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Die Konsumgesellschaft ist älter als Fließband und Fernsehwerbung. Schon 1774 zeigte Josiah Wedgwood sein Steingut in einem Londoner Showroom, ließ Kataloge drucken und verkaufte als Queen’s Ware an jedermann, was er der Königin geliefert hatte. Glühbirnenkartell, Modellwechsel und Rücksendeetikett kamen erst später dazu.

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Zwischen dem Flickschuster und dem Rücksendeetikett liegen gut 250 Jahre. In dieser Zeit haben Fabriken die Dinge billig gemacht, Kartelle und Designer ihre Lebensdauer verkürzt, Werbeleute neue Wünsche erfunden und Millionen Menschen Arbeit gefunden. Hier lesen Sie, wie die Konsumgesellschaft entstanden ist, was sie gebracht hat und was sie kostet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Historiker datieren den Beginn der Konsumgesellschaft ins England des 18. Jahrhunderts: Arbeitsteilung verbilligte die Ware, Unternehmer wie Josiah Wedgwood verkauften mit Showroom, Katalog und königlichem Namen.
  • Geplante Obsoleszenz ist belegt, das Phoebus-Kartell begrenzte ab 1925 die Brenndauer von Glühbirnen auf 1.000 Stunden. Häufiger treiben aber Modewechsel und teure Reparaturen den Neukauf an.
  • Der private Konsum macht 54,1 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung aus, allein der Einzelhandel beschäftigt gut 3,1 Millionen Menschen. Die Zahl der Schuhmacherbetriebe sank seit 1998 um 77 Prozent.
  • Weltweit fielen 2023 rund 2,1 Milliarden Tonnen Siedlungsabfall an. Seit dem 31. Juli 2026 verpflichtet das EU-Recht auf Reparatur Hersteller, bestimmte Geräte auch nach der Gewährleistung zu reparieren.
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Wie gut kennen Sie die Geschichte des Konsums?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Welche Brenndauer schrieb das Phoebus-Kartell ab 1925 für Standard-Glühbirnen vor? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Die Hersteller einigten sich im Dezember 1924 in Genf auf 1.000 Stunden. Zuvor hielten gute Glühbirnen 1.500 bis 2.000 Stunden, Fabriken mit länger brennenden Lampen mussten Strafe zahlen.
2 Wie nannte Josiah Wedgwood sein cremefarbenes Steingut, nachdem Königin Charlotte Kundin geworden war? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Wedgwood gewann die Königin 1765 als Kundin und verkaufte das Geschirr danach als Queen’s Ware an alle, die sich das Geschirr leisten konnten.
3 Wann lief im deutschen Fernsehen der erste Werbespot? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Am 3. November 1956 warben Liesl Karlstadt und Beppo Brem im Bayerischen Rundfunk für Persil. Rund 50.000 Fernsehgeräte empfingen das Programm.
4 Wie viele Schuhmacherbetriebe zählte das Handwerk Ende 2025 noch in Deutschland? Aufklappen ↓
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Richtig: A. 1998 zählte der Verband noch 6.141 Betriebe. Die Zahl 14.866 gehört zu den Radio- und Fernsehtechnikern im selben Jahr.
5 Wie viele der 2012 ersetzten Flachbildfernseher funktionierten laut Umweltbundesamt noch? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Mehr als 60 Prozent der ausgetauschten Geräte liefen noch, im Schnitt waren sie 5,6 Jahre alt. Nur rund ein Viertel wurde wegen eines Defekts ersetzt.

Wann begann die Konsumgesellschaft?

Kaputte Tasse (Kintsugi) neben Pappbecher mit orangefarbenem „Neu“-Logo
Im England des 18. Jahrhunderts entstand eine Konsumrevolution: Breite Bevölkerungsschichten kauften Mode-Geschirr, Stoffe und Möbel, lange vor dem Fließband

Historiker setzen den Beginn im England des 18. Jahrhunderts an. Neil McKendrick, John Brewer und J. H. Plumb beschrieben 1982 eine Konsumrevolution, in der breite Schichten lange vor dem Fließband Geschirr, Stoffe und Möbel nach der Mode kauften.

Vor der Industrialisierung war Material teuer und Arbeit billig. Der Wirtschaftshistoriker Reinhold Reith zeigt in der Zeitschrift Kultur & Technik des Deutschen Museums, dass die Reparatur alle Gesellschaftsschichten betraf: „Was repariert werden konnte, wurde repariert“, bis am Ende nur noch der Lumpensammler Interesse an einem Stück hatte.

Schon für das mittelalterliche Frankfurt hatte der Ökonom Karl Bücher ein entwickeltes Reparaturgewerbe nachgewiesen. Kesselflicker zogen über Land, und auf dem Nürnberger Säumarkt oder dem Wiener Tandlmarkt wechselten gebrauchte Kleider, Werkzeuge und Hausrat den Besitzer.

Noch 1875 fertigten Schuhmacher 90 Prozent der neuen Schuhe von Hand. Bald darauf übernahmen die Fabriken, und aus dem Schuhmacher wurde, wie Reith schreibt, ein Flickschuster.

Heute besitzt ein typischer Deutscher nach einer Schätzung des Historikers Frank Trentmann rund 10.000 Gegenstände.

Den Weg dorthin bahnte die Arbeitsteilung. Adam Smith beschrieb 1776 im Wohlstand der Nationen eine Stecknadelmanufaktur, in der zehn Arbeiter je nur wenige Handgriffe ausführten und zusammen mehr als 48.000 Nadeln am Tag herstellten. Allein, schrieb Smith, hätte jeder von ihnen höchstens 20 geschafft, vielleicht nicht eine einzige. Pro Kopf ergibt sich die 240-fache Menge.

Josiah Wedgwood übertrug das Prinzip auf das Geschirr. 1765 gewann der Töpfer aus Staffordshire Königin Charlotte als Kundin und nannte sein cremefarbenes Steingut danach Queen’s Ware.

1769 eröffnete er seine Fabrik Etruria. Dort erledigte jeder Arbeiter einen einzigen, ständig wiederholten Arbeitsschritt, denn Wedgwood wollte aus den Männern Maschinen machen, die nicht irren können.

Seinen Absatz organisierte Wedgwood wie ein moderner Markenhersteller. Ab 1774 zeigte er seine Ware in einem Showroom in der Londoner Greek Street, wo Besucher mit Eintrittskarte das Tafelservice für die russische Zarin Katharina II. bestaunten. Wedgwood und sein Partner Thomas Bentley gehörten zu den ersten Herstellern mit ausführlichen Katalogen, Biografen schreiben ihm zudem Geld-zurück-Versprechen und kostenlose Lieferung zu.

Wedgwood verdiente gleich doppelt: am Adel, der sich abheben wollte, und am Bürgertum, das mit dem Geschirr der Königin dazugehören wollte.

Der Streit, ob solcher Konsum Sünde oder Segen sei, ist sogar noch älter. Der Arzt Bernard Mandeville veröffentlichte 1714 seine Bienenfabel mit dem Untertitel „Private Vices, Publick Benefits“, private Laster, öffentlicher Nutzen. Ohne Eitelkeit und Luxus, so sein Argument, fehlten der Modehandel und die Arbeitsplätze, die an ihm hängen.

