
Die Deutsche Dönerpartei (DDP) gewinnt die Wahl. Braucht Deutschland ein Döner-Ministerium?
Michael Dobler
Autor Dr. WebZwei Bürger aus Baden-Württemberg haben genug vom Wahlkampf-Wunschkonzert. Ihre Lösung: eine Partei mit nur einem einzigen Versprechen. Was als Küchenidee begann, entlarvt die größten Schwächen deutscher Digitalpolitik.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Deutsche Dönerpartei (DDP) fordert ein Grundrecht auf Dönerversorgung für alle 84 Millionen Bundesbürger, finanziert vom Staat
- Die konsequente Umsetzung dieses einen Wahlversprechens offenbart, warum deutsche Digitalisierungsprojekte regelmäßig scheitern
- Ein analoges Döner-Ministerium würde schätzungsweise 3.200 Beamte beschäftigen und jährlich über 400 Millionen Euro Verwaltungskosten verschlingen
- Die digitale Alternative mit einer Döner-App könnte dasselbe leisten, mit einem Bruchteil des Personals, aber Deutschland hat bekanntlich kein Technik-Problem, sondern ein Umsetzungsproblem

Wie entsteht eine Partei aus purem Frust?
Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg. Auf jedem zweiten Laternenpfahl lächelt ein Gesicht, das Großes verspricht. Mehr Geld für Bildung. Kostenlose Kita für alle. Kostenlos Bus & Bahn für alle. Weniger Bürokratie. Bessere Straßen. Schnelleres Internet. Die Klassiker eben.
Ein Vater und sein Sohn stehen an einem Samstagmittag beim Dönermann ihres Vertrauens. Die Schlange ist lang, das Fladenbrot knusprig, die Laune gut. Zwischen zwei Bissen Döner fällt der Satz: „Warum verspricht eigentlich keine Partei was wirklich Sinnvolles?“
So wurde die Deutsche Dönerpartei geboren. Zwischen Krautsalat und Knoblauchsoße, mit allem und scharf.
Das Programm passt auf einen Bierdeckel, was man von keiner anderen Partei behaupten kann. Ein Punkt. Genau einer. Jeder Mensch in Deutschland erhält eine Döner-Card. Mit dieser Karte gibt es beim teilnehmenden Dönermann einen Döner pro Tag. Kostenlos. Vom Säugling bis zum Hundertjährigen. Finanziert durch den Steuerzahler, verwaltet durch den Staat.
Was klingt wie ein Witz, wird in den folgenden Absätzen bitterernst durchgerechnet. Denn genau hier beginnt die eigentliche Geschichte: nicht beim Döner, sondern bei der Frage, wie ein Staat ein simples Versprechen in die Tat umsetzt.
Was kostet das Grundrecht auf Döner?
Bevor Sie über Ministerien und Apps nachdenken, brauchen Sie Zahlen. Denn jede politische Idee steht und fällt mit der Finanzierung.
Deutschland hat rund 84 Millionen Einwohner. Der Durchschnittspreis eines Döners liegt 2025 bei etwa 7,50 Euro. Allerdings wird längst nicht jeder seine Döner-Card täglich zücken. Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren fallen komplett raus, das sind rund 2,3 Millionen. Hochbetagte über 85 werden kaum zum Dönermann pilgern, nochmals 2,8 Millionen. Vegetarier und Veganer, mittlerweile rund 10 Prozent der Bevölkerung, greifen allenfalls zum Gemüsedöner. Und selbst überzeugte Dönerfans essen nicht jeden Tag einen.

Ein Blick auf vergleichbare Gratisangebote hilft bei der Einschätzung. Das 9-Euro-Ticket wurde von etwa 30 Prozent der Bevölkerung überhaupt gekauft, die tägliche Nutzung lag weit darunter. Kostenlose Schulessen werden von rund 70 Prozent der Berechtigten abgerufen, aber dort handelt es sich um eine gefangene Zielgruppe in einer festen Struktur. Am Anfang dürfte ein Neuigkeitseffekt die Zahlen hochtreiben, danach pendelt sich die Nutzung ein.
