauptstadt nimmt die Mietroller ab Januar 2027 komplett aus dem Verkehr. Spannender als das Verbot ist die Begründung dahinter.
Das Wichtigste in Kürze
- Brüssel verlängert die Lizenzen der beiden letzten Anbieter Bolt und Dott nicht. Ende 2026 ist Schluss, ab Januar 2027 fahren keine Miet-E-Scooter mehr.
- Auslöser sind 666 Verletzte im Jahr 2025, ein Plus von 26 % gegenüber 2024, sowie 25 Schießereien, bei denen Täter Sharing-Roller nutzten.
- Leihfahrräder und E-Bikes bleiben erlaubt. Auf dem Prüfstand steht das Sharing-Modell, nicht der Roller an sich.
- Deutschland verbietet nicht, sondern reguliert: Die novellierte eKFV gibt den Kommunen seit 2026 mehr Macht über die Abstellzonen.
Warum verbannt Brüssel die Miet-E-Scooter?

Brüssel stoppt das E-Scooter-Sharing ab Januar 2027, weil Unfälle, zugestellte Gehwege und kriminelle Nutzung überhandnehmen. 2025 verletzten sich 666 Menschen auf den Rollern, 26 % mehr als im Vorjahr. Die Lizenzen der letzten Anbieter Bolt und Dott laufen Ende 2026 aus.
Mobilitätsministerin Elke Van den Brandt bringt das Sicherheitsargument auf den Punkt: „Ein Sturz vom Scooter führt häufiger zu Verletzungen als ein Sturz vom Fahrrad.“ Nach einem Sturz sind Kopf- und Gesichtsverletzungen überdurchschnittlich häufig. Dazu kommen die quer geparkten Roller, die Gehwege blockieren und gerade ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen ausbremsen.
Was hat das organisierte Verbrechen mit Scootern zu tun?

Drogenbanden mieten Sharing-Roller unter fremdem Namen und nutzen sie als wendige Fluchtfahrzeuge. Genau die anonyme Anmietung macht das Modell für Ermittler zum Problem. Bei 25 Schießereien im Jahr 2025 kamen laut Brüsseler Staatsanwaltschaft E-Scooter zum Einsatz.
Staatsanwalt Julien Moinil beschreibt das Muster: Dealer und Auftragstäter verschwinden auf den schnellen Rollern im Gewirr des Verkehrs, und die Anmietung über fremde Namen erschwert die Fahndung erheblich. Nicht der Roller ist also das eigentliche Problem, sondern ein Geschäftsmodell, das die anonyme Massenanmietung erlaubt. Bolt und Dott führten zwar nachträglich Ausweisprüfungen ein, doch der Stadt reichte das nicht mehr.
Nicht der E-Scooter ist das Problem, sondern ein Sharing-Modell, das die anonyme Massenanmietung über die Sicherheit stellt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Folgt Deutschland dem Brüsseler Beispiel?

Nein. Paris, Madrid und Prag haben das Sharing bereits gestoppt, doch Deutschland setzt auf strengere Regeln statt auf ein Verbot. Die zum 1. April 2026 novellierte eKFV lässt Kommunen feste Abstellflächen vorschreiben und untersagt Mietrollern das Parken auf Gehwegen.
Brüssel reiht sich in eine Bewegung ein, die längst durch ganz Europa geht. Paris verbannte die Trottinettes schon 2023 nach einem Bürgerentscheid, bei dem 89 % gegen die Roller stimmten. Madrid und Prag zogen nach.
Deutschland wählt den anderen Hebel. Mit der novellierten Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, im Februar 2026 verkündet, bekommen die Städte mehr Werkzeug an die Hand: ausgewiesene Abstellflächen, ein Parkverbot auf Gehwegen für Sharing-Roller und höhere Bußgelder. Vermieten Sie in einer deutschen Kommune Roller, sollten Sie die lokalen Abstellzonen jetzt fest einplanen, statt auf das nächste Verbot zu warten.
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