Die US-Regierung verschiebt die geplante Sperre gegen den chinesischen KI-Anbieter DeepSeek. Über 100 weitere Firmen stehen ebenfalls auf der internen Risikoliste. Für europäische Unternehmen, die KI-Modelle einkaufen, wird die Frage nach der Herkunft damit drängender.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Sperre gegen DeepSeek liegt vorerst auf Eis, obwohl ein US-Ausschuss das Unternehmen längst für die Entity List freigegeben hat. Medienberichten zufolge fürchtet die Regierung eine Eskalation mit Peking und hält die Maßnahme zurück. Mehr als 100 Firmen aus Halbleiter- und KI-Branche sind betroffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein US-Interagency-Ausschuss hatte DeepSeek für die Handels-Schwarzliste freigegeben.
- Die Regierung hält die Sperre zurück, um den Handelsstreit mit China nicht anzuheizen.
- Mindestens 75 chinesische Firmen aus Chipproduktion und KI stehen auf der Liste.
- DeepSeek soll laut US-Stellen Militär und Geheimdienste unterstützt haben.
Warum sitzt DeepSeek auf der Risikoliste?

US-Stellen werfen DeepSeek vor, Chinas Militär und Geheimdienste zu unterstützen und über Briefkastenfirmen in Südostasien an gesperrte US-Chips zu gelangen. Auch Anthropic und OpenAI melden Versuche, ihre Modelle unrechtmäßig auszulesen.
DeepSeek hatte im Januar 2025 mit einem extrem günstigen Modell die Branche aufgeschreckt. Seitdem steht der Anbieter unter Beobachtung. Anthropic berichtet von einer Kampagne, bei der DeepSeek und zwei weitere chinesische Labore Fähigkeiten aus der Claude-Plattform abziehen wollten. OpenAI warnte den US-Kongress vor ähnlichen Zugriffen.
Trotz dieser Vorwürfe bleibt die Sperre aus. Die Regierung wägt zwischen Sicherheitsinteressen und dem laufenden Handelskonflikt ab. Politische Rücksicht verzögert eine Entscheidung, die fachlich offenbar längst gefallen war.
Wenn selbst Washington eine KI-Sperre aus Handelsrücksicht zurückhält, sollten deutsche Firmen ihre Modellauswahl nicht dem Zufall überlassen. Herkunft und Datenfluss gehören in jede Beschaffung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für KI im Mittelstand?

Prüfen Sie bei jedem KI-Modell, wer es betreibt und wohin Daten fließen. Gerade bei günstigen Modellen aus China lohnt ein Blick auf Hosting, Lizenz und mögliche Exportbeschränkungen, bevor Sie es in Prozesse einbinden.
Für europäische Anwender zählt weniger die US-Liste als die eigene Risikobewertung. Ein Modell lässt sich auch lokal oder über europäische Anbieter betreiben, was den Datenabfluss begrenzt. Eine Einordnung der gängigen Systeme bietet der LLM-Ratgeber.
Die DeepSeek-Frage bleibt ein Lehrstück über Abhängigkeiten. Halbleiter, Modelle und Cloud-Dienste hängen an geopolitischen Entscheidungen. Eine zweite Bezugsquelle für kritische KI-Funktionen ist deshalb mehr als Vorsicht.