Die einst von Huawei abgespaltene Marke Honor treibt ihren Börsengang am chinesischen A-Aktienmarkt voran. Ein neuer Fortschrittsbericht der begleitenden Investmentbank zeigt, wie weit das Verfahren gediehen ist. Für Europas Smartphone-Markt ist das mehr als eine Randnotiz aus der Finanzwelt.

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Honor rückt seinem Börsengang ein Stück näher: Am 30. Juli 2026 hat die Investmentbank CITIC Securities den vierten Fortschrittsbericht zur Börsenreife-Beratung des Smartphone-Herstellers veröffentlicht. Damit läuft ein Verfahren weiter, das die frühere Huawei-Tochter endgültig aus dem Schatten ihres Mutterkonzerns führen soll.

Das Wichtigste in Kürze

  • Honor treibt den Gang an den chinesischen A-Aktienmarkt voran; CITIC Securities legte am 30. Juli 2026 den vierten Beratungsbericht vor.
  • Kolportiert wird eine Bewertung von bis zu 200 Milliarden Yuan, rund 26 Milliarden Euro, offiziell bestätigt ist sie nicht.
  • 2020 verkaufte Huawei die Marke unter US-Sanktionsdruck an ein Konsortium, das ihr wieder Zugang zu Google-Diensten und US-Chips verschaffte.
  • In Europa wächst Honor zuletzt am schnellsten und rückte erstmals unter die fünf größten Anbieter.

Was hat Honor jetzt gemeldet?

Blauer Vogel steht neben offenem Käfig mit Schild, auf dem „Börse“ steht
CITIC Securities legt vierten Fortschrittsbericht zu Honors Börsengang vor. Mittelverwendung des Kapitals bleibt ungeklärt

Der Börsengang ist nicht gestoppt, sondern läuft. CITIC Securities hat am 30. Juli 2026 den vierten Fortschrittsbericht zur Börsenreife-Beratung von Honor vorgelegt, er deckt das zweite Quartal 2026 ab.[1]

Ungeklärt bleibt vor allem die Mittelverwendung. Noch ist offen, wofür Honor das eingesammelte Kapital einsetzen will. Die Bank arbeitet nach eigenen Angaben weiter daran, diesen Verwendungszweck festzulegen.

Der Weg dahin ist weit gediehen. Ende 2024 wandelte sich das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um, 2025 begann die offizielle Beratung. Die kolportierte Bewertung von bis zu 200 Milliarden Yuan, rund 26 Milliarden Euro, hat Honor bislang nicht bestätigt.

Warum ist Honor überhaupt eigenständig?

Honor entstand 2020 als Notverkauf. Um die Marke vor den US-Sanktionen gegen Huawei zu bewahren, verkaufte der Konzern sie im November 2020 an das Konsortium Shenzhen Zhixin, an dem der Staat und Dutzende Vertriebspartner beteiligt sind.

Der Bruch war der eigentliche Rettungsanker. Losgelöst von Huaweis Eintrag auf der US-Sperrliste bekam Honor wieder Zugang zu Googles Diensten und zu Chips von Qualcomm. Genau daran war das Smartphone-Geschäft von Huawei in Europa zerbrochen, weil die Geräte ohne Google-Apps ihren wichtigsten Markt verloren.

Zwei Wege trennen die Marken bis heute. Honor greift dort wieder an, wo der Mutterkonzern unter der Chip-Blockade bis heute kämpft. Während Huawei mit dem eigenen Betriebssystem HarmonyOS einen Ersatz für Windows und Android aufbaut, setzt Honor unbehelligt weiter auf das Google-Android.

Honors Börsengang ist die Quittung für eine der teuersten Fehlkalkulationen der US-Sanktionspolitik: Sie sollte Huawei treffen und hat stattdessen einen eigenständigen Rivalen mit vollem Google-Zugang geschaffen. Für europäische Käufer bedeutet das mehr Auswahl, für die alte Marktordnung mehr Druck.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Honor: von der Notrettung zum Börsengang
Wie aus einer geretteten Huawei-Marke ein Börsenkandidat mit Milliardenbewertung wurde
23 bis 26 Mrd. €
kolportierte IPO-Bewertung (bis 200 Milliarden Yuan, Schätzung, nicht offiziell bestätigt)
rund 13 Mrd. €
kolportierter Wert beim Verkauf durch Huawei 2020 (rund 100 Milliarden Yuan)
+60 %
Absatzplus in Europa im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr

Der Weg an die Börse

Nov 2020
Huawei verkauft Honor unter US-Sanktionsdruck an das Konsortium Shenzhen Zhixin
Dez 2024
Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (Honor Terminal)
2025
Start der offiziellen Börsenreife-Beratung mit CITIC Securities
Juli 2026
Vierter Fortschrittsbericht zur IPO-Beratung für das zweite Quartal

Was bedeutet der Börsengang für den europäischen Markt?

Der Börsengang macht Honor zum gut finanzierten Herausforderer. Frisches Kapital käme ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem die Marke in Europa am schnellsten wächst.

In Europa dreht Honor gerade auf. Im ersten Quartal 2026 legte der Absatz in Europa um mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, Honor kletterte auf Rang sechs und stand 2025 erstmals unter den fünf größten Anbietern.

Honor reiht sich in eine ganze Welle ein. Chinesische Technologiekonzerne drängen derzeit reihenweise an die Börse, vom Modehändler Shein in Hongkong bis zum Speicherkonzern CXMT. Das frische Börsenkapital fließt dabei fast überall in denselben Zweck, den Ausbau eigener KI-Fähigkeiten.

Für Entscheider zählt vor allem eine Konsequenz. Bei der Planung von Geräteflotten und der Verhandlung von Android-Budgets gehört Honor ab sofort als eigenständige Größe auf die Liste. Ein börsennotiertes Unternehmen tritt transparenter auf, dürfte den Preisdruck im Android-Lager aber weiter erhöhen.

Quelle

[1] International Electronic Business (esmchina): „荣耀获IPO辅导,正式踏上A股上市征程“ (Honor erhält IPO-Beratung und tritt den Weg an die A-Börse an)

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