Realistisch kalkuliert liegt die tägliche Einlösungsquote bei rund 10 Prozent. Das bedeutet 8,4 Millionen Döner pro Tag. Bei 7,50 Euro pro Stück ergibt das tägliche Kosten von 63 Millionen Euro. Pro Jahr summiert sich das auf knapp 23 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der gesamte Bundeshaushalt für Bildung und Forschung lag 2024 bei rund 21,5 Milliarden Euro. Die Dönerversorgung würde also selbst bei konservativer Schätzung den Bildungsetat übersteigen.
Aber warten Sie. Diese Zahl berücksichtigt noch nicht die Verwaltung. Jemand muss die Karten ausgeben, die Dönerbuden prüfen, die Abrechnungen kontrollieren, Beschwerden bearbeiten und Missbrauch verhindern. Und genau hier wird es richtig teuer.
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Wie sähe ein Döner-Ministerium aus?
Stellen Sie sich vor, die DDP gewinnt die Bundestagswahl. Der Koalitionsvertrag steht, das Bundesministerium für Dönerangelegenheiten (BMD) wird gegründet. Was braucht so ein Ministerium?

Die Behördenstruktur
An der Spitze steht die Bundesministerin für Dönerangelegenheiten. Unter ihr arbeiten vier Abteilungen: die Abteilung für Kartenausgabe und Bürgerverwaltung, die Abteilung für Qualitätssicherung und Betriebsprüfung, die Abteilung für Abrechnung und Finanzkontrolle sowie die Abteilung für Beschwerdemanagement und Verbraucherschutz.
Jede Abteilung braucht Referatsleiter, Sachbearbeiter, Büroassistenzen. Dazu kommen eine Pressestelle, eine Rechtsabteilung, eine IT-Abteilung (die natürlich unterbesetzt sein wird) und ein Beauftragter für Döner-Datenschutz.
Die Außenstellen
In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt entsteht ein Döneramt. Deutschland hat 294 Landkreise und 106 kreisfreie Städte, macht 400 Dönerämter. Jedes benötigt mindestens fünf Mitarbeitende für Antragsbearbeitung, Kartenausgabe und Kundenbetreuung.
Das sind allein 2.000 Mitarbeitende in den Außenstellen. Hinzu kommen 500 Dönerprüfer, die regelmäßig die teilnehmenden Betriebe kontrollieren. Stimmt die Fleischqualität? Wird die Portion nicht kleiner? Verwendet der Dönermann frisches Gemüse? Diese Fragen müssen beantwortet werden.
3.200 Beamte, 400 Dienststellen, ein Ziel: Döner für alle. So sähe der bürokratische Apparat aus, wenn die Deutsche Dönerpartei regiert.
- ◆ Formular DÖN-1A bearbeiten
- ◆ Passfoto-Kontrolle
- ◆ Ersatzkarten (Formular DÖN-7C)
- ◆ Meldebescheinigung prüfen
- ◆ Fleischqualität kontrollieren
- ◆ Portionsgröße prüfen
- ◆ Gemüsefrische sicherstellen
- ◆ Hygiene-Audits durchführen
- ◆ 63 Mio. € täglich abrechnen
- ◆ Missbrauchserkennung
- ◆ Betreiber-Vergütung
- ◆ Jahreshaushalt überwachen
- ◆ Bürger-Hotline betreiben
- ◆ Soßen-Beschwerden bearbeiten
- ◆ Wartezeit-Reklamationen
- ◆ Allergie-Vorfälle dokumentieren
Der Antragsprozess
Sie möchten Ihre Döner-Card? Dann füllen Sie bitte Formular DÖN-1A aus. In dreifacher Ausfertigung. Beizufügen sind: ein aktuelles Passfoto, eine Meldebescheinigung (nicht älter als drei Monate), eine Selbstauskunft zu Lebensmittelallergien (Formular DÖN-3B) und der Nachweis, dass Sie kein eigenes Dönergeschäft betreiben (wegen Befangenheit).
Die Bearbeitungszeit beträgt sechs bis acht Wochen. Bei Verlust der Karte stellen Sie einen Antrag auf Ersatzausstellung über Formular DÖN-7C. Gebühr: 28,50 Euro. Vergessen Sie nicht, das Formular vom Döneramt abstempeln zu lassen, bevor Sie es an das Landesamt für Dönerversorgung weiterleiten.
