Eurogate leiht sich bei der KfW IPEX-Bank 82 Millionen Euro, um am Containerterminal Wilhelmshaven den fahrerlosen Containertransport zu erproben. Den ersten automatisierten Liegeplatz hatte der Terminalbetreiber dort schon für 2024 angekündigt. Ob Hamburg folgt, entscheidet erst die Auswertung des neuen Pilotprojekts.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMehr als eine Million Standardcontainer schlug das Eurogate-Terminal am JadeWeserPort 2025 um, zum ersten Mal in seiner 13-jährigen Geschichte.[2] Künftig sollen dort autonome Terminal-Trucks einen Teil der Boxen bewegen. Das Geld kommt als Darlehen von der Exportfinanzierungstochter der staatlichen KfW.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Die KfW IPEX-Bank leiht Eurogate 82 Millionen Euro für ein Automatisierungsprojekt am Containerterminal Wilhelmshaven.
- Fahrerlose Trucks sollen Container zwischen Kaje und automatischen Stapelkranen fahren, die Steuerungssoftware entwickelt Eurogate selbst.
- Über einen Rollout in Hamburg und an den übrigen deutschen Standorten entscheidet der Betreiber erst nach dem Pilotprojekt.
- Wie viele Arbeitsplätze betroffen sind und wie hoch die Gesamtinvestition ausfällt, sagen weder Eurogate noch die Bank.
Was finanziert die KfW IPEX-Bank in Wilhelmshaven?

Die 82 Millionen Euro fließen in ein Pilotprojekt. Autonome Terminal-Trucks sollen die Container an der Kaje abholen und an automatische Stapelkrane im Lager übergeben. Parallel bringt Eurogate die eigene Software für automatisierte Terminals zur Anwendungsreife. Mit dem elektrifizierten Umschlag will der Betreiber weniger fossilen Kraftstoff verbrauchen und die Kosten je Container senken.[1]
Das Vorhaben steht noch vor dem Regelbetrieb: Die Finanzierung ist zugesagt, die Entscheidung über den Einsatz fällt später. Erst die Ergebnisse aus Wilhelmshaven sollen über einen Rollout bestimmen, zuerst in Hamburg, danach an allen deutschen Eurogate-Standorten. Aida Welker aus der Geschäftsführung der KfW IPEX-Bank spricht von einer „Modernisierung der Hafenlogistik“.[1] Einen Zeitplan nennen beide Seiten nicht.
Warum braucht Eurogate nach fünf Jahren noch einen Test?
Im Dezember 2021 kündigte Eurogate rund 150 Millionen Euro für den automatisierten Umschlag am JadeWeserPort an, Fachmedien berichteten damals von einem ersten automatisierten Liegeplatz ab 2024. Die neue Mitteilung spricht dagegen von der Entwicklung und Verifizierung der Technik.
Schwierig ist der Umbau im laufenden Betrieb. Fahrerlose Fahrzeuge müssen sich die Flächen mit bemannten Geräten teilen, bei jedem Wetter und an Stellen ohne GPS-Empfang. Eine autonome Zugmaschine von Mafi mit Software von Embotech bestand 2025 in Wilhelmshaven nach Angaben der Partner alle 18 Testfälle, Ende Januar begann in Hamburg ein zweiter, auf sechs Monate angelegter Test. Mehr Anläufe erhöhen den Druck: Seit September startet Hapag-Lloyd den East-Med-Express in Wilhelmshaven statt in Hamburg.
Eurogate testet 2026 erneut, was 2024 laufen sollte. Für Wilhelmshaven zählt der Rollout-Beschluss mehr als der Kredit.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Test für Beschäftigte und Verlader?
Ende 2018 schlossen Eurogate und ver.di den „Tarifvertrag Zukunft“, der die Folgen der Automatisierung für zehn Jahre regelt. Vereinbart sind unter anderem eine Automatisierungskommission und ein befristeter Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Rechnerisch läuft der Vertrag Ende 2028 aus. Wie viel Arbeit am Kai an Maschinen geht, zeigt unser KI-Check für die Fachkraft für Hafenlogistik.
In Rotterdam sollen ab 2027 am Terminal Maasvlakte II 30 autonome Trucks fahren, dort hält Hapag-Lloyd eine Beteiligung von 25 Prozent. In Hamburg will die Reederei beim Eurogate-Terminal einsteigen und säße damit beim Rollout mit am Tisch. Verlader und Spediteure im Nordwesten sollten deshalb weniger auf die 82 Millionen Euro achten als auf den Beschluss für Hamburg: Erst mit ihm wird aus dem Test ein Umbau.
Quellen
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