John Maynard Keynes berief sich zwei Jahrhunderte später auf ihn, als er die Nachfrage ins Zentrum der Wirtschaftspolitik rückte.

Auf den Punkt

Die Konsumgesellschaft begann im England des 18. Jahrhunderts, als Arbeitsteilung die Ware verbilligte und Unternehmer wie Wedgwood Mode, Showroom und Katalog zum Verkaufen nutzten. Bis dahin galt: Material ist teuer, also wird repariert.

Wie machte die Fabrik die Dinge billig?

Modellförderband mit vier weißen und zwei orangefarbenen Spielzeugautos
Mit dem Fließband sank die Montagezeit des Model T von zwölfeinhalb Stunden auf 93 Minuten.

Mit Maschinen, Arbeitsteilung und gewaltigen Stückzahlen. Henry Ford senkte die Montagezeit des Model T mit dem Fließband von zwölfeinhalb Stunden auf 93 Minuten. Kostete das Auto 1908 rund 18 Monatslöhne eines Durchschnittsverdieners, genügten 1925 etwa vier.

Parallel zur Fabrik erfand der Handel das Einkaufen neu. Aristide und Marguerite Boucicaut stiegen 1852 in das Pariser Geschäft Le Bon Marché ein und führten ein, was heute selbstverständlich wirkt: feste, ausgezeichnete Preise, freien Eintritt ohne Kaufzwang und das Versprechen „satisfait ou remboursé“, zufrieden oder Geld zurück. Der Einkaufsbummel wurde zum Freizeitvergnügen.

Berlin zog nach. Oscar Tietz eröffnete 1900 sein erstes Berliner Warenhaus an der Leipziger Straße, Adolf Jandorf am 27. März 1907 das Kaufhaus des Westens. Das Wertheim-Gebäude am Leipziger Platz galt nach seiner Fertigstellung 1906 als größtes Warenhaus Europas. Auf dem Land kam der Laden per Post. Montgomery Ward verschickte 1872 einen ersten, einseitigen Katalog, Sears folgte 1894 mit einem Gemischtwaren-Katalog von 507 Seiten. In Fürth gründete Gustav Schickedanz am 26. Oktober 1927 die Quelle und verkaufte zunächst Wolle, Garn und Stoffe an Kundinnen in den Dörfern.

Gleichzeitig bekam die Ware einen Namen. Wo Händler Seife oder Waschpulver früher lose abwogen, versprach der Markenartikel gleiche Qualität in gleicher Packung. Karl August Lingner machte ab 1892 in Dresden das Mundwasser Odol bekannt, Henkel brachte 1907 Persil auf den Markt.

Seit dem 1. Oktober 1894 ließen sich beim Kaiserlichen Patentamt auch reine Wortmarken schützen, die erste war am 16. Oktober 1894 „Perkeo“.

Der amerikanische Ökonom Thorstein Veblen gab dem Kaufen um des Ansehens willen 1899 einen Namen: conspicuous consumption, auf Deutsch Geltungskonsum. Bis heute treibt der Status-Konsum ganze Branchen an, vom Auto bis zur Handtasche.

Den größten Sprung machte die Produktion in Detroit. Im Oktober 1913 ließ Henry Ford in seinem Werk Highland Park das Fließband anlaufen, Anfang 1914 rollte alle 93 Minuten ein fertiges Model T aus der Halle. Bis zum 26. Mai 1927 entstanden mehr als 15 Millionen Exemplare.

Im Januar 1914 hob Ford den Tageslohn seiner Arbeiter auf mehr als das Doppelte an und verkürzte die Schicht von neun auf acht Stunden. Die Männer am Band wurden so zu Kunden ihres eigenen Produkts. Diese Verbindung von Massenproduktion und Massenkaufkraft nannten Sozialwissenschaftler später Fordismus, und das Modell prägte die Industrieländer bis in die 1970er-Jahre.

250 Jahre Konsumgesellschaft: vom Flickschuster zum Recht auf Reparatur
Die Kennzahlen zeigen, wie Arbeitsteilung und Fließband die Ware verbilligten. Die Zeitleiste nennt die Wendepunkte, hervorgehoben sind die Fälle gezielt verkürzter Lebensdauer.
48.000
Stecknadeln am Tag schafften zehn Arbeiter in Adam Smiths Manufaktur (1776)
93 Min.
dauerte die Montage eines Model T Anfang 1914, vor dem Fließband zwölfeinhalb Stunden
1.000 Std.
Brenndauer schrieb das Phoebus-Kartell ab 1925 für Glühbirnen vor
10.000
Gegenstände besitzt ein typischer Deutscher nach einer Schätzung von Frank Trentmann
1714
Die Bienenfabel
Bernard Mandeville erklärt Eitelkeit und Luxus zum Motor von Handel und Arbeitsplätzen.
1769
Wedgwoods Etruria
Josiah Wedgwood eröffnet seine Fabrik, ab 1774 zeigt er sein Steingut in einem Londoner Showroom.
1852
Le Bon Marché
Die Boucicauts führen in Paris feste Preise, freien Eintritt und Umtausch ein.
1894
Wortmarken geschützt
Das Patentamt trägt auch reine Wortmarken ein, Markenartikel wie Odol und Persil verbreiten sich.
1913
Das Fließband
Henry Ford senkt die Montagezeit des Model T auf 93 Minuten.
1924
Das Phoebus-Kartell
Die Glühlampenhersteller begrenzen in Genf die Brenndauer auf 1.000 Stunden.
1929
Fackeln der Freiheit
Edward Bernays inszeniert rauchende Frauen bei der New Yorker Osterparade.
1948
Währungsreform
Am Tag nach der Reform füllen sich die westdeutschen Schaufenster.
1955
Throwaway Living
Das Magazin Life feiert Einweggeschirr, Victor Lebow fordert Konsum als Lebensweise.
1956
Erster Fernsehspot
Persil wirbt im Bayerischen Rundfunk, rund 50.000 Geräte empfangen das Programm.
2009
Erstes Repair Café
Martine Postma lädt in Amsterdam zum gemeinsamen Reparieren ein.
2026
Recht auf Reparatur
Seit dem 31. Juli müssen Hersteller bestimmter Geräte auch nach der Gewährleistung reparieren.

Die Zahl von 10.000 Gegenständen ist eine Schätzung, mit der der Historiker Frank Trentmann sein Buch Empire of Things (2016) eröffnet. Alle übrigen Angaben stammen aus den im Artikel genannten Quellen.

Seit wann gehen Produkte absichtlich kaputt?

Geringfügig glühende Glühbirne mit Etikett „1000 Std.“ auf weißem Grund
Das Phoebus-Kartell begrenzte ab 1925 die Brenndauer von Glühbirnen auf 1.000 Stunden.

Nachweislich seit Dezember 1924, als sich die großen Glühlampenhersteller in Genf auf eine Brenndauer von 1.000 Stunden einigten. Häufiger als der eingebaute Defekt treibt heute allerdings der Wunsch nach dem Neuen zum Kauf: Mehr als 60 Prozent der 2012 ersetzten Flachbildfernseher funktionierten noch.

