Eine Katzensteuer kennt Deutschland nicht, in keiner einzigen Gemeinde. 15,7 Millionen Katzen leben steuerfrei im Land, während jeder Hund brav seinen Beitrag an die Kommune überweist. Genau an dieser Lücke beginnt eine Rechnung, die der Ordnungsstaat bisher lieber nicht aufmacht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenNach Ameise, Ratte, Biene, Krähe und Hund tritt in dieser Folge ein Gegner an, den der Staat kaum zu fassen bekommt. Die Katze lebt mitten in der Bundesrepublik, zahlt aber keine Steuer, steht in keinem Register und läuft in Millionen Haushalten frei über die Grundstücksgrenze. Der Hund ist der überregulierte Untertan. Die Katze ist der ungeregelte Freigänger. Dieser Kontrast macht den Vergleich schärfer als jede Vorfolge, weil er nicht zeigt, was ein Tier besser kann als der Staat, sondern wo der Staat gar nicht erst hinschaut.
Das Wichtigste in Kürze
- 15,7 Millionen Katzen leben in Deutschland, mehr als jede andere Heimtierart. Eine Katzensteuer erhebt keine einzige Gemeinde.
- Die Freigängerkatze unterliegt keiner Leinenpflicht, keiner Meldepflicht und keinem Ausweiszwang. Rechtlich ist die Katze der freieste Bewohner der Republik.
- Über Paragraf 13b Tierschutzgesetz dürfen Kommunen eine Kastrationspflicht anordnen. Genutzt hat das bis heute nur ein Teil der rund 11.000 Gemeinden.
- Rund zwei Millionen verwilderte Straßenkatzen leben ohne Halter. Die Zahl ist eine Schätzung, kein gezählter Wert.
1 Wie viele Katzen leben in Deutschland? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
2 Wie viel Katzensteuer nimmt eine deutsche Gemeinde ein? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
3 Wovon hängt ab, ob eine Freigängerkatze kastriert werden muss? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
4 Worüber laufen die meisten Toxoplasmose-Ansteckungen beim Menschen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
5 Wie lautet der Endstand im Vergleich Katze gegen Bundesrepublik? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Wie viele Katzen leben in Deutschland, und was wiegen sie?

Der Bestand ist gut dokumentiert, weil die Heimtierbranche jedes Jahr nachzählen lässt. Der Industrieverband Heimtierbedarf und der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe beziffern die Population für 2025 auf 15,7 Millionen Katzen. Damit führt die Samtpfote das Feld der Heimtiere klar an, vor den zehn Millionen Hunden im Land.
In fast jedem vierten Haushalt lebt mindestens eine Katze. Der Bestand ist in den Corona-Jahren spürbar gewachsen und stagniert seither auf hohem Niveau. Angeschoben haben den Anstieg die Homeoffice-Zeiten, in denen viele Menschen sich ein Tier ins Wohnzimmer geholt haben.
Auf der Waage bleibt die Katze chancenlos. Ein Rechenbeispiel mit offengelegter Annahme: Angenommen, ein Tier wiegt im Schnitt vier Kilogramm, dann kämen 15,7 Millionen Katzen auf grob 63.000 Tonnen. Die 83,5 Millionen Einwohner der Bundesrepublik bringen rund 5,8 Millionen Tonnen auf die Waage, also fast den Faktor hundert.
Verglichen mit den Vorfolgen ist die Sache klar. Beim Ameisenstaat gegen die Bundesrepublik ging die Masse-Frage noch über Billionen Einzeltiere, hier reicht ein Blick auf das Körpergewicht. Die Katze gewinnt auf der Straße, im Wohnzimmer und in der Verkaufsstatistik, nur nicht auf der Waage.
Zwei Zahlen ordnen den Vergleich ein. Die Katze schlägt den Hund bei der Kopfzahl um mehr als die Hälfte, verliert aber jedes Kräftemessen um Gewicht und Fläche. Als Machtfaktor im Wortsinn taugt das Tier nicht, seine Wirkung entfaltet die Samtpfote woanders.
Punkt eins geht an Deutschland, ohne Diskussion. Die Katze ist zahlreicher als der Hund, bleibt in der Biomasse aber ein Leichtgewicht. Spannender wird der Rest, weil dort der Staat ins Spiel kommt, oder eben gerade nicht.
