Bei den World Humanoid Robot Games in Peking rannte ein humanoider Roboter die 100 Meter in 9,39 Sekunden und blieb damit unter der Bestmarke von Usain Bolt. Gestoppt hat die Maschine, indem sie in ein Kissen krachte und liegen blieb. Genau dieser Unterschied entscheidet, was der Rekord für den Fabrikeinsatz taugt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin humanoider Roboter unterbietet die schnellste Zeit, die je ein Mensch über 100 Meter gelaufen ist. Beim zweiten Durchgang der World Humanoid Robot Games standen keine Sprinter am Startblock, sondern zweibeinige Maschinen. Der Blick auf die Zielgerade zeigt, warum die Schlagzeile trügt.
Das Wichtigste in Kürze
- 9,39 Sekunden: Ein Roboter des Pekinger Herstellers X-Humanoid lief die 100 Meter schneller als Usain Bolts 9,58 Sekunden von 2009.
- Noch schneller im Vorlauf: Honors Läufer „Lightning“ soll 9,32 Sekunden erreicht haben, mit einer Spitze von 14,5 Metern pro Sekunde.
- Kein Sportvergleich: Die Roboter bremsen nicht ab, sondern fallen in Kissen, kippen um oder gehen zu Bruch.
- 666 Teams aus 16 Ländern traten in 51 Disziplinen an, von Tischtennis bis Hochsprung.
Was geschah bei den World Humanoid Robot Games?

Im Pekinger Eisschnelllauf-Oval, dem Olympiastadion von 2022, liefen fünf Tage lang mehr als 2.000 humanoide Roboter gegeneinander.[1] Über die 100 Meter setzte ein Modell des staatsnahen Herstellers X-Humanoid mit 9,39 Sekunden die schnellste Zeit und blieb damit unter Usain Bolts Weltrekord. Beim Hochsprung meldeten die Veranstalter sogar 2,88 Meter, deutlich über den 2,45 Metern des Menschen Javier Sotomayor.
Die eigentliche Bestmarke lief außer Konkurrenz. Der Elektronikkonzern Honor ließ seinen Läufer „Lightning“ vor der Eröffnung antreten und meldete 9,32 Sekunden bei einer Spitzengeschwindigkeit von 14,5 Metern pro Sekunde. Für den Sprint verlängerten die Ingenieure dem Roboter die Beine um zehn Zentimeter auf 1,05 Meter.
Warum der Vergleich mit Usain Bolt hinkt
Ein Weltrekord im Sinne des Leichtathletik-Verbands ist keine dieser Zeiten. Bolt lief seine 9,58 Sekunden aus dem Stand, hielt die Bahn und stand am Ziel aufrecht. Die Roboter dagegen bremsen nicht: Am Ende der 100 Meter krachen sie in eine Matte, kippen um und werden auf Tragen aus dem Stadion gefahren.[1]
Der Grund liegt in der Regelung, nicht im Antrieb. Kräftige Aktoren treiben ein leichtes Gestell mühelos auf Tempo, doch das kontrollierte Abbremsen und Ausbalancieren einer zweibeinigen Maschine bei rund 38 Kilometern pro Stunde beherrscht keine Software zuverlässig. In den Wettbewerben stolperten Roboter, fielen und zerbrachen, einzelne fingen sogar Feuer.
Das Muster ist bekannt aus der Humanoiden-Welle dieses Jahres. Auf den Börsengang von Unitree und die Millionenrunde für XPengs Roboter IRON folgt nun der sportliche Auftritt, der Kapital anzieht. Fachleute ordnen die Spiele als Demonstration ein, von einem Serieneinsatz im Alltag sei die Technik noch weit entfernt.
Ein Roboter, der die Ziellinie nur überquert, indem er hinfällt, hat keinen Sprintrekord aufgestellt, sondern eine Fabrikaufgabe verfehlt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
So stoppt die Maschine
Am Ziel läuft der Roboter nicht aus, sondern kracht in ein Kissen, kippt um und wird auf einer Trage aus dem Stadion gefahren.
Was bedeutet der Roboter-Sprint für DACH-Entscheider?
Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zählt nicht die Spitzenzeit, sondern die Wiederholbarkeit. Ein Humanoid, der eine Aufgabe hundertmal ohne Sturz erledigt, ist im Werk mehr wert als ein spektakulärer Sprinter. Diese Zuverlässigkeit prüft die neue EU-Maschinenverordnung 2023/1230, die ab dem 20. Januar 2027 auch selbstlernende und teilautonome Maschinen erfasst.
Deutschland war unter den 16 gemeldeten Nationen vertreten, europäische Entwickler wie Neura Robotics oder das von Bosch und Schaeffler gestützte Start-up Humanoid setzen auf den Werkseinsatz statt auf Stadionrekorde. Eine 1,7 Meter große Maschine, die mit rund 38 Kilometern pro Stunde die Kontrolle verliert, zeigt zugleich das Sicherheitsproblem, das jeder Inverkehrbringer mitdenken muss.
Vor einer Anschaffung lohnt der nüchterne Blick: Die Roboterspiele sind Marketing, entscheidend sind belastbare Betriebsdaten wie Taktzeit, Ausfallrate und Wartungsaufwand statt Bestzeit. Das Robotik-Glossar und die Übersicht dazu, wer wirklich einen Roboter braucht, ordnen die Begriffe für die eigene Prüfung ein.
Quelle
[1] People’s Daily Online: „Highlights of 2nd World Humanoid Robot Games in Beijing“
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