400.000 WordPress-Sites infiziert: Wie ein Plugin-Käufer das Vertrauensmodell sprengt

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
Aktualisiert:
5 Min. Lesezeit
400.000 WordPress-Sites infiziert: Wie ein Plugin-Käufer das Vertrauensmodell sprengt

Mit dem WordPress-Plugin-Backdoor hat ein Angreifer 400.000 Sites über einen Marktplatz-Kauf infiltriert. Stellen Sie sich vor, jemand kauft eine vertrauenswürdige Plugin-Sammlung auf Flippa und schiebt acht Monate später eine Hintertür in jede einzelne Installation.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Angreifer kaufte das gesamte Essential-Plugin-Portfolio mit über 30 WordPress-Plugins für eine sechsstellige Summe auf Flippa
  • Insgesamt waren mehr als 400.000 Installationen betroffen
  • Der erste Code-Commit des neuen Eigentümers war eine PHP-Deserialisierungs-Backdoor
  • WordPress.org schloss alle 31 Plugins an einem einzigen Tag

Was ist genau passiert?

Offenes oranges Vorhängeschloss mit Schlüssel und „SOLD“-Anhänger sowie Zettel mit „31 Plugins“
Essential-Plugin-Portfolio mit über 30 WordPress-Plugins und 400.000 Installationen auf Flippa für sechsstellige Summe verkauft. Käufer implantierte PHP-Deserialisierungs-Backdoor

Die Übernahme verlief unauffällig. Auf dem digitalen Marktplatz Flippa wurde das Essential-Plugin-Portfolio mit über 30 WordPress-Plugins und insgesamt mehr als 400.000 Installationen für eine sechsstellige Summe verkauft. Der Käufer übernahm damit nicht nur den Code, sondern auch den WordPress.org-Commit-Zugang.

Sein erster Code-Commit war eine PHP-Deserialisierungs-Backdoor. Sie blieb acht Monate inaktiv. Im April 2026 wurde sie aktiviert. Auf jeder Website mit den infizierten Plugins lud sie eine Datei namens wp-comments-posts.php, deren Name absichtlich der legitimen WordPress-Datei wp-comments-post.php ähnelte. Die Backdoor injizierte PHP-Code in wp-config.php und servierte SEO-Spam exklusiv an den Googlebot, blieb für Site-Eigentümer aber unsichtbar.

Warum ist der Angriff besonders heikel?

Ein Vorhängeschloss mit einem Bügel aus gedrehten Nudeln und der Gravur „TREUHAND“ vor weißem Hintergrund
Botnetz nutzte Ethereum-Smart-Contract für Domain-Auflösung, um klassischen Takedowns zu entgehen. Gleiche Methode wie beim CanisterWorm-Angriff 2026

Die Tarnung war professionell. Die Command-and-Control-Infrastruktur nutzte einen Ethereum-Smart-Contract zur Domain-Auflösung. Klassische Domain-Takedowns funktionieren so nicht, weil der Angreifer die Smart-Contract-Konfiguration jederzeit auf eine neue Domain umstellen kann. Dieselbe Technik wurde im März 2026 beim CanisterWorm-Supply-Chain-Angriff beobachtet.

Der Sicherheitsforscher Austin Ginder von Anchor Hosting verfolgte die Zeitachse über 939 Backup-Snapshots und konnte das Injektions-Fenster auf einen sechsstündigen 44-Minuten-Zeitraum am 6. April eingrenzen. Diese Forensik-Methode lässt sich auf jede Produktivumgebung mit Backups übertragen.

Der Angriff trifft das Vertrauensmodell von WordPress ins Mark. Wer 2026 noch glaubt, ein Plugin sei nach der Installation für immer sicher, hat den Marktplatz nicht verstanden. Maintainer können verkauft werden, das ist die strukturelle Wahrheit.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Welche Plugins sind betroffen?

Text „INFIZIERTE PLUGINS“ über offenem Safe mit Bananenschale
WordPress.org sperrte 31 Essential-Plugins nach Backdoor-Fund. Nutzer sollten betroffene Plugins manuell deaktivieren und entfernen

WordPress.org schloss alle 31 Plugins der Essential-Plugin-Sammlung an einem einzigen Tag. Wer diese Plugins installiert hat, wurde aus dem WordPress-Repository nicht mehr automatisch versorgt. Site-Betreiber sollten die Plugins dennoch manuell deaktivieren und entfernen, weil die Backdoor bereits aktiv sein kann.

Der Angriffsmuster ist nicht WordPress-spezifisch. Es nutzt eine strukturelle Schwäche jedes Paket-Ökosystems, in dem Maintainer-Schaft übertragen werden kann. NPM, PyPI, Browser-Extension-Stores und der VS-Code-Marketplace stehen vor demselben Risiko. KI-gestützte Angreifer beschleunigen genau diese Klasse von Angriffen.