Warum zahlt die Katze keinen Cent Steuer?

Der Hund kostet die Halter jedes Jahr Geld, die Katze nicht. Kommunen nahmen 2024 rund 430 Millionen Euro Hundesteuer ein, ein Rekord, den das Statistische Bundesamt gemeldet hat. Für Katzen steht in keiner Satzung ein Steuersatz, in keiner Gemeinde der Republik.
Rechtlich sitzt die Hundesteuer in derselben Familie wie die Zweitwohnungsteuer oder die Vergnügungsteuer. Besteuert wird nicht das Tier, sondern der Aufwand, den ein Halter sich leistet. Eine Gegenleistung schuldet die Gemeinde dafür nicht, eine Zweckbindung besteht nicht, das Geld fließt in den allgemeinen Haushalt.
Die Erklärung für die Katze liegt in derselben Logik. Bei der frei laufenden Katze fehlt die Zurechnung, weil kein Halter meldepflichtig ist und keine Behörde weiß, welche Katze zu welchem Haushalt gehört. Ohne zurechenbaren Halter greift die Aufwandsteuer ins Leere.
Was ein Hund der Kommune wert ist, zeigt der Blick auf die Sätze. Für den Ersthund verlangen Städte je nach Satzung zwischen wenigen Dutzend und über hundert Euro im Jahr, für gelistete Rassen teils mehrere Hundert. Die Katze steht in derselben Stadt mit null Euro in den Büchern, obwohl im Zweifel mehr Samtpfoten als Hunde durch die Straßen streifen.
Über eine Katzensteuer wird trotzdem seit Jahren geredet, meist von klammen Kommunen. Durchgesetzt hat sie bisher keine. Das Zurechnungsproblem bleibt der harte Kern: Eine reine Wohnungskatze ließe sich vielleicht noch erfassen, die frei laufende schon nicht mehr, und eine Steuer, die nur den ehrlichen Wohnungshalter trifft, wäre offensichtlich schief.
Politisch ist die Steuerfreiheit bequem. Uns überzeugt die Ungleichbehandlung trotzdem nicht: Der Hund zahlt für seine bloße Existenz, die zahlreichere Katze zahlt nichts, und einen sachlichen Grund für diesen Unterschied nennt niemand.
Punkt zwei geht an die Katze. Der Stubentiger ist der einzige Bewohner dieser Reihe, der gefüttert und umsorgt wird und trotzdem keine Abgabe leistet. Ein Trittbrettfahrer im Ordnungsstaat, und zwar ein erfolgreicher.
Wie frei darf eine Katze in Deutschland leben?

Der Hund lebt an der Leine, die Katze lebt frei. Keine bundesweite Leinenpflicht, keine Meldepflicht, kein Pflichtausweis für den Alltag. Nur die Auslandsreise verlangt einen EU-Heimtierausweis mit Chip und Tollwutimpfung.
Ganz ohne Regeln lebt die Katze trotzdem nicht. Das Tierschutzgesetz verlangt eine verhaltensgerechte Unterbringung, und wer mehrere Tiere gewerblich hält oder züchtet, braucht eine Erlaubnis. Für den normalen Freigänger im Reihenhaus greift davon im Alltag jedoch fast nichts.
Der Kontrast zur Hundefolge ist scharf. Der Hund trägt Steuermarke und Haftpflicht, in einigen Ländern zusätzlich Maulkorb und Leinenzwang. Die Katze trägt bestenfalls ein Halsband mit Glöckchen, und das freiwillig.
Auch das Mietrecht zieht der Katze kaum Grenzen. Ein generelles Verbot der Katzenhaltung in der Wohnung halten Gerichte in der Regel für unwirksam, zumindest bei einer einzelnen Wohnungskatze. Der Vermieter muss triftige Gründe vorbringen, der Hund hat an dieser Stelle oft das schwerere Los.
Die Katze passt auch schlecht in jedes Kollektiv. Das Bienenvolk gegen die Bundesrepublik gewann seine Punkte als durchorganisierter Staat mit klarer Arbeitsteilung. Die Katze kennt kein Volk, keine Kaste und keinen gemeinsamen Zweck, jedes Tier verhandelt sein Revier für sich allein.
