Soda Music hat den chinesischen Musikmarkt in nur drei Jahren umsortiert. Die App von Douyin-Betreiber ByteDance kam im Juni 2026 auf rund 167 Millionen monatliche Nutzer und zog damit an NetEase Cloud Music vorbei auf Platz drei. Gewachsen ist der Dienst fast ohne eigenen Katalog, allein aus dem Empfehlungsstrom der Kurzvideo-App.

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Für Streaming-Anbieter weltweit steckt darin eine unbequeme Lektion. Ein Nachzügler überholt etablierte Plattformen über die schiere Aufmerksamkeit einer Video-App statt über Lizenzen oder Musikauswahl. Dahinter steckt ein Mechanismus, den auch Spotify und Apple Music kennen sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Soda Music erreichte im Juni 2026 rund 167 Millionen monatliche Nutzer und verdrängte NetEase Cloud Music (rund 147 Millionen) auf Platz drei.
  • 82 Prozent der Nutzer kommen über Douyin; 2025 spielte ByteDance der App täglich mehr als 500 Millionen Empfehlungen zu.
  • Die Nutzerüberschneidung mit QQ Music und NetEase Cloud Music liegt bei nur 2 bis 3 Prozent, Soda Music erschließt also ein neues Publikum.
  • Tencent Music meldet seine Nutzerzahl seit 2026 nicht mehr und rückt stattdessen 127,4 Millionen zahlende Abonnenten in den Vordergrund.

Warum wächst Soda Music so schnell?

Musiknoten strömen aus einer Gratis-Dose zu einem Plattenspieler mit Platten und Kopfhörern
82 Prozent der Soda-Music-Nutzer kommen aus Douyin. ByteDance leitet täglich über 500 Millionen Musikempfehlungen vom Video-Feed in die App

Der Empfehlungsstrom trägt das Wachstum. Rund 82 Prozent der Soda-Music-Nutzer stammen aus Douyin, dem chinesischen TikTok. ByteDance leitete 2025 täglich über 500 Millionen Musikempfehlungen aus dem Video-Feed in die App. Ein Song, der in Kurzvideos viral geht, landet ohne Umweg im Stream. Der Hörer muss nichts mehr suchen.

Der zweite Hebel ist der Preis. Soda Music bleibt bislang kostenlos und finanziert sich über Werbung, während QQ Music und NetEase Cloud Music ihre besten Funktionen hinter Abos legen. Wie konsequent ByteDance seine Reichweite in immer neue Produkte umlenkt, zeigt der Aufstieg des TikTok-Mutterkonzerns.

Warum stellt Tencent Music die Nutzerzahl ein?

Das Muster kennt die Branche aus dem Westen. TikTok Music stellte Ende 2024 den eigenen Streaming-Dienst wieder ein, weil er vor allem bestehende Abonnenten abzog; YouTube Music dagegen wuchs, indem es die Reichweite von YouTube anzapfte. Soda Music folgt dem zweiten Weg, denn die Überschneidung mit den Platzhirschen liegt bei nur 2 bis 3 Prozent und der Dienst holt neue Hörer ins Netz.

Der Marktführer reagiert mit einem Kennzahlenwechsel. Tencent Musics Musik-Nutzerzahl fiel von rund 592 Millionen im Jahr 2023 auf etwa 528 Millionen. Seit dem Jahresbericht 2025 weist der Konzern die Kennzahl gar nicht mehr aus und betont stattdessen 127,4 Millionen zahlende Abonnenten sowie einen Quartalsumsatz von 1,14 Milliarden Euro, ein Plus von 5,8 Prozent.[1] Im Westen ringen Spotify und Apple Music mit derselben Frage. Spotify kennzeichnet inzwischen sogar KI-erzeugte Künstler.