Plugin-Name WordPress-Slug
Countdown Timer Ultimatecountdown-timer-ultimate
Popup Anything on Clickpopup-anything-on-click
WP Testimonial with Widgetwp-testimonial-with-widget
WP Team Showcase and Sliderwp-team-showcase-and-slider
Responsive WP FAQ with Categorysp-faq
SP News and Widgetsp-news-and-widget
WP Blog and Widgetswp-blog-and-widgets
Album and Image Gallery plus Lightboxalbum-and-image-gallery-plus-lightbox
Timeline and History Slidertimeline-and-history-slider
Featured Post Creativefeatured-post-creative
Post Grid and Filter Ultimatepost-grid-and-filter-ultimate
Footer Mega Grid Columnsfooter-mega-grid-columns
WP Responsive Recent Post Sliderwp-responsive-recent-post-slider
WP Slick Slider and Image Carouselwp-slick-slider-and-image-carousel
WP Featured Content and Sliderwp-featured-content-and-slider
Hero Banner Ultimatehero-banner-ultimate
Preloader for Websitepreloader-for-website
Accordion and Accordion Slideraccordion-and-accordion-slider
Portfolio and Projectsportfolio-and-projects
Ticker Ultimateticker-ultimate
WP Trending Post Slider and Widgetwp-trending-post-slider-and-widget
Woo Product Slider and Carousel with Categorywoo-product-slider-and-carousel-with-category
Audio Player with Playlist Ultimateaudio-player-with-playlist-ultimate
Meta Slider and Carousel with Lightboxmeta-slider-and-carousel-with-lightbox
Post Category Image with Grid and Sliderpost-category-image-with-grid-and-slider
Product Categories Designs for WooCommerceproduct-categories-designs-for-woocommerce
Blog Designer for Post and Widgetblog-designer-for-post-and-widget
HTML5 VideoGallery Plus Playerhtml5-videogallery-plus-player
SlidersPack – All in One Image Sliderssliderspack-all-in-one-image-sliders
Styles for WP PageNavi – Addonstyles-for-wp-pagenavi-addon
WP Logo Showcase Responsive Slider and Carouselwp-logo-showcase-responsive-slider-slider

Die Slugs sind besonders nützlich für Hoster und Agenturen, die mehrere WordPress-Sites verwalten: Per Kommando lässt sich der gesamte Server-Bestand automatisiert auf diese Verzeichnisnamen unter /wp-content/plugins/ prüfen.

Das Angriffsmuster ist nicht WordPress-spezifisch. Es nutzt eine strukturelle Schwäche jedes Paket-Ökosystems, in dem Maintainer-Schaft übertragen werden kann. NPM, PyPI, Browser-Extension-Stores und der VS-Code-Marketplace stehen vor demselben Risiko. KI-gestützte Angreifer beschleunigen genau diese Klasse von Angriffen.

Welche Lehren ziehen Site-Betreiber?

Weiße Porzellanburg mit rotem Schlüssel und Preisschild davor vor grauem Hintergrund
Plugin-Eigentümerwechsel überwachen, Backup-Forensik aufbauen und Software-Bill-of-Materials für WordPress implementieren zum Schutz vor Supply-Chain-Angriffen

Vier Punkte.

1. Plugin-Eigentümerwechsel überwachen.
Wer im Plugin-Repository nach Verkaufs-Hinweisen oder neuen Maintainern schaut, erkennt den ersten Schritt eines Supply-Chain-Angriffs früher.

2. Backup-Forensik-Fähigkeit aufbauen.
Wer Backups nicht nur hat, sondern auch zwischen ihnen vergleichen kann, identifiziert Injektionen schnell.

3. SBOM für WordPress.
Welche Plugins laufen, in welcher Version, von welchem Maintainer?

4. Cloaking-Detection.
Wenn nur der Googlebot Spam sieht und Site-Betreiber nichts auffällt, schützt nur eine externe Crawler-Prüfung.

Was sollten WordPress-Verantwortliche jetzt sofort tun?

Grünes WordPress-Schild mit offenem Schloss und Text
Drei Sofortmaßnahmen gegen Malware: Essential-Plugins deaktivieren, Google Search Console prüfen, Hosting-Provider für Backup-Wiederherstellung kontaktieren

Drei Sofortmaßnahmen.

1. Plugin-Bestand prüfen.
Sind Plugins der Essential-Sammlung installiert? Falls ja, sofort deaktivieren, entfernen und die wp-config.php manuell auf injizierten PHP-Code prüfen.

2. Google Search Console öffnen und auf manuelle Aktionen oder Spam-Hinweise prüfen.

3. Hosting-Provider, z. B. Word Press Hoster, kontaktieren und ein Restore aus dem letzten Backup vor dem 6. April 2026 in Betracht ziehen, falls verfügbar.

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Quellen

InfoQ – Attacker Bought 30 WordPress Plugins on Flippa and Backdoored All of Them – https://www.infoq.com/news/2026/05/wordpress-plugins-supply-chain/ – besucht am 08.05.2026

Anchor Hosting – Forensic analysis by Austin Ginder – https://anchor.host/ – besucht am 08.05.2026

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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2 Kommentare

  1. Rainer Zufall

    Danke!
    Zu „Welche Plugins sind betroffen?“ Ja, welche?
    Ich kenne keine „Essential-Plugin-Sammlung“ und viele andere Web-Betreiber vllt. auch nicht.
    Aber man sollte wenigstens die Namen der betroffenen Plugins nennen …

  2. Michael Dobler

    Hallo Rainer,

    danke für den berechtigten Hinweis! Sie haben absolut recht — die Liste der konkreten Plugin-Namen gehörte von Anfang an in den Artikel. Wir haben das jetzt nachgereicht: Im Abschnitt „Welche Plugins sind betroffen?“ finden Sie die vollständige Liste aller 31 Plugins der Essential-Plugin-Sammlung mit den WordPress-Slugs zur Identifikation im Backend.

    Die Plugin-Sammlung lief unter dem Namen Essential Plugin (vormals WP Online Support) und umfasste vor allem Slider-, Gallery-, Testimonial- und WooCommerce-Erweiterungen. Wer eines der Plugins im Verzeichnis /wp-content/plugins/ findet, sollte es deaktivieren, entfernen und die wp-config.php manuell auf injizierten PHP-Code prüfen.

    Vielen Dank fürs Mitdenken — genau solche Hinweise machen den DrWeb-Kommentarbereich wertvoll.

    LG

    Michael

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