Beim Hund geisterte lange eine erfundene Gassi-Pflicht durch die Ratgeber. Bei der Katze ist die Rechtslage umgekehrt klar: kaum Pflichten, viel Freiheit. Haben Sie sich schon gefragt, warum ausgerechnet das beliebteste Haustier am wenigsten reguliert wird?
Punkt drei geht an die Katze. Der Staat, der beim Hund jede Leinenlänge kennt, lässt die Katze einfach laufen. Regulierungswut auf der einen Seite, Regulierungsblindheit auf der anderen.
Warum hängt die Kastrationspflicht von der Postleitzahl ab?

Eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen fehlt. Der Bund hat die Verantwortung nach unten durchgereicht. Über Paragraf 13b Tierschutzgesetz dürfen die Länder ihre Kommunen ermächtigen, eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht per Verordnung anzuordnen.
Paderborn hat 2008 als erste Stadt eine solche Verordnung erlassen, viele Kommunen sind gefolgt. Das Muster ist überall ähnlich: Freigänger müssen kastriert, gechipt und registriert werden, damit die Straßenpopulation nicht nachwächst. Ohne diese Pflicht produziert eine einzige unkastrierte Katze über die Jahre einen ganzen Rattenschwanz an Nachkommen, den am Ende das Tierheim auffängt.
Genutzt hat das bis heute nur ein Teil der Gemeinden. Der Deutsche Tierschutzbund führt zwar eine stetig wachsende Liste der Kommunen mit Katzenschutzverordnung, nennt die Umsetzung aber weiter einen Flickenteppich, weil ganze Länder und Großstädte fehlen.
| Regelungsebene | Zuständig | Folge für den Halter |
|---|---|---|
| Steuer | niemand | Katzenhalter zahlen nichts |
| Kastration und Registrierung | Kommune (nach Landesermächtigung) | Pflicht nur örtlich, sonst gar keine Vorgabe |
| Kennzeichnung per Chip | Kommune | Chippflicht nur in Gemeinden mit Verordnung |
| Haltung und Qualzucht | Bund | bundesweite Mindeststandards aus dem Tierschutzgesetz |
Der Effekt gleicht dem Rasselisten-Wirrwarr beim Hund. Dieselbe Katze ist in der einen Gemeinde kastrationspflichtig und zwei Straßen weiter völlig frei. Föderalismus wirkt hier nicht als Vielfalt, sondern als Lotterie nach Postleitzahl.
Der Nutzen einer flächendeckenden Pflicht ist gut belegt. Wo Kommunen konsequent kastrieren und registrieren lassen, sinkt die Zahl der Straßenkatzen über die Jahre messbar. Genau diese Wirkung verschenkt der Bund, solange die Entscheidung bei jeder einzelnen Gemeinde hängt.
Punkt vier geht an die Katze, weil die Bundesrepublik gegen sich selbst antritt. Der Bund verbietet Qualzucht und schreibt Mindeststandards vor, drückt sich aber vor der einen Regel, die das Straßenkatzen-Problem an der Wurzel packen würde.
Wie viele Vögel holt sich die Katze im Jahr?

Die Freigängerkatze ist ein perfekter Jäger, auch bei vollem Napf zu Hause. Naturschutzverbände wie der NABU schätzen, dass Hauskatzen in Deutschland Jahr für Jahr Millionen Vögel und Kleinsäuger töten. Genaue Zahlen kennt niemand, die Schätzungen reichen weit auseinander.
International ist die Debatte längst hitziger. Eine vielzitierte US-Studie rechnete Hauskatzen Milliarden getöteter Vögel und Kleinsäuger pro Jahr zu, mit entsprechend heftiger Gegenwehr aus Halterkreisen. Für Deutschland fehlt eine Erhebung dieser Güte, weshalb jede kursierende Zahl mit Vorsicht zu genießen ist.
Unstrittig ist allein die Richtung. Eine gut genährte Freigängerkatze jagt aus Trieb, nicht aus Hunger, und trifft dabei vor allem bodennah brütende Vögel und junge Nager. Der volle Napf zu Hause ändert daran wenig.