Klingt übertrieben? Fragen Sie mal jemanden, der kürzlich einen Bauantrag gestellt hat.
Die jährlichen Verwaltungskosten
Posten für Posten summiert sich das analoge Döner-Ministerium auf beachtliche Summen. Das Ministerium selbst mit rund 700 Mitarbeitenden verschlingt etwa 120 Millionen Euro jährlich. Die 400 Dönerämter mit ihren 2.000 Mitarbeitenden schlagen mit rund 180 Millionen Euro zu Buche. Die 500 Dönerprüfer kosten weitere 45 Millionen Euro. Dazu kommen Miet- und Sachkosten für Büroflächen, Formulardruck, Dienstwagen und natürlich die obligatorische Weihnachtsfeier in jeder Dienststelle.
Gesamte Verwaltungskosten: rund 420 Millionen Euro pro Jahr. Und das, ohne auch nur einen einzigen Döner ausgegeben zu haben.
Geht das nicht auch digital?
Natürlich. Theoretisch. In einem Land, das faxfrei wäre.
Die Döner-App
Die digitale Variante sieht so aus: Jeder Bürger lädt die offizielle DönerApp (Arbeitstitel: „DönerDE") herunter. Die Identifizierung erfolgt über die eID-Funktion des Personalausweises, also exakt jene Funktion, die in Deutschland etwa 12 Prozent der Bevölkerung aktiviert haben.

Nach der Registrierung zeigt die App teilnehmende Dönerbuden in der Nähe an. Sie gehen hin, zeigen Ihren QR-Code, der Dönermann scannt ihn, Sie bekommen Ihren Döner. Die Abrechnung läuft automatisch über eine Blockchain-basierte Plattform. Oder eine simple Datenbank. Je nachdem, welches Buzzword im Koalitionsvertrag steht.
Die technische Infrastruktur
Für die App brauchen Sie ein Backend, das 8,4 Millionen tägliche Transaktionen verarbeiten kann. Zum Vergleich: Die Luca-App, die während Corona Kontaktverfolgung leisten sollte, brach bei deutlich weniger Last regelmäßig zusammen.
Sie brauchen eine Schnittstelle zu den rund 18.000 Dönerbuden in Deutschland. Jeder Betrieb benötigt ein Lesegerät, eine stabile Internetverbindung und eine Schulung. Die Dönerbuden-Betreiber, die bisher ihre Bestellungen auf einem Zettelblock notiert haben, sollen nun ein digitales Kassensystem bedienen.
Dazu kommt ein zentrales Abrechnungssystem, eine Betrugserkennung (denn natürlich wird jemand versuchen, fünf Döner am Tag auf verschiedene Karten abzurechnen), ein Datenschutzkonzept nach DSGVO und eine barrierefreie Version der App.
Die Entwicklungskosten
Ein realistisches Budget für die DönerApp liegt bei 80 bis 150 Millionen Euro Entwicklungskosten. Klingt viel? Das Projekt „Digitale Rentenübersicht" hat über 100 Millionen Euro gekostet und zeigt Ihnen im Wesentlichen eine Zahl auf dem Bildschirm an.
Der laufende Betrieb der App kostet schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr. Das ist ein Bruchteil der 420 Millionen Euro, die das analoge Ministerium verschlingen würde. Rein wirtschaftlich betrachtet ist die digitale Lösung überlegen.
Warum es trotzdem schiefgehen wird
Die Geschichte deutscher IT-Großprojekte liest sich wie ein Gruselkatalog. Die Gesundheitskarte brauchte 18 Jahre bis zur flächendeckenden Einführung. Das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) wurde wegen Sicherheitslücken mehrfach vom Netz genommen. Die Corona-Warn-App funktionierte technisch, wurde aber durch föderale Zuständigkeitskonflikte ausgebremst.
Das Muster wiederholt sich: Bund und Länder streiten über Zuständigkeiten. Datenschutzbeauftragte blockieren praktikable Lösungen. Die Ausschreibung wird von einem Konsortium gewonnen, das drei Ebenen an Subunternehmern beschäftigt. Und am Ende steht ein System, das auf dem Papier funktioniert, aber in der Praxis an der Internetverbindung im Dönerladen in Buxtehude scheitert.
Was passiert, wenn analog und digital kollidieren?