Das Glühbirnenkartell

Am 23. Dezember 1924 gründeten Osram, Philips, die französische Compagnie des Lampes, Tungsram, die britische AEI und Tokyo Electric in Genf das Phoebus-Kartell, General Electric war über Tochtergesellschaften beteiligt. Gute Glühbirnen hielten bis dahin 1.500 bis 2.000 Stunden. Das Kartell schrieb für Standardlampen 1.000 Stunden vor und verhängte Strafen gegen Fabriken, deren Lampen länger brannten. Der Medienhistoriker Markus Krajewski hat die Kartellakten für das Fachmagazin IEEE Spectrum ausgewertet. Die mittlere Brenndauer einer Referenzlampe fiel demnach von 1.800 Stunden im Jahr 1926 auf 1.205 Stunden 1933/34. Geplant war die Absprache bis 1955, der Zweite Weltkrieg beendete sie 1940.

Im Feuerwehrhaus Nummer 6 im kalifornischen Livermore leuchtet dagegen seit 1901 eine Glühbirne mit rund vier Watt.

Das neue Modell jedes Jahr

Ohne Kartell, aber mit größerer Wirkung arbeitete General Motors. Konzernchef Alfred P. Sloan warb ab Mitte der 1920er-Jahre mit einem Auto „für jeden Geldbeutel und jeden Zweck“ und brachte Jahr für Jahr neue Modelle heraus. Ford hielt am Model T fest. Das Auto des Vorjahres fuhr weiter und sah nur alt aus: Der jährliche Modellwechsel war geboren.

1927 verkaufte Chevrolet mehr Autos als Ford, und Henry Ford musste sein Erfolgsmodell einstellen.

Der amerikanische Industriedesigner Brooks Stevens gab dem Prinzip 1954 vor Werbeleuten in Minneapolis eine Definition. Geplante Obsoleszenz heiße, dem Käufer den Wunsch einzupflanzen, etwas ein wenig Neueres, ein wenig Besseres, ein wenig früher als nötig zu besitzen.

Mitten in der Weltwirtschaftskrise hatte der New Yorker Bernard London 1932 sogar eine staatliche Lösung vorgeschlagen. Die Regierung solle Schuhen, Häusern und Maschinen eine Lebensdauer zuweisen, danach seien die Dinge rechtlich tot und würden eingesammelt und zerstört. Seine Broschüre hieß Ending the Depression Through Planned Obsolescence, umgesetzt wurde der Vorschlag nie.

Mitte der 1950er-Jahre feierte Amerika das Wegwerfen offen. Die Zeitschrift Life zeigte am 1. August 1955 unter dem Titel Throwaway Living eine Familie inmitten von Einweggeschirr, dessen Abwasch 40 Stunden dauern würde, doch keine Hausfrau müsse sich damit abmühen.

Im selben Jahr schrieb der Handelsberater Victor Lebow im Journal of Retailing, die Wirtschaft verlange, „dass wir den Konsum zu unserer Lebensweise machen“. Dinge müssten in immer schnellerem Tempo verbraucht, abgenutzt, ersetzt und weggeworfen werden.

Vance Packard machte die Kritik daran 1960 mit seinem Buch The Waste Makers bekannt.

Was die Forschung heute findet

Für Deutschland hat das Umweltbundesamt die Frage 2016 untersuchen lassen. Öko-Institut und Universität Bonn stellten fest, dass der Anteil großer Haushaltsgeräte, die schon nach weniger als fünf Jahren wegen eines Defekts ersetzt wurden, von 3,5 Prozent im Jahr 2004 auf 8,3 Prozent 2013 gestiegen war. Einen gezielt eingebauten Defekt konnten die Forscher nicht nachweisen.

Bei den Fernsehern zeigte sich das Gegenteil eines Defekts. 2012 wurden mehr als 60 Prozent der ersetzten Flachbildschirme ausgetauscht, obwohl sie noch funktionierten, im Schnitt nach 5,6 Jahren. Nur rund ein Viertel ging wegen eines Schadens.

FormWas passiertTypisches Beispiel
WerkstofflichMaterial oder Bauteile verschleißen früher, als der Kunde erwartetAkku verliert Kapazität, Kondensator fällt aus
FunktionalDas Gerät läuft, passt aber nicht mehr zu neuen technischen AnforderungenSmartphone ohne Sicherheits-Updates, Software verlangt mehr Leistung
PsychologischDas Gerät läuft, wirkt aber veraltet oder unmodernGrößerer Fernseher lockt, Kleidung aus der Vorsaison
ÖkonomischDie Reparatur kostet mehr als ein neues GerätDisplaytausch teurer als Ersatzgerät, Ersatzteil nicht lieferbar
Vier Formen der Obsoleszenz nach der Einteilung der Studie für das Umweltbundesamt (Texte 11/2016). Beispiele: Dr. Web.

Manche Legende hält einer Prüfung nicht stand. Die Geschichte, der Chemiekonzern DuPont habe seine Nylonstrümpfe absichtlich reißanfälliger gemacht, wird oft erzählt, belegt hat sie bisher niemand. Forscherinnen der Oslo Metropolitan University führen die kürzere Lebensdauer der Strümpfe auf immer feinere Garne und den Geschmack der Kundinnen zurück.

Dass Omas Kühlschrank ewig hielt, verdankt sich zum Teil einer Auslese: Die schlechten Geräte ihrer Generation stehen längst auf dem Schrottplatz, in Erinnerung bleiben die Überlebenden.

Ganz ohne Nachhilfe der Hersteller kommt der Markt trotzdem nicht aus. Apple drosselte per Update ältere iPhones mit schwachem Akku, ohne die Kunden darüber zu informieren. In Frankreich zahlte der Konzern dafür 2020 in einem Vergleich mit der Verbraucherschutzbehörde DGCCRF 25 Millionen Euro wegen irreführender Geschäftspraxis, den Vorwurf der geplanten Obsoleszenz verfolgte die Behörde nicht weiter.

Die italienische Wettbewerbsbehörde hatte Apple schon 2018 mit 10 Millionen Euro und Samsung mit 5 Millionen Euro belegt. In den USA einigte sich Apple 2020 auf einen Vergleich von bis zu rund 447 Millionen Euro, ohne ein Fehlverhalten einzuräumen.

Unsere Einschätzung: Der heimlich eingebaute Defekt ist die seltene Ausnahme, der gewollte Neukauf die Regel. Seit Sloan und Stevens arbeiten Hersteller vor allem daran, dass ein funktionierendes Gerät alt aussieht, und die Kunden spielen bereitwillig mit.

Auf den Punkt
  • Phoebus-Kartell: Die Glühlampenhersteller begrenzten ab 1925 die Brenndauer auf 1.000 Stunden.
  • Modellwechsel: General Motors machte das funktionierende Auto des Vorjahres zum alten Eisen.
  • Umweltbundesamt: Mehr Geräte gehen früh kaputt, ein gezielter Defekt ließ sich aber nicht belegen.

Wie hat die Werbung neue Bedürfnisse geweckt?

Megaphon auf Weiß mit „LIEBE“-Zettel und Origami-Herz
Seit Edward Bernays verkauft Werbung Gefühle statt Produkteigenschaften.