Bei den Bestandszahlen bewegen wir uns auf demselben unsicheren Boden wie bei der Rattenpopulation gegen die Bundesrepublik. Schätzungen gehen von rund zwei Millionen verwilderten Straßenkatzen aus, der Deutsche Tierschutzbund spricht von mehreren Millionen. Gezählt hat diese Tiere niemand. Ein Schätzkorridor ohne festen Grund, auf dem sich schlecht Politik bauen lässt.
Das einzige scharfe Werkzeug des Staates ist das Gewehr. In mehreren Bundesländern dürfen Jäger wildernde Katzen töten, sobald diese sich weit genug vom nächsten Haus entfernt haben. Andere Länder haben diese Erlaubnis eingeschränkt, der Flickenteppich zieht sich also bis ins Jagdrecht.
Wie oft Jäger von der Abschusserlaubnis Gebrauch machen, weiß niemand genau, belastbare Statistiken dazu sind Mangelware. Tierschutzverbände laufen seit Jahren dagegen Sturm und fordern ein bundesweites Verbot des Katzenabschusses. Der Gesetzgeber lässt die Frage weitgehend bei den Ländern liegen.
Uns fällt die Schieflage auf. Der Staat reguliert die Jagd bis ins Detail, mit Jagdschein, Schonzeiten und Abschussplänen, steht der Katzenpopulation in Millionenhöhe aber fast hilflos gegenüber. Das Reh im Wald ist besser verwaltet als der pelzige Jäger auf dem Gartenzaun.
Punkt fünf geht an die Katze. Der unregierbare Jäger schlägt den Ordnungsstaat, weil dieser gegen einen Bestand in Millionenhöhe nur ein Gewehr in der Hand hält, das er kaum benutzt.
15,7 Millionen Katzen und keine einzige Steuermarke: Der Hund finanziert die Kommunen mit 430 Millionen Euro mit, die Katze streift steuerfrei durch dasselbe Land. Für Dr. Web führt das vor, wie dieser Ordnungsstaat tickt: reguliert, was an der Leine läuft, und übersieht, was frei streift.“
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie gefährlich ist die Katze für die öffentliche Gesundheit?

Die Katze bringt ein Gesundheitsthema mit, das größer klingt, als der Alltag hergibt. Als Endwirt von Toxoplasma gondii scheidet die Katze den Erreger aus, der beim Menschen die Toxoplasmose auslöst. Rund die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung trägt Antikörper, meldet das Robert Koch-Institut.
Die Durchseuchung steigt mit dem Alter. Bei jüngeren Erwachsenen liegt der Anteil der Infizierten niedriger, bei älteren deutlich höher, weil sich das Risiko über ein Leben aufsummiert. Ein flächendeckendes Screening in der Schwangerschaft gibt Deutschland bis heute nicht vor, anders als etwa Österreich.
Gefährlich wird eine Erstinfektion vor allem in der Schwangerschaft, weil der Erreger das ungeborene Kind schädigen kann. Die konnatale Toxoplasmose ist seit 2001 meldepflichtig. Der Staat nimmt das Risiko also ernst und erfasst die Fälle.
Die verbreitete Angst zielt trotzdem oft am eigentlichen Risiko vorbei. Die meisten Menschen stecken sich nicht über die Katze an, sondern über rohes oder halbgares Fleisch und über ungewaschenes Gemüse aus belasteter Erde. Das Streicheln der Wohnungskatze steht in der Ursachenkette weit hinten.
Punkt sechs geht an die Bundesrepublik. Der Staat überwacht den Erreger, klärt auf und führt Statistik, während die Katze nur den Wirt spielt. Ähnlich wie beim Hund richtet sich die öffentliche Sorge dabei teils gegen das falsche Ziel.
Was passiert mit den Katzen, die niemand mehr will?

Die Tierheime tragen die Folgen der Steuerfreiheit und der fehlenden Kastrationspflicht. Jeden Sommer schwemmt die Wurfsaison ungezählte Kätzchen in die Heime, die Katzenschwemme ist das Wort der Branche dafür. Unkastrierte Freigänger vermehren sich schneller, als die Häuser aufnehmen können.