Der realistischste Ausgang sieht so aus: Man macht beides.
Das Döner-Ministerium wird gegründet, weil die Verwaltungsgewerkschaft Arbeitsplätze sichern will. Gleichzeitig wird eine App entwickelt, weil die Koalition „Digitalisierung" in den Vertrag geschrieben hat. Beide Systeme laufen parallel. Die App kommuniziert nicht mit dem Ministerium. Das Ministerium verlangt trotzdem Papieranträge. Der Bürger muss sich zweimal registrieren.
Nach drei Jahren Parallelbetrieb wird ein Evaluierungsbericht erstellt. Ergebnis: Die App wird von 38 Prozent der Bevölkerung genutzt, das Ministerium hat eine eigene Zeitschrift namens „DönerDeutschland" herausgegeben, und die tatsächlichen Kosten liegen 340 Prozent über dem ursprünglichen Budget.
Kennen Sie das Muster? Sie sollten. So beschreibt sich ziemlich genau die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens.
Was kostet die Dönerversorgung für 84 Millionen Bürger? Ein Vergleich zwischen analoger Bürokratie und digitaler Lösung.
Die Döner-App würde im laufenden Betrieb 395 Millionen Euro pro Jahr weniger kosten als das Döner-Ministerium.
Erfahrungsgemäß fährt Deutschland beide Gleise parallel. Das Ministerium bleibt bestehen, die App kommt dazu. Und die Kosten? Die explodieren.
Was lehrt uns die Dönerpartei über echte Politik?
Jetzt wird es ernst. Denn hinter der Satire steckt ein Befund, der jeden Unternehmer betrifft.
Das Versprechen-Umsetzungs-Gefälle
Parteien versprechen im Wahlkampf Dinge, deren Umsetzungskomplexität sie entweder nicht kennen oder bewusst verschweigen. „Kostenlose Kita für alle" klingt großartig auf einem Plakat. Aber wer baut die fehlenden Gebäude? Wer bildet die Erzieherinnen aus? Wer finanziert die laufenden Kosten, wenn die Kita-Pauschale nicht einmal die Miete deckt?

Die Döner-Card macht dieses Gefälle sichtbar. Ein Satz auf einem Wahlplakat. Milliarden in der Umsetzung.
Bürokratie als Selbstzweck
Jede neue staatliche Leistung erzeugt Verwaltungsstrukturen, die sich verselbstständigen. Das Döner-Ministerium ist eine Karikatur, aber keine unrealistische. Deutschland hat ein Bundesamt für Güterverkehr, ein Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie und ein Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Ein Bundesamt für Döner wäre da nur die logische Fortsetzung.
Die Digitalisierungslüge
Jede Partei verspricht Digitalisierung. Keine Partei erklärt, warum bisherige Projekte gescheitert sind. Das Problem ist nicht die Technologie. Server, Apps, Datenbanken: All das existiert und funktioniert in der Privatwirtschaft jeden Tag. Das Problem sind Ausschreibungsverfahren, die Innovation bestrafen, föderale Strukturen, die einheitliche Standards verhindern, und eine Risikoaversion, die jedes Projekt mit so vielen Sicherheitsnetzen umgibt, dass es sich nicht mehr bewegen kann.
Was Unternehmer daraus lernen
Als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens stehen Sie vor denselben Grundfragen. Bauen Sie ein internes System oder kaufen Sie eine fertige Lösung? Stellen Sie Personal ein oder automatisieren Sie? Setzen Sie auf Kontrolle oder auf Vertrauen?
Die Antwort ist meistens: Digitalisieren Sie konsequent, aber realistisch. Kein Unternehmen braucht eine Blockchain für sein Kundenkartensystem. Aber jedes Unternehmen braucht eine funktionierende App, die Mitarbeitende und Kunden tatsächlich nutzen wollen.
Wird die Deutsche Dönerpartei antreten?
Die DDP existiert bisher nur am Küchentisch. Aber ihre Botschaft ist ernst gemeint: Wenn eine einzelne, absurd simple Forderung einen derartigen Verwaltungsapparat erfordern würde, was bedeutet das für die zwanzig Versprechen auf den Wahlplakaten, die Sie auf dem Weg zur Arbeit sehen?
