Das HTML Review erscheint einmal im Jahr und lässt sich nicht ausdrucken. Ausgabe 05 versammelt 15 Arbeiten, die Cursor, Scrollen und Hyperlink als Material begreifen. Für Websites im DACH-Raum steckt darin eine unbequeme Frage nach dem eigenen Handwerk.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas HTML Review nennt sich ein Jahresmagazin für Literatur, die im Browser existiert, und meint das wörtlich. Sobald jemand eine seiner Arbeiten auf Papier bringt, verliert sie genau das, was sie ausmacht. Damit rührt das Projekt an eine Debatte, die längst auch kommerzielle Websites betrifft.
Das Wichtigste in Kürze
- Das HTML Review ist ein jährliches Literaturmagazin, dessen Arbeiten nur im Browser funktionieren. Ausgabe 05 zählt 15 Beiträge.
- Die Herausgeber Shelby Wilson und Maxwell Neely-Cohen prüfen jeden Beitrag über Text, Gestaltung und Code zugleich.
- Autorinnen und Autoren erhalten 500 US-Dollar je Arbeit und behalten sämtliche Rechte.
- Der Ansatz trifft den wunden Punkt einer Web-Landschaft, in der viele Oberflächen zusehends gleich aussehen.
Was ist das HTML Review?

Das HTML Review ist ein seit 2022 jährlich erscheinendes Magazin für Literatur, die eigens für den Browser gebaut wird. Ausgabe 05 vom Frühjahr 2026 versammelt 15 Arbeiten, vom interaktiven Gedicht bis zum spielbaren Web-Stück.[1]
Die Herausgeber Shelby Wilson und Maxwell Neely-Cohen starteten es 2022 als Experiment für befreundete Netzkünstler. Heute berichten die New York Times und das MIT Technology Review darüber. Jeder Beitrag durchläuft ein Lektorat aus Text, Gestaltung und Code zugleich.[2]
Warum ist das Web ein eigenes Medium?
Das Web wird zum Medium, weil Scrollen, Cursor, Viewport und Hyperlink selbst Bedeutung tragen. Ein PDF friert die Seite ein, eine Web-Arbeit verändert sich mit jeder Bewegung der Maus und lässt sich nirgendwo sonst zeigen.
In Stücken wie „Cursor Park“ wird die Maus zur Figur statt zum Zeigegerät. Solche Mittel nutzt sonst kaum eine Website aus, seit generische KI-Oberflächen und fertige Baukästen die immer gleiche Optik ausspielen. Handgeschriebenes HTML steht daneben wie ein bewusster Gegenentwurf.
Das HTML Review verkauft kein Werkzeug, sondern eine Haltung: Die eigene Website ist ein Medium, kein Formular in einem fremden Baukasten. Genau dieser Unterschied entscheidet, ob eine Marke im KI-Einheitslook verschwindet oder auffällt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ein Lektorat aus drei Ebenen
Was heißt das für Websites im DACH-Raum?
Für Unternehmen im DACH-Raum zählt weniger das einzelne Kunststück als das Prinzip: Eine selbst gestaltete, selbst gehostete Website bleibt unterscheidbar und unabhängig, während Plattform-Feeds und generierte Layouts austauschbar werden.
Daraus folgen konkrete Schritte. Die eigene Website verdient dieselbe Sorgfalt wie ein Produkt, nicht die eines Kanals neben dem Instagram-Feed. Offene, selbst gehostete Werkzeuge geben Kontrolle zurück und ein bewusst schlankes Frontend hält die Seite schnell und unverwechselbar.
Das HTML Review liefert kein Tool zum Nachbauen, sondern einen Maßstab. Ein kurzer Test hilft: Trägt die eigene Startseite eine Handschrift, oder käme sie auch aus dem nächsten Generator?
Quellen
[1] The HTML Review: Ausgabe 05 (Frühjahr 2026)
[2] The HTML Review: Über das Magazin (Herausgeber, Ablauf, Honorar)
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