Der Deutsche Tierschutzbund spricht von einer existenzbedrohenden Krise. Zwei Drittel der Häuser haben zeitweise einen Aufnahmestopp verhängt, der Investitionsstau summiert sich allein in den Heimen des Verbandes auf rund 160 Millionen Euro. Die Novelle der Gebührenordnung für Tierärzte von 2022 hat die Kosten zusätzlich nach oben getrieben.
Am 21. Mai 2026 hat der Verband die Bundesrepublik vor dem Verwaltungsgericht Köln verklagt, weil der Bundeshaushalt 2026 erneut keinen Euro für Tierheime vorsieht. Der Bund verweist auf die Zuständigkeit von Ländern und Kommunen. Für die Sanierung kommunaler Sportstätten dagegen fließen über die sogenannte Sportmilliarde Bundesmittel direkt.
Der Vorwurf des Verbandes wiegt schwer. Trotz einer Zusage im Koalitionsvertrag habe der Bund auch für 2026 keine Mittel für den praktischen Tierschutz eingeplant und schiebe die Verantwortung konsequent nach unten. Über die Klage entscheidet nun das Verwaltungsgericht, ein Urteil steht noch aus.
Punkt sieben geht an Deutschland, aber ein schmutziger. Der Sozialstaat lässt keinen Menschen mit Aufnahmestopp vor der Tür stehen. Bei der Katze lässt derselbe Staat genau das zu und schiebt die Verantwortung ins Ehrenamt ab.
Was ist die Katze volkswirtschaftlich wert?

Beim Umsatz spielt die Katze ganz vorne mit. Katzenfutter ist mit über 2,3 Milliarden Euro im stationären Handel das umsatzstärkste Futtersegment der Branche, vor jedem Hundeprodukt. Die gesamte Heimtierbranche kam 2025 auf knapp sieben Milliarden Euro.
Die Ökonomin Renate Ohr von der Universität Göttingen beziffert den Wirtschaftsfaktor Heimtierhaltung in ihrer Heimtierstudie 2025 auf rund 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und bis zu 165.000 Arbeitsplätze. Die Katze trägt davon einen erheblichen Teil, allein schon über das Futter.
Der Handel verschiebt sich dabei ins Netz. Ein wachsender Teil des Umsatzes läuft inzwischen online, der stationäre Zoofachhandel spürt den Druck. Beim Zubehör verzeichneten die Verbände zuletzt sogar Rückgänge, während das Futtergeschäft stabil bleibt, weil gefressen wird auch in mageren Zeiten.
Die Preise laufen den Haltern davon. Hunde- und Katzenfutter hat 2024 im Schnitt 35,3 Prozent mehr gekostet als 2020, während die Verbraucherpreise insgesamt nur um 19,3 Prozent gestiegen sind. Die Katze ist damit einer der wenigen Haushaltsposten, der die allgemeine Teuerung fast um das Doppelte überholt hat.
Für die Halter zählt am Ende die eigene Haushaltskasse. Eine Katze über zwölf oder fünfzehn Jahre kostet je nach Gesundheit einen vierstelligen bis fünfstelligen Betrag, Futter, Impfungen, Kastration und der teure Ernstfall beim Tierarzt eingerechnet. Ein steuerfreies Tier ist eben noch lange kein billiges.
Punkt acht geht an die Bundesrepublik. Ein Wirtschaftszweig mit bis zu 165.000 Beschäftigten ist eine Leistung, die kein Tier erbringt. Ehrlich bleibt der Nachsatz: Diese Wertschöpfung entsteht nur, weil Menschen für Katzen zahlen.
Woher kommt der Nachwuchs, und kontrolliert das jemand?

Eine bundesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen fehlt bis heute. Ein Sachkundenachweis vor der Anschaffung ebenso. Der Online-Kittenhandel läuft weitgehend ungebremst, oft mit zu früh abgegebenen und kranken Tieren aus dem Ausland.
Die Aufsicht ist löchrig. Ein Kätzchen aus dem Kofferraum an der Autobahnraststätte hinterlässt keine Spur, die eine Behörde später verfolgen könnte. Tierärzte und Tierschutzvereine sehen die Folgen zuerst, in Gestalt von zu jungen, kranken und schlecht sozialisierten Tieren.