Die Antwort kennen Sie bereits. Sie sehen sie jeden Tag, wenn Sie versuchen, online einen Termin beim Bürgeramt zu buchen, eine Förderung zu beantragen oder Ihre Steuererklärung über ELSTER einzureichen.
Vielleicht wäre ein Grundrecht auf Döner tatsächlich der ehrlichere Wahlkampfslogan. Wenigstens wüsste man, was man bekommt. Und es würde gut schmecken.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zur Digitalisierung und Bürokratie

Blockchain
Blockchain bezeichnet eine dezentrale Datenbanktechnologie, bei der Transaktionen in verketteten Blöcken gespeichert werden. Im Kontext staatlicher Digitalprojekte wird der Begriff häufig als Allheilmittel genannt, obwohl einfachere Datenbanklösungen in den meisten Fällen ausreichen würden.
DSGVO
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist die europäische Verordnung zum Schutz personenbezogener Daten. Bei staatlichen Digitalprojekten stellt sie oft besondere Anforderungen an die Speicherung und Verarbeitung von Bürgerdaten, was Entwicklungszeiten und Kosten erheblich beeinflusst.
eID-Funktion
Die eID-Funktion des deutschen Personalausweises ermöglicht eine digitale Identifizierung. Trotz Einführung im Jahr 2010 haben nur wenige Bürger die Funktion aktiviert, was die Nutzbarkeit als alleiniges Identifikationsverfahren für digitale Bürgerdienste stark einschränkt.
Evaluierungsbericht
Ein Evaluierungsbericht bewertet nach Projektabschluss oder in definierten Intervallen den Erfolg und die Wirtschaftlichkeit einer Maßnahme. Bei staatlichen Projekten dienen diese Berichte häufig dazu, Handlungsbedarf zu dokumentieren, ohne dass zwingend Konsequenzen folgen.
Föderalismus
Föderalismus beschreibt die Aufteilung staatlicher Aufgaben zwischen Bund und Ländern. In Deutschland führt diese Struktur bei Digitalisierungsprojekten regelmäßig zu Zuständigkeitskonflikten, unterschiedlichen Standards und verzögerter Umsetzung einheitlicher Lösungen.
IT-Großprojekt
Ein IT-Großprojekt im öffentlichen Sektor umfasst typischerweise Software-Entwicklungen mit Budgets über zehn Millionen Euro und mehrjährigen Laufzeiten. Die Erfolgsquote solcher Projekte in Deutschland liegt nach verschiedenen Studien unter 30 Prozent gemessen an Zeit, Budget und Funktionsumfang.
Loyalty-Programm
Ein Loyalty-Programm bindet Kunden durch Anreize wie Punkte, Rabatte oder Gratisleistungen an ein Unternehmen. Die Döner-Card parodiert dieses Konzept als staatliche Pflichtleistung, zeigt aber zugleich die technischen Anforderungen hinter scheinbar einfachen Kartensystemen.
QR-Code
Ein QR-Code (Quick Response Code) ist ein zweidimensionaler Barcode, der Informationen wie URLs oder Identifikationsdaten speichert. Im Einzelhandel und bei digitalen Bezahlsystemen hat er sich als schnelle, kontaktlose Verifizierungsmethode durchgesetzt.
Risikoaversion
Risikoaversion bezeichnet die Tendenz, Risiken systematisch zu vermeiden. In der öffentlichen Verwaltung führt diese Haltung dazu, dass Projekte mit übermäßigen Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollmechanismen überfrachtet werden, bis Innovation praktisch unmöglich wird.
Skalierbarkeit
Skalierbarkeit beschreibt die Fähigkeit eines Systems, bei steigender Nutzerzahl oder Datenmenge seine Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Bei der Entwicklung staatlicher Apps ist die Skalierbarkeit entscheidend, wie das Versagen mehrerer Corona-bezogener Anwendungen bei hoher Last gezeigt hat.
Subunternehmer-Kaskade
Eine Subunternehmer-Kaskade entsteht, wenn ein Hauptauftragnehmer Teilleistungen an Subunternehmer vergibt, die wiederum weitere Unteraufträge erteilen. Bei öffentlichen IT-Projekten führt diese Praxis zu Verantwortungsdiffusion, Qualitätsverlust und Kostensteigerungen.
