Auf der World Robot Conference in Peking zeigt das Shenzhener Start-up Astribot einen Roboter, der Rucksäcke packt und Getränke ausliefert, gesteuert von einem neuen Weltmodell namens Lumo-2. Der zweiarmige Humanoid T1 kostet ab 89.900 Yuan oder rund 11.500 Euro und unterbietet damit jeden westlichen Konkurrenten deutlich. Ob die mehr als 20 Haushaltsaufgaben auch außerhalb der Messe zuverlässig laufen, bleibt die eigentliche Frage.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Haushaltsroboter packt einen Rucksack, zieht den Reißverschluss zu und liefert danach selbstständig Getränke aus. Diese Vorführung zeigte Astribot am 20. August 2026 auf der World Robot Conference in Peking. Neu daran ist nicht die Hardware, sondern die Software: das Weltmodell Lumo-2.
Das Wichtigste in Kürze
- Astribot präsentiert auf der World Robot Conference 2026 das Weltmodell Lumo-2, das den Humanoiden T1 über 20 Haushaltsaufgaben selbstständig erledigen lassen soll.
- Der seilgetriebene Roboter kostet ab 89.900 Yuan (rund 11.500 Euro) und liegt damit weit unter westlichen Humanoiden.
- Das Start-up aus Shenzhen ist mit über 10 Milliarden Yuan bewertet, rund 1,3 Milliarden Euro, finanziert von Ant Group und Matrix Partners China.
- Für europäische Firmen zählt weniger der Preis als die Frage nach Zuverlässigkeit, Haftung und den Regeln der EU-Maschinenverordnung ab 2027.
Was kann das Weltmodell Lumo-2?

Ein Weltmodell beschreibt eine KI, die den nächsten Zustand ihrer Umgebung vorhersagt, bevor der Roboter zugreift. Astribot trainiert Lumo-2 aus menschlichen Vorführungen und lässt das System daraus lange Handlungsketten planen, vom Aufräumen des Schreibtisches bis zum Einpacken eines Rucksacks.[1] Genau an diesen langen Ketten scheitern die meisten Roboter-Demos, weil sie nur einzelne Griffe zeigen oder heimlich ferngesteuert werden.
Der Anspruch reicht über einen Messe-Gag hinaus. Astribot nennt Lumo-2 das erste Weltmodell speziell für Haushaltsszenen und beziffert die beherrschten Aufgaben auf über 20. Belegt ist diese Autonomie bislang nur unter kontrollierten Bedingungen am Stand, ein unabhängiger Dauertest im echten Haushalt fehlt.
Warum ist der Roboter so günstig?
Seilzug statt Getriebe senkt den Preis. Astribots T1 überträgt die Kraft über Kabel und Sehnen von zentralen Motoren zu den Gelenken, ähnlich den Muskeln eines Arms. Das spart die teuren Wellgetriebe, an denen Zulieferer wie Schaeffler gerade den Preis drücken.
Das Ergebnis ist ein 1,53 Meter großer, zweiarmiger Humanoid mit 23 Freiheitsgraden und Händen mit je fünf Fingern, der ab 89.900 Yuan zu haben ist, umgerechnet rund 11.500 Euro.[2] Der T1 rollt auf einem Radsockel statt auf Beinen und hält vier bis sechs Stunden durch. Hinter Astribot steht kein Bastlerkeller: Das 2022 gegründete Unternehmen aus Shenzhen ist mit über 10 Milliarden Yuan bewertet, rund 1,3 Milliarden Euro, finanziert von Ant Group und Matrix Partners China.
Ein Weltmodell, das im Wohnzimmer zuverlässig arbeitet, wäre der eigentliche Durchbruch, nicht der Kampfpreis. Solange die 20 Aufgaben nur am Messestand laufen, kauft der Mittelstand eine Ankündigung, keine Arbeitskraft.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Vorstoß für Europa?
Ein Preiskampf nach dem Muster der E-Autos erreicht jetzt die Robotik. Chinesische Anbieter drücken die Kosten, wie zuletzt der Börsenneuling Unitree, und setzen westliche Hersteller unter Druck.
Europa hält dagegen, aber anders. Das Karlsruher Unternehmen Neura Robotics und das von Bosch und Schaeffler gestützte Start-up Humanoid zielen auf die Fabrik, nicht auf die Küche. Rossmann testet zudem bereits einen Humanoiden im Verteilzentrum.
Für deutschsprachige Entscheider zählt weniger der Yuan-Preis als die Haftung. Ab dem 20. Januar 2027 gilt die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, die für autonome, lernende Maschinen eine neue Risikobewertung verlangt, dazu kommen die Transparenzpflichten des EU-KI-Gesetzes. Ratsam ist, einen Import-Humanoiden erst im Pilotbetrieb zu prüfen, die Frage nach echter Autonomie oder Fernsteuerung schriftlich zu klären und die CE-Konformität vor jedem Werkseinsatz zu sichern. Ob der Mittelstand einen Roboter braucht, entscheidet der Nutzen, nicht der Rekordpreis.
FAQ: Astribots Haushaltsroboter mit Weltmodell Lumo-2
Was ist ein Weltmodell in der Robotik?
Ein Weltmodell ist eine KI, die den nächsten Zustand der Umgebung vorhersagt, bevor der Roboter handelt, und daraus lange Handlungsketten plant. Astribot nutzt dafür Lumo-2, ein aus menschlichen Vorführungen gelerntes Modell speziell für Haushaltsszenen.
Wie viel kostet der Haushaltsroboter Astribot T1?
Der Astribot T1 startet bei 89.900 Yuan, umgerechnet rund 11.500 Euro (Stand 20. August 2026). Damit liegt er deutlich unter westlichen Humanoiden wie dem 1X Neo, die meist bei rund 20.000 US-Dollar beginnen.
Arbeiten Haushaltsroboter autonom oder ferngesteuert?
Viele Messe-Vorführungen humanoider Roboter laufen ferngesteuert oder zeigen nur einzelne Griffe. Astribot bezeichnet die Steuerung durch Lumo-2 als autonom, ein unabhängiger Dauertest im echten Haushalt steht bislang aus.
Welche EU-Regeln gelten für lernende Roboter?
Ab dem 20. Januar 2027 gilt die EU-Maschinenverordnung 2023/1230, die für autonome und lernende Maschinen eine neue Risikobewertung verlangt. Hinzu kommen die Transparenzpflichten des EU-KI-Gesetzes für KI-Systeme.
Welches Unternehmen steckt hinter Astribot?
Astribot ist ein 2022 in Shenzhen gegründetes Robotik-Start-up. Gegründet hat es Lai Jie, zuvor erster Mitarbeiter von Tencents Robotics-X-Labor. Zu den Investoren zählen Ant Group und Matrix Partners China.
Quellen
[1] Astribot: Lumo-2 (latent World-Action Model) und Humanoid T1
[2] QbitAI (量子位): Bericht von der World Robot Conference 2026 zu Astribot T1 und Lumo-2
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