Bei der Zucht wiegt ein anderes Problem schwerer. Qualzucht bringt Katzen mit gefalteten Ohren und Knorpelschäden hervor, Perser mit platten Nasen und Atemnot, kurzbeinige Munchkins. Das Tierschutzgesetz verbietet Qualzucht in Paragraf 11b, der Vollzug bleibt schwach.
Anders als bei den Rabenkrähen gegen die Bundesrepublik, die mit Werkzeuggebrauch und Vorausplanung punkteten, gewinnt die Katze hier nichts durch Klugheit. Die Samtpfote vermehrt sich schlicht, und der Markt sortiert den Rest. Die Nachfrage nach dem flachen Gesicht belohnt der Handel bis heute stärker, als der Gesetzgeber sie bestraft.
Der Gesetzgeber hat das Problem erkannt, aber nicht gelöst. Eine bundesweite Heimtierverordnung mit Kennzeichnungs- und Handelsregeln liegt seit Jahren als Forderung auf dem Tisch, verbindlich beschlossen wurde bislang wenig. Die Lücke bleibt, und der Markt füllt sie nach eigenen Regeln.
Ein Vergleich drängt sich auf, den wir uns nicht verkneifen. Für die Zulassung eines Kleinwagens verlangt Deutschland eine Typgenehmigung, einen Prüftermin und einen Versicherungsnachweis. Für ein Lebewesen mit zwölf Jahren Lebenserwartung genügen ein Klick und eine Überweisung. Diese Disziplin endet unentschieden, weil beide Seiten verlieren.
Wie fällt die Bilanz aus?

Die Katze gewinnt vier Disziplinen, die Bundesrepublik vier, eine endet unentschieden. Der Zwischenstand entspricht damit genau dem Muster der Vorfolgen, aus einem neuen Grund.
| # | Disziplin | Sieger |
|---|---|---|
| 1 | Bevölkerung und Biomasse | Bundesrepublik |
| 2 | Steuer und Gegenleistung | Katze |
| 3 | Regulierungsdichte | Katze |
| 4 | Kastrationspflicht und Föderalismus | Katze |
| 5 | Ökologie und Vogelschutz | Katze |
| 6 | Öffentliche Gesundheit | Bundesrepublik |
| 7 | Umgang mit den Abgeschobenen | Bundesrepublik |
| 8 | Wirtschaftskraft | Bundesrepublik |
| 9 | Herkunft des Nachwuchses | unentschieden |
| Endstand | 4 : 4 : 1 |
Das Muster hat sich gedreht. Der Hund holte seine Punkte dort, wo der Staat gegen die eigenen Widersprüche verlor. Die Katze holt ihre Punkte dort, wo der Staat gar nicht erst antritt, bei Steuer, Regulierung, Kastration und Vogelschutz.
Beim Hund war der Fehler die Regulierungswut, bei der Katze ist der Fehler die Regulierungsblindheit. Wie der überregulierte Gegenpart aussieht, führt die Folge Hundesteuer gegen Bundesrepublik im Detail vor: Steuermarke, Leinenzwang, Rasseliste. Derselbe Staat, zwei entgegengesetzte Arten zu versagen.
Vier Siege durch Abwesenheit des Staates sind kein Sieg der Katze, sondern ein Befund über das Gemeinwesen. Ein Staat, der beim Hund jede Leinenminute regelt und die zahlreichere Katze steuerfrei, meldefrei und kastrationsfrei laufen lässt, hat kein Katzenproblem. Der hat eine blinde Stelle.
Und für Sie als Halter bleibt der eine Punkt, der in keiner Tabelle steht: Die Katze schnurrt weiter, ganz gleich, was der Staat regelt oder eben nicht.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Katzensteuer und Katzenhaltung

Aufwandsteuer
Aufwandsteuer heißt eine Steuer auf die besondere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die jemand mit einem freiwilligen Aufwand über den normalen Lebensbedarf hinaus zeigt. Die Hundesteuer gehört dazu, ebenso die Zweitwohnungsteuer. Der zurechenbare Halter fehlt bei der frei laufenden Katze, deshalb greift dieses Modell bei der Katze nicht.