Werbung verband Produkte mit Gefühlen statt nur mit Eigenschaften. Der PR-Pionier Edward Bernays, ein Neffe Sigmund Freuds, ließ 1929 bei der New Yorker Osterparade junge Frauen öffentlich rauchen und verkaufte die Zigarette als Fackel der Freiheit.

Bernays arbeitete für die American Tobacco Company, den Hersteller von Lucky Strike. Frauen, die auf der Straße rauchten, galten damals als anstößig, also inszenierte er den Tabubruch als Akt der Emanzipation. Die New York Times berichtete am nächsten Tag. Historiker halten das Echo inzwischen für kleiner, als Bernays später behauptete. Sein Lehrbuch Propaganda von 1928 wurde trotzdem zum Gründungstext der Öffentlichkeitsarbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg holte der aus Wien stammende Psychologe Ernest Dichter die Tiefeninterviews der Psychoanalyse in die Marktforschung. Seine Motivforschung fragte nicht, was Kunden brauchten, sondern was sie sich insgeheim wünschten. Vance Packard prangerte die Methode 1957 in The Hidden Persuaders an, das Buch verkaufte sich mehr als eine Million Mal.

In Deutschland lief der erste Werbespot im Fernsehen am 3. November 1956 im Bayerischen Rundfunk. Die Volksschauspieler Liesl Karlstadt und Beppo Brem warben für Persil, rund 50.000 Fernsehgeräte empfingen das Programm. Henkel hatte sich den ersten Sendeplatz vertraglich gesichert.

Heute investieren Unternehmen in Deutschland nach Zahlen des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft ZAW 39,37 Milliarden Euro im Jahr in Werbung, das entspricht 0,88 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zählt der Verband Sponsoring, Direktwerbung und andere Formen kommerzieller Kommunikation hinzu, kam er 2025 erstmals auf mehr als 50 Milliarden Euro.

Weltweit rechnet die Mediaagentur WPP Media für 2026 mit Werbeausgaben von rund 1,16 Billionen Euro.

Werbung erfindet keine Grundbedürfnisse, Hunger, Durst und den Wunsch nach Anerkennung kannten die Menschen lange vor Bernays. Werbung bestimmt aber, womit Menschen diese Bedürfnisse stillen, und sie verkürzt die Zeit, bis das Vorhandene alt wirkt.

Auf den Punkt

Seit Edward Bernays verkauft Werbung Gefühle, Status und Zugehörigkeit statt Produkteigenschaften. In Deutschland fließen dafür jährlich fast 40 Milliarden Euro, weltweit mehr als eine Billion.

Wie wurde Westdeutschland zur Konsumgesellschaft?

Weißer Kühlschrank mit Münze und Licht, geöffnet, vor weißem Hintergrund
1962 besaß gut die Hälfte der westdeutschen Haushalte einen Kühlschrank, 2023 fast jeder.

Mit der Währungsreform vom 20. Juni 1948. Schon am Tag danach lagen in den Schaufenstern wieder Waren, die Bundesbank spricht vom Schaufenstereffekt. Ludwig Erhard lieferte dem Aufschwung 1957 mit seinem Buch Wohlstand für Alle das Leitmotiv.

Jeder Westdeutsche erhielt 40 D-Mark Kopfgeld. Was Händler bis dahin für den Schwarzmarkt zurückgehalten hatten, stand plötzlich im Laden. Die frühere Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbands Edda Müller beschreibt die Jahre danach als Folge von Konsumwellen: erst die Fresswelle der frühen 1950er-Jahre, dann die Bekleidungswelle, schließlich Einrichtungs-, Motorisierungs- und Reisewelle.

Am 5. August 1955 feierte Volkswagen in Wolfsburg den millionsten Käfer, einen goldfarben lackierten Wagen.

Auch das Einkaufen änderte sich. 1949 eröffneten in Augsburg und Hamburg die ersten westdeutschen Läden mit Selbstbedienung, wer zuerst da war, ist bis heute umstritten. Nach Berechnungen des Historikers Karl Ditt existierten 1950 rund 20 solcher Geschäfte, 1955 etwa 320 und 1960 mehr als 17.000.

1962 eröffnete Theo Albrecht in Dortmund den ersten Albrecht-Diskont, kurz Aldi.

Die Versandhändler brachten die Warenwelt in die Dörfer. Neckermann verschickte 1950 eine erste Preisliste mit zwölf Seiten und 133 Textilartikeln in 100.000 Exemplaren, im selben Jahr erschien der erste Katalog von Otto in einer Auflage von 300 Stück.

Gerät196219782023
Kühlschrank52 %96 %99,9 %
Waschmaschine34 %über 80 %97,4 %
Fernseher37 %93 %98,9 %
Auto27 %62 %80,0 %
Telefon14 %70 %k. A.
Geschirrspülerunter 1 %k. A.78,0 %
Anteil der Haushalte mit dem jeweiligen Gerät. 1962 und 1978 früheres Bundesgebiet, 2023 Deutschland; Fernseher 1962 einschließlich Musiktruhen. Quelle: Statistisches Bundesamt, Einkommens- und Verbrauchsstichproben 1962/63, 1978 und 2023.

Die DDR ging einen anderen Weg, aus Mangel und aus Planung. Der VEB Sachsenglas Schwepnitz stellte ab 1980 das Trinkglas Superfest her, durch einen chemischen Ionenaustausch rund fünfmal so bruchfest wie gewöhnliches Glas.

Das Werk schloss 1991 in der Gesamtvollstreckung, die Gläser zeigt heute das Berliner Werkbundarchiv als Museumsstück.

Osram und Philips brauchten 1924 ein Kartell für die 1.000-Stunden-Birne, heute genügt ein zu teures Ersatzteil.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Warum gibt es heute von allem so viele Varianten?

Ein oranges Glas mit der Aufschrift „Neu“ in einer Gruppe weißer Gläser auf weißem Grund
Ein US-Supermarkt führt im Schnitt 33.248 Artikel, der erste kam 1930 mit gut 1.000 aus.

Weil Vielfalt verkauft und jede Nische Umsatz bringt. Ein US-Supermarkt führte 2025 im Schnitt 33.248 Artikel, der erste Supermarkt King Kullen kam 1930 mit gut 1.000 aus. In Deutschland wuchs das Sortiment eines Supermarkts von 9.643 Artikeln 2009 auf 14.876 im Jahr 2021/22.

Die Zahlen stammen vom US-Handelsverband FMI und vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI. Hinter dem Wachstum steckt dieselbe Logik wie bei Sloans Auto für jeden Geldbeutel: Jede zusätzliche Variante spricht eine Kundengruppe an, die das Standardprodukt verschmäht hätte, und belegt Regalfläche, die sonst die Konkurrenz bekäme.

Ob zu viel Auswahl Kunden lähmt, ist umstrittener, als ein berühmtes Experiment vermuten lässt. Die Psychologen Sheena Iyengar und Mark Lepper boten im Jahr 2000 in einem Supermarkt mal 24, mal sechs Marmeladen zur Probe an. Vor dem großen Sortiment blieben 60 Prozent der Passanten stehen, vor dem kleinen 40 Prozent.

Gekauft haben aber nur 3 Prozent derer, die vor dem großen Tisch probiert hatten, und 30 Prozent beim kleinen Angebot.

