Der E-Auto-Absatz in Europa erreichte im Juni 360.843 Neuzulassungen, gut die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. In Deutschland fuhr fast jeder dritte Neuwagen rein elektrisch, die Benziner verloren im selben Monat 16,8 Prozent. Hinter dem Sprung steckt ein Stichtag im europäischen CO2-Recht.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Der europäische E-Auto-Absatz hat im Juni einen neuen Höchstwert erreicht: 360.843 batterieelektrische Neuwagen kamen in der EU, den EFTA-Staaten und Großbritannien auf die Straße, 51 Prozent mehr als im Juni 2025.[1] Der Marktanteil stieg auf 25,6 Prozent. Für Fuhrparkverantwortliche verschiebt sich damit die Rechnung, denn Restwerte und Ladekosten entscheiden inzwischen stärker über die Gesamtkosten als der Listenpreis.

Das Wichtigste in Kürze

  • 360.843 reine E-Autos wurden im Juni in der EU, der EFTA und Großbritannien neu zugelassen, ein Plus von 51 Prozent.
  • In Deutschland stieg der Absatz um 78,2 Prozent auf 84.057 Fahrzeuge, ein Anteil von 28,4 Prozent an allen Neuwagen.
  • Benzin und Diesel kamen im ersten Halbjahr zusammen auf 29,7 Prozent Marktanteil, nach 37,8 Prozent im Vorjahreszeitraum.
  • Die EU misst die CO2-Flottenziele seit 2025 als Dreijahresschnitt bis 2027, deshalb drücken die Hersteller jetzt Elektromodelle in den Markt.

Wie stark wächst der E-Auto-Absatz wirklich?

Ein weißes Ladekabel mit orangerotem Textilmantel und beschriftetem Anhänger vor weißem Hintergrund
Europas E-Auto-Absatz im Juni um 51% gestiegen: 360.843 Neuzulassungen, EU-weit sogar 60,7% Wachstum

Im Juni kamen 360.843 batterieelektrische Neuwagen in Europa auf die Straße, 51 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In der EU allein legte der Absatz um 60,7 Prozent zu, der Gesamtmarkt dagegen nur um 13,6 Prozent.

Die Spannweite zwischen den nationalen Märkten reicht von 79 bis 10 Prozent. Dänemark meldete im Juni 16.996 reine E-Autos bei 21.486 Neuzulassungen, ein Anteil von 79,1 Prozent, Belgien kam auf 38,0 Prozent. Frankreich erreichte 29,6 Prozent, Italien dagegen nur 10,2 Prozent. Drei der vier größten EU-Märkte stehen zusammen für 63 Prozent aller Batterieauto-Zulassungen im Halbjahr.

Warum drücken die Hersteller gerade jetzt?

Seit der Verordnung (EU) 2025/1214 vom 17. Juni 2025 gilt das CO2-Flottenziel nicht mehr für jedes einzelne Jahr, sondern als Durchschnitt der Jahre 2025 bis 2027.[2] Hersteller mit einer Zielverfehlung aus 2025 müssen den Rückstand also bis Ende 2027 ausgleichen.

Volkswagen riss den Grenzwert 2025 und entging der Milliardenstrafe nur durch diese Regel, der Ausgleich fällt in die Jahre 2026 und 2027. Parallel füllt sich die günstige Fahrzeugklasse, in der die Stückzahlen entstehen: Der ID. Polo von Volkswagen sammelte binnen weniger Wochen 70.000 Bestellungen ein.

Die Zahlen aus Brüssel zeigen vor allem den Terminplan der Hersteller. Bis Ende 2027 muss der Flottenschnitt stimmen, deshalb stehen elektrische Modelle jetzt ganz vorn in den Preislisten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Europas E-Auto-Markt im Juni 2026
Neuzulassungen in der EU, den EFTA-Staaten und Großbritannien
360.843
reine E-Autos im Juni, 51 Prozent mehr als im Juni 2025
25,6 %
Marktanteil der Batterieautos an allen Neuzulassungen
84.057
Neuzulassungen in Deutschland, ein Plus von 78,2 Prozent

EU-Markt im Juni nach Antrieb

  • Hybrid 35,2 Prozent
  • Batterieelektrisch 23,6 Prozent
  • Benzin 21,3 Prozent
  • Plug-in-Hybrid 10,1 Prozent
  • Diesel 6,7 Prozent

Erstes Halbjahr 2026 in der EU

  • 1.220.890 reine E-Autos, 20,7 Prozent Anteil nach 15,6 Prozent
  • Benzin und Diesel zusammen 29,7 Prozent nach 37,8 Prozent
  • Plug-in-Hybride 9,8 Prozent nach 8,5 Prozent
Dänemark

79,1 Prozent Anteil der Batterieautos an den Neuzulassungen im Juni.

Belgien

38,0 Prozent, getragen von der steuerlichen Bevorzugung elektrischer Firmenwagen.

Frankreich

29,6 Prozent nach einem Zuwachs von 93,5 Prozent binnen eines Jahres.

Italien

10,2 Prozent, der schwächste Wert der vier großen Märkte.

Was ändert sich für Flotten in Deutschland?

Deutschland trug den Juni-Rekord am stärksten: 84.057 reine E-Autos bedeuten ein Plus von 78,2 Prozent und einen Anteil von 28,4 Prozent an allen Neuwagen. Die Benziner verloren im selben Monat 16,8 Prozent, der Diesel 5,1 Prozent.

Den Ausschlag gibt die neue Kaufförderung. Das BAFA zahlt für Fahrzeuge mit Erstzulassung ab dem 1. Januar 2026 mindestens 3.000 Euro für ein reines E-Auto, mit sozialer Staffelung bis zu 6.000 Euro, begrenzt auf ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von 80.000 Euro.[3] Firmenwagen bleiben außen vor, den Gebrauchtmarkt erreicht der Effekt trotzdem: Gebrauchte Stromer verteuerten sich zuletzt um 13,5 Prozent.

Für Ihren Fuhrpark folgen daraus zwei Aufgaben. Prüfen Sie die Restwertannahmen Ihrer Leasingverträge, denn der Wertverlust elektrischer Modelle verläuft anders als beim Verbrenner. Rechnen Sie zweitens die Ladekosten vor der Bestellung durch, weil die Tarifunterschiede beim Schnellladen je Fahrzeug und Jahr mehrere hundert Euro ausmachen.

Quellen

[1] ACEA: „New car registrations: +5.7% in H1 2026; battery-electric 20.7% market share“

[2] Amtsblatt der Europäischen Union: Verordnung (EU) 2025/1214 vom 17. Juni 2025

[3] BAFA: „E-Auto-Förderung 2026, Fördervoraussetzungen“

Mehr Newshunger?

4,5 322 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?