Endwirt
Endwirt nennt die Biologie den Organismus, in dem sich ein Parasit geschlechtlich vermehrt. Bei Toxoplasma gondii ist die Katze der Endwirt und scheidet die infektiösen Stadien mit dem Kot aus. Der Mensch ist nur Zwischenwirt und spielt für die Weitergabe kaum eine Rolle.
EU-Heimtierausweis
EU-Heimtierausweis heißt das Dokument, das eine Katze für Reisen innerhalb der Europäischen Union braucht. Der Ausweis belegt die Identität über einen Mikrochip und die gültige Tollwutimpfung. Im rein innerdeutschen Alltag verlangt keine Behörde das Papier, wichtig wird das Dokument erst an der Grenze.
Freigängerkatze
Freigängerkatze heißt eine Katze, die nach Belieben ins Freie darf und dort ein eigenes Revier durchstreift. Anders als die reine Wohnungskatze jagt der Freigänger, trifft Artgenossen und vermehrt sich unkontrolliert, sofern niemand kastriert. Genau diese Gruppe steht im Zentrum fast aller Regelungsfragen rund um die Katze.
Gebührenordnung für Tierärzte (GOT)
Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) heißt die staatlich festgelegte Preisliste für tierärztliche Leistungen. Die Novelle von 2022 hat viele Sätze deutlich angehoben. Für Tierheime bedeutet das höhere Kosten pro Tier, was die ohnehin angespannte Finanzlage der Häuser weiter verschärft hat.
Kastrationspflicht
Kastrationspflicht heißt die Vorgabe, Freigängerkatzen unfruchtbar machen zu lassen, damit die Straßenpopulation nicht nachwächst. In Deutschland gilt diese Pflicht nicht bundesweit, sondern nur dort, wo eine Kommune sie per Katzenschutzverordnung angeordnet hat. Der Flickenteppich ist eine Folge des Föderalismus.
Katzenschutzverordnung
Katzenschutzverordnung heißt die kommunale Rechtsverordnung, die für frei laufende Katzen eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht festlegt. Rechtsgrundlage ist Paragraf 13b Tierschutzgesetz. Paderborn hat 2008 als erste Stadt eine solche Verordnung erlassen, bundesweit nutzt bislang nur ein Teil der Gemeinden dieses Werkzeug.
Paragraf 13b Tierschutzgesetz
Paragraf 13b Tierschutzgesetz ermächtigt die Bundesländer, ihren Kommunen den Erlass von Katzenschutzverordnungen zu erlauben. Die Vorschrift ist der rechtliche Hebel gegen das Elend der Straßenkatzen. Der Bund hat die Verantwortung damit an Länder und Gemeinden delegiert, statt eine einheitliche Regel zu schaffen.
Qualzucht
Qualzucht heißt die Zucht auf Merkmale, die dem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Bei Katzen betrifft das etwa gefaltete Ohren mit Knorpelschäden, platte Nasen mit Atemnot oder extreme Kurzbeinigkeit. Paragraf 11b Tierschutzgesetz verbietet Qualzucht, der Vollzug bleibt in der Praxis lückenhaft.
Sachkundenachweis
Sachkundenachweis heißt der Beleg, dass ein Halter das nötige Wissen für die Haltung eines Tieres mitbringt. Bei manchen Hunden schreibt der Gesetzgeber ihn vor. Für die Anschaffung einer Katze verlangt in Deutschland niemand einen solchen Nachweis, unabhängig von Erfahrung oder Vorkenntnissen.
Straßenkatze
Straßenkatze heißt eine verwilderte Hauskatze, die ohne festen Halter im Freien lebt und sich dort vermehrt. Schätzungen gehen von rund zwei Millionen Tieren aus, eine gezählte Zahl liegt nicht vor. Krankheit, Hunger und ungebremste Vermehrung prägen das Leben dieser Population.
Toxoplasmose
Toxoplasmose heißt die Infektion mit dem Parasiten Toxoplasma gondii. Für gesunde Erwachsene verläuft die Infektion meist harmlos. Gefährlich wird eine Erstinfektion in der Schwangerschaft, weil der Erreger das ungeborene Kind schädigen kann. Die konnatale Form ist in Deutschland seit 2001 meldepflichtig.