Benjamin Scheibehenne, Rainer Greifeneder und Peter Todd werteten 2010 dann 50 Experimente mit 5.036 Teilnehmern aus. Im Mittel fanden sie praktisch keinen Effekt, aber große Unterschiede zwischen den Studien.

Wie das Sortiment wuchs
Zahl der Artikel in amerikanischen Supermärkten seit 1930, dazu Kennzahlen zu Sortimenten in Deutschland und zur Mode.
King Kullen, 1930
1.000
der erste Supermarkt der USA, gut 1.000 Artikel
US-Supermarkt, 1960
6.000
durchschnittliches Sortiment
US-Supermarkt, 1980
14.000
durchschnittliches Sortiment
US-Supermarkt, 2025
33.248
durchschnittliches Sortiment
14.876
Artikel im Sortiment eines deutschen Supermarkts 2021/22, 2009 noch 9.643
2.020
Artikel führte ein deutscher Discounter 2016 im Schnitt
4.700
neue Designs stellte Shein im ersten Quartal 2026 täglich ein
95
Kleidungsstücke besaß ein Erwachsener 2015 im Schnitt, 40 Prozent davon kaum getragen

Die US-Werte stammen vom Handelsverband FMI, die deutschen Sortimentszahlen vom EHI Retail Institute. Die Shein-Zahl nennt der Entwurf des Börsenprospekts, die Kleiderzahl eine Umfrage im Auftrag von Greenpeace ohne Unterwäsche und Socken.

Am schnellsten dreht sich das Karussell in der Mode. Die Ellen MacArthur Foundation errechnete 2017, dass sich die weltweite Kleiderproduktion in 15 Jahren ungefähr verdoppelt hatte, während jedes Teil 36 Prozent seltener getragen wurde. Pro Sekunde landet demnach eine Lastwagenladung Textilien auf der Deponie oder in der Verbrennung, weniger als 1 Prozent des Materials wird zu neuer Kleidung. Zara brauchte schon 2004 nur rund 15 Tage vom Entwurf bis zum Ladenregal. Der Onlinehändler Shein stellte nach dem Entwurf seines Börsenprospekts im ersten Quartal 2026 täglich rund 4.700 neue Designs ein.

Eine Umfrage im Auftrag von Greenpeace zählte 2015 im Schnitt 95 Kleidungsstücke pro Erwachsenem in Deutschland, Unterwäsche und Socken nicht mitgerechnet. Rund 40 Prozent davon trugen die Befragten selten oder so gut wie nie. 2025 lag der Bestand bei knapp 90 Kleidungsstücken.

Auf den Punkt

Mehr Varianten sichern Regalplatz und erreichen neue Kundengruppen, ob sie Käufer verwirren, ist wissenschaftlich offen. Am deutlichsten zeigt die Mode die Folgen: doppelt so viel Kleidung, die deutlich seltener getragen wird.

Wie hoch türmen sich die Müllberge heute?

Ein weißer Treteimer mit Aufkleber quillt über mit kleinen orangefarbenen Schachteln
2023 fielen in Deutschland 213,6 Kilogramm Verpackungsabfall pro Kopf an.

Weltweit fielen 2023 rund 2,1 Milliarden Tonnen Siedlungsabfall an, bis 2050 erwartet das UN-Umweltprogramm 3,8 Milliarden Tonnen. In Deutschland landeten 2024 pro Einwohner 452 Kilogramm Haushaltsabfall in Tonnen, Säcken und Containern.

Die Zahlen stammen aus dem Global Waste Management Outlook, den das UN-Umweltprogramm UNEP 2024 gemeinsam mit dem Abfallverband ISWA vorgelegt hat. Der Bericht beziffert auch die Rechnung: Sammeln, Sortieren und Entsorgen kosteten 2020 weltweit umgerechnet rund 225 Milliarden Euro. Mit Luftverschmutzung, Gesundheitsschäden und Klimafolgen steigt die Summe auf rund 323 Milliarden Euro.

Ohne Gegensteuern könnten die jährlichen Kosten bis 2050 auf rund 572 Milliarden Euro steigen.

Die Weltbank kommt in ihrer jüngsten Auswertung What a Waste 3.0 für 2022 sogar auf 2,56 Milliarden Tonnen, eine Menge, die ihre Ökonomen 2018 erst für 2030 erwartet hatten.

Der Müll verteilt sich so ungleich wie der Konsum. Länder mit hohem Einkommen stellen nach der Weltbank-Auswertung 16 Prozent der Weltbevölkerung und erzeugen 29 Prozent des Siedlungsabfalls.

Elektroschrott, Verpackungen, Kleidung

Besonders rasant wächst der Elektroschrott. Der Global E-Waste Monitor von ITU und UNITAR zählte 2022 weltweit 62 Millionen Tonnen ausgedienter Geräte, 82 Prozent mehr als 2010. Nur 22,3 Prozent davon wurden nachweislich gesammelt und recycelt. Europa erzeugt mit 17,6 Kilogramm pro Kopf mehr E-Schrott als jede andere Weltregion, bis 2030 rechnen die Autoren weltweit mit 82 Millionen Tonnen.

Bei den Verpackungen liegt Deutschland heute über dem Stand der frühen 1990er-Jahre. Das Umweltbundesamt zählte für 2023 genau 17,92 Millionen Tonnen Verpackungsabfall, das sind 213,6 Kilogramm pro Kopf. 1991 lag der Wert bei 192,3 Kilogramm, 2018 mit 227,5 Kilogramm so hoch wie nie. Die Recyclingquote stieg zwar auf 69,4 Prozent, die Menge selbst liegt aber weiter über dem Wert von 1991.

Was die Konsumgesellschaft hinterlässt
Verpackungsabfall pro Kopf in Deutschland aus allen Quellen, dazu Kennzahlen zu Siedlungsabfall, Elektroschrott und Textilien. Der dunkle Balken markiert den Höchstwert.
1991
192,3 kg
Ausgangsjahr der Statistik des Umweltbundesamts
1995
169,8 kg
Tiefstwert der Reihe
2018
227,5 kg
Höchstwert der Reihe
2022
226,9 kg
19,02 Millionen Tonnen insgesamt
2023
213,6 kg
17,92 Millionen Tonnen, Recyclingquote 69,4 Prozent
2,1 Mrd. t
Siedlungsabfall fielen 2023 weltweit an, bis 2050 erwartet UNEP 3,8 Milliarden Tonnen
62 Mio. t
Elektroschrott 2022, nur 22,3 Prozent nachweislich gesammelt und recycelt
16 kg
Textilabfall pro Kopf in der EU 2020, davon 4,4 Kilogramm getrennt gesammelt
452 kg
Haushaltsabfall pro Einwohner in Deutschland 2024

Der Verpackungsabfall umfasst private Haushalte, Gewerbe und Industrie. Auf den privaten Endverbrauch entfielen 2023 rund 100 Kilogramm pro Kopf, 1991 rund 96 Kilogramm.

Ob Recycling die Wegwerfgesellschaft beenden kann, ist deshalb mehr als eine Frage der Sortiertechnik. Wiederverwerten setzt am Ende der Kette an, die Menge entsteht am Anfang.

