Beim US-Hersteller Oxide kann man vor dem Kauf ein komplettes Rack-System in 3D durchklicken, vom Schrank bis zum einzelnen Prozessor. Hinter der Spielerei steckt ein ernstes Verkaufsargument gegen die großen Cloud-Anbieter.

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Ein ganzes Rechenzentrums-Rack im Browser auseinandernehmen klingt nach Spielerei, dient bei Oxide aber als Verkaufsargument. Der interaktive 3D-Explorer führt vom kompletten Schrank über die einzelnen Compute-Sleds bis zu den Prozessoren. Für IT-Entscheider, die zwischen Public Cloud und eigener Hardware abwägen, macht die Darstellung ein abstraktes Produkt greifbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der 3D-Explorer zeigt das Oxide-Rack mit bis zu 32 Compute-Sleds auf Basis von AMD-EPYC-Prozessoren
  • Jedes Bauteil lässt sich anklicken, samt Status, Spezifikation und Telemetrie
  • Das Rack kommt fertig montiert und ist laut Hersteller in unter zwei Stunden einsatzbereit
  • Die Sleds sind blind gesteckt, ein Einbau gelingt ohne einziges Kabel

Was unterscheidet das Oxide-Rack von einem normalen Server?

Hellblauer Serverschrank mit geöffneter Tür, daneben ein Holzschild „zum Mitnehmen“
Oxide entwickelt Hardware und Software gemeinsam für seine Server-Racks: von der Platine bis zur Cloud-Steuerung mit vollständigem Software-Stack

Der Ansatz heißt Co-Design von Hardware und Software. Oxide entwirft jede Ebene selbst, von der Platine über die Switch-ASIC-Integration bis zur Stromverteilung über eine Gleichstromschiene. Der komplette Software-Stack vom Firmware-Level bis zur Cloud-Steuerebene wird mit dem Rack ausgeliefert, inklusive virtueller Maschinen, elastischem Block-Storage und VPC-Netzwerk über eine REST-API. Ein klassisches Rack zwingt Betreiber dagegen, Server, Switches, Storage und Software getrennt zu beschaffen und über Wochen zu verkabeln.

Das Versprechen zielt auf Unternehmen, die kaufen statt mieten wollen. Ohne VMware-Lizenz und ohne Gebühr pro Prozessorkern entfällt ein Kostenblock, der bei klassischer Virtualisierung dauerhaft anfällt. Die Wartung erfolgt vollständig von der kalten Gangseite aus, defekte Komponenten lassen sich im laufenden Betrieb tauschen.

Oxide verkauft die Hyperscaler-Architektur an alle, die ihre Daten lieber auf eigenem Blech behalten. Der 3D-Explorer ist clever, weil er ein Produkt zeigt, das man sonst nur als Preisliste kennt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Für wen ist das interessant?

Techniker untersucht Server mit Lupe vor weißem Hintergrund
Geschlossenes System für Finanzdienstleister, Gesundheitswesen und Verwaltung erfüllt Anforderungen an Hardware-Verifikation, Air-Gap-Fähigkeit und Datenresidenz sowie DSGVO-Compliance

Die Zielgruppe sitzt in regulierten Branchen. Finanzdienstleister, Gesundheitswesen und Verwaltung mit Anforderungen an Hardware-Verifikation, Air-Gap-Fähigkeit und Datenresidenz finden in dem geschlossenen System eine Antwort auf Compliance-Fragen, die eine US-Cloud nur mit Aufwand erfüllt. Für deutsche Mittelständler mit DSGVO-Pflichten ist die Datensouveränität ein vertrautes Argument.

Wirtschaftlich rechnet sich eigene Infrastruktur erst ab einer gewissen Auslastung. Wer dauerhaft hohe Rechenlast fährt, spart gegenüber laufenden Cloud-Gebühren, während sporadische Nutzer mit der Cloud günstiger bleiben. Die Faustregel ähnelt der bei GPU-Colocation, wo eigene Hardware ab einer bestimmten monatlichen Nutzung wirtschaftlich wird.

Wer die Architektur selbst erkunden will, findet im 3D-Explorer von Oxide jedes Bauteil mit Live-Daten. Den Marktkontext für eigene gegenüber gemieteter Infrastruktur liefert unser Vergleich zu GPU-Servern und Colocation.

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