FAQ: Katzen gegen Bundesrepublik: 15,7 Millionen ohne Steuer, ohne Register

Zahlt man in Deutschland Katzensteuer?
Nein. Keine einzige Gemeinde erhebt eine Katzensteuer, während der Hund die Kommunen bundesweit rund 430 Millionen Euro im Jahr einbringt. Der Grund liegt im Steuerrecht: Die Hundesteuer ist eine Aufwandsteuer und setzt einen zurechenbaren Halter voraus, der bei der frei laufenden Katze schlicht fehlt.
Muss ich meine Katze kastrieren und registrieren lassen?
Das hängt vom Wohnort ab. Eine Kastrationspflicht gilt nur in Kommunen mit eigener Katzenschutzverordnung, und die hat bislang nur ein Teil der rund 11.000 Gemeinden erlassen. Sobald eine solche Verordnung greift, müssen Freigänger kastriert, gechipt und registriert werden.
Wie gefährlich ist die Katze für Schwangere?
Das Risiko ist real, wird aber oft überschätzt. Eine Erstinfektion mit Toxoplasmose kann in der Schwangerschaft das ungeborene Kind schädigen. Die meisten Ansteckungen laufen jedoch über rohes Fleisch und ungewaschenes Gemüse, nicht über die Wohnungskatze. Gute Küchenhygiene senkt das Risiko deutlich.
Wie viele Vögel töten Katzen in Deutschland?
Eine belastbare Zahl liegt nicht vor. Naturschutzverbände wie der NABU schätzen die getöteten Vögel und Kleinsäuger auf Millionen pro Jahr, internationale Studien reichen sogar in die Milliarden. Sicher ist nur die Richtung: Auch die satte Freigängerkatze jagt aus Trieb.
Dürfen Jäger frei laufende Katzen töten?
In mehreren Bundesländern ja, sofern sich das Tier weit genug vom nächsten Haus entfernt hat. Andere Länder haben diese Erlaubnis eingeschränkt. Der Katzenabschuss ist rechtlich umstritten, Tierschutzverbände fordern seit Jahren ein bundesweites Verbot.
Warum sind die Tierheime so voll mit Katzen?
Weil die unkontrollierte Vermehrung unkastrierter Freigänger jeden Sommer eine Katzenschwemme auslöst. Zuletzt haben zwei Drittel der Heime zeitweise einen Aufnahmestopp verhängt, der Investitionsstau liegt bei rund 160 Millionen Euro. Höhere Tierarztkosten seit der GOT-Novelle 2022 verschärfen die Lage zusätzlich.
Quellen

Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) / Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) | Der deutsche Heimtiermarkt 2025 | https://www.zzf.de/marktdaten/heimtiere-in-deutschland | besucht am 15.07.2026
Statistisches Bundesamt (Destatis) | Erneut Rekordeinnahmen: 430 Millionen Euro aus Hundesteuer im Jahr 2024 | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_N055_73_61.html | besucht am 15.07.2026
Deutscher Tierschutzbund | Deutscher Tierschutzbund verklagt Bundesrepublik | https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/deutscher-tierschutzbund-verklagt-bundesrepublik/ | besucht am 15.07.2026
Deutscher Tierschutzbund | Bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen rechtlich möglich | https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/bundesweite-kastrationspflicht-fuer-freigaengerkatzen-rechtlich-moeglich/ | besucht am 15.07.2026
NABU (Naturschutzbund Deutschland) | Hauskatzen und Vogelschutz | https://www.nabu.de | besucht am 15.07.2026
Robert Koch-Institut (RKI) | Toxoplasmose: Ratgeber und Meldepflicht | https://www.rki.de | besucht am 15.07.2026
Renate Ohr, Universität Göttingen / IVH | Heimtierstudie 2025: Update und Trends zur wirtschaftlichen Bedeutung der Heimtierhaltung | https://www.zzf.de/fileadmin/ZZF/Dokumente/Heimtiermarkt/Heimtierstudie_2025_Ohr_final.pdf | besucht am 15.07.2026
Bundesministerium der Justiz | Tierschutzgesetz, Paragrafen 11b und 13b | https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg | besucht am 15.07.2026