Bei der Kleidung zeigt die Europäische Umweltagentur, wie schnell sich ein Konsummuster verschiebt. 2022 kaufte jeder Mensch in der EU im Schnitt 19 Kilogramm Kleidung, Schuhe und Heimtextilien, 2019 noch 17 Kilogramm. Von rund 16 Kilogramm Textilabfall pro Kopf im Jahr 2020 wurden nur 4,4 Kilogramm getrennt gesammelt, der Rest landete im Restmüll. Der Onlinehandel hat eine neue Abfallquelle geschaffen, die Rücksendung. Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg schätzte für 2021 fast 530 Millionen Retourensendungen in Deutschland mit rund 1,3 Milliarden Artikeln, ungefähr jedes vierte Paket ging zurück.

Den Gesamtverbrauch an Ressourcen misst das Global Footprint Network mit dem Erdüberlastungstag. Für 2026 fiel er für Deutschland auf den 10. Mai, wie der Umweltverband BUND mitteilte. Würden alle Menschen so leben wie die Deutschen, bräuchte die Menschheit rund drei Erden.

Auf den Punkt

Die weltweite Menge an Siedlungsabfall soll bis 2050 um rund 80 Prozent wachsen, besonders schnell wächst der Elektroschrott. Deutschland recycelt viel, erzeugt aber mehr Verpackungsabfall pro Kopf als 1991.

Wie viele Arbeitsplätze hängen am Konsum?

Ein weißer Halbschuh mit Metalleinsatz im Fersenbereich neben einem Hammer mit orangefarbenem Griff
Die Zahl der Schuhmacherbetriebe sank von 6.141 im Jahr 1998 auf 1.410 Ende 2025.

Mehr als die Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung fließt in den privaten Konsum, 2025 lag der Anteil bei 54,1 Prozent. Allein der Einzelhandel beschäftigt gut 3,1 Millionen Menschen, hinzu kommen Industrie, Logistik, Gastgewerbe und Werbung.

Das Statistische Bundesamt beziffert die privaten Konsumausgaben für 2025 auf 2.449 Milliarden Euro bei einem Bruttoinlandsprodukt von 4.530 Milliarden Euro. In den USA liegt der Anteil nach den Zahlen des Bureau of Economic Analysis bei 68,1 Prozent. Konjunkturprognosen beginnen deshalb fast immer mit der Frage, ob die Verbraucher kaufen.

Der Handelsverband HDE zählte im Herbst 2024 genau 3.124.777 Beschäftigte im Einzelhandel, gut eine Million davon in Teilzeit und rund 825.000 in Minijobs.

Mandevilles alte These bestätigt sich insoweit. Der Massenkonsum hat Fabrikarbeiter zu Kunden gemacht, und die Beschäftigung hat sich vom Werk in Handel und Dienstleistungen verlagert. 1991 arbeiteten noch 35,6 Prozent der Erwerbstätigen im Produzierenden Gewerbe, 2025 nur noch 22,8 Prozent. Der Anteil der Dienstleistungen stieg auf 75,9 Prozent, rund zehn Millionen Menschen arbeiten heute in Handel, Verkehr und Gastgewerbe.

Waren werden billiger, Handgriffe teurer

Wie stark die Fabrik die Dinge verbilligt hat, rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft in Arbeitszeit nach. Für einen Schwarz-Weiß-Fernseher mussten Arbeitnehmer 1960 mehr als 339 Stunden arbeiten, für einen 40-Zoll-Smart-TV 2018 rund 24 Stunden. 500 Gramm Kaffee kosteten 1960 dreieinhalb Stunden Arbeit, 2018 noch 20 Minuten. Ein Herrenhemd fiel von fast acht Stunden auf gut zwei.

Beim Friseur lief die Entwicklung andersherum: Ein Herrenhaarschnitt kostete 1960 umgerechnet 42 Minuten Arbeit, 2018 eine Stunde und 16 Minuten.

Die beiden Zahlenreihen erklären den Niedergang der Reparatur besser als jede Verschwörungstheorie. Maschinen machen Waren mit jedem Jahr billiger, eine Stunde Handarbeit in der Werkstatt wird mit den Löhnen teurer. Irgendwann kostet der Austausch eines Displays mehr als ein neues Gerät, und der Kunde entscheidet sich rational für den Müll.

Die Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks zeigen die Folgen: Seit 1998 haben mehr als drei Viertel der Schuhmacherbetriebe aufgegeben, bei den Radio- und Fernsehtechnikern knapp zwei Drittel.

GewerkBetriebe 1998Betriebe 2025Veränderung
Schuhmacher6.1411.410−77 %
Informationstechniker (früher Radio- und Fernsehtechniker)14.8665.655−62 %
Uhrmacher4.5992.075−55 %
Betriebsbestand jeweils zum 31. Dezember. Die Handwerksreform von 2004 hat die Gewerke neu geordnet, die Reihen sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar. Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks, Betriebsstatistik.

Die Arbeit ist nur umgezogen

Viele Arbeitsplätze der Konsumgesellschaft liegen heute nicht mehr dort, wo gekauft wird. Die Bekleidungsindustrie beschäftigt nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO weltweit mehr als 90 Millionen Menschen, überwiegend Frauen und zu drei Vierteln in Asien. In Bangladesch nähen rund vier Millionen Menschen für den Weltmarkt, Kleidung macht gut 80 Prozent der Exporterlöse des Landes aus. Am 24. April 2013 stürzte in Savar bei Dhaka das Fabrikgebäude Rana Plaza ein. 1.134 Menschen starben, mehr als 2.500 wurden verletzt.

Unsere Einordnung: Das Argument, Konsum schaffe Arbeit, stimmt, aber nur in der Gesamtrechnung. Die Rechnung verschweigt, welche Arbeit entsteht und wo. Weggefallen sind die Flickschuster und Fernsehtechniker um die Ecke, entstanden sind Stellen an Kassen, in Versandlagern und in Nähfabriken am anderen Ende der Welt. Eine Wirtschaft, die vom Ersetzen lebt, beschäftigt Menschen vor allem beim Herstellen und Verkaufen, kaum beim Erhalten.

Auf den Punkt

Der private Konsum hält mehr als die Hälfte der deutschen Wirtschaft in Gang und sichert Millionen Stellen im Handel. Weil Waren immer billiger und Arbeitsstunden immer teurer werden, verliert die Reparatur gegen den Neukauf, und mit ihr verschwinden die Werkstätten.

Kommt die Reparatur zurück?

Geöffnetes Handy, orangefarbener Akku, Schraubenzieher und Notiz auf weiß
Seit Juni 2025 müssen Smartphone-Akkus 800 Ladezyklen mit 80 Prozent Kapazität überstehen.

Per Gesetz ja. Seit dem 31. Juli 2026 gilt in der EU das Recht auf Reparatur: Hersteller von Waschmaschinen, Kühlschränken, Smartphones und weiteren Geräten müssen auch nach Ablauf der Gewährleistung reparieren. In Deutschland stehen die Regeln seit dem 23. Juli 2026 im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Die EU-Richtlinie 2024/1799 nennt in ihrem Anhang die betroffenen Produktgruppen: Waschmaschinen und Waschtrockner, Geschirrspüler, Kühlgeräte, Bildschirme, Staubsauger, Telefone und Tablets, Wäschetrockner, Schweißgeräte, Server und Akkus für leichte Elektrofahrzeuge, seit Juli 2026 auch Raumheizgeräte. Entscheiden sich Kunden innerhalb der Gewährleistung für eine Reparatur statt für ein Ersatzgerät, verlängert sich die Gewährleistung um zwölf Monate.

