Eine Firmengründung in Deutschland kann fünf Monate dauern und über 9.600 Euro kosten, bevor das erste Geld hereinkommt. Genau das hat der Softwareunternehmer Carmine Paolino für seine zweite Firma protokolliert. Die deutsche Gründung verhält sich dabei wie ein Türschloss, das erst aufspringt, wenn die Rechnung für den Schlüsseldienst längst bezahlt ist.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Von Ende Januar bis Ende Juni 2026 zahlte der Gründer rund 9.655 Euro, darunter 2.000 Euro gesperrtes Stammkapital.
- Notar, Gericht, Anwalts- und Steuerkanzlei sowie Software-Anbieter stellten pünktlich Rechnungen, der Gründer selbst bis heute keine.
- Die fehlende Umsatzsteuer-Identifikationsnummer blockiert die Abrechnung mit Auslandskunden, der Bescheid kommt per Post.
- Estland und Großbritannien registrieren eine Firma online binnen eines Tages.
Wofür gehen 9.600 Euro drauf?

Paolino führt jede Position einzeln auf: 1.575 Euro für den Notar, 300 Euro Gerichtsvorschuss, 260 Euro für zwei Registereinträge, 4.462 Euro Anwaltshonorar, 630 Euro für die Steueranmeldung und 427 Euro Buchhaltungssoftware. Dazu liegen 2.000 Euro Stammkapital auf einem Konto, das der Gründer nicht anrühren darf. Den vollständigen Zeitstrahl hat er in seinem Erfahrungsbericht dokumentiert.
Warum dauert die Gründung so lange?

Hinter der Verzögerung steckt eine Kette von Abhängigkeiten, bei der jeder Schritt den nächsten bedingt und eine eigene Gebühr trägt. Als Begründung nennt der Staat das Vertrauen, das Notar, Kapital und Register sichern sollen. Dieselbe Maschinerie übersah allerdings den Milliardenbetrug bei Wirecard, während sie Neugründer mit Reibung aus dem Land drängt. Ähnliche Muster benennt unser Beitrag dazu, ob Berufspolitiker den deutschen Mittelstand ruinieren.
Ein Staat, der Gründer fünf Monate zahlen lässt, bevor er ihnen das Rechnungstellen erlaubt, vertreibt genau die Leute, die er halten müsste. Vertrauen entsteht nicht dadurch, jeden Anfang mit einer Gebühr zu belegen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Gründer im DACH-Raum?

Paolino wählte die Konstruktion UG & Co. KG, also zwei verbundene Gesellschaften, um Haftung zu begrenzen und doppelte Besteuerung zu vermeiden. Eine GmbH verlangt 25.000 Euro Stammkapital, die UG sammelt diesen Betrag in Raten aus dem Gewinn. Selbst der Firmenname wurde zur Hürde, weil die Behörde „Plenty“ als zu allgemein ablehnte und erst „PlentyLabs“ durchgehen ließ. Praktischer Rat: Klären Sie die Rechtsform früh und beauftragen Sie die Steuerkanzlei parallel zur Gründung. Für die Umsatzsteuer-ID sollten Sie mehrere Wochen Vorlauf einplanen. Wie viel am Ende für die eigene Tasche bleibt, ordnet unser Ratgeber zum Gehalt von Selbstständigen ein.