Chinas Musikmarkt kippt: Soda Music überholt NetEase
Douyins Empfehlungsstrom baut in drei Jahren die neue Nummer drei im Streaming.
167 Mio.
Monatliche Nutzer von Soda Music im Juni 2026, Platz drei vor NetEase Cloud Music (147 Mio.)
82 %
Anteil der Soda-Music-Nutzer, der über die Kurzvideo-App Douyin kommt
2 bis 3 %
Nutzerüberschneidung mit QQ Music und NetEase Cloud Music, Soda Music holt also neues Publikum
1,14 Mrd. €
Quartalsumsatz von Tencent Music im zweiten Quartal 2026, ein Plus von 5,8 Prozent
Tencent Musics Musik-Nutzerzahl fiel von rund 592 Millionen (2023) auf etwa 528 Millionen. Seit dem Jahresbericht 2025 weist der Konzern die Kennzahl gar nicht mehr aus und rückt 127,4 Millionen zahlende Abonnenten in den Vordergrund.

Soda Music beweist, dass Douyins Empfehlungsstrom mehr Hörer bindet als der größte Musikkatalog. Für Europas Streaming-Dienste heißt die knappste Ressource damit Reichweite und nicht mehr Repertoire.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für Europas Musikplattformen?

Die Lehre reicht bis nach Europa. Spotify, Apple Music und Deezer konkurrieren mit fast denselben Katalogen, doch der günstigste Zugang zu neuen Hörern liegt bei den Plattformen mit dem größten Feed. Wie ein Streaming-Modell zwischen Abo und Werbung überhaupt Geld verdient, zeigt der Blick auf das Geschäftsmodell Streaming.

Für Aufsicht und Anbieter wird die Bündelung zum Thema. ByteDance und TikTok gelten unter dem EU-Digitalmarktgesetz als Torwächter. Leitet ein Konzern die eigene Video-Reichweite gezielt in einen Musikdienst um, berührt dieser Schritt die Regeln gegen Selbstbevorzugung. Europäische Anbieter sollten ihre Nutzergewinnung auf eigene Empfehlungskanäle stützen, die Vergütung der Künstler bei werbefinanziertem Gratis-Streaming prüfen und den Zugang zum Publikum nicht einer einzelnen Traffic-Plattform überlassen.

FAQ: Soda Music überholt Chinas Streaming-Pioniere

Was ist Soda Music?

Soda Music (汽水音乐) ist der Musik-Streaming-Dienst von ByteDance, dem Betreiber von Douyin und TikTok. Die 2022 gestartete App verbindet Kurzvideo-Empfehlungen mit einem Musikkatalog und erreichte im Juni 2026 rund 167 Millionen monatliche Nutzer, womit sie zur Nummer drei im chinesischen Streaming aufstieg.

Warum wächst Soda Music so schnell?

Soda Music wächst vor allem aus Douyins Reichweite. Rund 82 Prozent der Nutzer kommen über die Kurzvideo-App. ByteDance spielte 2025 täglich über 500 Millionen Musikempfehlungen zu. Zusätzlich ist der Dienst bislang kostenlos und werbefinanziert, während die Konkurrenten ihre besten Funktionen hinter Abos legen.

Hat Soda Music Tencent Music überholt?

Bei den monatlichen Nutzern hat Soda Music NetEase Cloud Music überholt und Platz drei erreicht. Tencent Music bleibt mit seinen Diensten QQ Music, Kugou und Kuwo klar größer, meldet die Nutzerzahl seit 2026 aber nicht mehr und betont stattdessen 127,4 Millionen zahlende Abonnenten.

Was bedeutet der Aufstieg für europäische Musikdienste?

Für Spotify, Apple Music und Deezer zeigt der Fall, dass Reichweite und Empfehlungsalgorithmus wichtiger werden als der reine Katalog. Zugleich stellt sich die Frage der Selbstbevorzugung, denn ByteDance und TikTok gelten unter dem EU-Digitalmarktgesetz als Torwächter, die eigene Reichweite in neue Dienste umleiten.

Quelle

[1] Tencent Music Entertainment Group: „Announces Second Quarter 2026 Unaudited Financial Results“ (11.08.2026)

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