Vergabeverfahren
Das Vergabeverfahren regelt die Auftragsvergabe durch öffentliche Auftraggeber. Die strengen Vorgaben des deutschen Vergaberechts begünstigen oft große Beratungshäuser gegenüber innovativen Startups und verlängern die Projektlaufzeiten durch mehrstufige Ausschreibungs- und Widerspruchsverfahren.
FAQ

Was ist die Deutsche Dönerpartei?
Die Deutsche Dönerpartei (DDP) ist eine satirische Parteiidee aus Baden-Württemberg, entstanden während des Landtagswahlkampfs 2026. Ihr einziges Wahlversprechen lautet: Eine kostenlose Döner-Card für alle Einwohner Deutschlands. Die Idee dient als Gedankenexperiment, um die Kluft zwischen politischen Versprechen und deren realer Umsetzungskomplexität sichtbar zu machen.
Wie viel würde eine kostenlose Dönerversorgung für alle kosten?
Bei einer realistischen täglichen Einlösungsquote von 10 Prozent und einem Durchschnittspreis von 7,50 Euro pro Döner entstünden tägliche Kosten von rund 63 Millionen Euro. Das entspricht etwa 23 Milliarden Euro pro Jahr, allein für die Döner selbst. Säuglinge, Hochbetagte, Vegetarier und der natürliche Alltagsrhythmus drücken die Quote deutlich unter theoretische Maximalwerte. Die Verwaltungskosten kämen noch hinzu: rund 420 Millionen Euro jährlich für ein analoges Ministerium oder 20 bis 30 Millionen Euro für eine digitale Lösung.
Warum scheitern deutsche IT-Großprojekte so häufig?
Die Ursachen liegen selten in der Technologie selbst. Föderale Zuständigkeitskonflikte, starre Vergabeverfahren, die innovative Anbieter benachteiligen, übermäßige Risikoaversion und Subunternehmer-Kaskaden bilden ein Muster, das sich von der Gesundheitskarte über das besondere elektronische Anwaltspostfach bis zur digitalen Rentenübersicht wiederholt.
Was hat Döner mit Unternehmensdigitalisierung zu tun?
Die Satire macht Grundfragen der Digitalisierung greifbar, die jedes Unternehmen betreffen: Intern entwickeln oder einkaufen? Personal aufbauen oder Prozesse automatisieren? Kontrolle oder Vertrauen? Die Döner-Card zeigt am absurden Beispiel, warum konsequente Digitalisierung fast immer günstiger ist als parallele Systeme aus Papier und Software.
Gibt es die Deutsche Dönerpartei wirklich?
Die DDP existiert bisher als Gedankenexperiment. Sie wurde von einem Vater-Sohn-Duo am Küchentisch erfunden, nicht als echte Parteigründung, sondern als satirischer Kommentar zum Wahlkampf. Die Idee zeigt, dass selbst die simpelste politische Forderung einen enormen bürokratischen Apparat nach sich zieht.
Was können Unternehmen aus dem Döner-Beispiel lernen?
Drei Lektionen stechen hervor: Erstens, jede Leistung erzeugt Verwaltungsaufwand, der von Anfang an einkalkuliert werden muss. Zweitens, digitale Lösungen sind langfristig fast immer günstiger als analoge Prozesse. Drittens, parallele Systeme (analog plus digital) sind die teuerste aller Optionen und sollten vermieden werden.
Quellen
Statistisches Bundesamt - Bevölkerung in Deutschland - https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/_inhalt.html - besucht am 19.02.2026
Bundesministerium der Finanzen - Bundeshaushalt 2024 - https://www.bundeshaushalt.de - besucht am 19.02.2026
Handelsblatt - Durchschnittspreis Döner in Deutschland 2025 - https://www.handelsblatt.com - besucht am 19.02.2026
Bundesministerium des Innern - eID-Nutzungsstatistik - https://www.bmi.bund.de - besucht am 19.02.2026
Normenkontrollrat - Monitor Digitale Verwaltung - https://www.normenkontrollrat.bund.de - besucht am 19.02.2026
Bundesrechnungshof - Berichte zur IT-Konsolidierung des Bundes - https://www.bundesrechnungshof.de - besucht am 19.02.2026
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