Der Bundestag verabschiedete das Umsetzungsgesetz am 25. Juni 2026, die neuen Pflichten stehen ab Paragraf 479a des BGB und gelten für Kaufverträge ab dem 31. Juli 2026. Die Abgeordneten baten die Bundesregierung zudem zu prüfen, ob sich Reparaturen über einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz und einen von Herstellern finanzierten Reparaturbonus nach französischem Vorbild fördern lassen.

Frankreich ging früh voran. Seit 2015 ist geplante Obsoleszenz dort eine Straftat, die mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe geahndet werden kann, die Strafe kann auf bis zu 5 Prozent des Jahresumsatzes steigen.

Seit 2021 müssen Händler einen Reparierbarkeitsindex angeben, für Fernseher gilt seit dem 8. Januar 2025 und für Waschmaschinen seit dem 8. April 2025 ein umfassenderer Haltbarkeitsindex.

Für Smartphones und Tablets gelten seit dem 20. Juni 2025 strenge Ökodesign-Regeln der EU. Akkus müssen 800 Ladezyklen überstehen und danach noch 80 Prozent ihrer Kapazität haben. Ersatzteile müssen sieben Jahre nach dem Verkaufsende lieferbar sein, Betriebssystem-Updates fünf Jahre lang. Ein Etikett zeigt die Reparierbarkeit in den Klassen A bis E.

Bei den Zuschüssen wird dagegen gespart. Thüringen zahlte ab Juni 2021 die Hälfte der Reparaturkosten, bis zu 100 Euro pro Person und Jahr, rund 50.000 Geräte wurden so repariert. Zum Jahresbeginn 2026 strich das Land den Bonus aus Haushaltsgründen.

Sachsen erstattet weiterhin die Hälfte, bis zu 200 Euro pro Reparatur, eine bundesweite Förderung hatte die Bundesregierung 2024 abgelehnt.

Von unten wächst die Bewegung schneller. Am 18. Oktober 2009 lud Martine Postma in Amsterdam zum ersten Repair Café ein, heute verzeichnet das Netzwerk mehr als 4.000 Treffpunkte weltweit. Ob sich Reparieren noch lohnt, hängt dort wie überall vom Ersatzteil ab: Ist ein passendes Teil zu einem vernünftigen Preis lieferbar, kommt das Gerät zurück in den Haushalt.

Auf den Punkt
  • Recht auf Reparatur: Seit 31. Juli 2026 müssen Hersteller bestimmter Geräte auch nach der Gewährleistung reparieren.
  • Ökodesign: Smartphones brauchen seit Juni 2025 haltbare Akkus, sieben Jahre Ersatzteile und fünf Jahre Updates.
  • Förderung: Thüringen hat seinen Reparaturbonus gestrichen, Sachsen zahlt weiter.

Was bedeutet die Geschichte des Konsums für Unternehmen?

Offene Plastikbox mit Fächern, gefüllt mit Kleinteilen wie Schrauben, Muttern und Federn
Für Smartphones müssen Hersteller Ersatzteile sieben Jahre nach dem Verkaufsende liefern können.

Die Zeit, in der Hersteller allein am Neukauf verdienen, geht zu Ende. Reparaturpflicht, Ersatzteilfristen und Update-Zusagen machen die Lebensdauer eines Produkts zu einer Kostenposition, die schon in der Entwicklung feststehen muss.

Für Hersteller von Elektronik und Haushaltsgeräten heißt das konkret: Ersatzteile bevorraten, bei Smartphones mindestens sieben Jahre lang, Reparaturpreise kalkulieren, die Kunden nicht abschrecken, und Software so lange pflegen, wie das Gerät laufen soll. Wer diese Fristen erst nach dem Marktstart bedenkt, zahlt doppelt, einmal für das Lager und einmal für die Nachentwicklung. Die Umweltbilanz spricht ebenfalls für die Langlebigkeit. Nach der Studie des Umweltbundesamts verursacht eine Waschmaschine, die nur fünf Jahre läuft, über den Lebenszyklus gerechnet rund 40 Prozent mehr Treibhausgase pro Nutzungsjahr als ein Gerät, das 20 Jahre hält.

Neue Geschäftsmodelle verdienen am Erhalten statt am Ersetzen: Reparaturdienste, Händler für generalüberholte Geräte, Ersatzteilplattformen und Mietmodelle, bei denen der Hersteller Eigentümer bleibt und an jedem zusätzlichen Nutzungsjahr verdient. Für Gründer liegt dort ein Markt, den das Gesetz gerade erst öffnet.

Unsere Einschätzung: Die Konsumgesellschaft hat Millionen Menschen aus der Knappheit geholt, ein Fernseher kostet heute einen Bruchteil der Arbeitszeit von 1960. Der Konstruktionsfehler der Konsumgesellschaft liegt im Takt. Im 18. Jahrhundert flickten die Menschen ihre Dinge, bis nur noch der Lumpensammler sie wollte, heute muss ein Shein-Kleid nur bis zur nächsten Kollektion halten.

Wir halten das Recht auf Reparatur deshalb für die wichtigste Wende seit dem Phoebus-Kartell, nur in die Gegenrichtung.

Auf den Punkt

Mit Reparaturpflicht und Ökodesign wird Haltbarkeit zur Pflichtaufgabe der Produktentwicklung. Unternehmen, die Ersatzteile, Updates und Reparaturpreise früh einplanen, sparen Kosten und erschließen Märkte, die am Erhalten verdienen.

Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zur Geschichte der Konsumgesellschaft

Aufgeschlagenes Buch mit orangefarbener Glühbirne und Aufschrift GEISTESBLITZ auf weißem Grund
Von Arbeitsteilung bis Wegwerfgesellschaft: die wichtigsten Begriffe zur Geschichte des Konsums.

Arbeitsteilung

Arbeitsteilung bedeutet, dass ein Herstellungsvorgang in viele einzelne Schritte zerlegt wird, die jeweils andere Personen oder Maschinen übernehmen. Adam Smith beschrieb 1776 am Beispiel einer Stecknadelmanufaktur, wie stark die Leistung dadurch steigt. Arbeitsteilung machte Waren billig genug für den Massenkonsum.

Fordismus

Fordismus heißt das Wirtschaftsmodell aus Massenproduktion am Fließband und Löhnen, die den Beschäftigten den Kauf der eigenen Produkte erlauben. Der Name geht auf Henry Ford zurück, der 1913 das Fließband einführte und 1914 den Tageslohn mehr als verdoppelte. Das Modell prägte die Industrieländer bis in die 1970er-Jahre.

Geltungskonsum

Geltungskonsum beschreibt Käufe, die vor allem Ansehen und gesellschaftlichen Rang zeigen sollen. Der Ökonom Thorstein Veblen prägte dafür 1899 den Begriff conspicuous consumption. Typische Beispiele sind Luxusautos, Markenkleidung und teure Uhren, deren Preis selbst Teil der Botschaft ist.

Geplante Obsoleszenz

Geplante Obsoleszenz bezeichnet die absichtliche Verkürzung der Nutzungsdauer eines Produkts durch den Hersteller. Belegt ist sie etwa beim Phoebus-Kartell der Glühlampenhersteller ab 1925. In Frankreich ist sie seit 2015 eine Straftat, in Deutschland konnte eine Studie des Umweltbundesamts 2016 keinen gezielt eingebauten Defekt nachweisen.

Gewährleistung

Gewährleistung nennt man die gesetzliche Haftung des Verkäufers für Mängel, die beim Kauf schon vorhanden waren. Die Frist beträgt in Deutschland zwei Jahre, anders als die freiwillige Garantie eines Herstellers gilt die Gewährleistung kraft Gesetzes. Wählen Kunden die Reparatur statt eines Ersatzgeräts, verlängert sich die Gewährleistung seit Juli 2026 um zwölf Monate.

Kartell

Kartell heißt eine Absprache zwischen Unternehmen, die eigentlich im Wettbewerb stehen, etwa über Preise, Mengen oder Produkteigenschaften. Das Phoebus-Kartell legte von 1925 bis 1940 die Brenndauer von Glühbirnen fest. Heute verbietet das Kartellrecht solche Vereinbarungen und ahndet sie mit hohen Bußgeldern.

Konsumrevolution

Konsumrevolution nennen Historiker den Aufschwung des Konsums im England des 18. Jahrhunderts. Neil McKendrick, John Brewer und J. H. Plumb beschrieben 1982, wie breite Schichten erstmals Geschirr, Stoffe und Möbel nach der Mode kauften. Die Konsumrevolution ging der Industrialisierung teilweise voraus.

Markenartikel

Markenartikel sind Waren, die unter einem geschützten Namen in gleicher Qualität und Verpackung verkauft werden. In Deutschland lassen sich seit 1894 auch reine Wortmarken eintragen. Frühe Beispiele sind das Mundwasser Odol und das Waschmittel Persil, die feste Erwartungen an die Ware weckten.

Motivforschung

Motivforschung bezeichnet eine Richtung der Marktforschung, die mit psychologischen Tiefeninterviews unbewusste Kaufmotive ermitteln will. Bekannt machte sie der Psychologe Ernest Dichter in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Vance Packard kritisierte die Methode 1957 in seinem Buch The Hidden Persuaders.

Ökodesign

Ökodesign heißt der EU-Rahmen, der Mindestanforderungen an Energieverbrauch, Haltbarkeit und Reparierbarkeit von Produkten festlegt. Für Smartphones und Tablets verlangt er seit Juni 2025 etwa Akkus mit 800 Ladezyklen, sieben Jahre Ersatzteile und fünf Jahre Software-Updates.

Recht auf Reparatur

Recht auf Reparatur nennt man die EU-Richtlinie 2024/1799, die seit dem 31. Juli 2026 gilt. Hersteller bestimmter Geräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke und Smartphones müssen diese auch nach Ablauf der Gewährleistung reparieren. In Deutschland stehen die Regeln im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Reparierbarkeitsindex

Reparierbarkeitsindex heißt eine Kennzeichnung, die in Frankreich seit 2021 auf Elektrogeräten angibt, wie leicht sich ein Produkt reparieren lässt. Für Fernseher und Waschmaschinen hat ihn 2025 ein umfassenderer Haltbarkeitsindex abgelöst. Die EU übernimmt die Idee mit der Reparaturklasse auf dem Energielabel von Smartphones.

Selbstbedienung

Selbstbedienung bedeutet, dass Kunden ihre Waren selbst aus dem Regal nehmen und an der Kasse bezahlen, statt sie sich über die Theke reichen zu lassen. In Westdeutschland öffneten 1949 die ersten Selbstbedienungsläden, 1960 existierten mehr als 17.000. Das Prinzip senkte Personalkosten und förderte spontane Käufe.

Siedlungsabfall

Siedlungsabfall umfasst den Abfall aus Haushalten sowie ähnliche Abfälle aus Gewerbe und Verwaltung, etwa Restmüll, Bioabfall, Verpackungen und Sperrmüll. Weltweit fielen 2023 nach Zahlen des UN-Umweltprogramms rund 2,1 Milliarden Tonnen an. Bau- und Industrieabfälle zählen nicht dazu.

Wegwerfgesellschaft

Wegwerfgesellschaft ist ein kritischer Begriff für eine Gesellschaft, in der Dinge nach kurzer Nutzung ersetzt statt repariert werden. Das US-Magazin Life feierte 1955 unter dem Titel Throwaway Living noch das Einweggeschirr. Heute steht der Begriff für Müllberge, Ressourcenverbrauch und den Verlust an Reparaturhandwerk.

FAQ: Die Konsumgesellschaft begann in einer Töpferei

Weißes Fragezeichen und Espressotasse mit Henkel auf weißem Grund
Häufige Fragen zur Geschichte der Konsumgesellschaft.

Was versteht man unter einer Konsumgesellschaft?

Eine Konsumgesellschaft ist eine Gesellschaft, in der der Kauf von Waren und Dienstleistungen weit über den Grundbedarf hinausgeht und Wirtschaft, Alltag und Selbstbild prägt. In Deutschland macht der private Konsum mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus, 2025 waren das 54,1 Prozent.

Wann ist die Konsumgesellschaft entstanden?

Historiker setzen den Beginn im England des 18. Jahrhunderts an, als Arbeitsteilung die Waren verbilligte und Unternehmer wie Josiah Wedgwood mit Showroom und Katalog verkauften. Zum Massenphänomen wurde der Konsum mit Fließband und Warenhaus, in Westdeutschland nach der Währungsreform von 1948.

Existiert geplante Obsoleszenz wirklich?

Ja, im Einzelfall ist sie belegt. Das Phoebus-Kartell begrenzte ab 1925 die Brenndauer von Glühbirnen auf 1.000 Stunden. Eine Studie des Umweltbundesamts fand 2016 aber keinen Nachweis für gezielt eingebaute Defekte, häufiger ersetzen Kunden funktionierende Geräte.

Was regelt das Recht auf Reparatur?

Seit dem 31. Juli 2026 müssen Hersteller bestimmter Geräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke, Staubsauger und Smartphones diese auch nach Ablauf der Gewährleistung reparieren. Wählen Kunden innerhalb der Gewährleistung die Reparatur, verlängert sich die Frist um zwölf Monate.

Warum lohnt sich Reparieren oft nicht mehr?

Weil Waren durch Massenproduktion immer billiger werden, Handarbeit aber mit den Löhnen teurer. Ein Fernseher kostete 1960 mehr als 339 Arbeitsstunden, 2018 rund 24. Ein Herrenhaarschnitt dagegen kostet heute mehr Arbeitszeit als 1960, und dasselbe gilt für Reparaturen.

Wie viel Müll erzeugt jeder Deutsche im Jahr?

2024 fielen pro Einwohner 452 Kilogramm Haushaltsabfall an, darunter 187 Kilogramm Haus- und Sperrmüll und 128 Kilogramm Bioabfall. Verpackungsabfall aus allen Quellen summierte sich 2023 auf 213,6 Kilogramm pro Kopf.

Quellen

99 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 09.10.2026
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